Ausgabe 
8.9.1871
 
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ib 32 h.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

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1871

Freitag den 8. September

Nr. 208

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7. September.

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Feind erobert, noch durch eine entmuthigte Truppe aufgegeben worden; ihre Stätte unter den Leichen ihrer tapferen Vertheidiger ist auf dem Schlachtfelde noch ein

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das Generalkommando des 2. Armeecorps.

Homburg, 9. August 1871.

Aus den Mir vorgelegten Berichten habe Ich mit Genugthuung ersehen, daß 2. Bataillon des 8. pommer'schcn Infanterieregiments Nr. 61 am 23. Jan.

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ehrendes Zeugniß gewesen für die Truppe, welcher sie vorangeweht hatte, bis die einbrechende Nacht sie den hütenden Blicken entzog. In Anerkennung der von dem 2. Bataillon 8. pommer'schcn Infanterieregiments Nr. 61 bewiesenen Tapferkeit verleihe Ich demselben die beifolgende neue Fahne mit dem Bande der von Mir für den Feldzug 1870/71 gestifteten Denkmünze, an dessen einem Ende sich die wieder aufgefundcne Quaste der Bandrolle der alten befindet, und beauftrage Sie, dieselbe dem Bataillon in meinem Namen feierlichst übergeben zu lassen.

gez. Wilhelm.

An Meinen Generaladjutanten, General der Cavallerie Freiherr von Manteuffel, Oberbefehlshaber der Okkupationsarmee in Frankreich.

Homburg, 9. August 1871.

Am 30. August hat die französische Negierung zu Straßburg wieder . 47,622,535 Francs von der Kriegsindcmnität in Wechseln einzahlcn lassen; dar­unter befinden sich etwa 17% Millionen Francs in Wechseln nach Sicht, etwas mehr als 13% Millionen in Wechseln, die im September zahlbar, und 16,400,000 Francs in Wechsel, welche theils im Oktober, theils, und zwar zum größeren Thetle, erst in drei Monaten fällig sind. Im Ganzen sind (unter Einrechnung der 325 Millionen für die Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen) bis jetzt von der uns zukommenden Krtegskostencntschädigung 1,297,912,811 Francs abgetragen.

Die innere politische Lage Frankreichs ist durch eine Carricatur des Charivari trefflich gekennzeichnet. Die Earricaiur stellt einen Eircus dar, in dessen Mitte Herr Thiers über ein gespanntes Seil auf einem Velocipcde reitet. Er hält sich im Gleichgewichte durch eine ungeheuer schwere Balancirstange, an deren beiden EndenRechte" undLinke" geschrieben steht. In der vordersten Zuschauerloge sitzt Frankreich und klatscht voll Erstaunen Beifall. Wird Herr ThierS sich lange mit seiner Balancirstange halten können? Inzwischen hat die Börse da- letzte

+ Die Gerüchte über die angeblich zu Stande gekommene Tripel-Allianz wickelten Auffassungen sich in gleicher Richtung mit denjenigen bewegen, welche die »wischen Deutschland, Oesterreich und Italien haben in der franzostschen und russ" preußisch- St-at-regi°rung au- Veranlassung der Braun-berger Schulang-legenh-it Dresse eichen -rosten Lärmen ocrursachb Man hat im Osten wie im Westen und der deshalb erhobenen Vorstellungen des Beschoss don Ermeland geltend ge- Europ?'-sofort richtig h-rrusgesühtt, daß, wenn auch ohne wirklichen Abschluß macht hat, so wie d,e in dem Conelusum des Erlasse- f-stg.st-llten Grundsatze jener Allianz, nur -in- Uebereinstimmung der drei genannten Mächte in Bezug au, diefleetS b-rerts >n die Prax,- ubergesuhrt worden sind, und man werd sich gewiß ..... nickt obne Befncdiauna davon iibeneuaen. daü anck nuf biefpm an Soraen und

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des Reichstages wohl möglich erscheint.

