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HreiS Lterte'.jähriß 1 fl. 12 kr. mit Nringerlohn. Durch dir Post bezogen viertellLhrig 1 fl. 27 fit.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mtt Äus» nähme Montag-.

Expedition: Tanzleiberg Lit. B. Nr. L

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Ne. 28Ä. Mittwoch den (>. Tcccmlicr 1871.

>;< Q werden noch fortwährend sowohl bei der Exredition, Canzleiberg B. 1, als such

BeffeMemgeM auf SeK Gretzener bei allen Post-Expedition«' und den Land-Postboten entgegen genommen.

^onnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedttion abbolen lassen, erbauen denselben für den Monat Deoember zu 20 fr.

Amtlicher T h e i k.

B e k a n n t m a ch u n g.

Der landwirthschaftliche Bezirksverein für den Kreis Gießen wird

Donnerstag den 14. d. MtS., Vormittags 10 Uhr,

in dem Cafs Ebel dahier eine Generalversammlung halten, zu welcher alle MilzUeber des Vereins und alle Freunde der Landwirthschaft, insbesondere die Herren Ortsvorstände und Lehrer eiugeladcn werden.

Tagesordnung:

1) Wahl eines ersten Direktors des Bezirksvercius.

2) Neuwahl des Ausschusses für die Jahre 1872, 1873 und 1874.

3) Vortrag des Herrn Pfarrer Dr Müller in Watzenborn über die Wmterthatigkeit unserer Landlcnte.

4) Vortrag des Herrn Lehrer Maul in Ruttershausen über die Pflege und den Stutzen des Obstbaues.

Gießen, den 4. December 1871.

In Erledigung der Stelle eines ersten Directors des landwirtschaftlichen Vezirksvereins:

H a b e r k o r n.

Pol it ischer T h e i l.

Frankreichs Hoffnungen auf Rußland.

zun zu beruhigen unD in den Organismus der Verfassung einzufügen in die-

franMchtli ZukunftSallianz entgehen? Unmöglich!

Die'"Höffnungen wc"er gewie .en Po.Mk« begründen sich nun vor.ug.weise fern Falle würbe Galizien sein- Lebcu.ung al- Kern em.« neuen Polen« verloren Th.l*,n 14 dab in Rusilanb en- wacheiae Pa.iei d,siebt, tie den baden, ober tu galizische Frage Nimmt großer- Dimenflonen unb einen aeuten °nnk idle Kabnc aeicbeieb.n ba.k 2) auf du Annäherung Chaeacter an; bann würbe sich nur Vie Identität der russischen und österreichischen

strebungcn unterstützen und vielleicht gar mit noch schwärzeren Plänen umgehen möchte. Die rufüschin Staatsmänner sehen ober vollkommen ein, daß diese Be­fürchtungen gänzlich unbegründrt sind und daß Deutschland an nichts weniger als an eine Einmischung in die Beziehungen der russischen Regierung zu ihren Unter- lhankn deutscher Rat onalität denkt. Wenn einzelne Staatsmänner in den Ton der Moskauer einftimmen, so wellen sie sich der fanatischen Nationalpartet eben nur zur Unterstü^ung ihrer eigenen ungestümen RussificirungSbestredungen bedienen. Dost aber die leitenden Kreise sich von diesen Heißspornen jemals zu einer dem leutschen Reiche feindlichen Politik sollten fortreißen lassen, läßt sich um so weniger annehmen, da die Moskowiter Schwärmerei den Höhepunkt ihres ParexiSmuS

Scit einiger Zeit hat man in Frankreich viel von einer ang

Preußen und Rußland eingetretenen ernstlichen Spannung gesprochen, und alle

bereits überschritten zu haben scheint.

So viel also ist wohl als sicher anzunehmen, daß der Racenhaß allein Ruß­land nicht zu einem gegen Deutschland gerichteten Bündniß mit Frankreich treiben lliid. Dazu bedarf es reeller politischer Gründe.

Und einen politischen Grund glaubt man denn ja auch in der That in der Anbahnung einiger Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich gefunden zu haben. Man geht dabei von der Voraussetzung aus, daß Oesterreich der natür- liche Feind Rußlands ist und daß ter Ausbruch eines Krieges zwischen diesen neiden Staaten in naher Zukunft unvermeidlich bevorsteht. Und nun folgert man weiter, daß Rußland den Freund seines Feindes als seinen Feind ansehen wird und, um beiD.n verbündeten Feinden gewachsen zu sein, sich um die Bunde--

jnhnflcn Polen gegenüber brausst.llen.

So geiährlich also auch für Oesterreich die galizische Frage ist (denn da­ist sie in der That), zu einem ernsten Eonflict mit Rußland wird sie schwerlich sühren.

Aber der Orient! Den gegenwärtigen Stand der orientalischen Frage können wir an dieser Stelle nicht eingehend erörtern. So viel aber rst klar, daß Rußland gegenwärtig an einen Angriff gegen die Türkei nicht denkt und gar nicht

dieser beiten Mächte geknüpft. Frankreich Rußlands Verbündeter, Deutschland rcn, zwei Seiten angegriffen! Mer kann da an einem glänzenden Erfolg, wer an naher Revanche zweifeln?

Die Idee eines Angriffebündnisses zwischen Rußland und Frankreich zum Zwecke der Durchführung eines großartigen EroberungsplancS, der auf ^Heilung der Weltherrschaft zwischen der westlichen und östlichen Großmacht hinausläust, i|t ja nicht neu. Schon Napoleon I. und Alexander I. haben in Erfurt diese Zdee besprochen. Aber das Ergebniß ihrer Besprechungen war ein negatives. Man überzeugte sich eben von beiden Seiten, daß diesen schrankenlosen Plänen Hinder­nisse entgegenstanden, die die Phantasie wohl spielend hatte überspringen kennen, die aber, sobald man sie einmal ernsthaft in- Auge gefaßt hatte, auch der festeste Wille nicht im Stande war, aus dem Wege zu räumen.

