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Gießener Aiyeiger.
<6r)d)etnt täglich, inu nähme Montags.
Expedition : Lanzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 2tiO. Blittwoch den 8. November 1871,
BefteÄkEgen auf Sen Gießener Anzeiger
ÄbonnerNen, welche den Anzeiger bet der Expedition abbolen lassen, erhalten denselben für die Monate November und Deeember zu 40 fr.
Amtlicher Theiß
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Kl, Lpengler.
16. Juni
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Betteffend: Die Feststellung und Erhaltung der inneren Grenzen. n 1 fl,n u' ™Dcmöcr lö<1
Das Krot!herroiiIichr Krrissmt Girtzeu
an die Grohherfoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Mil Bezug auf unser AuSschreibeu Rr. 9 vom 12. August 1867 fordern wir Sie auf, die Greuzbegehungs-Protokolle der Feld- ge,chwornen baldigst an uns einzusenden. Sie wollen sich hierbei zugleich nach Vernehmung Zhrer resp. Gemeiuderälhe und — wo es NH um gememschaflliche Gemarkungsgrenzsteine handelt — nach Benehmen mit den betreffenden Orts- bezw. Gemarkunqsoorständen über die Wahl desjenigen Geometers l. Classe äußern, welchem die Wiederherstellung der fehlenden Grenzsteine zu übertragen sei.
v. Starck.
Politischer Theil.
Die Fortschritte nationaler Entwickelung.
i— „Helfen Sie Deutschland nur erst in den Sattel— reiten wird es schon können" — war e:ns der geflügelten Worte des Fürsten Bismarck, welche mit erstaunlicher Geschwindigkeit ihrer Erfüllung entgegen flogen.
Nicht die Ungestalt der Verfassung des Norddeutschen Bundes hinderte denselben , sich eben so rasch zu einem mächtigen und geachteten Staatswesen nach außen hin zu gestalten, wie in seiner inncrn Ausbildung sich zu consolidiren; nicht die diplomatischen Vorbehalte, welche der Prager Friede emgeführt hatte, hinderte das Aneinanderschließen der getrennten Theile, ohne daß es irgendwie und irgend- wo einer andern Pression bedurfte, außer derjenigen, welche in den Verhältnissen lag und von dem überall erwachten deutschen Geiste selbst ausgeübt wurde.
Im Gegentheil war es eine Hauptsorge der deutschen Politik von 1870, zu verhindern, daß in den natürlichen und obendrein nothwendigen Zug der Geister nicht eine Stockung dadurch gebracht würde, baß man der freiwilligen Entwickelung ungeduldig Vorgriff und die Logik der Thatsachen früher constatircn wollte, bevor sie auch zu einem Hcrzensbcdürfniß geworden war.
Wer erinnert sich nicht noch der erregten Debatten, welche weiland der badische Antrag u. a. in gleicher Richtung gehenden, hervoirief, während der Par- tikularismus in Sübdeutschland sein Aeußerstes aufbot, um den nationalen Geist niederzulegen, unb wer muß sich nicht jetzt sagen, daß Fürst Bismarck damals doch das standhafteste Vertrauen in die Kraft des nationalen Geistes bewies, als er ihn und seiner freien Entwickelung die Zukunft Deutschlands anvertraute.
In der That konnte Deutschland vortrefflich reiten, als ihm die Verfassung des Norddeutschen Bundes nur erst in den Satte! geholfen hatte, und cs faß wunderbar stramm unb helbenmäßig zu Pferde, als ihm der französische Uebermuth in die Zügel greifen wollte.
Die politische Einigung Deutschlands war aber eine geschichtlich vorbedeutetc Nothwendigkeit, keine lebigliche Forderung der politischen Speculation, und nachdem die Thatsachen ihr soweit zu Hilfe gekommen waren, um Deutschland der Fesseln zu entledigen, in welche es durch die aUe Bundesverfassung geschmiedet war, entfaltete es rasch seine innere, gesunde Lebenskraft. Nicht dlos reiten konnte es, es verstand zu siegen, unb was noch mehr ist, aus der gemeinsamen Anstrengung, aus dem gemeinsamen Siege erwuchs ihm die höchste Gunst eines Nationalkricgcs: die Einigung.
Aber auch diese wieder in der Form der freien Einigung aller Gliever, und auch diesmal wieder trug jene Politik den Sieg davon, welche der Freiheit insoweit Schranken gesetzt wissen wollte, als ohne eine solche nothwenbige Begrenzung das Recht Aller nicht gesichert werden konnte.