Mit dem neuen bayerischen Ministerium hat dessen erste That, der Erlaß an den Erzbischof von München, das Mißgeschick einer übereilten Beurtheilung getheilt. Wie im ersten Augenblicke nach seiner Ernennung dem Grafen Hegnenberg der Vorwurf undeutscher und particularistischer Gelüste gemacht wurde, so bezeichnete man das Schreiben des Cultusministers als ein leeres Wort, leer deshalb, weil dem schönen Inhalte keine That zur Sette stehe. Beide Urtheile haben inzwischen eine unverkennbare Umgestaltung erfahren. Wenn man auch einige bestimmte Mitthcilungen, welche dem Ministerium Hegnenberg und insbesondere auch dem Herrn v. Lutz vom deutschen Standpunkte aus ein günstiges Zeugniß ausstclltcn, als osficiöse und nur aus den Zweck berechnete im Werthe herabzusctzen versucht hat, so übersieht man dabei, daß Stimmen, die von Regiervngskreisen durchaus unabhängig sind, dieselbe Auffassung schon früher kundgegeben haben. Heute wird das Schriftstück des bayerischen Cultusministers auch von derNordd. AUg. Ztg." einer Besprechung unterzogen, von der es freilich nach neueren Vorkomm­nissen schwer ist, zu entscheiden, ob sie osficiöse Geltung habe oder nicht. Wie dem aber auch sei, so liegt doch aller Grund zu der Vcrmuthung vor, daß ihr Inhalt den an maßgebender Stelle herrschenden Anschauungen entspricht. Es heißt in

dieses Jahres, an welchem Tage dasselbe vor Dijon seine Fahne verlor, mit Helden« müthiger Tapferkeit gefochten hat, und daß der Verlust der Fahne eines jener oeklagenswerthen Ereignisse gewesen ist, die als das Resultat widriger Umstände Niemandem zum Dorwurfe gereichen. Die Fahne ist weder durch einen siegreichen

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Erscheint täglich, mit An­nahme MontagS.

Expedition: Canzletberg Bit B. Nr. 1.

diesem Artikel:Es springt sofort in die Augen, daß die in dem Erlasse ent-

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die Behandlung europäischer Fragen erfolgt wäre, die übrigen Staaten nahezu ausgeschlossen wären von der Leitung internationaler Fragen, wie denn auch ein < französisches Blatt ganz offen zugestandcn hat, daß heutzutage kein Kanonenschuß ohne die Zustimmung Deutschlands abgeseuert werden könnte. Natürlich verlangen die russischen und die französischen Blätter, daß die Regierungen von Rußland und Frankreich ein Schutz- und Trutzbündniß abschließeu sollen, um die gesammte Volks- kraft gegen da-ehrgeizige Preußen" zu organisiren und aufzurufcn. Jndeß wird sich dieser Sturm bald legen, wenn die Ueberzeugung die Oberhand gewonnen, daß die Abmachungen in Gastein nur dem Frieden Europa's und nicht der Be- drückung fremder Nationen gelten. Auch wird man in Rußland einsehen lernen, daß das Parteigelriebe in Frankreich so sehr das öffentliche Leben beherrscht, daß die Kraft des Landes hierdurch wesentlich absorbirt wird und auf ein Bundmß mit demselben daher wenig Verlaß ist. Denn die Hoffnung auf Eonsolidirung der französischen Verhältnisse steht doch auf sehr schwachen Füßen, trotzdem ThrerS zum Präsidenten der Republik ernannt worden ist. Niemand wird die Bürgschaft dafür übernehmen wollen, daß ThierS auf die Dauer den Reactionsgelüsten der Rechten hinreichend Widerstand zu leisten vermag. Kann er das aber nicht, so würde über Frankreich eine Katastrophe hereinbrechen, bei der Bündnisse mit fremden Mächten gar nicht in Aussicht genommen werden könnten.

Die Annahme mehrerer Zeitungen, daß die FriedenSprüsenzstärke des nord- deutschen Bundes (1 Proc. der Bevölkerung, 300,000 Mann) auch der Heeres- Verfassung des deutschen Reiches werde zu Grunde gelegt werden, da die Militär­verwaltung sich überzeugt habe, daß sie bei dieser Stärke dem deutschen Volke die erforderliche militärische Erziehung geben könne, ist durchaus irrthumlrch. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß der Satz von 1 Proc. der Bevölkerung auf % Proc. ermäßigt werden sollte, da nach der Ansicht der Bundesregierung die gegen­wärtige europäische Situation eine Verminderung der Schlagfertigkeit der deutschen ReickSarmee keineswegs zulasse. Damit soll nicht gesagt sein, daß eine Reduktion des Friedensstandes der Armee absolut nicht erreicht werden könnte. Em Eom- promiß in der MUitärsrage zwischen Regierung und Volksvertretung ist im Gegen- theil sehr wohl möglich, nämlich auf der Grundlage, daß eine bedeutende Erhöhung der Gehälter der Unteroffiziere zugestanden würde, welche der Regierung die Eon- cession einer wesentlichen Herabsetzung der Friedenspräsenzstärke abnöthigen wurden. UebrigenS ist die Behauptung derVoss. Ztg.", wonach erst nach Bekanntmachung der Resultate der Volkszählung vom 1. December d. I. die Friedenspräsenzstarke des Reichsbeeres festgestellt werden sollte, völlig aus der Luft gegriffen.

