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die Nationalversammlung, den souveränen Willen Frankreichs, stelle. Von diesem Standpunkte aus würde der Ravinel'sche Antrag also die Lösung erhalten: Ver­sailles Sitz der Inhaber der Souveränetät, Parts Sitz der Executive. Ob dieser Vorschlag aber Gnade vor den Vätern des Landes erhält, steht zu bezweifeln. Die Monarchisten unter den Abgeordneten wollen nicht nach Paris und auch den Präsidenten der Republik nicht in Parts sich in einer Weise beschränken lassen, die unter Verhältnissen für die Rechte bedenklich werden dürfte. Gelöst ist dagegen -ur allgemeinen Zufriedenheit durch Herrn Valette, Generalsekretär der National­versammlung, die große Frage wegen des Ceremoniels bet Einbringung von Bot­schaften des Präsidenten der Republik: der Minister des Innern steigt auf die Tri­büne, die Botschaft in unversiegelter Hülle in der Hand, und spricht:Meine Herren Abgeordneten! Ich habe die Ehre, dem Herrn Präsidenten der National- Versammlung eine Botschaft des Herrn Präsidenten der Republik zu überbringen." Hierauf überreicht er das Aktenstück, das der Präsident sofort entfaltet und vor­liest, worauf er dem Minister die Einbringung bescheinigt. Diese Eeremonie wird fortan oft spielen, wenn ThierS seiner alten Rede- und Schreibseligkeit auch in seiner neuen Würde treu bleibt.

Daß dieTimes" trotz der Erhebung des Herrn ThierS zum Präsidenten derRepublik" auf die Beständigkeit der in diesem Namen angedeuteten Staats­form kein großes Zutrauen setzt, läßt sich aus den Betrachtungen entnehmen, welche sie dem Tage und dem Manne von Sedan widmet.Napoleon", sagt sie,fiel vor einem Jahre und sein Name wurde im ganzen Lande verwünscht, allein er war die Creatur des Volkes, welches er regierte. Er hielt die Zügel der Gewalt, weil er den Bedürfnissen desselben genügte. Man mag sich von ihm lossagen, allein nach einer gewissen Periode wirb derselbe Geist, wenn nicht dieselbe Person, zurückkehren, um den Platz einzunehmen, der für ihn bereitet wird. Napoleon fand im Jahre 1819 das französische Volk als einen wüsten Hausen vor. Man nahm ihn hin, weil in seinem Namen das Versprechen lag, daß er die Franzosen zur Armee hcranziehen werde. Heute, nach zweiundzwanzig Jahren, sind sie wieder ein wüster Haufen, und wir fragen uns, ob sie sich zur Nation ausbtlden oder wieder unter eine Militärherrschast fallen werden." Die Franzosen haben freilich nicht viel gelernt, aber das werden sie doch wohl eingesehen haben, daß cs dem dritten Napoleon schlecht gelungen ist, sie zur Armee heranzubilden. Soll die Times" Recht behalten, daß der Mann vom 2. December und 2. September noch nicht abgethan ist, so müssen die Franzosen so tief gesunken sein, daß man sie nacp dem gewöhnlichen Maßstabe der Moral und sei cs auch nur der politi­schen Moral gar nicht messen kann.

Das Urtheil des Kriegsgerichts in Versailles über die Häupter der Commune sieht fast wie eine Gnadenbezeigung des Herrn Thiers aus, die derselbe in der Freude seines Herzens bei seiner Tyronbesteigung den gestrengen Richtern imputirt haben könnte. Es wird in der That gemeldet, daß er um Aufschub des Urtheils gebeten habe, um die Acten einzusehen; indeß darf man doch wohl nicht ein direktes Eingreifen des Präsidenten annehmen, höchstens indirekte Winke, mild zu verfahren. Ein Gnadenact nach dem Urtheil ist nicht ausgeschlossen; es sind zwei Tobesurtheile gefällt, über Ferre und Lullier, denen das Erschießen der Geißeln zur Last fällt. Alle Uebrigcn sind mit dem Leben davon gekommen, zum Theil, wie Courbet, mit gnädigen Strafen.

