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d'armerie und Linie heran, und setzte jedem weiteren Nachfolgen des Pöbel- ein Ziel. Nachdem die Truppen Paris verlassen hatten, hielt Kaiser Wilhelm abermals eine Heerschau über etwa 30,000 Mann.
Der Kaiser kam nicht nach Paris, wie Viele erwarteten, aber der Kron- prinz fuhr gestern gegen 3 Uhr in einer offenen Equipage die elyseeischen Felder entlang und viele hohe Offiziere ritten mit ihrem Stabe ein. ES war ein Gala- tag für Deutschland von den Thoren der Hauptstadt bis zum Concordienplatze. Prinz Ludwig von Württemberg, der für den Kaiser gehalten wurde, hatte viel vom französischen Pöbel auSzustehen, der einmal sogar den vergeblichen Versuch machte, des Prinzen Vorbeifahrt zu verhindern.
Inzwischen hat die Nationalgarde wieder mit ihrem Marschiren und ihrem Trommeln ongefangen. Der allgemeine Ruf heißt jetzt nicht mehr „A bas les Prussiens!“ sondern „Vive la republiquel“ ic. „A bas Thiers, les rois et les empereurs!“ — was in Wirklichkeit nur beißt „Vive Fanarchie!“ Jetzt wo die Deutschen abgezogen sind, wird die wirkliche Drängniß der Pariser beginnen. Am Freitag Morgen wurde ein neues Regiment armirt, um die Ordnung besser aufrechterhalten zu können. Spätere Nachrichten melden, daß Paris am 3. Nachmittags allmälig wieder fein gewohntes Aussehen anzunehmen schien, daß Läden und Cafes auf den Boulevards wieder wie gewöhnlich geöffnet waren, und daß die Pariser die gute Haltung der deutschen OccupationStruppen eingestanden.
Darmstadt, 7. März. Dem Vernehmen nach werden das 4. Infanterie- Regiment und das 2. Jäger-Bataillon, welches als solches aufgelöst und jenem als Füsilier-Bataillon zugetheilt werden wird, bei ihrer Rückkehr aus dem Felde in Mainz Garnison erhalten.
Berlin, 6. März In Bezug auf die Rückkehr des Kaisers ist zwar noch kein bestimmter Termin angesetzt, doch hält man in hiesigen Hofkreisen dafür, daß derselbe in Gemeinschaft mit dem Kronprinzen und dem Grafen Bismarck am 18. d. hier eintreffen werde. Darnach würde also der RetchSkanzler nicht bis zum Abschluß der Friedensverhandlungen, die doch jedenfalls noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen werden, in Brüssel verbleiben.
Berlin, 6. März. Mehrere hiesige Geschäftsleute baben sich zu einer Petition an den Reichskanzler vereinigt, in welcher sie den Grafen Bismarck bitten, seine Vermittelung gegen das gerüchtweise gemeldete Projekt einer allgemeinen Landestrauer von längerer Dauer zu Ehren der gefallenen deutschen Krieger ein» treten zu lassen. Wir theilen die geschäftlichen Motive der Petenten nicht, stimmen aber trotzdem mit ihnen in dem Wunsche überein, daß die Landestrauer ganz unterbleiben möge, denn Deutschland, nach langer, langer Erniedrigung endlich wieder zu Ehren gekommen, hat trotz der ungeheuren Opfer, die stets im Andenken des Volkes fortleben werden, allen Grund, sich seiner staatlichen Wiedergeburt zu freuen, während die Anordnung einer Landestrauer von Obrigkeitswegen nur zu leicht zu Mißverständnissen im Auslande Veranlassung geben könnte. Das deutsche Volk ist gemüthsreich genug, um den Ernst oeS Gedächtnisses für die theuren Todten mit der stolzen Freude über die Erhebung der Nation zu harmonischer Einheit zu verklären.
Die Rückkehr des Kaisers ist hier bestimmt zum nächsten Sonnabend oder Sonntag in's Auge gefaßt. Der Salon-Reisewagen Sr. Majestät ging bereits vorgestern von hier nach Frankreich ab.