Auch die wiedeihergestellten Bourbon- verloren den Gedanken eines Bund' ntsseS nicht aus den Augen. Der Fürst Polignac in seiner leichtfertigen dil.ltantln. hasten Unternehmungslust hatte sich ja auch in der That tief in verdächtige Unter­handlungen mit Rußland eingelassen, sein und der Dynastie Sturz ersparte ihm wahrscheinlich eine bittere diplomatische Niederlage.

Wahrend der Julimonarchie war das rusnsch-französische Dundniß, eine ter LieblingSideen derjenigen Radikalen, die mit Vorliebe das Pferd ter großen j-omir litten. Louis Blanc gerät!) in Begeisterung, wenn er in seinem dekaunten Ge- schichtSwerk auf diese Idee kommt, die sich schon deshalb den Republikanern sehr empfahl, weil Ludwig Philipp bekanntlich in sehr gespanntem persönlichem w- bältmk lum Kaiser Nicolaus stand. , .

Daß auch Napoleon III. gelegentlich die russisch'franzönsche Allianz IN den KreiS feiner Pläne und Berechnungen gezogen halte, ist im Grunde selbstv.rsland° lich. Ein Ergebniß aber haben seine Bemühungen, sich mit Rußland in ein näheres Einvernehmen zu sitzen, durchaus nicht gehabt.

Die Thatsache aber steht sist, daß Annäherungsversuche zwischen den beDen Staaten wirklich zu verschiedenen Zeiten statkgefuntcn haben, und dutz nament ich die französische Eroberungspartei ihre ausschweifendsten und weltsturmkrisäslm pianc und Hoffnungen stets auf ein Büntn ß mit Rußland gebaut J)at. . ' 11

verwundern, wenn die alte Idee gegenwärtig wieder in t? ist ja gegenwärtig eine Lieblingsbeschäftigung zahlloser französischer Pol tikr, Phantasie und ihren Verstand abzumartern, um M'tt.l zur -,, <<hnt'

auf zwei Thatsachen: -..B ... -.-c.----- - - - ...

Haß gegen Deutschland auf ihre Fahne geschrieben hat; 2) auf die Annäherung Deutschlands an Oesterreich, die, wie man mit Zuversicht annimmt, eine Entfrem­dung Deutschlands und Rußlands zur nothwendigen Folge haben muß.

Was indessen den ersten Punkt betrifft, so ernbehrt der Haß der Mos owittr gegen Deutschland jede- politischen Grunde-. Der Racenhaß der Moekowiler richtet sich in erster Linie gegen die in da-Russenthum eingevrung.nen fremda.t'gen Culturelemente, unter denen da- deutsche bei Weitem die erste stelle cinnin^ir. Besonder- erbittert sind sie darüber, daß in den Ostsciprovinzen die Deutschen

leine gewisse nationale Selbstständigkeit behauptet haben und den unausgesetzten .... Russisicir-ngSveriuchen einen zwar sehr loyalen, aber zähen Widerstand ent^egen-

Ihr politischer Haß g^gen Deutschland, die fremde Macht, entspringt aber yitufrin ***** ... o ;; -T v o f n f- ausschließlich der Furcht, daß das mächtig sich entwickelnde Reich auf den

Hoffnungen auf Rache an einem früher oder spater unvermeidlichen Zusari mkn^^Schmerzensschrei der Deutschen in den Ostseeprovinzen aufmerksam wird, ihre Be- . . . . «yi ".. . t-l.i-CL ___t ...t« iTtrwkiinbrfpr Thrill ImlühL tEU 0 ..... ..

genoffenschaft Frankrrichs bemühen werde.

Ist denn aber die Voraussetzung begründet, daß ein unabwendbares Der- bänan'ß Rußland in einen Krieg mit Oesterreich bineintreibe? Gewiß nicht. Die Rücksichten, welche Oesterreich seinen politischen Untertanen gegenüber zu nehmen hat, mögen in den russischen Staatsmännern eine gewisse Verstimmung Hervorrufen. «Zur Feindschaft aber können sie um so weniger führen, da Oesterreich ja doch nur Duö Ziel verfolgt, seine polnischen Untcrtbanen zu beruhigen, nicht sie aufzuregen.

'. Sebald die Polen sich von idren SelbstständigkeitSbestrebungen soweit fortreißen vuu. w-- Ist iS da zu lasten (und ihr Wunsch ist das ja allerdings), daß sie Galizien zum Herde einer

ten Köpfen ipuft ? Es nationalen Agitation zur Wiederherstellung Polens machen, würde die österreichische

zon^cyer ihre Regierung in ihrem eigenen Interesse gegen sie kinschreiten müssen. Wenn also

unD lDren ynlIanC «oiumu,u... ....... Sl.vandje ju Vie palijifcbe F'°g- auginblidh« w!kbkrhelt ^rffimmung jwischen Rutzl-ind

'Unt) tPa sollt- diesen -.find,rischen Üöps'N bl- von ten iöhauvmiffkii aller unb Oeslc>reich b-rrorq-rufen hat, so kann doch Galizien schwerlich zum Casus belli

RflJb'n s-tt Biden Jahren nach allen Ibchtangen hin -i°r,-rt- 2°ir ter russisch, zwischen t.n b-ir-n Machten werben. Denn entweber flistngt c« Oesterreich, Gali-

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