Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Kießen
1871
Samstag den 7. Januar
Nr. «
durch die nach der Stadt flüchtenden Bewobner der zwischen den Forts gelegenen
Was nun weiter kommen wird, werden
Jedenfalls wird nun Niemand ein Recht mehr
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PretS vierteljährig 1 ft. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 ft. 27 kr.
nutzt; nun muß der Trotz gebrochen werden."
Die „Volkszeitung" schreibt: „Am 1. Januar 1871 tritt in dem ganzen Gebiete des Norddeutschen Bundes neben den verschiedenen vorhandenen Maß- und Gewichtssystemen, das neue metrische Maß» und Gewichtssystcm fakultativ in Kraft, um nach einem Jahre das allein gültige zu sein. Wir begrüßen diesen Zeitpunkt als einen Fortschritt in unseren VerkchrSverhältnissen, dessen Wirkungen sich vielleicht augenblicklich wegen der Verkehrsstörungen, die der Krieg mit sich bringt, nicht in ihrem ganzen Umfange bemerklich machen, die aber dennoch von der tiefgehendsten Bedeutung sein werden. Um aber ter Beseitigung der in Deutschland herrschenden Derschirdenheit der Maße und Gewichte und dem Anschluß an ein weitverbreitetes Maß- und Gewichtssystem die volle Bedeutung zu geben, scheint es uns geboten, daß nun nicht länger zögert, das, was man jetzt für Maß und Gewicht thut, auch für die Münze zu thun, d. h. eine einheitliche Münze za schaffen, welche nach dem Decimalsystcm eingerichtet ist, und sich zugleich einem weit verbreiteten Münzsystem so eng anschließt, daß durch Annahme desselben in Deutschland tie Entscheidung für die Weltmünze getroffen ist. In dieser Beziehung schwanken bekanntlich, abgesehen von der Währungsfrage, die Meinungen zwischen dem französischen und englischen System,-von denen vaS erstere durch das 20-Frankenstück, das andere durch das 25-Frankenstück repräfentirt ist. Wahrscheinlich wird man sich, wie die Dinge augenblicklich liegen, für die letztere Münze entscheiden, um so mehr, als ja auch das in Deutschland bekannte und im kleinen Veriedr sehr gebräuchliche Zehnsilbergroschenstück und der österreichische Gulcen sich
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition : Canzletberg Lit. B. Nr. 1.
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1.
leicht in dasselbe einfügen."
Man schreibt der „K. Z." aus Berlin vom 3. Januar: Die Widersprüche über den Zustand der Dinge in Paris und die Frage, wie lange dle feindliche Hauptstadt sich noch halten kann, werden wob! bis zum Tage der Eapitulation fortdauern. Sicher scheint nur, daß das Bombardement neben der fortgesetzten Aushungerung ernstlich ins Auge gefaßt, ja schon in wirksamen Angrff genommen ist. Dafür werden in Den ministeriellen Abendblättern bedeutsame Anzeichen auS den letzten amtlichen Mittbeilungen vorgeführt. Einige ungläubige Personen, die jeden Gedanken eines offensiven Vorgehens der Preußen gegen die Pariser Forts mit skeptischer und voreiliger Zuversicht besprochen hatten, wie beispielsweise ein Berliner Eorrespondent des Journal de Gcnöve, sind schon jetzt durch die That- sachen eines Besseren belehrt worden. Die angeblichen oder wirklichen Pariser Ballonbrieie sind allerdings noch scheinbar hoffnungsvoll gehalten, aber zum guten Thei! offenbar nach einem Schema gearbeitet und für eaS Publikum draußen berechnet. Am häufigsten kehrt die Beschreibung eines Dejeuners oder Diners wieder, welches ein Pariser Bürger zur Einweihung cines während der Belagerung neu erbauten oder eingerichteten Hotels giebt. Das Menu ist stets noch reichlich versehen und niemals fehlt die Gänseleberpastete. Vielleicht würde einige Abwechslung in jenen in Brüssel und anderen Orten sabrikirten Ballonbriefen nebst den unvermeidlichen Küchenzetteln mehr Glauben finden. Wie es wirklich in Paris steht, ist au- den Gerüchten ersichtlich, die in der Times sogar schon von der bevorstehenden Eapitulation sprechen lassen, mag diese Nachricht auch verfrüht sein, und mehr noch aus der sehr charakteristischen Berathung, die zwischen Trochu und den Maires von Paris iib.r die Vertheidigung der Stadt nach französiichen Berichten Statt gefunden bat. Es war vvryergesagt, daß Paris einmal plötzlich fallen werde, und diese Prophezeiung wird sich auch wohl erfüllen.
