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Ordnung sich wiederholt so beredt vernehmen ließ, doch in der Stunde der Gefahr, statt sich den Truppen anzuschließen, sich in den Kellern verkrochen und dadurch, statt sich und Anderen zu Hilfe zu kommen, der äußersten Gefahr willenlos an- heimgegeben habe. Nur ausnahmsweise erschienen beherztere Einwohner und brachten den Truppen Brod und Wein, dagegen wurde Thiers, als er von Sevres bis zum Trocadero fuhr, von der Bevölkerung mit lebhaften Freudenbezeugungen begrüßt. Der Theil der Bevölkerung, welcher sich von den Orgien der Commune hatte berauschen lassen, darunter vorzüglich Weiber und Kinder, zeigte sich fanatisch in Mord und Brandstiftungen, und ihm ist es vorzüglich zuzuschreiben, daß die Feuersbrünste kein Ende nahmen; während Männer sich verzweifelt wehrten, leerten sie die Petroleumfäffer und steckten die so vorgerichteten Häuser an. Die Metzelei in Paris hat ihren furchtbaren Cyaracter recht eigentlich am 3. Tage des Kampfes angenommen, als die Versailler die Gefangenen zu tödten begannen. Zugleich fingen auch die Brandstiftungen an.

Es herrscht nun fast in ganz Frankreich ein panischer Schrecken vor com° munistischen Brandstiftungen. Versailles selbst soll mit Petroleum bedroht sein; in Fontainebleau hat man Leute verhaftet, die den Wald anzünden wollten, und in Marseille will man sogar eine ganze Verschwörung von Brandstiftern entdeckt haben, als deren Haupt Naquet, unter Gambetta Präfect von Corstca, ins Ge- fängniß abgeführt worden ist. Naquet's Frau, bis an die Zähne bewaffnet, ver­suchte, den General Espivent zu erschießen, als derselbe an der Sp:tze einer Truppenabtheilung kam, um die Verhaftung zu vollziehen.

Einem englischen Telegramme zufolge versuchten bOO Aufständische aus Belle- ville, sich durch die preußischen Linien die Flucht zu bahnen; die Preußen hätten jedoch 100 derselben erschossen und die übrigen den Versaillern ausgeliefert.

DemMoniteur" geht folgendes Schreiben zu: Herr Redacteur! Gestern, Donnerstag, um 4y2 Uhr Nachmittags, hat das 101. Bataillon der National- garde auf Befehl seines Obersten, des Bürgers Cerisier, das ganze Personal des College Albert le Grand (einer Dominicanerschule in Areueil), tm Ganzen 24 theils geistliche, theil- weltliche Personen an der Thür des Disciplinargefängnisses des Sektors der Gobeling (Avenue d'Orleans 38) maffacrirt. Als um 5y2 Ufcr die siegreichen Truppen in die Avenue d'Jtalie eindrangen, lagen die Leichen von vier Dominicanern noch auf dem Boden, von der elenden Bevölkerung schon ihrer Kleider beraubt; es waren dies die PP. Coterault, Delhorme, Chataigneraie und Burard. Man hat noch eine schwache Hoffnung, den Prior von seinen Wunden genesen zu sehen. Die Dominicaner starben unter dem Ruse:Für den lieben Gott!" und, wie die Professoren und Diener der Anstalt, mit dem größten Muthe. Abb6 Grandcolas.

Wie aus Florenz gemeldet wird, gelten die Rüstungen Italiens Frankreich, gegen welches in Beziehung auf die römische Frage die italienische Regierung alle Ursache zu Mißtrauen haben will. Man will in Florenz erfahren haben, baß die von sämmtlichen katholischen und nichtkatholischen Souveränen Europas (mit Aus­nahme Englands) dem Papste anläßlich seines 25jährigen Regierungsjubiläums zugedachten HuloizungSmanifestationen von Thiers angeregt und betrieben worden seien. Die italienische Regierung hat alle Vorkehrungen getroffen, den päpstlicher- seitS für diesen Tag vorbereiteten Unruhen zu steuern, und wird sie unabänderlich am 1. Juli nach Rom übersiedeln, wohin ihr die Gesandten sämwtlichcr aus­wärtigen Mächte, mit Ausnahme des französischen, folgen werden.

