Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen
Ne. 131
Freitag den 9. Juni
1871
in die Hände.
waren,
Preis dtdeljityrtft 1 ft 13 fr. mit Gringerlohn- Durch die Poft yrzogen vierteljährig « n. 37 h.
Nichtkombattanten noch diejenigen Offiziere, Aerzte, Beamten und Mannschaften der Armeen und der Marine, \ e ~ ~ "
Eisrnbahnbeamten, endlich die Johanniter- und Maltheser-R'tter und das Personal der freiwilligen Krankenpflege.
' <taid)dnt tua-iid), mu du»- nabmc
(fopebthon : Canzlerverp Lit. B. Är. 1
BeKeSuNge» auf -em Gi«»euer AuzeislF« ","L"UKK^ LLSL'L
Monnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abhoken lassen, erhalten denselben für den Mon- Juni zu 20 fr.
8. Juni.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht da« Statut »er Stiftung einer denkmiinze für die Feldzüge 1870/71. Die Krieg«denkmünze erhalten: diejenigen Offiziere, Militärärzte, Beamten und Mannschaften der deutschen Armeen, welche in dem jetzt beendeten Kriege an einem Gefecht oder an einer Belagerung theilgenommen, oter welche zu kriegerischen Zwecken ror dem 2. März d. I. die Grenze Frankreich« überschritten haben; b. alle diejenigen Offiziere, Aerzte, Be- amten und Mannschaften der Manne, welche in dem Kriege an einem Gefecht theilgenommen haben, sowie die Offiziere, Aerzte, Beamten und Mannschaften, welche vom 11. Deeember v. I. bi« 2. März d. I. zur Besatzung S. M. Schiff „Augusta" gehörten. Die Kriegtdenkmünze besteht an« Beonee eroberter franp- lisch" Geschütze, bei Nichtkombattanten au« Stahl, und zeigt auf der Vorderseite een kaiserlichen Namen«,ug mit der Krone, darunter bei Kombattanten die Jn- schrtft „Dem fiegreichen Heere", bei Nichtk-mbattauten Cie Inschrift „Für Pflicht- treue im Kriege", bei beiden umgeben.von der Devise „Gott war mit un«, Ihm fei die Ehre". Die Rückseite zeigt ein Kreuz mit Strahlen zwischen den »ter Slrmen und auf dessen Mittetschilde, um welche« sich bei Kombattanten ein Lorbeer-
Die preußische Bank hat nunmehr den definitiven Beschluß gefaßt, ihre Wirk- famfeit auch auf Elsaß und Lothringen auszudehnen und in Straßburg, Mühlhausen und Metz Eommanditen mit den ausgedehntesten Befugnissen zu begründen. Der Bankpräfident v. Dechenv wird sich der „B. B." zufolge in den nächsten Tagen an Ort und Stelle begeben, um die erforderliche Organisation in allen Etnzelnheiten zum Abschluß zu bringen.
Nachdem jetzt endlich Pari« aufgehört hat, der Schauplatz von Greuelthaten zu sein, welche man im neunzehnten Jahrhundert für unmöglich hielt, wendet sich da« politische Interesse wieder mehr ber innern Neugestaltung Frankreich» zu. Die erste Frage, welche un« hierbei entgegentritt, ist wohl die, welcher Regierung e« Vorbehalten sein wird, die so tief gebeugte Nation wieder aufzurichten und dem französischen Volk die ihm gebührende Stellung in Europa wieder zu verschaffen. Wenn zur Beantwortung dieser Frage die Auslassungen der gewichtigsten Iran-, zbsischcn Zeitungen, welche nicht im Interesse dieser ober jener Partei arbeiten, foncern da« Wohl da« Vaterlandes tm Auge haben, genügen, so dürste dieselbe ßU®Cr er $un|iig für die jetzt in Frankreich herrschende Regierungsform ausfalleu.
Flkltich wird der jungen Republik das Leben recht schwer gemacht werden, denn neben den Umtrieben der legitimistischen Fusionisten und der Clericalen wagen sich letzt auch d,e bonapartistischen Jntriguen in Versaille« immer dreister hervor. Selbst beim Marschall Mae Mahon sind von bonapartistischer Seite Schritte ge- than worden, damit dieser für die Interessen de« Kaiserreich« thätig sei, dem er, i teie man bet ihm geltend machen wollte, doch so Vieles zu verdanken habe. Mae ■ Mahon soll jedoch erwidert haben, er sei Soldat und kein Politiker, stehe nicht i tm Dunste der Parteien, sondern im Dienste Frankreich«, da« heute durch die!
a,„6, =, - • 'a'rC au« Par-, $»„ 4. Juni gemeldet: „Eine
große Ai zahl von Hinrtwtungen hat in Versaille« statrgefaneen."
