werden wird, wenn die Unklugbeit de- Herrn v. Bismarck nicht rasch durch ihn selbst wieder flut gemacht wird." Die Sympathien der Bonapartisten hat dem- nach Herr v. Bismarck verscherzt; er wird sich darüber zu trösten wissen. In derselben Nummer fährt die „Situation" wülhend über die Orleans her.
Kriegsnachrichten.
Saarbrücken, 5. Febr. Aus Versailles vom 3. ds. wird berichtet: Die frühere Versailler Zeitung ,[/Union liberale et dömocratique“ erscheint während der Wahlbewegung wieder. Sie spricht sich in ihrer ersten Nummer für unbedingte Beibehaltung der Republik und auf bas Heftigste gegen Napoleons Wiedereinsetzung aus. Seitens der deutschen Behörde findet keinerlei Censur statt.
Ein Mehltransport ist bereits nach Paris hineinbefördert.
Man wird in Versailles voraussichtlich nur so viel Pariser hineinlaffen, als die Stadt vor dem Kriege Einwohner gehabt hat.
Der Erbprinz von Dessau ist von hier abgereist.
Bordeaux, 5. Febr. Die Journale „France" und „Francais" sprechen sich mit grotzer Entschiedenheit gegen die von Gambetta in Betreff der Ausführung de- WahldecretS erlassenen Matzregeln aus.
Nach einer Mittheilung des preußischen KriegSministerlumS fallen von je 1000 Stück rc. der bisher int deutsch-französischen Kriege gemachten Kriegsbeute 769 auf den norddeutschen Bund, 130 auf Bayern, 48 auf Württemberg, 38 auf Baden und 15 aus Hessen.
Pontarlier, 4. Febr. Der Telegraph hat wohl bereits gemeldet, das Dijon jetzt wieder von dem General Hann v. Weyhern mit der 8. Brigade (pommerische Regimenter Nr. 21 und 61) besetzt worben ist. Der alte Garibaldi hat sich noch rechtzeitig der Umzingelung durch unsere Truppen, die schon auf das Beste eingeleitet war, entzogen, Dijon schnell geräumt und ist mit seinen Scharen, die noch etwa 20- bis 22,000 Mann betragen sollen, hinter die Demarkationslinie zurück- gegangen. Es ist dies eigentlich recht gut, denn was hätten wir mit einigen Tausend gefangenen Garibaldianern wohl noch beginnen sollen? Wissen wir doch ohnehin hier nicht, wo wir die zahlreichen Gefangenen in dem total auSgesogenen Lande, wo die Zufuhren sehr schwierig sind, ernähren sollen. Dijon, bas nun bereits zum dritten Male von deutschen Truppen besetzt wurde, soll ganz entsetzlich auSsehen und Noth und Elend daselbst den höchsten Grab erreicht haben. Es sind überhaupt wahrhaft schreckliche Zustände Hierselbst. Jetzt sind außer einigen halb verhungerten und zersprengten Scharen, die Departements des Jura und der Cote d'Or vollständig von den Franzosen befreit und der Waffenstillstand tritt auch hier ein. Die Capitulation von Belfort wird sicherlich in wenigen Tagen, jetzt, wo jede Aussicht auf Entsatz geschwunden ist, erfolgen. Wenn doch erst der Frieden da wäre!
