ganz entzückt. Diese übernahmen gestern (29. Dec.) den Dienst Morgens 8 Uhr! und wurden um 5 Uhr von ersteren abgelöst. General Trochu, der gestern einen Theil des Tages im Fort von RoSny zubrachte, soll ganz bezaubert von den Artilleristen der Nationalgarde sein und konnte sein Staunen nicht verbergen, Abvocaten, Journalisten und Handelsgehülfen in so kurzer Zeil in Elitesoldaten umgewandelt zu sehen, welche wie alte Troupiers im Feuer standen. Die Bewohner von Rueil und Nanterre haben Weisung erhalten, sich nach Paris zu flüchten, um den preußischen Kugeln nicht ausgesetzt zu sein, da der Angriff auf den Mont Valerien bevorsteht." Um die Aufregung über die Räumung des Mont Avron zu mäßigen, hat Trochu den Parisern verschwiegen, daß demnächst eine Action Statt finden solle, die Situation sei keineswegs bedenklich, nur geringe Schwierigkeiten seien vorhanden. Am 29. ließ Trochu eine starke Portion sedentärer Nationalgarde (so genannt zum Unterschiede von den Mobilen) constgniren, während die ganze Artillerie-Legion von Paris nach den Forts verlegt wurde. Zugleich wurde im osficiellen Journal vom General Noel bekannt gemacht, „duß die Preußen mehr und mehr von allen Arten (de toutes sortes) von Krankheiten heimgesucht wurden" , damit die Pariser wissen, „daß sie nicht allein an Kälte und den anderen menschenmorderischen Jncidenzen des Krieges Inden".
Der Pariser Korrespondent des „Globe" schreibt unterm 29. December: „Die Räumung von Avron wird von unseren Chefs als das unglücklichste Er- eigniß, das uns befallen konnte, betrachtet, und von der jetzt untröstlichen Bevölkerung als das Vorspiel einer Capitulation. Die Regierung scheint derselben Ansicht zu sein, denn „Le TempS", das officielle Journal des Herrn Ferry, des Maires von Paris, und Herrn Charles Ferry, des Direktors im Ministerium des Innern, sagt uns: „Daß die Regierung im Falle einer schließlichen Katastrophe den Entschluß gefaßt hat, entweder zu resigniren, oder sich in eines unserer Forts zurückzuziehen, entschlossen, sich niemals der Demüthigung, eine Kapitulation zu unterzeichnen, zu unterwerfen." Diese Mittheilung hat nicht allein unter der großen Menge, sondern in der Presse im Allgemeinen ein Zorngefühl verursacht. Einer der Redacteure sagt: „Ob die Regierung Die Kapitulation von Paris unter- zeichnet oder nicht, so muß sie die Verantwortlichkeit tragen, nicht allein als eine selbsterwählte Regierung für die Nationalvertheidigung, sondern weil sie eine Ordnung der Dinge proclamirt, die den allgemeinen Gefühlen der Bevölkerung widerstrebt. Die Regierung wird und muß auf ihrem Posten bleiben, und wenn wir sterben, müssen die Mitglieder dieser Regierung mit uns sterben." Ein anderes Blatt sagt: „Die Abandonnirung von Paris in der höchsten Stunde der Gefahr Seitens der Regierung wäre ein Act unvergleichlicher Feigheit und wahren 23er- rathes. Ihre Bewegungen werden überwacht. Das Volk wird ihren Mitgliedern nimmer gestatken, von dem Posten, den sie so kühn usurpirt zu desertiren." Das Publikum ist in solch hohem Grade unzufrieden, daß Jules Favre, Jules Ferry und deren Consorten „Le Gouvernement des unprövoyants“ genannt werden, und General Trochu, sein Stad und die anderen Mllitärbehörben werden von der Armee öffentlich „Le Gouvernement imprudent* betitelt. General Trochu ist unfähig, als Commandeur-en-ekef zu sungiren; General Schmitz, der Ches des Generalstabcs, besitzt durchaus gar keine militärische Kenntnisse, und die Mitglieder unserer Regierung können sich nicht über die mindesten Maßnahmen verständigen, und sind in so viele Fractionen getheilt, als es Mitglieder dieser Regierung giebt."
