Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben
« 6 Ufr,
Donnerstag den 9. Februar
1871
Ur. 31.
^tte mir aub
dikiS vierteljährig 1 fl. 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Canzletberg 8it B. Nr. 1.
JMjjMftuna 1 ------- - . . . .. ------------
] *---- aiHÄrtnitHrtrtH werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch
Btfkeuungen Ullf ven ’4IHJCIßCl bei aUen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und Marz 1871 zu 40 kr.
iss
--^^Äryrr. j
k •. s kaust iqr^rßer.
'*f0
r. fftffliM
i^er-
K;
reibt „<)ur KriegSIage
zuschickm.
8 Sticher.
n-Expeo|UV
laftn. Wer würde überhaupt ein solches Uebertinfommen unterzeichnen — ihr gwiß nicht, Legitimisten, die ihr so tapfer unter der Fahne der Republik kampit, it den Boden deS alten königlichen Frankreichs zu vertheidigen, eben so wenig
nur zu spat erfuhren, einen Waffenstillstand, welcher Preußen noch von uns besetzte Departements überliefert, welcher uns verpflichtet, drei Wochen uns ruhig zu verhalten, um in den traurigen Verhältnissen des Landes die Nat'vnalversammlung zusammentreten zu lassen. Wir erbaten Aufklärung über das Berhältniß von Poris; bis dahin bewahrten wir Stillschweigen. Bevor wir uns an euch wandten, tollten wir die verheißene Ankunft eines RcgierungSmitgliedeS aus Paris abwarten. W-r beschlossen, unsere Vollmachten in seine Hande niederzulegen. Die hiesige KegierungSabtheilung hat den Willen, zu gehorchen, um ein Pfand der Mäßigung tinD des guten Glaubens zu geben. Sie will ihre Pflicht erfüllen, welche erheischt, len Posten nicht eher zu verlassen, als bis man davon enthoben ist; sie will ihren freunden und Gegnern durch dieses Beispiel beweisen, daß die demokratische Regierung nicht nur die größte, sondern auch die gewissenhafteste ist. Niemand kam »on Paris, und so müssen wir, koste es, was es wolle, handeln. Um perfide Kombinationen der Feinde Frankreichs zu Schanden zu machen — Preußen rechnet aus den Waffenstillstand, um unsere Armeen zu entnerven und aufzulösen, Preußen HO, daß die Versammlung, welche nach vielen einander folgenden Unglücktfallen unter dem furchtbaren Eindrücke des Falles von Paris zusammentritt, auch muth- lrS zur Annahme eines schmählichen Friedens geneigt sein müsse —, hängt es von um ab, diese Berechnungen zu Schanden zu machen und zu bewirken, daß Werk- znize, welche bestimmt wären, den Geist des Widerstandes zu ertödten, vielmehr duselben wieder beleben und erhöhen. Benutzen wir den Waffenstillstand, um jinge Truppen einzuüben und die Organisation der Vertheidigung mit erhöhter Eiurgie zu betreiben, bieten wir Alles aus, daß an Stelle der von den Fremden erhofften reaktionären feigen Kammer eine wahrhaft nationale, republikanische Ver- siinmlung zusammentritt, welche den Frieden will, wenn derselbe die Ehre, den Hing und die Integrität des Landes sichert, welche aber ebenso fähig und bereit if den Krieg zu wollen und zu verhindern, daß ein Mord an Frankreich began- werde. Franzosen! Gedenken wir der Väter, welche uns Frankreich als einen compacten, untheilbaren Staat hinterließen, hüten wir uns, unsere Geschichte
hi, Söhne und Bürger von 1789, die vor Allen dahin gewirkt haben, die alten Provinzen zu fester, unlöslicher Einigung zusammenzusügen; auch ihr Arbeiter in ttn Städten würdet euch hierzu gewiß nicht herbeilassen, deren intelligenter, edler Hlriotismus sich stets in Macht und Einheit als Ausgangspunkt für die Freiheit
ter Völker zeigte; eben so wenig ihr, die ihr den Boden des Landes bebaut und tMt, die ihr nie Blut spartet, um die Revolution zu vertheidigen, welcher ihr tetr Eigenthum, euren Grund und Boden und die Würde des Bürgers verdankt. Ä(in Franzose wird sich finden, einen so ehrlosen Vertrag zu unterzeichnen, die kitlnden werden sich getäuscht finden, sie werden verzichten müssen, Frankreich zu Itrfiüinmeln. Wir alle sind von gleicher Vaterlandsliebe beseelt und lassen uns Mch Unglücksfälle nicht nicderbeugen; wir werden erstarken und den Fremden irejagen. Um dieses heilige Ziel zu erreichen, müsse» wir von Herzen wollen ui* unser Leben hingeben, dürfen vor dem schwersten Opfer nicht zurückschrecken, nüssen uns alle um die Republik scharen und bekunden, daß wir kaltes Blut und Wigkeit besitzen, und dürfen weder Schwächen noch Leidenschaften uns hingeben. Tihv oren wir, als freie Männer Frankreich und die Republik gegen alle Angreifer vertheidigen. Zu den Waffen! Es lebe Frankreich! Es lebe die eine unheilbare Republik! Gambetta. ♦
