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Da- preußische Gouvernement fand derleiunangemessen", und eS ist nur erstaun­lich, daß der Mann auf Wilhelmshöhe über die Angemessenheit seiner Absicht einen Augenblick in Zweifel sein konnte. Welche Autorität kann sein Wort noch haben, und was vermöchte eine von ihm unterzeichnete Proklamation anders, als die Franzosen zu erbittern? Andererseits that das preußische Gouvernement wohl daran, dem Verdachte, es führe noch immer eine Lösung der französischen Frage unter Mitwirkung des Bonapartismus durch Gestattung einer derartigen Kund­gebung im Schilde, keine neue Nahrung zuzuführen.

Die N. F. P. schreibt:Die Antwort des österreichischen Cabinets auf die preußische Depesche ist in Berlin übergeben worden, und da bei dieser Ge­legenheit prenßischerseitS der Wunsch nach einer unmittelbaren Besprechung- BiS- marck'S mit einem Vertreter Oesterreichs ausgesprochen wurde, so ist die Rede davon, daß Graf Wimpffen sich in dieser Woche von Berlin nach Versailles be­geben wirb."

Von der unteren Donau, 23. Dec. wird derAllg. Ztg." geschrieben: Seit es bekannt geworden, daß Rumänien das Vasallenoerhältniß zur Pforte zu lösen beabsichtige, bemächtigte sich der bulgarischen Bevölkerung eine fieber­hafte Unruhe. Russische Emissäre fordern das Volk zu einem freilich vorerst friedlichen Schritt auf. Es handelt sich um eine Petition an Europa und den Sultan, worin die Gewährung einer vollkommenen inneren Selbstständigkeit nach­gesucht werden soll. Da es aber keinem Zweifel unterliegt, daß die Pforte darin nicht einwilligen wird, so könnte es sich ereignen, daß die Bulgaren an den letzten Beweisgrund, an die Massen, appelliren. Die Emigranten in Rumä­nien sorgen schon dafür, daß ein eventueller Kampf Waffen und Streiter finde. Daß es für bas künftige Königreich Rumänien von ber äußersten Wichtigkeit ist, nicht an bie Türkei, sondern an ein selbstständiges Bulgarien zu gränzen, versteht sich von selbst. Die Pforte scheint allen ihren Optimismus verloren zu haben. Die Soldaten, welche von ihren 6 Dienstjahren erst 4 abgedient haben und auf Urlaub entlassen wurden, sind im Tuna-Bilajet wie im Adrianopler Bilajet einberufen worben. Auch ist die Zurückbeförderung ber Truppen, welche man von Varna nach Konstantinopel zog, um sie wahrscheinlich nach Arabien zu senben, angeorvnet.

Kriegsnachrichten.

DieJndependance belge" meldet aus Paris unterm 26. Dec.: Zahl- reiche Bäume werben gefällt, um den Bedürftigen Heizmaterial zu verschaffen. Die Truppen, welche bisher außerhalb der Stadt gelegen haben, sind wegen der Kälte in dieselbe zurückgekehrt. (Es sind 600 Fälle von Erfrierungen vorge­kommen.) DemJournal officiell" zufolge bedeutet dies keineswegs das Aufhö­ren oder eine Unterbrechung der militärischen Operation. Das amtliche Blatt enthält ferner eine Note, welche die Befugniß der Bevölkerung wegen Mangels an Brennmaterial zu beseitigen sucht. Die Hauptstadt besitze noch im Bois de Boulogne, im Bois de Vincennes und in den Bäumen der Boulevards und auf den Landstraßen innerhalb ber Bannmeile hinreichenveS Brennmaterial.