'"Solche medirinische Zeitschrift erwähnt, daß man beim Anfänge der deutschen Belagerung die Wetnvorralhe -n Pari« genau abgcschatzt und am Schlüsse n</neht/n/ln»nf.6kUrltl^inlllltd,fn mvn‘ltH*tn verbrauch von acht Millionen Gallonen berechnet haoe. Unter der Herrschaft der Commune war der Weinverbrauch nemtnTn ®9nn^rrUntl eürf|c wohl die Theorie von einer allgemeinen
Q " zur Erklärung der in Paris geschehenen wahnwitzigen Thaten
boerfiu||tg machen.
Die Nachrichten von der Hungersnoth in Persien sind entsetzenerregend. Wie man dem „Levant. Herold» au« Sabri« vom 30. April schreibt, hat die Dürre de« vorigen Jahre« am schlimmsten die südlichen und mittlenn Provinzen heim- 9i ■ ln t,n Straßen der Hauptstadt st-rden die Armen zu Hunderten:
aber in Khorosan ist es so weit gekommen, daß die Eltern ibre Kinder den Turk- „ ,b‘e Sclaverei verkaufen, um sie nur vor dem Tode zu retten, und tn Jilpahan soll man Leute angetroffen haben, wie sie Leichen auSgruben, um sie ai« Nahrung ihren verschmachtenden Familien zu bringen. In Schiras, Iesd und Krnran suchen sieb die Bewohner kümmerlich von Gras unv Wurzeln zu ernähren, VnOI£ <f®a ^en Feldern finden. Die unheilvolle Nachzüglerin, die Pest, M ®tr Hungersnoth rasch auf dem Fuße; und wenn beide ausgewüthet haben, wird die Bevölkerung des Königreichs furchtbar zufammengeschmolzen fein.
Frankfurt n. M., 7. Juni. Betreffs unserer gestrigen Mittheilung über Cie bter tagende viploin. tische Conferenz ist zu berichtigen, daß Graf Hermann v. Arinm nicht von dem Grafen v. Wartensleben, sondern von seinem Vetter, me ^ienge ver Parteien, sondern im Dienste Frankreich«, da« heute durch dieiLo'ibar «u^r »» J evpu,it’n4fecrctÄ!L beülcittt «0- Legationsrath
Nationalversammlung und die Exeeutivgewalt rechtsailtia vertreten fei öh.nfo h ,be tcn Haupteonserenzen das Friedensinstrumeut verfaßt und
fnti L vertreten sei. Ebenso ndgult.g reHgirt haben soll, ist, wie wir vernehmen, bei den gegenwärtigen Eon.
^"uzen nicht anwesend. Die Vertreter de« deutschen Reich« sind diesmal im „Cnglifchen Hof" abgestiegen. Bisher hatten täglich Conferenzen stattgefunden, die jedesmal den Vormittag um 11 Uhr ihren Anfang nahmen. Möglicherweise kann sich dte Dauer der Zusammenkunft noch bi« zur nächsten Woche hinziehen. c _ , (Franks.Journ.)
Kkilncheii, 5. Juni. Dem Privatbriefe eines Offiziers vom 1. bayerischen Brweecorps aus Fontenay vom 29. Mai entnimmt der „Nürnb. Kur." Folgen- de«: „Seit gestern ist endlich Ruhe; die letzte Woche war fürchterlich: täglich die größten Brände und Explostoneii, Tag und Nacht der. furchtbarste Kanonendonner. In Vincennes verlangten sie unser Einrück-n. Unsere Truppen rückten di« an die HauptumWallung vor; die Vineenner riefen: Vivcnt les Prussiens, g bas les gardes nulionaux! Die Frauenzimmer warfen unfern Truppen Kußhände zu und winkten thit den Tüchern. Ein Bataillon vom 13 Regiment, ein Bataillon vom 4. Regiment, da« 4. Jägerbataillon und eine Batterie rückten in Vineeuiie« ein flUr« war natürlich glücklich, daß nufere Truppen kamen, weil eine halbe Stunde darauf die Pariser Nationalgarde da« ganze Nest angezündet hätte."