Der Commandant von Belfort, dem durch den General von Manteuffel Kenntniß von dem Schicksal gegeben wurde, welches die französische Ostarmee nunmehr vollständig ereilte, verweigerte die Uebergabe der Festung von Neuem, wie das von seiner energischen Vertheidigung zu erwarten war, und so wirb der unglücklichen Stadt das Letzte nicht erspart bleiben, da die schweren Belagerungsgeschütze, die zum Theil bei den Kämpfen des Werder'schen Corps den Franzosen tn den VertheidiguugSlinien gegenüber standen, nun ihrer ursprünglichen Ausgabe zurückgegeben, das Feuer auf die Festung von Neuem eröffnet Haden. — Der Uebergang der Bourbaki'schen Armee über die schweizer Grenze wirb als vollcnbct «-»**»•* *..v vit ^Vlyttverangen, welche nach Ulio nach vorüber
eintreffen, sind trostlose. Noch immer wird aber angenommen werden können, daß nicht die ganze Ostarmee ihren Uebertritt bewerkstelligt hat, sondern baß außer den Detachements, welche nach Süden entkommen sind und die nicht allzu groß gewesen sein werden, noch andere sich in Besan^on hineingeworfen haben. — Wie aus Baden gemeldet wird, soll diese Festung jetzt ebenfalls cernirt sein. Das Hauptquartier des Generals v. Werder befindet sich zur Zeit in Rongemont, zwischen Lure und Baume les Dames, während General v. Glümer mit der badischen Division das seine in St. Vit, südlich von Besan^on an der Straße nach Dole, aufgeschlagen hatte. — Wle es immer deutlicher heraustritt, unterstellt man es bereits in der Schweiz — so wird dem „Frk. I." aus Baden geschrieben — einer ernstlichen Berathung, unter den Trümmern der gefangenen Armee eine Ausscheidung vorzunehmen und Diejenigen, deren Untüchtigkeit zu einem ferneren Widerstande außer allem Zweifel steht, ohne Waffen über Genf nach Frankreich zu schicken. Es ist dies für die Schweiz ein sehr gefährliches Experiment. Dieselben „Untüchtigen" waren tüchtig befunden worden, einen Bestandtheil der Ostarmee zu bilden, die sehr Großes vorhatte; dieselben „Untüchtigen", nach Frankreich zurückgekehrt, könnten morgen von dem Genie Gambetta's zum Material für neue Heere, mit deren Bildung er umgeht, verwendet werden. Der neutralen Schweiz kann eine solche Ausscheidung nicht zustehen, und wir zweifeln, daß Deutschland ein solches Beginnen ruhig geschehen lassen würde.
Heber den Zustand, in welchem die französische Ostarmee die schweizer Grenze überschritt, wird dem „Schw. M." aus dem Canton Neuenburg vom 2. Februar geschrieben:
Die Verfassung, in welcher die Armee Bourbaki's, jetzt vom General Clin- chant befehligt, sich befindet und die schon lebhaft an die Beschreibungen des Rückzugs aus Rußland erinnert, ist noch schrecklicher geworden dadurch, baß diese Armee am Waffenstillstand nicht Theil nimmt. Sie war gestern concentrirt an unserer westlichen Grenze in der Umgegend von Pontarlier, nach der Aussage von Augenzeugen in einem Zustande, der der Beschreibung spottet. In Pontarlier zehrte die große Masse von Menschen ohne Vorkehrungen schnell die Lebensmittel auf; die internationale Gesellschaft mußte einen Hilfszug organisiren. Das Schauspiel, welches diese Stadt bot, war schrecklich. Alle Häuser waren bis unter das Dach angefüüt mit ermatteten, kranken und ausgehungerten Soldaten, die Trottoire vollgepfropft von Kranken, die im Schnee lagen. Fügen Sie hinzu eine Panik, eine entsetzliche Angst vor den Preußen, so können Sle sich eine Vorstellung machen von der berühmten Armee des Ostens. So steht's an unserer Grenze! Wir hofften noch der Invasion der Franzosen zu entgehen. Es wirb nicht so sein. Unsere Hoffnung ist uns gestern entschwunden. Ein großer Zug von Verwundeten und Kranken kam auf unseren Bahnhof, nachdem er ein paar Stunden zuvor angezeigt war. Die Bewohner waren zuvorgekommen und drängten sich in Menge herbei, um die Mitglieder der internationalen Gesellschaft zu unterstützen. Jede Familie sorgte für warmes Mittagessen, Kaffee und andere Stärkungen. Die Aerzte waren auf dem Platze, um die Ankommenden zu untersuchen und diejenigen, welche mit den Pocken behaftet waren, abzusondern. Auf diesen Zug folgte ein , anderer, dann wieder ein anderer, angefüüt mit jungen Leuten, die alle möglichen j Krankheiten hatten; Schwindsucht, Fieber, Dyssenterie, Pocken. Von solchen Fein