Vom Oberrheiu, 30. Dec. DieAllg. Ztg." schreibt:Nach dem Vor­gänge ber anderen rheinischen Festungen hat man gestern früh auch in Rastabt bei den Kriegsgefangenen Nachsuchungen gehalten und eine scharfe Ueberwachung eintreten lüften. Man hat dabei eine erhebliche Anzahl alter badischer Soldaten- uniformen gefunden, welche wohl bei verschiedenen Trödlern von den Gefangenen aufgekauft worden waren, um in denselben die badischen Soldaten zu täuschen und so zu entkommen, wenn nicht gar, um Anderes auszuführen. Waffenvorräthe soll man nicht gefunden haben.

Pruntrut, 3. Jan. Am 1. ds. Kampf bei AbbevillierS und Croix (süd­lich von Delle). Beim Rückzüge ber Franzosen wurden 200 Mann von den VengeurS durch schweizer Truppen gefangen genommen und haben hier übernachtet. Am 2. Januar heftiger Zusammenstoß bei Delle. Nähere Mittheilungen fehlen. Das Gros ber Schweizertruppen stand bei Boncourt. Verwundete werben hier eingebracht.

Bern, 3. Jan. Der Bundesrath hat bie Jnternirung der bei Granbfontaine gefangenen Franzosen, 200 Mann vom RachercorpS, anbefohlen. Die Offiziere kommen nach Luzern, die Mannschasten nach Thun.

Boucourt, 3. Jan. Nach dem Gefecht bei Croix sind gestern drei Wagen Verwundete in Delle angekommen. Gestern und heute hörte man eine starke Kanonade bei Belfort; es soll ein Ausfall stattgesunven haben. Das Resultat ist noch unbekannt.

In Brest sind der amerikanische DampferErie" und der französische Post- dampferVille de Pari«" mit 120,000 Gewehren und vielen Millionen Patronen angekommen. Die Waffen wurden sofort per Eisenbahn nach dem Innern gebracht.

Aus Lothringen, 1. Jan. Fort und fort kommen aus Bayern, Sachsen und den verschiedensten Theilen Preußens neue Truppen hier durchmarschirt. Es sind theils Ersatzmannschaften, größtentheils junge, frische Gestalten, die erst vor drei Monaten eingetreten sind und unter denen sich viele Freiwillige befinden, bie zum Ausfüllen der ost schon sehr gelichteten Reihen ihrer Bataillone bestimmt sind, therlS ältere Landwehrmänner, die häufig das 30. Lebensjahr schon weit überschritten haben, welche zur Besatzung der Städte und Eiappenlinien bestimmt sind. An 150,000 Mann neue deutsche Truppen werden in ber Zeit von Mitte December bis Mitte Januar den Boden Frankieichs sicherlich betreten. Es hilft nun einmal nichts, bas deutsche Volk muß alle seine Kräfte anspannen und bie höchsten Anstrengungen machen und wirb hierzu auch gern bereit sein, denn je mehr Truppen wir jetzt hier haben, desto eher können wir hoffen, den verzweifelten Widerstand der französischen Nation zu besiegen und so diesem entsetzlichen Kriege VaS so dringend gewünschte baldige Ende zu machen. Ermatte man daher nur ja nicht in Deutschland, jetzt die größten Opfer zu bringen, hoffentlich dauert es nun auch nicht mehr allzu lange, denn es ist unmöglich, daß der jetzige Wider­stand Frankreichs noch geraume Zeit anhält ober gar noch gesteigert werbe.

Darmstadt, 2. Jan. Bei der heute stattgehabten Ziehung der Großh. Hess. 50 st.Loose erhielten nachstehende Nummern folgende Preise: Nr. 54,933, 104,227 je 1000 ft; Nr. 63,595, 62,724, 78,862, 80,804, 28,126 Je 400 ft.

Kassel. Unter den Auszügen aus dem Standesbuch der katholischen Ge­meinde in Kassel findet man folgende Anzeige:Katholische Gemeinde. Ge-

borne: 1) Alphons Franyois Mantin Antoine, des Marschalls von Frankreich, F. A. Bazaine Excell., Sohn.