Die Eapitulation von Paris wird, nach eintreffenden Privatnachrichtcn, auch in Versailles für nahe bevorstehend gehalten. Das gegen die Ostfronte begonnene Bombardement durfte um einen so tieferen Eindruck gemacht haben, da die Franzosen für die lange Verschiebung desselben den Grund in der Furcht vor der lieber- legenheit ihrer Artillerie gesucht haben sollen. Jetzt sind sie in wenig Tagen schon eine- Anderen belehrt worden! Hoffentlich wird die Eapitulation von Paris dre Provinzen schnell ernüchtern. Für den Fall aber, daß der Friede auch dann noch nicht in kürzester Frist erreicht werde, würde, wie es heißt, unsere Kriegführung einen bestimmten Theil des französischen Gebiets ms Auge fassen, der so dicht zu besetzen wäre, daß wir ihn vollständig in der Hand hahen und für eine beliebige Periode unter unserer Herrschaft halten können. Dieser Theil würde die Hauptstadt und die besten Provinzen mit der tüchtigsten und streitbarsten Bevölkerung Frankreichs umfassen; er würde natürlich alle Lasten und Kosten des Krieges zu tragen haben, bis sich überall im Lande eine FriedenSpartei bildet, stark genug, den Machthabern des Augenblicks ihren Willen aufzuerlegen. Der zu occupirende GebietStheil würde so abzugränzen (ein, daß er militärisch möglichst leicht zu vertheidigen wäre; über diese Linie hinaus würden natürlich auch ferner Offensivstöße zu augenblicklichen Zwecken erfolgen können, aber von vorn herein würde nicht die Absicht bestehen, sie dauernd zu überschreiten. (K. Z.)
Ans Berlin melket man der Neuen Freien Presse, daß Louis Napoleon von Wilhclmshöhe aus eine Ansprache an das französische Volk richten wollte, !daß aber dies, auf Anfrage des Gefangenen, von Versailles aus untersagt wurde
Brodpreise vom 7. bis 13. Januar 1871,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
4 Psunv gemischtes Brod 21 kr. 2 Pfund gemischtes Brod lO^ kr. 4 Pfund Roggenbrot) 18 kr. 2 Pfund Roggenbrod 9 kr.
Veränderungen in ter Armee: „v. ...... . .
von dem Commando der 14. Jnfanterie-Division, die obere Leitung des Ingenieurs- I Angriffes auf Paris übertragen; 'auch übernimmt derselbe wieder die Geschäfte i Der Gencral-Jlispection des JngenieurS-CorpS. Prinz zu Hohenlohe-Jngelfingen, i Generalmajor und Eommandeur der Garde-Artillerie-Brigade, die obere Leitung des Angriffes auf Paris übertragen." Die N. Pr. Z. bemerkt dazu: „Es waren ' ja schon früher die Eommandostellen für die Belagerungs-Artillerie, den Belage- rungepark u. f. w. besetzt; aber in den obigen Ernennungen ist unseres Wissens . zum ersten Mal der Ausdruck „Angriff auf Paris" gebraucht, und wer die Ge- nauigkeit, ja, unter Umständen Peinlichkeit unserer amtlichen Ausdrucksweise kennt, weiß, Düfe solche gewichtige Worte nicht eher ausgesprochen und kundgemacht werden al« bis man fest gewillt und im Stande ist, sie auch in Thaten umzusetzen. Also der „Angriff auf Paris- beginnt; die erfolgreiche Prodcle.stung, welche die deutsche Belagerung-. Artillerie am Mont Avron vollbracht, durfte demnach mit Recht als die „wirksame Einleitung" bezeichnet werden. Die Belagerung der feindlichen Hauptstadt giebt nunmehr den so zu sagen defensiven Eharakttr der Ein- fchlußung auf und geht zur Offensive über. Bisher gingen die Venheidiger von Paris angriff-weise vor. Sie füllten zunächst die wahrgenommenen Lücken in der Befestigung durch neue Verschanzungen aus, um uns auch da den Zugang zu wehren, wo wir ihn bei Beginn der Eernirung hätten suchen können, wenn uns gleich damals die vollständigen Mittel zur Belagerung der RiestNfestung zu Gebote gestanden und wir nicht die Hoffnung gehegt hätten, die Groß- und Welt- statt mit einer nach Millionen zählenden unruhigen Bevölkerung würde schon durch eine feste Umspannung zur Uebergabe gebracht werden. Doch nicht bloß die Lücken des Festungsgürtels wurden geschlossen; General Trochu ließ es sich angelegen sein, die Verschanzungen weiter gegen unsere Linien vorzuschlcbni, um sich so, während er gleichzeitig auS den Schaaren oer