Im Bundesrathe ist durch die bedeutend verzögerte Berufung des Reichstages und die bisher erledigte Behandlung der Vorlagen, deren Mehrzahl eine längere Arbeit feilens der Ausschüsse erfordert, gewissermaßen ein? Vertagung bis zur Berufung des Reichstages eingetreten. In Folge dessen sind mehre Bevollmächtigte in die Heimath abgereist.
München, 6. März. Nach einer Mittheilunz der „Correspondenz Hoffmann" ist vom Könige angeordnet, daß am künftigen Sonnabend ein Trauer- gottesdienst für die gefallenen Krieger, am Sonntage eine kirchliche Friedcns- feter in fämmtlichen P-arrkirchen des Königreichs stattfinde.
Offizielle militärische Nachricht.
Ferrieres, 7. März. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Parade des 12. königlich sächsischen, des 1. bayerischen Armee-Corps, sowie der württembergischen Feld-Division auf dem Schlachtfelde bei Villiers ab und verlegten darauf das Hauptquartier nach Ferneres. v. Pod bielsky.
Telegraphische Depeschen.
A Hamburg, 7. März. OsficielleS Wahlresultat: Roß 5631, Banks 5173, Wolffson 4928 Summen. Als Gegenkandidat war der Lassalleaner Schallmeyer aufgetreten.
4- Bordeaux, 6. März. In der Nationalversammlung brachte Louis Blanc einen Antrag ein, welchen er selbst als schmerzlich, aber unumgänglich bezeichnet; er fordert, daß die Mitglieder der Regierung der Nationalvertheidigung zur Rechenschaft gezogen werden sollen wegen der Weise, in welcher sie seit dem Anfänge der Belagerung von Paris bis zur Kapitulation ihre Gewalt auSgeubt haben.
Der Antrag ist von mehreren Mitgliedern der Versammlung mit unterzeichnet. Clemenceau und Tirard unterstützen denselben.
DeleScluze beantragt die Anklage, und Verhaftung der Mitglieder der 23er* theidigungsregierung als des Hochverraths schuldig.
Ein Deputirter beantragt die Verlegung der Versammlung an einen anderen Ort als Paris. Thiers bittet, über diesen Antrag unverzüglich zu entscheiden. Gambctta ist nach seiner Vaterstadt Cahors abgereist. Changarnier ist sehr leidend.
4- Brüssel, 7. März. Die in Belgien internirten französischen Soldaten werden am 9. und 10. März an die Grenze geführt und von der Eisenbahn unentgeltlich befördert werden.
4- Loudon, 6. März. Unterhaus. Disraeli kündigt eine Interpellation für morgen an: ob der Regierung bekannt fei, daß im vorigen Jahre ein Vertrag zwischen Rußland und Preußen hinsichtlich des Krieges zwischen Frankreich und Preußen unterhandelt wurde, und ob die Regierung im Besitz dieser Nachricht war, als Odo Russell beauftragt war, sich nach Versailles zu begeben, um Bismarck zu consultiren.
A London, 7. März. Laut osficieller Mittheilung ist Childers zurückgetreten. Göschen ist zum ersten Lord der Admiralität, StanSfild zum Präsidenten des Armengesetzcollegiums und Boxter zum dritten Lord des Schatzes ernannt.
A London, 7. März. Die „Daily News" meldet aus Paris vom 6. d.: Favre und Simon haben ihre Demission angeboten. ThierS bestand daraus, daß sie bis nach dem Ablauf der jetzigen Krisis verbleiben sollten. Die „Times" zeigt in ihrem Cityartikel die für den 14. März bevorstehende Emission einer russischen Anleihe an. — In Paris sind große Massen gefälschtes Papiergeld der Republik in Umlauf.