Darmstadt, 31. Mai. In manchen Grenzorten des Großherzogthums fehlt es hinsichtlicd einiger Arbeitszweige, namentlich im Gebiet der Baurcparatu. en an guten Handwerkern, während in den benachbarten Staaten solche vorhanden sind. Um im Großherzogthum Arbeiten ausführen zu dürfen, müssen diese ein dresseiteges Gewerbspatent lösen, wozu sie sich jedoch nur dann entschließen, wenn sie im Groß- herzozthum Gelegenheit zu einigermaßen erheblichem Geschäftsbetrieb finden. In ähnlicher Lage sind mehrere preußische Grenzorte. Die k. preußische Negierung sah sich daher veranlaßt, mit Hinweisung auf die in Preußen unter gewissen Be­dingungen stattfindende steuerfreie Gestattung der Vornahme bestellter Arbeit durch auswärtige Arbeiter eine gleiche Behandlung der auswärtigen Arbeiter im Groß­herzogthum Hessen in Anregung zu bringen. Laut einer an die zweite Kammer der Stände gerichteten Mittheilung Gr. Finanzministeriums ist die Gr. Regierung geneigt, hieraus einzugehen und hat an die Stände das Ansinnen gestellt, ihre Zustimmung dazu erthetlen zu wollen, daß im Auslände ansässige Handwerker, welche im Großherzogthum Arbeiten des Handwerks, zu dessen Betrieb sie an ihrem Wohnort die Berechtigung erlangt haben, auf Bestellung ausführen, ohne jedoch eine GewerbSanlage im Großherzogthume zu errichten, von Oer Gewerb­steuerentrichtung freigelassen werben, sofern in dem Staate, in welchem sie wohnen, die Rec'.procität gewährt wird. (D. Z.)

Berlin, 30. Mai. Der Chef des großen Generalstads der Armee, General Graf Moltke, hat sich über Frankfurt nach Elsaß und Lothringen begeben, nach­dem er vor der Abreise mehrfach mit dem Fürsten Bismarck und dem Staats­minister Delbrück conferirt hatte. Vermuthlich gilt seine Reise einer Kenntniß- nahme berüglich der Befestigungen in den gedachten Gebietstheilen.

7 Berlin, 31. Mai. Deutscher Reichstag. Die heutige 45. Plenarsitzung eröffnet Präsident Dr. Simson um 1*/4 Uhr vor schwach besetztem Hause mit verschiedenen geschäftlichen Mittheilungen. Aus der Tagesordnung stehen Pe- titionsverichte.

Mehre Gemeinden der Bürgermeistereien Meisenheim und Burgbrohl führen Beschwerde darüber, daß die Vergütung für t>ic während des Krieges gegen Frank­reich von den Gemeinden gestellten Fuhrwerke, welche auf unbestimmte Zeit resp. aus unbestimmte Entfernungen requirirt worden sind, nach den von dem Bundes- rathe gefaßten Beschlüssen aus der Bundeskaffe nur mit täglich li/zThlr. für ein einspänniges Fuhrwerk und 1 Thlr. Zulage für jedes weitere P.erd bei wehr- spännigen Fuhrwerken gewährt werden solle. Die Commission beantragt: die Petitionen dem Reichskanzler mit dem Anträge zu überweisen: 1) den Petenten für die Fuhrwerke eine Vergütung aus der Bundeskaffe zu gemähren, welche den für gewöhnliche Zeiten ortsüblichen Preisen entspricht; 2) die Lücke, welche das Gesetz vom 11. Mai 1851 hinsichtlich des Maßstabes der Vergütung für die auf unbestimmte oder aus längere Zeitdauer requirirten Fuhrwerke enthält, im Wege der Gesetzgebung zu beseitigen. In der Discussion wurde von allen Seiten an­erkannt, daß die vom Bundesrathe normirtcn Entschädigungssätze bei Weitem nicht den Aufwendungen der Kreise für die Vorspänner entsprechen; den Eigenthümern mußten pro Tag 3 bis 9 Thlr., im Durchschnitt 5 Thlr. für die zweispännige Fuhre gezahlt werden. Der Regierungecommissar, Geh. Reg.-Rath v. Puttkamer,