Die ersten Briefe aus Madrid über das Attentat gegen Prim liegen ifltter dem Datum des 28. December der „Times" vor. Es geht daraus hervor, daß um 7 Uhr, nach der Sitzung der Cortes, Prim mit seinen Adjutanten Naudin und Morja in den Wagen stieg und durch die Calle Turcos bis zur Calle Alcala gelangte, wo der Wagen, wie es schien zufällig, durch zwei Droschken aufgehalten wurde. Augenblicklich stiegen jedoch aus diesen Fuhrwerken mehrere Männer aus, welche rechts und links in den Wagen des Generals hineinfeuerten und sich dann aus dem Staube machten. Der Kutscher fuhr indessen eine der Droschken über den Haufen und in zwei Minuten langte man am Kriegsministerium an. Prim stieg kaltblütig die Treppe hinauf, wobei er sich mit der verwundeten Hand auf das Treppengeländer stützte und allenthalben Blutspuren zurückließ, und erklärte ruhig seiner Gattin, er sei leicht verwundet. Bei der Berathung, die von den zusammenströmenden Staatsmännern unter Vorsitz des Regenten sofort gehalten wurde, richteten sich aller Augen auf Topete, als die Frage aufgeworfen wurde, wer Plim einstweilen ersetzen solle. Topete zögerte namentlich mit Rücksicht aus die in der Woche vorher eingenommene Position, doch erklärte er schließlich im Interesse des Gemeinwohls, sich dem Ratye seiner Gesinnungsgenossen in Betreff der Ansprüche des Herzogs von Montpensier unterwerfen zu wollen; als Rios Rosas erklärte, er halte dafür, daß es geboten fei, der allgemeinen Stimme zu folgen, ließ er sich bewegen, nachzugeöen.
Kriegsnachrichten.
Unter Leitung des Hauptmanns Vincenz von der 3. Ingenieur - Jnspection ist am 29. December von Kiel ein Torpedo-Detachement, bestehend aus 50 Pionieren und 30 Matrosen, zur Belagerungs-Armee vor Paris abgegangen.
Ricctotti Garibaldi pat folgendes Schreiben an den preußischen Kommandanten in Chätillon gerichtet:
An den Herrn Kommandanten der preußischen Streitkräfte in Khutillon. Man setzt mich in Kennrniß, dsß Sie die Bewohner der Stadt Chütillon mit Repressalien wegen des Angriffs der „FranctireurS" vom 19. bedrohen. Ich weiß nicht, daß je ein durch die Tapferkeit eines regelmäßigen Corps errungener Sieg zu solchen Maßregeln ermächtigen konnte. Ein für alle Mal, führen Sie doch in der Folge Krieg auf loyale Weise und nicht wie Vandalen, die nur von Plünderung träumen. Drohung für Drohung, und wenn Sie die Infamie haben, Ihre gehässigen Projekte auszuführen, so gebe ich Ihnen die Versicherung, daß ich keinen der zweihundert Preußen, die Sie in meinen Händen wissen, schonen werde. Der Oberst R. Garibaldi.
Der preußische Kommandant antwortete einfach, daß er, Da sich die Bewohner von Khatillon an seinem (Ricciotti's) Handstreich beteiligt, sie nach Kriegsrecht behandeln werden, und daß er die Drohung, die gemachten preußischen Gefangenen umzubringen, nicht für ernsthaft halten könne, da der Oberst R. Garibaldi wissen müsse, daß er für jeden preußischen Kriegsgefangenen, Den man umbringe, zwanzig und noch mehr erschießen lassen könne.