den wurden diese Truppen mehr als von den Deutschen decimirt. Endlich fam heute Mittag die Meldung des Generals Herzog, 80,000 Franzosen haben die Grenze überschritten, indem sie ihre Waffen niederlegen, bevor sie in den verschiedenen Städten der Schweiz internirt werben. Die ersten Franzosen wollten sich den Eintritt in unser Land erzwingen. Die Patrouille, welche sie dort aushalten wollte, wurde verwundet mit einem Revolver, und die Dinge hätten eine ernstere Wendung genommen, wenn sich nicht höhere schweizerische und französische Offiziere ins Mittel gelegt hätten. Letztere sahen ein, baß sie sich im Fall dcS Wiverstanve- zwischen ben Truppen der Schweiz und den Deutschen befänden, und zogen vor, die Waffen zu strecken. Diesen Abend meldet man uns 10,000 Mann, ungerechnet die Kranken, deren Zahl 1500 beträgt, welche wir zu logiren haben, bis man sie besser expediren kann. Ich sehe die Möglichkeit nicht ein, wo auch nur zeitweise ein Obdach plötzlich für alle diese Leute zu finden sein werde. Diese armen Franzosen erregen das Mitleid, man hilft ihnen von ganzem Herzen, aber man kann nicht vergessen, baß vor 6 Monaten jeder von ihnen dem Kriege zustimmte. Es ist ihr Fehler, wenn wir sie jetzt auf dem Hals haben. Man würde gern den Verwundeten und Kranken helfen, aber überschwemmt zu werden von 80,000 Mann, von denen viele einen keineswegs beruhigenden Anblick gewähren, ist eine schwere Last für die Schweiz. Möge es der Himmel verhüten, baß uns unsere unfrei- willigen Gäste nicht bei der Abreise schlimme Seuchen als Andenken zurücklassen!
Telegraphische Depeschen.
4- Wien, 8. Febr. Die Prinzessin Leopoldine von Loburg ist gestern gestorben. — Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an ben Justizminister, worin der Kaiser eine vollständige Amnestie für politische Vergehen und Preßvergehen bis inclusive 7. Februar ausspricht.
4- Bordeaux, 7. Febr. Die Demission Gambetta's ist angenommen. Arago wurde mittels eines Regierungs-Decrets vom 6. Februar zum Minister des Innern ernannt. Ein anderes Decrct überträgt Arago interimistisch das Kriegs-Ministerium. Der Präfect der G-ronde erließ eine Proklamation, worin er die Bevölkerung ermahnt, den guten Ruf der Versammlungen und den Charakter der öffentlichen Kundgebungen nicht compromittiren zu lassen durch Leute, die in Bordeaux und auch bei der demokratischen Partei völlig unbekannt und daher verdächtig seien. Der Präfect empfiehlt der Bevölkerung aus den Wahlen Vortheil für die Republik zu ziehen. Ganz besonders müßte man den Leuten mißtrauen, die von einem doch unmöglichen WohlfahrtS-AuSschusse sprechen. Cr6mieux traf auf der Reise nach Paris in Vierzon mit den Pariser Regierungs-Mitgliedern zusammen, welche nach Bordeaux reisten, setzte daher seine Reise nicht fort, sondern kehrte mit seinen College» nach Bordeaux zurück. Die Pariser Regierung-- Mitglieder hatten Paris den 4. Februar verlassen. Die Stadt war ruhig; die Proviantzüge fingen an einzutreffen.
△ Bordeaux, 7. Febr. Aus Algerien wird eine insurrectionelle Bewegung, welche in der Provinz Constantine ausgebrochen fei, signalisirt. Nähere Details fehlen noch.
△ Havre, 7. Febr. In Rouen sind 16 Wahlcandidaten aufgetreten. Die Preußen mischen sich nicht in die Wahlangelegenheiten.