t Berlin, 2. September. Auf ganz unerklärliche Weise verbreitete sich gestern Nachmittag in Berlin das Gerücht, der Kronprinz sei in Potsdam bei einem Ritte vom Pferde gestürzt und habe sich erheblich verletzt; Abends sprach man sogar mit großer Bestimmtheit von dem Tode des Kronprinzen. Die Er­regung war begreiflicherweise eine ganz enorme; überall beklagte man in herz­innigster Weise den Verlust des jungen, hoffnungsvollen Helden. Spät Abends erst wurden Stimmen laut, welche das Gerücht auf ihren wahren Werth zurück- führten; trotzdem glaubte man noch immer an das Unglück, bis die Morgen- zeitungen durch das amtliche Dementi des von der Börsenzeitung auch öffentlich zum Ausdruck gebrachten Gerüchts jeden Zweifel verscheuchten. Wie die Fabel eigentlich entstanden ist, bleibt umsomehr Geheimniß, als während des gestrigen Tages auch nicht das Geringste vorfiel, was derselben hätte zur Unterlage dienen können; ja der Kronprinz hat gestern nicht einmal ein Pferd bestiegen. Hoffen wir, daß sich auch hier das alte Sprüchwort bewahrheitet, welches den Todt- gesagten eine lange Lebensdauer verspricht.

t Berlin, 2. September. In der gestern angedcuteten Angelegenheit, die Spoliirung öffentlicher Kaffen betreffend, herrscht auch heute noch dasselbe Dunkel. Die Börsenzeitung bringt mit dem betreffenden Gerücht de» Namen des Geh. Regierungsraths Scabell, des Directors der Berliner Feuerwehr, in Verbindung, sie verwahrt sich jedoch gegen alle daraus zu ziehenden Conscquenzen, und that- sächlich irrt sie auch in Bezug auf die Dauer der Abwesenheit Scabell's von hier. Scabell nahm am 10. Juli auf acht Wochen Urlaub, um zunächst seinen Schwieger­sohn zu besuchen, der zur Zeit noch bei seinem Regiments in Frankreich steht; die Tochter Scabell's, die Frau des Hauptmanns, begleitete ihren Later auf dieser Reise. Nächstdem wollte Scabell einen Badeort besuchen und soll am 9. Sep­tember hier wieder etntreffen, um am 10. September zum Wiederantritt des Dienstes sich zu melden. Anderseits bringt die Staatsbürgerzeitung eine verschämte Notiz, nach welcher der erst kürzlich zum Major in der Armee avancirte Hr. v. Stülp- nagel, Vorsteher der Calculatur des Polizeipräsidiums, sich auf Reisen befindet in England. Letzteres scheint sich zu bestätigen, dadurch wird aber das Gerücht von begangenen großartigen Unterschleifen, die man heute auf 160,000 Thlr. be­ziffert, in keiner Weise erhärtet, denn v. Stülpnagel gehörte während des Krieges ein volles Jahr der activen Armee gn und übernahm erst vor ganz Kurzem wieder fein Amt. Es ist höchst auffallend, daß, während alle Welt von begangenen Unterschlagungen spricht, hin Mensch im Stande ist, die spoliirte Kaffe auch nur andeutungsweise zu bezeichnen, wie es denn auch Thatsache ist, daß bis zur Stunde feine der etwa in Betracht kommenden Kaffen revidirt wurde. Die Sache ist, wie gesagt, sehr, sehr dunkel, und um so eigenthümlicher bleibt es, daß gewisse Persönlichkeiten der schonungslosesten Kritik unterworfen werden, ohne daß für die erhobenen Beschuldigungen irgend welcher positive Beweis erbracht wird.