Karlsruhe, 2. Jan. Dem „Schw. M." wird von hier geschrieben: „Man glaubt, daß auch in Baden die Ersatzreserve der letzten 2 oder 3 Jahrgänge ein* berufen werde. Eine Ordre aber ist in dieser Beziehung noch nicht erschienen. — Die Wunde des Prinzen Wilhelm ist nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft und
die Nachtruhe häufig unmöglich. — Die durchkommenden Truppen haben viel von der Kälte zu leiden, und es herrschte gestern sogar einige Aufregung in den bürgerlichen Kreisen, weil die Leute in die Stadt kamen, um sich Essen zu verschaffen. Das gab man ihnen sehr gern, Jeder nahm einen Landwehrmann oder mehrere mit sich oder beschenkte ihn. Aber man fragte sich doch, ob das dem Zufalle und der Mildthätigkeit überlassen werden sollte. Unseres Wissens ist im Allgemeinen die Verpflegung Der durchpassirenden Truppen durch die KriegSverwaltung an- geordnet."
Bordeaux, 4. Jan. Die Truppen des Großherzogs von Mecklenburg, die ohne das Corps von Der Tann's auf 77,000 Mann geschätzt werden, fahren in ihren Koncentrirungen fort.
Die in dem Ersten Blatt Der Kölnischen Zeitung vom 12. December v. I. aufgenommene und auch in unserem Blatte wiedergegkbenc Nachricht aus der Krefelder Zeitung, wonach zufolge eines Feldpostbriefes eines Krefelders aus Sens vom 30. November v. I. zu Ossage in der Nähe von Sens in der Nacht 26 Mann des pommerfchen Füsilier-Regiments Nr. 34 „die Halse abgeschnitten worden seien", hat natürlich Familien-Angehörige des besagten Regiments in nicht geringe Unruhe versetzt. Eckundigungen, welche darüber an kompetenter Stelle, und zwar beim Stabe des Regiments selbst, eingezogen worden sind, besagen, daß bis jetzt noch niemals Der Fuß eines Soldaten Des 34. Regiments den Ort Ossage betreten habe, auch an keinem anderen Orte eine Derartige That an einem 34er verübt worden sei.
Friedberg. Die am 31. Dec. bei Bonny verwunDeten Offenere: Oberlieutenant Haupt unD Lieutenant Schaeg vom II. Infanterie-Regiment sind in Diesem Kriege bereits zum zweitenmale blessirt worDen und zwar das erstemal bei Rezonville (18. August), wobei Letzterer schwer. — Der in Demselben Gefecht geblichene Hauptmann G. Weber galt allgemein als ein eben so liebenswürdiger wie tüchtiger Osficier, und wird fein Verlust auch bei Allen, die ihn naher kannten, schmerzlichst empfunden. Derselbe gehörte als Oberlieutknant unserem 1. Jäger-Bataillon an und war nach Dem AuSmarsche desselben als Kommandeur der Ersatz-Compagnie dahier zurückgeblieben. Durch sein Avancement zum Hauptmann in das II. Infanterie-Regiment versetzt, ging Weber erst Mitte Oktober zur Division in das Feld ab. (O. A.)
Kaiserslautern. 460 französische Gefangene aus den Kämpfen bei Amiens passirten in der Neujahrsnacht unseren Bahnhof. Auf der langen Reise haben die Unglücklichen schrecklich gelitten, mehrere von Dem Transporte sollen unterwegs erfroren sein. Viele von ihnen hatten erfrorene Glieder. Der Anblick war ein mitleiderregender und Jedermann beeiferte sich, den Unglücklichen, die auf Dem Bahnhofe gespeist wurden, beizuspringen.
Telegraphische Depeschen.
A Frankfurt, 7. Jan. Der diesjährige Frühjahrspferdemarkt wird stattfinden und sind Die Vorbereitungen hierzu getroffen. DaS Bedürfniß nach Pferden ist in vielen Kreisen sehr dringend und liegt Allee so, daß unter allen Umständen der Markt ein guter werden muß.