Aus Köln wird der folgende seltsame Fall berichtet: Als dieser Tage eine Kiste mit der DeclarationCachepots" (elegante Stander für Blumentöpfe) an einen hiesigen, zur liberalen Partei zählenden Bürger adres- sirt, eintraf, glaubten die Beamten einen Fang gethan zu haben, indem sie ChaffepotS" lasen. Der Kaufmann wurde sofort zur Mittagszeit in Haft ge- nommen, und erst am Abend spät wieder in Freiheit gesetzt, nachdem man sich von dem Jrrthume überzeugt hatte.

Berlin, 3. Jan. Im Processe Güterbock wurde Güterbock wegen Ver­brechens des Landesverraths zu zwei Jahren, Kulb zu neun, Mcher St. Goar zu sechs und Levita zu drei Monaten Festungshaft verurtheilt.

Berlin, 3. Jan. Auf das Neue ist seitens ber zustänbigen Militärbehörde auf das in ber Rheinprovinz vorkommenoe häufige Entweichen wortb-üchiger fran­zösischer Offiziere und Mannschaften hingewiesen und das Oberpräsidium ersucht worben, auf Vie Flüchtigen zu fahnden unb, soweit eS sich thun läßt, auch die Eisenbahnwagen an den geeigneten Stationen revibiren zu lasten. Bei dem heute beginnenden Ersatzgeschäfte für 1871 schon müssen, Allerhöchster Anordnung zu Folge, die Militärersotzbehördcn alle Neueinlragungen in bie AushebungS- listen u. s. w. nach dem Meter-System bewirken, unb in benselben statt Fuß, Zoll, Strich fortan Meter, Zentimeter, Millimeter vermerken. Die Feststellung geringerer Maße als fünf Millimeter unterbleibt, so baß 1 bis einschließlich 4 überichießenbe Millimeter gar nicht in Rechnung zu stellen unv 5 bis einschließlich 9 dergleichen nur als 5 Millimeter gerechnet werben. Die Meßapparate sind also dahin ein­gerichtet, daß sie nur bas Ablesen ganzer unb halber Zentimeter gestatten. Die Maximal- unb Minimal-Maße für bie Rekruten der einzelnen Truppentheile sind entsprechend geändert worden. Als größtes vorkommendes Maß gilt 1 Meter 78 Zentimeter als Ausnahme, 1 Meter 75 Zentimeter als Regel, als kleinstes 1 Meter 57 Zentimeter als Ausnahme, 1 Meter 62 Zentimeter als Regel. Der Beginn des Departements-Ersatzgeschäits ist übrigens in den einzelnen Brigade­bezirken mit möglichst kurzer Frist nach Beendigung des KreiseriatzgeschäftS anzu- beraumen. Die Abschlußnummern für 1870 sind sofort festzustellen; die hinter denselben stehenden Ersatzpflichtigen werben nicht mehr gemustert, sondern bleiben für Nachstellungen verfügbar. Abgesehen hiervon ist, da eine Vertheilung deS Ersatzbedarfs zur Zeit nicht erfolgen kann, bie Musterung auf sämmtliche vor- hanbene Mannschaften auszubehnen.

Breslau, 1. Jan. Dem Vernehmen noch bezog sich die von dem Herrn EultuS-Minister abschläglich bcschiedene Beschwerde des Fürst-BlscholS von Bres­lau nicht bloß auf die Religionslehrer, sondern auch auf die Laienlehrer, welche gegen die päpstliche Jnfallibilrtät protestirt haben. Das M'nisterial-Rescript soll so entschieden unb bestimmt lauten, daß dem Fürst-Bischof von jetzt an kein Zweifel über seine Stellung zu den katholischen Gymn-sien bleibt. Das Gerücht, daß der Fürst-Bischof in Folge hiervon eine Jesuiten-Anstalt zu gründen beab­sichtige, entbehrt bis jetzt jeden Grundes. (N. P. Z.)