halten; am 28. Januar ist es erlegen. Die Stadt Paris bleibt noch «ntact; dies ist die letzte Huldigung, welche durch unsere moralische Größe der Barbarei abgcrungen wurde. Nur die Forts wurden dem Feinde übergeben, aber noch faDtnb hinterließ uns Paris den Preis heroischer Opfer. Während fünfmonatlicher Leiden und Entbehrungen gewährte es Frankreich Zeit, sich wiederzufinden, seine Söhne aufzurufen und sich zu wassnen, neue Heere zu bilden, welche oller- lings jung, aber tapfer und entschlossen sind, und denen nur eine gewisse Soli- tiiät mangelt. Pans verdanken wir, daß wir zu patriotischem Handeln entschlossen find. In unseren Händen haben wir alles Nöthige, um Paris zu rächen und
torwflen - L d. M
}B verrathen, unseren ererbten Besitz in die Hände von Barbaren übergehen zu
**re unb lichcrtiX tri lut freunblttö
standeS nicht zum Frieden kommen, so können sich unsere Truppen in der gegenwärtigen Situation unbedingt als die Herren von Paris betrachten. Von den Forts kann die Stadt vollständig in Trümmer gelegt werden, und selbst die Wieder- armirung der Enceinte kann Paris nicht retten. Mit den Forts der Ostfront sind die Höhen von Montreuil und Romainville in unseren Besitz gelangt, aus deren westlichem Abhang sich gerade die volkreichsten Tbeile der Statt erheben. Dem Plateau dieser die Stadt zum größten Theil beherrschenden Höhen gegenüber hot die wesentlich tiefer liegende Enceinte artilleristisch kaum eine Bedeutung. Daß uns durch die zwischen den Heeren im freien Felde gezogenen Demarcatione- llnitn ein weiter Occupationsbereich gesichert ist, zeigt ein Blick auf die Karte. Fast der dritte Theil Frankreichs ist in unserer Hand, eine Tbatsache, die auf die Entschließungen der Eonstituante von bedeutsamer Einwirkung sein wird. Dagegen ist nicht zu verkennen, daß durch die Behauptung der Seeplätze im Norden und Nordwesten den Franzosen die Möglichkeit geblieben ist, bei eventueller Wiedereröffnung der Feindseligkeiten von hier aus neue Offensivoperationen einzuleitcn; die betreffenden Stipulationen aber entsprachen durchaus der Kriegslage im Augenblick des Abschlusses des Waffenstillstandes und waren, darum unvermeidlich/'
Man glaubt, daß mit der Eonstituirung des Deuschen Reiches eine Bestimmung der preußischen Universitäts-Statuten aufgehoben werden wird, wonach die auf nichtpreußischen Universitäten Promovirten bei ihrer Habilitation eine Art Prüfung oblegen müssen. Sobald es festgestellt ist, daß auch auf den außer- preußischen Universitäten die P>omcticnsprüsungen rite stattfinden, könnte ja auch in dieser Beziehung eine Gleichstellung eintreten. Uebrigens werden nun auch die neuen Angehörigen des Deut'chen Reiches in Bezug auf Anstellungen u. s. w. als Inländer erachtet werden, so weit nicht eben Ausnahmen festgestellt sind. Das, was in jener Richtung preußischerseits nach Bildung des Norddeutschen Bundes bewilligt worden, wird nun auch den Süddeutschen zu Theil werden. — Das Militärwochenblatt, welches während der Kriegszeit täglich erschien, wird jetzt wieder, wie vor dem Kriege, zwei Mal wöchentlich auSgegeben, was darauf hindeutet, daß man auch in maßgebenden militärischen Kreisen auf die Einkehr des Friedens zahlt. Wenn derselbe am 19. Februar (an welchem Tage der Waffenstillstand zu Ende geht) wirklich stattsände, würde, da Napoleon die Kriegserklärung in Berlin durch den Attache Le Sourd am 19. Juli Übergeben ließ, der Krieg genau sieben Monate gedauert haben.