widersprach dem jedoch; 1866 habe die Regierung eine tägliche Entschädigung von 2 Thlr. für die zweispännige Fuhre in Schlesien gezahlt, und die Schlesier waren ganz zufrieden damit, es erscheine demnach in Anbetracht Oer langen Dauer des Krieges die Erhöhung der Entschädigung auf 2*/z Thlr. vollkommen genügend. Dem gegenüber wurde geltend gemacht, daß die Verhältnisse Schlesiens mit denen der Rheinprovinz, diejenigen des österreichischen Krieges mit denen des jetzigen gar nicht verglichen werde« könnten, und daß, wenn man die Elsässer für ihre Verluste entschädigen wolle, die eigenen Landeskinder doch erst recht einen Anspruch daraus haben. Nach längerer Debatte gelangt der Commissionsbericht zur An­nahme.

Die Petition des Rittergutsbesitzers Müller zu JuSkeln bei Aulowoenen, die schleunigste Auswechselung der noch in Frankreich internirten deutschen Gefangenen betreffend, wird dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Der Bundes- commissar Gch. Reg.-Rath v. Puttkamer theilt dazu mit, JuleS Favre habe bet den letzten Verhandlungen in Frankfurt erklärt, seines Wissens nach seien keine deutschen Gefangenen mehr in Frankreich inrernirt , er werde aber, sobald ihm deutscherseits Näheres über den Aufenthalt der Zurückbehaltenen mitgttheilt wird, die möglichst schnelle Auslieferung derselben veranlassen.

Mehre Petitionen um Erlaß eines Gesetzes, wonach religiöse Gesellschaften, namentlich auch die Baptister-gemeinden, CorporationSrechte erlangen können, wer­den dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen.

Schluß 33/i Uhr. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tagesordnung: Erste Lesung des Ges.tzentwurss über den Erweiterungsbau des Bundeskanzleramts; zweite Lesung des Antrags Lasker, die geschäftliche Behandlung größerer Gesetz­entwürfe betreffend; Petitionen.

München, 31. Mai. DasPastoralblatt" veröffentlicht einen Hirtenbrief oeS deutschen Episcopats an die Gläubigen und den Klerus. Derselbe erklärt, die wissenschaftliche Richtung in der Theologie sei unverträglich mit dem katholischen Glauben und verschulde allein den Widerstand gegen die Beschlüsse des ConcilS. Die Dogmatisirung der Unfehlbarkcitslehre sei das einzige Mittel gewesen, diese falsche Richtung, welche die Theologie genommen habe, zu bekämpfen. Die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes sei keine neue, sie sei in der kirchlichen Ueber- lieferung begründet. Der Hirtenbnef beklagt ferner die fortgesetzte Gefangenschaft und Beraubung des Papstes. Das von der italienischen Regierung erlassene Garantiegesctz entbehre Oer Aufrichtigkeit und sei überdies nicht geeignet, dem Papste die nothwendige Freiheit und Unabhängigkeit zurückzuerstatten. Schließlich erwähnt Oer Hirtenbrief der kirchlichen Feierlichkeiten anläßlich des päpstlichen Jubeltages und fordert die Gläubigen zu Gebet und zu Opfern für den Papst auf. Die Unterschrift des Bischofs Hefele von Rottenburg fehlt auf dem Hirtenbriefe.

