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Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen
1871
Freitag den 10. März
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Die Gegner des neuen österreichischen Ministeriums Hohenwart werden sich nicht länger darüber beklagen können, baß es mit der von ihm angekündigten Action zu lange hinter dem-Berge halte. Das Cabinet scheint ihrem Spott bulv ein Enve machen und mit der Action wirklich beginnen zu wollen. Augenblicklich brsinden sich sämmtliche Statthalter und LandeSpräsibenten oder deren. Vertreter, vom Grafen Hohenwart berufen, in Wien. Zugleich sind Czechen-Conferenzen >m Zuge. Die Führer der czechischen Partei, Rieger, Sladkowsky, Skrejschowsky aus Böhmen, Prazak und Wurm aus Mähren, sind als vom Ministerium erbotene Unterhändler in Wien eingetroffen und werden über die Vorlagen und Projekte
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Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
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>J In den deutsch-österreichischen Provinzen hatten die Sympathien für den Sieg der deutschen Waffen zu dem Beschluß einer allgemeinln Sieges, und Fne- densseier geführt; die österreichische Regierung hat jedoch diese Festlichkeiten verboten und sich dabei hinter die Neutralität versteckt, mit welcher derartige Demonstrationen nicht vereinbar seien. Augenscheinlich hat daS Verbot aber einen ganz anderen Grund: die österreichische Regierung fühlte sehr wohl, daß daS Fest hauptsächlich eine Anregung und Verstärkung des deutschen NationalbewußtseinS sein würde, und gerade daS fürchtet sie am allermeisten. Die Deutschen in Oesterreich können sich darüber leicht trösten, denn die plumpe Maßnahme des czechischen Ministeriums wird jedenfalls die entgegengesetzte Wirkung herbeisühren.
Eine große Anzahl angeseh«ner Berliner Männer, namhafte Vertreter aller Confessionen, wird dem Kaiser bald nach seiner Rückkehr eine Petition überreichen, in welcher des Kaisers Majestät gebeten wird, bewirken zu wollen, daß die Wiedererrichtung des deutschen Reiches alljährlich durch ein allgemeines deutsches Volks- urd Kirchenfest gefeiert werde. . r ,
Der „N. Fr. Pr." wird aus Berlin telegraphirt: Unter Leitung des Hauses Rothschild, dessen Londoner, Wiener und Frankfurter Chefs zu diesem Zwecke sich in Paris versammelt haben, wird versucht, die Mittel herbeizuschaffen, um noch im März die erste Milliarde der französischen Kriegsentschädigung an Deutschland theils baar, theils in Securitäten zu erlegen. Zugleich wird von französischer Sette darüber mit Bismarck in Brüssel verhandelt werden, für die übrigen vier Milliarden Depots zu geben, um die Räumung des französischen Gebiets zu
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Die Erörterung der Friedensbedingungen in den englischen Wochenblättern stimmt, was das allgemeine Ergebniß der Bcurtheilung anbetrifft, vollständig mit dem überein, was die Tagesblätter schon ohne Ausnahme gesagt, daß nämlich die Bedingungen äußerst hart für die Uebcrwundenen feien. Zn Bezug aus die Sieger ist ebenfalls das Verdict der Mehrheit gleichlautend dahin gerichtet, daß dieselben das Maß überschritten hätten. Am unbefangenen urtheilt die Saturday Review, die nach einer klaren Darstellung des Sachverhaltes folgendermaßen fort- führt: „Wenn wir unsere Ansicht-über Di' F.iedsnsbedmgungcn als Unbeteiligt« abgeben, die einen Streifen See von 20 Meilen als Schutzwehr besitzen, sehr wenig Gefahr von Frankreich her zu befürchten haben und daher ohne große Sorge für ihre Sicherheit an die höchsten Interessen der Menschheit denken dürfen, so können wir nur wünschen, die Deutschen hätten eine in der Geschichte ohne Beispiel dastehende Großmuth geübt und sich entschlossen, vielleicht Straßburg ausgenommen, kein französisches Gebiet an sich zu nehmen, um es dann auf die Folgen ankommen zu lassen. Sie würden allerdings auch dann nicht, wie uns scheint, viel Aussicht gehabt haben, „Feindseligkelt durch Großmuth zu entwaffnen". Die Franzosen würden, wenn wir nach der ganzen französischen Geschichte bis ins letzte Jahr hinein urtheilen dürfen, so bald wieder gegen sie zu Feld gezogen fein, als sie geglaubt hätten, das mit Aussicht auf Erfolg thun zu können. Deutschland würde für seine Großmuth gelitten haben, allein eine Großmuth, die Gefahren mit in Anschlag bringt, ist die höchste und edelste Tugend bei Völkern. Die Welt würde eine bessere Welt gewesen sein, wenn Deutschland im Vertrauen auf seine Stärke iS verschmäht-hätte, neue Sicherheiten für seine Ruhe zu nehmen. Die Deutschen indessen, in ihrem Abscheu vor den Schrecknissen des Krieges und in ihrer Gereiztheit wegen