Vcrtheldiger kampffähgcre Truppen bildete, eine Basis für seine Ausfälle gegen die Belagerer zu schaffen. Die „Gewinnung von Terrain" diente dazu, die „Moral" der Pariser rege zu erhalten und sie in der Meinung zu bestärken, daß wir nur mit Mühe die Hauptstadt weithin umspannt hielten und daß eine« Tages unser Arn, müde niedersinken würde, wenn von Innen her ein tüchtiger Schlag daraus fiele und wir gleichzeitig durch tie herdeieilenven „Streitkräfte der Provinz" unsrren Rucken bedroht sähen. Das fast unaufhörliche Feuer der Forts diente demselben Zwecke. Daß cs uns im Ganzen Gottlob wenig Verluste brachte, wußten die Pariser nicht; sie erfuhren nur, daß wir es nicht erwiderten; ihr Vertrauen zu ihrer Artillerie wuchs desto mehr, je weiter die Ziele gesteckt werden konnten, die man schließlich erreichte, und unser Schweigen deutete man als da« Emgeständniß der Unmöglichkeit, es mit so formidablen Geschützen aufzunehmen. So kam es, daß die Pari,er Be- völkerung, der man die Anerkennung nicht versagen darf, daß sie mit unerwarteter Ausdauer und Ruhe Vie mancherlei Entbehrungen bisher ertragen hat (wer weiß ob Berlin, Wien, London und Petersburg es ihnen glrichtdäten?), sich immer mehr in der trotzigen Stimmung des „Ausharrens bis zum Aeußersten befestigle, und man weiß, wie schwer es hält, eine solche Herzensstellung, die längere Zeit zum Fest- und Hartwerden gehabt hat, zum Bruch und Umschlag zu bringen. Der große Ausfall nach Osten zwischen Marne und Seine zu Ende November und Anfang Dccember, der von den Sachsen, Württembergern und Pommern in treuem Verein mit großer Tapferk.it, aber unter harten Verlusten abgeschlagen wurde, zeigte das dringende Bedürfniß, den Feind aus seinen vorgeschobenen Po- sitionen zu pniietben und namentlich den Mont Avron von seinen Baitcrieen zu säubern. Der geringe Eindruck, den selbst die Mittheilung von Der Niederlage der Loire-Armee in ParrS erweckte, ließ auch die Hoffnung schwinden, daß in der belagerten Festungsstadt doch noch am Ende eine ruhige Erwägung der Sachlage die Oberhand gewinnen und zur freiwilligen Oeffnung ihrer Thore führen werde. Somit ergab sich als Summe die Nothwendigkeit, zu dem Zwangsmittel des Angriffes zu schreiten. Ob wir unsererseits uns schon auf dem Mont Avron ein- logirt haben, geht aus den bisherigen Nachrichten nicht mit Bestimmtheit hervor. Doch ist es wahrscheinlich, daß es die Batterieen bei Raincy und Montfermeil und auf dem südlichen Marne-User oei Noisy le Grand, vor deren sicher treffenden Geschossen die Franzosen vom Mont Avron weichen mußten, gewesen sind, welche die Beschießung der feindlichen Positionen von der Nordostfront von Pans auch am Jahresschluß und zum 1. Januar fortgesetzt haben. Der Erfolg war, daß der Feind seine vorgeschobenen Stellungen vor dieser Front eilig räumte und felbst das Feuer der Forts Nogent, Rosny und Noisy verstummte. (Dai Fort Romainoille liegt weiter zurück, näher an die Stadtumwallung heran.) Man kann nicht wissen, ob dieses Verstummen nur ein vorübergehendes ist, um bei gün- stiger Gelegenheit das Feuer wieder aufzunehmen; jedenfalls liegt darin ein Zu- geständniß otr Ueberlegenheit unserer Artillerie, welches die Hoffnung erweckt, daß eine dauernde Festsetzung und Einlogirung auf dem Mont Avron, falls sie im Plane liegen sollte, ohne große Anstrengung und Opfer erfolgen würde Die Summe des Ganzen ist, daß die Zurückdrängung des Feindes von außen nach innen mit gutem Erfolg begonnen hat. Es läßt sich annehmen, daß schon hiedurch auf die Stadtbevölkerung eine moralische Wirkung geübt wird, deren Druck
6. Januar.
Das neueste Militär - Wochenblatt veröffentlicht u. A. folgende Personal- Ortschaften nur gesteigert werden kann.
Kameke, Generallieutenant, unter Entbindung die nächsten Tage erkennen lassen. “ haben, zu sagen, wir hätten keine Geduld mit Paris gehabt. Der trotzigen Stadt ist eine lange Frist zur Ueberlegung gegönnt gewesen — man hat sie nicht de-
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