Brüssel, 28. Mai. Dem Rundschreiben, welches Jules Favre an die Ver­treter Frankreichs gesandt hat, um die Auslieferung der Communisten zu verlangen, denen es gelingt, nach dem Auslande zu entkommen, ist die Copie eines Schreibens beigesügt, welches die Unterschriften von Vermorel, Dclescluze, Ppat, Vc-lles und Anderen trägt und worin mit dem Niedkrbrennen von ganz Paris gedroht wird, falls man den Chefs der Insurgenten nicht den freien Abzug gestattet und für ote übrigen eine allgemeine Amnestie bewilligt. Jules Favre stützt sich auf dieses Schreiben, um darzuthun, daß die Communisten wirkliche Brandstifter sind und schon deshalb als gemeine und nicht als politische Verbrecher behandelt werden müssen. Die spanische und die belgische Regierung haben bekanntlich erklärt, daß sie die Communisten auslikfern werden. Victor Hugo nimmt einmal wieder die Gelegenheit wahr, sich wichtig zu machen, und protestirt dagegen, daß man die Communisten nicht als politische Verbrecher behandeln will. DaS betreffende Schreiben erregt hier allgemeinen Unmuth; was besonders mißfällt, ist der hohe Ton, den er anschlägt.In allen Fallen" so schließt er sein Schreiben werde ich mein Gewissen für mich haben". Victor Hugo hält sich, seit seine Partei in Paris am Ruder war, in Brüssel auf. Er ist es gewesen, der durch seine bekannte Prociamation der Idee einer Vernichtung der Hauptstadt Frank­reichs unter den Massen Eingang verschafft hat, und es darf nicht verwundern, daß dieselben ihren Ideen das zum Opfer brachten, waS Victor Hugo dem Chauvinismus preisgegeben haben wollte. Der Unmuth, Den das Schreiben Victor Hugo's hier bervorrief, hat sich übrigens dadurch kundgegeben, daß man ihm in seiner Wohnung, Barrikadenplatz Nr. 4, gestern die Fenster einwarf. Es heißt, er werde abreifen oder zur Abreise gezwungen werden. Die hiesigen Blätter sprechen sich fast alle gegen Victor Hugo aus.

Bern, 27. Mai. Die königlich belgische Regierung hat dem Bundesrath durch ihren hiesigen interimistischen Geschäftsträger osficiell die Mittheilung gemacht, daß sie diejenigen Jndividucn, welche sich wegen Betheiligung an den jüngsten Vorgängen in Pans auf belgisches Gebiet flüchten sollten, nicht als politische Flüchtlinge, sondern als gemeine Verbrecher behandeln werde. Von dieser Mit- theilung hat der Bundesrath, wie bereits telegraphlsch gemeldet, Anlaß genommen, die Frage,in welcher Weise die Schweiz ihrerseits vorzugehen habe, falls Mit­glieder Oer Commune oder andere bei den letzten Pariser Kämpfen betheiligte Per­sonen ihr Gebiet betreten würden", dem eidgenössischen Justiz- und Polizeideparte- ment zur Begutachtung zu übergeben. Daß die Schweiz dem Beispiele der bel­gischen Regierung in seinem ganzen Umfange folgen werde, steht kaum zu er­warten.

London, 29. Mai. Man sollte kaum glauben» daß die Commune nach ihren letzten Schandthaten noch immer Leute finvet, welche für sie in die Schranken treten, und doch ist dem so. Der internationale Arbeiteroerband läßt seine Brüder solcher Kleinigkeiten wegen nicht im Stich und hat eine Versammlung abgehalten, um zu berathcn, auf welche Weise den Mitgliedern der Commune am besten zu Helsen sei. Einigeausländische Bürger" machten den Vorschlag, eine Deputation an die Regierung abzuschicken, damit diese sich bei der französischen Regierung zu Gunsten einer miloen Politik gegen die Aufständischen verwende, während Andere den Ehrenmännern »on Paris auf eine billigere Weise Hülfe bringen zu können alaubten durch 'eine Demonstration im Hydepark. Die Versammlung konnte sich indessen über keinen dieser weisen Vorschläge einigen und vertagte sich unver­richteter Dinge.

Telegraphische Depeschen.

4- Berlin, 1. Juni. DerSpen. Ztg." zufolge erließ der Kaiser allen bei der Feldarmee oder im Garnisonsdienste verwendeten Militärpersonen, welche bis zum 24. Mai wegen eines vor dem 17. Juli 1870 oder bis zur Einrückung

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