1 Berlin, 6. Juni. Deutscher Reichstag. Die heutige 50. Plenarsitzung ffWKYiÄ »W Ä.W.Ä roste
yV.,., Ifft"' Bo6 di- Armee sie vor den mordbirauschten Gewalthabern der Commune- r Krieg,-! vande gereitet hatte. Aber diese Stimmung ist rasch umgeschlaaen und -war 'Brme"r!° O^onun'-" rtcmcfralifd>tn Vierteln, sondern auch in tenfenig'en , wo die laZnä ä m ^ ^r'e: ,n^'CCrrt 80ttoieflt Man findet, daß mit etwa« mehr perfö elaqerung ch m Muth ,e Soldaten rascher mit den Insurgenten hätten fertig werben
, . mrf ' weIct>fmein so furchtbare« Bombardement natürlich nicht nöthig ■ ‘,lnC L„ un0 stellt unliebsame Vergleichungen zwischen rett deutschen Feinden
munifl 2 flTb ?»fnr M ton s 'bst, daß die Eom-
: besti-Mchen « J Langer zu Nutze gemacht hatten und von den
J Versailler, namentlich Der päpstlichen Zuaven, den Pa-
«-■erunn tih "»^'uerliche Dinge vorschwatzten, al« die Organe Der »origen Re- verunn über d'e Deutschen zusammenlogen.
,, „ ^' Droll Der Versailler selbst gegen Pa.i« ist nicht im Abnehmen, und wenn
die de« ff,“' # 9'0arrO l° »'üß"n noch runde 50,000 Insurgenten,
die dem Kriegsgerichte entwischt^ind noch immer al« eine Gefahr zu betrachten ur.u uuf argen luenreijajuDe, um welche« llch bei Rombattanten ein Lorbeer- großen Pioceffes^d s Jt>eportirt werden. In Betreff de« kranz, bei Nichtkombattanten ein Eichenkranz schlingt, die Jahre«zahlen 1870 und Dir übereilte etfefci>6nni .T rr ^^^ksam gemacht, daß man durch 1871. Getragen wird Die Denkmünze von Kombattanten am schwarzen, «--/unwöaUch aemL. ^ » erschwert, wenn nicht
geränderten, von einem rothen Streifen durchzogenen, von Nichtkombatianten aca über vollständia« Pick,« 2^"-"ction genauer zu »erfolgen und
wkißeu, schwarz geränderten und von einem rothen Streifen durchzogenen Bande. Pari« -nm ©d-Jh nd Jn, * I S R“6 C,t Son,mune tic batte,, -Außer den oben genannten Berechtigten erhallen die Kri-g-denkmünze für FL unzw2 s °o/ ft "fg-funden.n Arten-
Nichttombattanten noch vfeieniaen Offiziere, Aerzte, Beamten und Mannschaften Bonapart-sten sich sta! rübre/!nd ü. 6‘nUfl e.°Jlie?en' Ue
welche in d'r Zeit vom 16. Juli v. I bi« 2 fß(- h-re.«' -r; - rc ".Unt 6 ead)c tel 4Lclt(m nccb Rl4t für Hoffnung«.
März d. I. nundesten« 14 Tage (nicht 44 Tage wie das Frkf. Journal meldet) LJ Pari« LbeitdÄJu 5 hr National.Lers.mmlung
'm artisetI"Dicnst in Der Heimafch oder an Bord eine« K>ieg«iahr,euge« that.j blindlings
!°°"n,.°-- i» Frankrei» verwandten Hof- und Civil-Staats- und die Privat- große Lab? »XiXLJ,
Wenig soll der Marschall sich geneigt zeigen, der Sache der monarchischen Fusion oder Den Annzen des Hauses Orleans im Besondern Vorschub zu leiflen. Vorläufig i|t also für die Reaktion mit Mae Mahon wenig zu machen, und man glaubt nicht, daß irgend eine andere militärische Persönlichkeit hinlänglich Autorität und moralischen Werth besitze, um ohne oder gegen Mae Mahon irgend einer Ristaurationsintrigue durch einen plötzlichen Schlag einen bleibenden Erfolg zu verschaffen. 1 u 5
Bei solchen inneren Verlegenheiten ist es kaum begreiflich, wie Herr Thier« nach Außen hin eine Politik verfolgt, au« welcher Frankreich sehr ernste Conflute erwachsen können. So veröffentlicht da« „Frkf. I." eine Depesche au« Wien, der- I ,mt ""st"§° Spannung zwischen Frankreich und Italien anfange, sich luhlbar zu machen. Visconti. Venosta soll an Thier« geschrieben und die Abbe- I ^fun8 de« Gesandten Frankreich« in Rom, Marquis d'Harcourt, gefordert haben. I Diplomat stände an der Spitze einer gegen die Bestrebungen der
itaueniidjen Regierung gerichteten Agitation.
V txniA ft°naltn Cer SB,rfai(lcr Elrmee fühlten sich sehr verletzt durch dle auf. , ' 8 8 la. , welche die Pariser ihnen gegenüber beobachten. Im Anfang I - schreibt der SpreialcorresponDent der „Times" — wurden sie sehr gut auf-