Zu Frankfurt a. M. wird in den Tagen vom 9. bis 12. Septemb-r der dritte deutsche Buchdruckertag stattfinden, welcher von den Deputaten aller deutschen Buchdruckergauv?rbände beschickt wird und bindende Beschlüsse für den deutschen Buchdruckerverband saßt. Derselbe wird sich auch mit der Beschlußfassung über das Statut einer VerdandSinvalidenkosse zu beschäftigen haben.

f Ursprünglich war es in der Absicht, den Reichstag schon zum 1. October iu berufen und wenn der Termin jetzt bis Mitte nächsten Monats verschoben ist, so hat dies seinen Grund in einer Einsprache, welche von bayerischer Seite erfolgte, weil sich, angesichts der Bestimmungen der bayerischen Verfassung, die Einberufung des bayerischen Landtags auf den 20. d. nicht länger hinausschteben ließ. Würde der Reichstag schon zum 1. October zusammentreten, so könnten die bayerischen Mitglieder desselben, die zugleich Mitglieder der heimischen Kammern sind, nicht in Berlin sein, während gegen Mitte October eine Selbstvertagung für die Dauer

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werden noch fortwährend iowobl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

<li8f ökN M-KzikWEU bei allm Post-Expeditionen und dm Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat September zu 20 kr.

Preußens und Bayerns in gleicher Politik sich begegnen. Denn darüber ist wohl dem Denkenden kein Zweifel, daß die nächste und dringendste Gefahr, vor welcher der nationale Gedanke in seiner Bethätigung zu bestehen haben wird, von der Seite zu erwarten ist, von welcher nicht blos dem Staate zugemuthet wird, sich seine Zwecke von einer außerhalb desselben stehenden Gewalt verzeichnen zu lassen, sondern auch der Anspruch gestellt wird, daß die Völker die ihrer geschichtlichen Entwicklung und ihrer Naturanlage entsprechende Aufgabe einem fremden Interesse jum Opfer bringen sollen. Staat und Kirche können nur so lange sich dir Hand reichen, so lange die letztere sich auf dem ihr vorbehaltenen idealen Gebiete be­wegt; aber nicht, seitdem individuelle Auffassungen, welche im Widerspruch stehen mir der gesummten politischen und Culturentwicklung, durch die UnfehlbarkeitS- Erklärung zur Richtschnur des practischen Verhaltens gegeben worden sind. Es ist die Prätention des Romanismus in einer anderen, aber viel gefährlicheren Form, welche dem deutschen Geiste in der JnfallibilitätSlehre entgegen tritt und ihn, nach­dem er sich siegreich gegen die politische Anmaßung behauptet hat, durch den Zwang des Gewissens zu unterjochen strebt. Das bayerische Ministermm hat daher, indem es mit einer Energie, die unter den dortigen Verhältnissen allerdings sehr nöthig war, aber auch viel schwerer als irgendwo in einem andern Staate zu gewinnen war, den romanischen Prätentionen gegenüber trat, sich hinlänglich über seinen wahrhaft nationalen Eharacter legitimirt"

DaS in Thorn stehende 8. pommer'sche Infanterieregiment Nr. 61, das am 23. Januar d. I. in dem Kampfe bei Dijon den unverschuldeten Verlust seiner Fahne zu beklagen hatte, empfing, wie dieThorner Zeitung" unterm 1. Septbr. meldet, vom Kaiser folgende CabinetSordre:

Ich lasse dem Generalcommando in der Anlage die Abschrift Meiner Ordre vom heutigen Tage an den Oberbefehlshaber der Occup.-rtionSarmee in Frankreich, betreffend die Verleihung einer neuen Fahne an das 2. Bataillon 8. pommer'schen Infanterieregiments Nr. 61, zur Kenntnißnahme zugehen.

gez. Wilhelm.

nicht ohne Befriedigung davon überzeugen, daß auch auf diesem an Sorgen und Gefahren so reichen Gebiete der staatlich-kirchlichen Concurrenz die Regierungen