. "I" Finanzmintster hat die Bestimmungen über die den MiUlärinvaliven

bewilligten Verwundungs- und VerstümmelungSzulagcn dahin interpretirt, daß der- Ölekvni Zulagen den Empfängern auch bei Versorgung in Invaliden - Instituten, sowiebel Anstellungen im Civildienst neben den fest zuständigen Cvmpetenzen an ^halt, Pension rc. verbleiben sollen. Demgemäß ist der Maximalbctrag, dis zu welchem von einem im Civildienst angestellten Militär Gehalt und Pension be­

zogen werden können, ohne Rücksicht auf die DerwundungS- und Verstümmelungs- zulagen festzusetzen, und sind letztere neben dem hiernach festgesetzten Max.malbetragr unverkürzt zu zahlen.

lieber bte dunkle Unterschlagungsgeschichte, welche seit drei Tagen ganz Berlin beschäftigt, geben wir weiter unten das officielle Dementi, soweit eS die Personen des Geh.-RathS Scabell und des Majors v. Siülpnagel betrifft. Den Ursprung des Gerüchts anlangend, so wird dasselbe auf den Umstand zurückgeführt, daß augenblicklich ein Mann vermißt wird, der ein bedeutendes Bankinstitut hier begründete, der aber keineswegs königlicher Beamter ist. Es wird uns auch der Name dieses Mannes genannt, wir enthalten uns aber vorläufig noch der Wieder­gabe desselben, weil sein Verschwinden nur darum vcrmulhet wird, daß er in dem von ihm bei der Abreise bezeichneten Badeorte noch nicht eingetroffen ist.

Der Kaiser wird nicht vor den ersten Tagen des October hier zurückerwartct. Nach seiner Hierherkunft soll auf den königlichen Nesidenzschlöffern an Stelle der bisher dort wehenden Königsflügge die deutsche Reichsfahne aufgezogen werden.

t Berlin, 4. September. Die Gerüchte, welche sich mit der Person des allgemein bekannten Directors der Berliner Feuerwehr, Geh. RcgierungSraths Scabell beschäftigten und selbst über die Mauern Berlins hinaus ein so peinliches Aufsehen erregten, haben jetzt auch eine amtliche Meinungsäußerung herauSgefordert, indem der Herr Polizeipräsident v. Wurmb alle derartigen Verdächtigungen durch die Mittheilung entkräftet, daß sich Herr Scabell auf regelrechtem Urlaub befindet, welcher erst am 7. d. M. abläuft. Bis zu diesem Termin wird deshalb diese Angelegenheit als unmotivirt ruhen müssen. Wie wir übrigens hören, befindet sich der kürzlich zum Major befördere Hauptmann v. Stülpnagel, dessen Person ebenfalls :n den Kreis der verdächtigenden Gerüchte gezogen wurde, in England zum Besuche seiner Schwiegereltern. Der Major v. Stülpnagel hat sich mit ordnungsmäßigem Urlaub auf ärztlichen Rath in ein Seebad begeben, um feine vom Feldzuge her angegriffene Gesundheit wieder zu erlangen, und er hat ein englisches Seebad nur deshalb gewählt, weil eben seine Gattin eine Englän­derin ist.

Der Bau des Parlaklientshauses wirb jetzt mit größter Energie betrieben und soll zum 15. October mit Bestimmtheit vollendet und dann auch vollständig benutzbar fein. Es wird jetzt mit allen Kräften gearbeitet, nicht allein die Ar­beiten zu vollenden, sondern auch das Gebäude auszutrocknen.

t Berlin, 4. September. Es ist jetzt definitiv entschieden, daß eine Central­behörde für Elsaß - Lothringen unter der Verwaltung des Geh. Regierungsraths Hcrtzog hier eingerichtet wird. Es soll gewissermaßen ein Ministerium für Elsaß- Lothringen in dem hiesigen Bundeskanzleramte hergerichtet werden, damit der Reichs- kanzler seine Elsaß Lothringen gegenüber einzunehmenden Obliegenheiten dircct in vollem Umfange wahrnehmen kann.

Berlin, 5. September. Eine Wiener Correspondenz derKreuzzeitung" bemerkt zu den Gasteiner Verhandlungen, daß bei denselben vermieden worden sei, die eigentliche römische Frage, d. h. die Frage der Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes zur Erörterung zu bringen. Diese Frage dürfte fortgesetzt als eine rein innere italienische Angelegenheit aufgefaßt worden sein, deren inter­nationale Erledigung von Italien nicht nur nicht begehrt, sondern entschieden ab* gelehnt wurde.