Konstantinopel, 31. Dec. Zwischen der Pforte und dem Khedive sind erneute Differenzen auSgebrochen. Die Pivrte beklagt sich, datz der Khedive ihren letzten Ferman außer Acht lasse, besonders in Beziehung auf Waffenrü­stungen. Die officiöse Presse verurtheilt d e Bestrebungen Rumäniens, welche zur Annexion durch Rußland oder Oesterreich führen würden. Wenn selbst Eu­ropa sie unterstützen sollte, so wüßte bie Pforte ihre Souverainetät selbst um jeben Preis aufrecht zu erhalten. In Jemen herrscht noch große Aufregung.

Konstantinopel, 2. Jan. Unter den Bulgaren herrscht große Aufregung wegen ber Bewilligung vcs Eoncils, welches Bulgarien majorisiren und Die schwebenden Fragen zu ihren Ungunsten entscheiden könnte. Die Behörden Bul­gariens rathen vom Concil bringend ab.

91ett>=s?)orf, 9. Dec. Das General-Comit^ des deutschen Frauen Bazars, der im vorigen Monat hier Statt gefunden, hat gestern beschlossen, den Rein­ertrag mit 73,630 Doll. 70 Cts. (Die Kosten beliefen sich auf 78531/2 Doll.), an das Berliner Zentral-Zomifö zu übersenden, damit dieses Die Hälfte den Verwundeten und die andere Hälfte den W.ttwen und Waisen zur Linderung augenblicklicher Noth zuwende.

Telegraphische Depeschen.

Arras, 4. Jan. DerZourrier douaisien" schreibt:Es ist hier das Gerücht verbreitet, daß sich Arras nicht vertheidigen werde. Der Präscct des Pas De EalaiS hat an Die Einwohner von ArraS eine Proklamation erlassen, in welcher er dieses Gerücht bespricht und alle guten Bürger auffordert, Die Ver­breiter desselben ausfindig zu machen. Es heißt Darin:Diese ZlenDen sollen wiss.n, Daß sie sich nicht allein einer unwürdigen Verleumdung gegen Die Ver- theidigungsbehörben, sondern auch eines Verbrechens schuldig machen, welches baS Gesetz mit Dem Tode bestraft."

A Valenciennes, 4 Jan. Aus Lens wird demLiberal du Nord" berichtet, daß 150 Mobilgarben dort beim Appcl von 15 Ulanen überrascht und genom­men wurden.

Man schreibt aus AmitUs an baßEcho du Nord":Die Stadt ist mit deutschen Soldaten überfüllt. Man vertheilt keine QuartierbilletS wehr. Die Soldaten quartieren sich in größerer oder kleinerer Zahl nach Belieben in Den Häusern ein, aus welchen sich der Eigenthümcr vertrieben sieht. Die Spitäler sind mit Verwundeten überfüllt, welche größtentheils von Dem Schlachtfeld von Noyelles kamen. Als Die Preußen zur Schlacht ausrückten, erklärten sie cavalier- mäßig, daß sie die Mobilen zur Raison bringen wollten. Sie waren weit ent­fernt zu glauben, daß sich das Endresultat so nachtheilig (?) für sie gestalten würde. Die Reiterei, welche bas Land überschwemmt, ist nicht zahlreich, aber sie rechnet auf die schmachvolle Gleichgültigkeit der Landbevölkerung.

4- Bern, 4. Jan. General Herzogs Demission« Begehren ist officiell zurück­gezogen; der Bundesrath beantragt bei den beteiligten Mächten eine Conserenz zu Bern im Januar Behufs Feststellung der Fristverlängerung des Gotthard- DertragS.

4- Genf, 4. Jan. Laut Meldung aus Dijon vom 3. erfolgte gestern in ber Nähe von Saulieu ein Zusammenstoß zwischen einer preußtschen Eolonne von 7 - bis 800 Mann, die von Semur ausmarschirte und einem Bataillon Garibaldianer unb einem Corps Nationalgarben von Saulieu.

4- Wien, 4. Jan. Das hiesige Telegraphen-Correspondenzbureau meldet officiös:Die von Seiten mehrerer Zeitungen seit einigen Tagen als Tele-