Die deutsche Regierung, so schreibt die „Stroßb. Ztg." , hat einen neuen Beweis ihrer Loyalität und ihres aufrichtigen Wunsches nach einer Verständigung gegeben, indem sie auch in dem Gebiete des Generalgouvernements Elfaß-Lotd- ringen ohne Anstand die Wahlen für die französische Nationalversammlung gestattet. „Obwohl die Verwaltung dieser Provinz bereits ganz auf deutschem Fuße geordnet ist und die Lostrennung derselben von Frankreich die erste Bedingung eines jeden möglichen Friedens bildet, so hat man von deutscher Seite dennoch in der Wahlfrage den formellen Rechtsstandpunkt streng inne gehalten und den Abmachungen von Versailles für das ganze frühere Gebiet Frankreichs, nicht aber bloß für den nach dem Frieden ibm verbleibenden Umfang, volle Kraft zu- erkonnt. Jeder Gedanke an eine Beeinflussung der Wahlen liegt den deutschen Behörden fern; sie werden nur darüber wachen, daß d'e Ordnung und die bestehenden Einrichtungen refpichrt werten, und im Uebrig»n der Wahlbewegung ihren ungestörten V-rlauf lasstN. Die deutschen Präfecten können die Rolle, welche das Gesetz von 1H9 den obersten Beamten des Departements bei den Wahlen zuweist, nicht übernehmen, aber es ist durch die bereits erwähnte Anordnung in Betreff der Maires der Departements-Hauptstädte bereits Sorge getragen, daß durch diesen Umstand keine Schwierigkeiten hervorgerusen werden. So antwortet die deutsche Regierung auf die Verleumdungen, durch welche die Septemberdictatur ibr eigenes Willkiirverfahren zu beschönigen suchte. Als Haupteinw^-nd gegen die Berufung einer Nationalversammlung führte nämlich die Partei Gambetta an, daß ein großer Theil deS Landes unter dem Druck der preußischen Bajonette und folglich nicht frei wählen würde. Es wird sich jetzt zeigen, wo das Votum der Wähler einer Beeinflussung von außen unterliegen wird, in den besetzten Gebicten oder dort, wo die Gambetla'sche Partei im Stande ist, die Bevölkerung im Geiste des Lavrier'schen EircularS zu terroristren.
Der Eonflict zwischen den beiden RkgicrungSabtheilungen in Paris und Bordeaux nimmt immer größere Verhältnisse an. Wenn man anfänglich glauben konnte, es sei Gambetta allein, der die Beschränkung der Wahlfreiheit ausrecht erhalten wolle, so scheint ein neuerer Erlaß, der von allen vier Mitgliedern der Delegation unterzeichnet ist, das Gegeuthetl zu beweisen. Es ist freilich die Frage, ob die drei alten Herren in Bordeaux in ihren Entschließungen frei sind, oder nur der Pression des von der Volksgunst getragenen Gambetta gehorchen. In Versailles wird angesichts der heillosen Verwirrung, die durch diesen Zwischenfall angesiistet ist, eine Aufschiebung der Wahlen in Aussicht genommen. Schwerlich aber wird man sich, falls bis zum 19. Februar der Frieden nicht erreicht werden kann, dazu versteyen, den Waffenstillstand zu verlängern. Dann mag der Süden Frankreichs, den es, wie scheint, danach gelüstet, die Schrccken des Kriegs un- die Verblendung büßen, in der rr verharrt. Die
ins zu befreien, aber es scheint, ein schlimmes Geschick will uns noch größeres Unglück und Schmerz bereiten, als es bereits durch den Fall von Paris geschehen ^rucdt heilbar. Ohne unser Wissen, ohne euch zu benachrichtigen, ohne UNS zu Ruthe zu ziehen, unterzeichnete man einen Waffenstillstand, dessen sträfliche Leichtfertigkeit wir
' '' k unt pinte* 8* Februar.
, 2 - - : r Proklamation Gambetta's an das französische Volk. Bürger! Die Fremden ------, fugten Frankreich eine grausame, die grausamste Beleidigung zu, welche unserem T -• cn mtina 8olfe ’n diesem schlimmen Kriege, der eine übermäßige Züchtigung sstr unsere .7'7"-- Holger Jerthümer und Schwächen ist, zu ertragen b'stimmt war.' Das uneinnehmbare
-•mirgengt Pari-, durch Hunger bezwungen, konnte die deutschen Horden nicht länger ab-
Jtllcn ’ht LA * * * - * ■ -• ~ ..... ' 1 ■ ■
" ' einige r y.t cenSfelbcr, ' M Nr. 86.
i Keller
ju Mähen gM if herbt, NerKvlatz.
n b «lanetz tat berat arten ab vielen bmüd pfffitg gcnoniEfl nr,T.g M, fckn: cd ah ioc>