München, 5. September. Der neuesten Bestimmung zufolge reist der Kaiser von Salzburg am 8. d. über München, ohne daselbst Aufenthalt zu nehmen, direct nach Hohenschwangau zum Besuch bei der Königin-Muiter.

Straßburg, 3. September. DemNieberrh. Kurier" wird aus Paris ge- schrieben:Die Industriellen Elsaß Lothringens haben Hrn. Keller mit der 93er- theidigung ihrer Interessen beauftragt. Herr Keller wird in ihrem Namen an die Kammer folgende Anforderungen stellen: 1) Verlängerung des Termins für die freie Einfuhr der Produkte der annectirtcn Länder bis zum 1. Januar; 2) eint Frist für die Ausführung der vor dem Kriege abgeschlossenen Handelsgeschäfte; 3) Ausfindigmachung einer Einrichtung, welche eine vortheilhafte Fortsetzung der Beziehung zu den französischen Märkten ermöglichen würde." Heute Nachmittag traf der König von Sachsen hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalte (eint Reise zunächst nach Metz fort.

Wien, 2. September. DieNeue Freie Presse" schreibt:In dem Maße, als die Entscheidung heranrückt, mehren sich die Klagen über die Verfolgungen, welche die Verfassungspartei allenthalben zu erleiden hat. Die Partei - Organe werden confiscirt, die Wahl-Broschüren, und wenn sie noch so mäßig im Tone gehalten sind, werden, bevor sie in die Hände der Parteigenossen gelangen, von der Polizei aufgegriffen, die Placatirung von Partei - Manifest.n wird verboten. Und uns zum Hohn werden der Gegenpartei alle Ausschreitungen nachgesehen. Unsere Gegner dürfen straflos die Verfassung mit Koth bewerfen, sie dürfen deren Anhänger, ohne den Staatsanwalt zu fürchten, beschimpfen, wie noch nie eine Partei beschimpft wurde; sie dürfen die VerfaffungSfreunde Diebe, Ehebrecher, Ver­führer schelten; ihnen gehört der Tag."

Linz, 1. September. Einer großen Anzahl liberaler Wähler wurden dies- mal die Legitimationskarten nicht zugestcllt.

Pims, 4. September. Briefe aus Versailles von diesem Morgen kon- statircn, daß gestern vollständige Ruhe in ganz Frankreich herrschte, mit Ausnahme von Nimes, wo unbedeutende Ruhestörungen stattfanden.

Versailles, 4. September. In der heutigen Sitzung der National-Ver- sammlung wurde die Anfrage, wie es mit der versprochenen Untersuchung über Bazainc's militärische Führung siche, vom KriegS-Minister dahin beantwortet, baß man sich gegenwärtig damit beschäftige, Untersuchungsräthe zu ernennen, welche am 15. d. M. zusammentreten und alle Capitulationen, die vorn Sedantage (2. Sept.) an vorgekommcn sind, prüfen sollen.

Lille, 4. Sept. Gestern Abend ereignete sich auf der Nordbahn bei Scclin in der Nähe von Lille ein großer Unglücksfall. Der Pariser Schnellzug stieß mit dem Personcnzug von Donar zusammen. Die Maschine des Schnellzugs würbe zertrümmert. Zehn Personen blieben tobt, gegen 100 Personen sind schwer verwundet, viele erhielten Brandwunden. Der Unglücksfall entstand dadurch, daß der Schnellzug abgelassen wurde, obgleich sich der Personenzug verspätet hatte. Eine gerichtliche Commission ist nach dem Schauplatz des Unglücks abgegangen.

Washington, 2. September. Auf einem Cabinetsrathe, bei welchem Prä- sivent Grant zugegen war, wurde die Unterdrückung des Aufstandes in Süv- Carolina beschlossen. Die Unionsregierung wartet das Ergebniß der britischen Expedition nach Korea ab, ehe sie die Feindseligkeiten wieder aufnimmt.

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