A Frankfurt, 7. Jan. Die Frankfurter Zeitung vernimmt aus guter Quelle, daß von Seiten des hiesigen Magistrats schon vor Neujahr eine Adresse an König Wilbelm nach Versailles abgejchickt worden ist, worin Der Monarch bezüglich feiner Wahl zum Kaiser des deutschen Reichs beglückwünscht wird. Zugleich ist darin auch Die Bitte ausgesprochen, daß Frankfurt wegen seiner Vergangenheit das erste.Anrecht habe, auch zur Krönungsstadt Der neuen Kaiser erhoben zu werden.
+ Karlsruhe, 6. Januar. Die „Karlsr. Ztg." veröffentlicht durch Extra, blatt folgendes Telegramm: Vefoul, 5. Jan. Der Feind steht 40,000 Mann stark bei Rioz (an Der Straße von Vefoul nach Befan^on). Bis Vellefaux (nördlich von Rioz) vorgeschobene RecognoScirungSabtheilungen des Feindes wurden mit 1% Brigaden, 2 Batterien und 1 Escadron siegreich zurückgeworfen. Verlust des Feindes unbekannt. 1 Offizier, 34 unverwundete Gefangene in unfern Händen. Diesseitiger Verlust unbedeutend. v. Glu em er.
A Brüssel, 8. Jan. Die „Jndepend." meldet aus Lyon vom 4. Jan.: „Aus gut unterrichteter Quelle erfahren wir, daß die Armee von Lyon auf Dem Marsch nach Belfort ist; ebenso macht Bourbaki von Revers aus eine Bewegung, um sich mit Der Ostarmee bei Montbelliard zu vereinigen. In zwei bis drei Tagen soll sein Hauptquartier in Dijon sein. Zufolge des zwischen Gambetta und Bourbaki verabredeten Plans wird letzterer, nachdem er die Vogesen vom Feinde befreit, auf Nancy marschiren, um der deutschen Armee vor Paris ihre Operationsbasis abzuschneiden. Wirft sich ihm, wie es wahrscheinlich, Prinz Friedrich Karl entgegen, Der schon in ParforSmärschen gegen Dijon eilen soll, so steht Khancy an Der Loire nur Großherzog von Mecklenburg gegenüber. Derselbe Dürfte vielleicht Manteuffel zu Hülfe eilen, wodurch Dann Der Nordarmee Gelegenheit gegeben fein wird, einen drohenden Vorstoß gegen Paris zu machen. Dies sind die Kombinationen, welche sich aus Dem neuen Kriegsplan folgen lassen. — Die Division von Lyon wird von Dem jungen General De Breffolles com- mandirt.
A Brüssel, 8. Jan. Das „Echo Du Parlament" meldet: „Die Stadt Mäziöres ist durch das Bombardement zu Dreiviertheilen zerstört worden.
A Bordeaux. (Regierungsmittheilung.) Paris, 3. Januar, Abends. Die Preußen bewerfen unsere Ostforts täglich mit 4000 Granatkugeln ohne ernsten Schaven zuzufügen, ta wir die Schäden Nachts repariren. Seit 27. Dec. haben wir 20 Todte und 200 Blefstrte. Das Amtsblatt Dom 2. Januar faßt: Regierung und Bevölkerung perhorresciren Die Kapitulation. Witterung milder. Die Gefammtpresse drängt zur Offensive.
A Bordeaux, 7. Jan. Nach einer Mittheilung Der Regierung ist Die Armee des General Khancy jetzt 200,000 Mann stark. Ihre Artillerie bat zu- nächst mehrere Male in Den letzten Tagen Angriffe auf die Avantgarden des Feindes gemacht, Die jedoch zurückgewiesen wurden
A Lille, 7. Jan. Die „Jndep." meldet von Dort: Die Nordarmee ruht sich von ihren Märschen aus und nimmt Stellung von Adinfert bis St. Leger, mit dem Hauptquartier in Boilleux, ein. Die deutschen Kriegsgefangenen werde» nach der Insel Ol6ron gebracht. — Der Pra'fect des Norddepartements Legrand, beabsichtigt, feine Demission zu nehmen.