Auch die Verträge, welche die Einigung Deutschland- schufen, ließen manches scheinbar Ungestaltige bestehen, was der Theorie ganz unleidlich schien unb auch die Praxis mit mancherlei Ungemach belastete; aber Vie feste Zuversicht in den ge- sunben Lebensfern der deutschen Entwickelung wankte nicht, unb jeder Tag gievt ihr ein neues Recht zu innerlicher Genugthuung, denn freiwillig unterwirst man sich den Eonsequenzen einer Wiederherstellung des deutschen Kaiserreichs, welchen man, wären sie als vorausgeforverte Bedingungen zugemuthel worden, sich kaum unterworfen hätte, oder wenn doch — mit dem bttern und gewiß mcht rasch überwundenen Nachgesühl erlittenen Unrechts. Zwei Vorgänge neuester Zett sind in dieser Beziehung unendlich lehrreich und erfreulich zugleich; wir meinen den soeben bayerischer Seit- im Bundesrath eingevrachtcn Ges.tzrntwurf wegen Einführung d»s norddeutschen Bundesgesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst in Bayern unv Vie sächsischer Seit» angevrdnete Aufhebung ihrer Gesanbl- schaft in Pa, iS.
I Wenn man sich erinnert, welche große Schwierigkeiten es bei den Versailler ^Verhandlungen hatte, Bayern gerade in Bezug auf die Militärhoheit zu befric- [ttgen, und wie sehr es dem Selbstgefühl der deutschen Fürsten widerürcbte, auf ihr GcsandtschaftSrecht zu verzichten, wäbrend Sachsen jetzt einem Beispiele folgt, mit welchem ihm bereits Bayern und Württemberg vorangegangen sind, so wird man sich wohl sagen müssen, daß die Fortschritte der nationalen Entwickelung erstaunlich rasch sich vollziehen, aber man wird sich ihrer um so rückhaltloser freuen können, weil sich die Gesundheit dieser Entwickelung durch ihre Freiwilligkeit le- gttimirt.
Und die in dieser Beziehung gemachten Erfahrungen lassen uns hoffen, vaß auch die, der Gesemmtconstituirung Deutschlands so wenig homogenen Verfassungs- zustände in den beiden Großherzogthümern Mecklenburg sich der Fortentwickelung deutschen Geistes nicht auf lange Zeit mehr widerspenstig zeigen werten, ohne daß es nölhig sein dürste, durch die Reichsgesetzgebung eine Entscheidung zu treffen, welche dem Reichsbewußtsein Vieler widerstreiten und von den betr.ffenden Regierungen als eine Gewaltthat empfunden werden würde; während jetzt schon der Vertreter der Großherzogthümer im Bundesrathe, Staatsminister v. Bülow, con- llaiirh, daß von den mecklenburgischen Fürsten selbst die Initiative zu einer Der faffungsreform ergriffen worden sei.
Es ist aber gewiß selbstverständlich, daß eine Reform der mecklenburgischen Verfassung sich nur im Sinne des Büsing'schen Antrages vollziehen kann; das Reichetagsvotum aber, selbst wenn es keine formelle Bestätigung durch die Zustimmung des Bundesraths erhält, dürfte — unv vielleicht gerave deshalb — dem vorherzusehenden ständischen Widerspruch jede Widerstandskraft nehmen, die sich andernfalls als ein Act der Nothwehr darstkllen könnte.
Jedenfalls kann Deutschland stolz darauf sein, daß, obwohl der constituirende Gedanke nur Vie Einheit in dem Nothwendigen verlangte, der nationale Geist aus innerem Drange ter Erweiterung ihres Gebiets zustrebt, und die Forderung: die Einheit und die Freiheit zu vereinigen, ihre ungetrübte Erfüllung finden wird.
t Wie die National-Jnvaliden-Stiftung, hat nunmehr auch die Kaifer- Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden ihr amtliches Siegel, dessen sich die Vorstände der Centralstiftung wie der Zweigvereine bedienen, erhalten. Dasselbe führt in seinem mittleren quadratischen Felde das Eiserne Kreuz, über welches sich ein W lagert, dessen mittlere Striche die Kaiserkrone tragen. Die geschmackvolle Umkreisung des Wappens führt dann m vier runvbogigen Abschnitten den vollen Titel der Stiftung.
Die vereinigten Ausschüsse für Handel unv Verkehr und für Rechnungswesen Huben ihren Münzgesctzcntwurf einer nochmaligen Revision unterzogen und mehrfache Abänderungen getroffen. So soll, wie verlautet, die vertiefte Inschrift nicht die Devise „Einigkeit macht stark" fuhren, sondern die altprcußische „Gott mit uns". Es ist dann hinzugefugt, daß das 10-Markstück 10 Millimeter, das 20- Markstück 22‘/2 Millimeter, das 30-Markstück 25 Millimeter im Durchmesser haben soll.
Wie die „Br. Ztg." von Berlin erfährt, dürfte der Erlaß einer Amnestie für gefangene Franzosen nach Oer nun erfolgten Ratification der Verträge nicht lange auf sich warten lassen. Als formale Bedingung scheint diesseits das directe Verlangen der tranzösifchen Regierung nach dem Amnestieucle gewünscht worden zu fein. Dem ist auch in einer Note des Herrn Thiers entsprochen worden.
Wie der „K. Ztg." aus Paris geschrieben wird, sollcn jetzt daselbst Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland in Betreff einer neuen Postcon-