A Brüssel, 8. Febr. Das „Echo du Parlament" sagt: „Ein bewertend* werther Wechsel ist in der Lage Frankreichs vorgegangen. Indem die Pariser Regierung das Wahldecret Gambetta's annullirte, hat dieser seine Demission ge- geven. '-Die Erfolglosigkeit der in Bordeaux stattgefundenen Manifestation, deren Zweck es war, einen Wohlfahrtsausschuß zu constituiren, ist nicht ohne Einfluß auf diese Entschließung gewesen. Der öffentliche Geist in Frankreich ist vollständig zu Gunsten des Friedens gestimmt, und in Deutschland betrachtet man ihn, nach allen uns zugehenden Mittheilungen, als gesichert."
A London, 7. Febr. Der „Daily Telegraph" enthält ein Telegramm aus Versailles, wonach die Belagerungsarmee am 20. dS. tn Paris einrücken werde, ob als Freunde oder Eroberer, werde von der Haltung des Parlaments in Bordeaux abhängen. Im ersteren Falle würde ein bloßer Durchmarsch durch den Arc de Triomphe und die Rue de Rivoli stattfinden.
4- London, 7. Febr. Drei Kriegsschiffe verladen in'Woolwich 2000 Tom nen Lebensmittel, hauptsächlich gesalzenes Rindfleisch und conservirtes Fleisch für Paris. 24 Oefen fertigen Tag und Nacht Biskuits für Paris an.
4- London, 8. Febr. Die Königin ist in Windsor eingetroffen. Die gestrige Sitzung der Conferenz dauerte von 1 Uhr Mittags bis 6y3 Uhr. Der Termin der nächsten Sitzung ist unbestimmt. Die „Times" erfährt, daß diefelbt möglicherweise schon heute stattfinden dürste. Die „Morning Post" bestätigt, daß innerhalb der Conferenz volle Einigung besteht und eine friedliche Verständigung zweifellos ist. Die Morgenblätter drücken ihre lebhafte Befriedigung über den Rücktritt Gambetta's, sowie die Hoffnung auf einen baldigen Frieden aus.
Officielle militärische Nachrichten.
Versailles, 9. Febr. Die Haute-Perche unt> Basse- Perche vor Belfort wurden am 8. diesseits in Besitz genommen.
Die Abgabe der Geschütze und Waffen der Armee von Paris hat am 7. begonnen.
v. Podbielsky.
Bourogne, 8. Febr. Die in Felsen erbauten detachirten Forts Haute-Perche und Basse-Perche heute genommen, wozu die Laufgräben theilweis im Felsen gesprengt werden mußten, da sie bei dem jetzigen Thauwetter unter Wasser standen.
v. Tres cko w.
Unsere Leser haben im Jnseratentheil den Prospekt und Tilgung-Plan der durch da- Hau- von Erlanger tn Frankfurt contrahirten 3 o/o Oldenburg. Eisenbahn-Prämien-Anlehen gesehen. Dieselbe beträgt fl. 4,800,000. — und ist in AppointS von Thlr. 40. — eingetheilt. Der CourS ist in Anbetracht, daß 4 o/o Oldenburger nie unter 91 o/o standen, billig zu nennen und würden wir uns nicht erstaunen, bei der jetzt allgemeinen Beliebtheit der Norddeutschen LtaatSpapier« denselben rasch sich beben zu sehen. Der Plan ist durchgängig mit schönen Prämien auSgestattet und dürfte die Emission einen günstigen Erfolg haben, umsomehr da, wenn der im Reichstag zu erwartende Gesetzvorschlag angenommen wird — diese Prämienanleihe die letzte sein würde, deren Emission in Deutschland erlaubt ist.
Der Prospekt gewährt den Zeichnern angenehme Facilitäten, indem er die Einzahlungen bis zum Februar 1872 auSvehnt, und die nicht volleinbezahlten Loose dennoch an den Ziehungen vom 1. Mai und 1. Nov. a. c. Theil zu nehmen berechtigt sind.