4- Rom, 7. März. Der Papst hielt ein geheimes Conststorium, in welchem eine von drei Mitgliedern der Gesellschaft Jesu redigirte Allocution zur Verlesung gelangte. Dieselbe enthält einen heftigen Angriff gegen die Urheber der in Rom seit Slptcmber vollzogenen Thatsachen, weist jeden Gedanken einer Annahme der von Italien angebotenen Garantien zurück, beklagt den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland und die traurige Lage, in welche Rom versetzt wurde, und gedenkt der stattgehabten Ueberschwemmung Roms. Die Allocution spricht den Dank für die Beweise der Anhänglichkeit seitens der Gläubigen und die Hoffnung auf die göttliche Vorsehung aus. Schließlich werden Ernennungen für mehrere erledigte
Bischofssitze verkündigt.
Borsenaachrichten.
7. März 1871.
Preuss. 41/2°/ü Oblig. 94V4
Frankf. 31/2% Obi. «t3/e
Nass. 41/2% Qbl. 943/4
Kurhess. 4% „ 853/i
Gr. Hess. 5% Obi. 101 %
„ 4% n 931/2 n 31/2% w —
Bayer. 5% „ —
„ 41/z 0/0 1 jährige 961/4
„ 40/0 1jährige 90‘/4
Würtemb. 4V2 % ObL 87</4 Baden 4,/2°/q Obi. 0. E. L. 941/4
Oesterr. Silberrente 553/4
n Papierrente 481 g
„ 5°/o M. steuerf. —
Amerik. Bonds 1881 r 1001,2
„ „ 1882r 963/i
„ „ 1885r 961/2
n n 1887r 961/g
Spanier, neuest. 3% 30
Aetlen.
Frankf. Bank 133 ’/4
Frankf. Vereins-Kasse 1043/<
Darmst. Bankact. 3291/3
Wien Bankactien 696 Galizien 2373/4
Aetlen.
)est. Creditact. 2451/4
>0/0 östr. F. St. E. B. 3691/2
-jombard. Bahn 1643/4 Lmdwigsh.-Bexbach 169 tfaxbahn 111
layor. Ostbahn 1261/2
iiess. Ludwigsb.-Act. 142 Llsenzbahn-Actien 851/4 Dberhessen „ 7O'/2
Prioritäten.
*/o öster. Stsb.-Prior. 553/s
Vo öst. s. Lombard 73
*/o Livomeser 3PÖ
Vo Toscaner 503/|
50/0 Elisabeth.-Prior. 771/2
do. II. Emiss. 76
Anieliensloose.
Kurh. 40 Thlr. Loose 641/2
Nassau 25 fl. 38V8
4O/o bayr. Präm.-Anl. 108
Ansbacher 7 fl. 12
40/0 badische Loose 108 Badische fl. 35 Loose 593 4
Oestr. fl. 250 v. 1854 70
1858r Prioritätsloose 1561/2 1860r Loose 78
1864r „ 1171/2
Braunschweiger 163/<
Stadt Madrid 217/a
WecHeei.
Amsterdam
k. s. 1001/4
Augsburg
k.
8. 997/6
Berlin
k.
S. 105
Bremen
k.
S. 97
Cöln
k.
S. 1047/8
Hamburg
k.
S. 88I/4
Leipzig
k.
S. 105
London
k.
s. 1191/2
Lyon
k.
S. —
Paris
k.
S. 94i,2
Wien
k.
s. 951/2
ditto
m.
s. —
ditto
1.
s. -
Disconto
3W
Vo G.
Geldsorten.
Pr. Cassen-Soh. 1 447/g-45i/8 Sachs. „ —
Div. Cassen-A. —
Pr. Friedrdor 9 58i/2—59*/2 Pistolen . . 9 45—47
„ doppelte 9 48—50 Holl. fl. IG St. 9 54—56 Ducaten . . 5 35—37 20 Frankenst. 9 27—28 Engi. Sover. 11 55—59 Russ. Imper. 9 43 — 48 Dollar in Gold 2 27—28
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachungen.
788) Im Firmen-Register des unterzeichneten Gerichts sind heute folgende Einträge vollzogen morden:
1) Die Inhaber der Firma: „Emmelius 4c Scheid", Namens Earl Emmelius und Louis Scheid zu Gießen, haben mit dem 1. Januar l. I. ihr Cigarren-Fabrikations- Geschäft aufgelöst und ist die Firma erloschen.