der steten Unruhe und Angriffslust der Franzosen, konnten sich nicht dazu bringen, ein so großes Opfer zu leisten. Wie die Dinge heute liegen, schnaubt jeder Franzose nach Rache, indessen bei allen Drohungen und allem Gerede wird es sich dock Herausstellen, daß Frankreich sich zweimal besinnen dürste, ebe es e'.mn neuen Kampf unter soviel ungünstigeren Verhältnissen veranlaßt. Zn demselben Geiste, in welchem die Deutschen auf dem Besitze von Metz bestanden, haben sic auch die höchste Kriegsentschädigung gefordert, Oie Frankreich überhaupt aufzubringen im Srande war. Die Bedingungen sowohl in Beziehung auf Gebietsabtretung, wie auf Kriegsentschädigung, sind erbarmungslos. Es kam Dabei nur eine Frage in Betracht, nämlich, was der letzte Heller sei, den man Frankreich ausprcffen könnte. Die Deutschen lieben natürlich das Geld feiner fekjt willen, und keine Nation auf der Erde ist besser geeignet, ein derartiges Geschenk Des Zufalles von 200,000,000 L. auSzunützcn, allein der leitende Hauptgedanke bei Forderung dieser Summe war, wie wir anzunehmen geneigt sind, nid)t die Zvee, einen solchen Preis in die Tasche zu stecken, sondern eine weitere Garantie des Friedens darin zu sinden. Eine sehr schwer besteuerte Nation schrecktödt Dem Gedanken an Krieg zurück, und Frankreich wird während der nächsten 25 Zahrc im Verbältniß zu seinen Hülssguellen und seiner Bevölkerung sehr schwer besteuert sein. Mit der Zeit wird Friede und Gewerbefleiß die Bürde der erhöhten Besteuerung für Frankreich ebenso leicht machen, als es die bestehende Schuld vor einem Jahre war. Indessen das muß nothwendig Zeit erfordern, und mittlerweile wird Frankr-ich bei Gefahr des nationalen BankerottS gehalten sein, Deutschland gegenüber ruhig zu bleiben, während Deutschland mit den erhaltenen 200 Millionen seine Verluste wieder einbringen und bereichert durch die Industrie und den Handel des Elsasses Darauf zählen kann, in dem Wettkampfe an der Spitze zu bleiben und einen künftigen Krieg mit einem gesunderen Finanzsystem und festerem Crcdlt zu beginnen, als Frankreich hoffen darf."
Wahrend die Frage über das zukünftige Asyl des Papstes vielfach oentilnt wird, denkt man im Vatikan gar nicht Daran, Rom zu verlassen. Der rbmifd*
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B e k a u n t m a ch u n g.
Die Lauvlversammlung dec Mathildeu-Sliftunq der Provinz Oberhessen wird den Statuten gemäß ? Dicnstnq den 14. I. M., Nachmittags 2 Uhr, auf dem Regierungsgebäude dahier stallfiiideu und laden wir zu recht zahlreicher Lethe,ltgung ein.
Gießen, den 8. März 1871. Für den Vorstand:
p Schuster.
9. März. sollen. Als Vorläufer Der Action kann auch die Confiscation Der Sonntags-
Es m mehrfach Die Frage angeregt worDen, ob Die freiwillig in Den Mili- nummer Der „Neuen Fr. Presse" betrachtet werden; wahrscheinlich hatte Diefet tarDicnft^etntr^tenDen rieten” au$ a lö zum Kriege einberufen zu betrachten Blatt Durch ferne Mahnung an Das A geordnetenhauS, Ne Bewilligung Der Re- unD shnen resp. ihren Familien auch die Bemfizien Des Gesetzes vom 27. Februar crulenaushebunq zum Druck auf das M'msterium zu .enatzeo, jene Maßregel ver- 1850 zugute zu rechnen seien. Durch eine aus dem Ministerium deS Innern ergangene Verfügung ist nun festgestellt worden, daß im Sinne des erwähnten Gesetzes auch die freiwillig eintretenDen Mannschaften als zum Kriege ein berufen anzusehen seien, Da Die Freiwilligkeit nur in Der Meldung, D. h. in Dem Erbieten jum Eintritt in Den Dienst bestehe, Die Entscheidung Der MilitärbehörDe über Die Annahme aber Der Einberufung gleich zu achten sei.
In diplomatischen Kreisen wird erzählt, Gras Bismarck habe die bestimmte Absicht ausgesprochen, aus Der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung nicht bloö Die Der Rhederei Durch Die Wegnahme Der Schiffe nebst Lavung erwach- senen Verluste zu decken, sondern auch Die auS Frankreich vertriebenen Deutschen schadlos zu halten. (Post.) „ ,
Bei Dem BundeSoberhandelsgericht zu Leipzig hat sich der Geschaftsumfang so erheblich erweitert, Daß Die Anstellung von sechs neuen Rathsstellen erforDerlich glworDen ist. Zn Aussicht genommen ist Die Berufung von vier Zunsten aus Bayern, von je einem aus Baden und Württemberg.
Die in Den FrieDenSpräliminarien getroffene finanzielle Stipulation, Daß Frankreich für Die 3 Milliarden, Deren Zahlung verschoben worden, 5 pEt. Zinsen an Verzugszinsen vom RatificationStage an zahlt, fordert von Frankreich täglich 109,589 Thaler an Verzugszinsen. Nimmt man Dazu, Daß Frankreich überdies die OccupationStruppen in Der Stärke von 50,000 Mann auf feine Kosten zu erholten hat, so Darf man wohl annehmen, Daß Dajftlbe feinen Pflichten sehr balD