2) Louis Scheid zu Gießen betreibt daselbst seit 2. Januar 1. I. eine Cigarren- sabrik mit Handel en gros und hat seiner Ehefrau Louise, gebornen Glöckner, daselbst Procura er heilt,
3) Isaak Hanau zu Gießen als Inhaber der Girina: „Gebrüder Kaufmann" daselbst hat seinem Sohne Eduard Hanau von da am 2. d. Mts. Procura ertheilt.
Gießen, den 3. Februar 1871.
Großherzogliches Stadtgericht Gießen.
__M uhl, Stadtrichter.
B e k a 11 n t m a ch u n g.
792) Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nachbenannte Urkunde, Schuldschein der Sparkasse in Hungen vom 15. Mai 1869 Nr. 3638 über
450 fl. dem Kirchenvorstand zu Dorfgill gehörig, verloren gegangen ist.
Der Inhaber derselben wird aufgefordcrt, bis zum 10. Mai d. I., Vormittags 8 Uhr, bei unterzeichneter Gerichtsstelle anzuzeigen, ob er aus deren Besitz Rechte herzuleiten vermöge, als sonst nach fruchtlosem Ablaufe dieser Frist gedachter Schuldschein für kraftlos erklärt und ein, lediglich an der Ger rich.sthüre angehängt werbendes, Amorti- sations-Decret erlassen werden würde.
Hungen, den 2. März 1871.
Grobherzogliches Landgericht Hungen. l)r. Irle, Pilger, ______Landrichter. Landgerichts-Assessor.
768) Die Ausloosung der Haupt- und Ergänzungs-Geschworenen für das Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom zweiten Quartal 1871 soll
» Dimstag den 14. März 1871, Vormittags 11 Uhr, in öffentlicher Sitzung GroßherzoglichenHof gerichts in dem Hofgerichtsgebäudc vorgenommen werden.
Gießen, am 6. März 1871.
Der Präsident Großherzoglichen Hofgerichts der Provinz Oberhessen:
Dr. 'Buff. vt. Ebel-
Versteigerungen.
412) Donnerstag den 23. März d. I., Nachmittags 2 Uhr,
soll aus dahiesigem Rathhausc die dem Friedrich Carl Julius Orth und Ehefrau Friedericke, geb. Helm, zustehende film Nr. OJnftr.
V1077 6 Hofraithe bei der Kirche
öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 7. Februar 1871. Großhcrzogliches Ortsgericht Gießen.
______Semmler, Ortsgerichtsmann.
Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde.
769) Montag den 13. März 1871, von Vormittags 9 Uhr an,
soll in dem Gießener Stadtwalde, Distrikt Unierhaag, nachverzeichnetes Holz öffentlich versteigert werden, als:
123/< Stecken Eichen-Scheidholz,
5O‘/4 „ „ Prügelholz,
73 „ „ Stockholz,
2065 Wellen „ Reisholz,
98V4 Stecken 9tadel-Prügelholz, 24% „ Stockholz,
305 Wellen „ Reisholz,
1 Stecken Birken-Prügelholz,
30 Wellen „ Reisholz.
Die Zusammenkunft ist auf der Schiffen- berger Chaussee, an der 2. Schneise.
Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1- Juli V I. gestattet.
Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, dies in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.
Gießen, den 7. März 1871.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
________________Vogt._____________
Holzversttiqerung.
793) Donnerstag den 16. d. M-, von Morgens 10 Uhr an, sollen im hiesigen Gemeindewalde, District Kirschbcrg:
58 Stämme vorzügliches Eichenbauholz, (worunter Stämme von 60 Fuß Länge und bis zu 325Fubikfuß) im Ganzen 5986 Onbikfuß enthaltend, und
7 Buchen Stämme von 429 Cubikfuß, meistbietend versteigert werden, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
Roßbach, den 7. März 1871.
Der Bürgermeister:
F ä u e r b a ch
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