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Erscheint täglich, mu LuS- nähme Montags.

Expedition : Canzleiberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Freitag den 3. März

Nr. S3

1871.

Bestellungen auf den Gießener Anzeiger LLWL "*

Abonnenten, welcbe den Anzeiger bet der Erpeditton abboien taffen, erbalten denselben für den Monat Marz zu 20 fr.

Nr. 7 des Bundes-Gesetzblattes des Deutschen Bundes, ausgegeben zu Berlin am 22. Februar 1871, enthält:

(Nr. 614.) Verordnung, betreffend die Ausführung des Gesetzes vom 1. Juni 1870 über die Abgaben von der Flößerei. Vom 19. Februar 1871

(Nr- 615 ) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung der Bevollmächtigten zum Bundesrathe. Vom 20. Februar 1871.

Gießen, den 1. März 1871. Großherzogliches KrelSanu Gießen.

v. S t a r ck.

B e k a n n t m a ch u n g.

Mit Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 15. Deccmber v. I. bringen wir hiermit weiter zur Kenntniß der Betheiligten, daß die nächsten Prüfungen in folgender Weise vorgenommen werden:

Montag den 20. Mar; d I.

für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche im Jahre 1851 geboren sind.

Dienstag den 21. März d. I.

für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche im Jahre 1852 geboren sind.

Donnerstag den 23. März d. I.

für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche in den Jahren 1853 und 1854 geboren, sowie für die Angehörigen eines anderen Staates, welche nach §. 20. der Militä»Ersatz-Jnstruction im Großherzogthnm gestellungspflichtig sind.

Die Prüfungen beginnen an jedem Tage Morgens um 8 Uhr in demgroßen Saale des Nathhanses" dahier.

Darmstadt, den 7. Februar 1871. Großherzogliche Prüfungskommission für einjährig Freiwillige.

Pabst. Strecker.

B e k a n n t ui (i ch u n g.

Betreffend: Reichstags wählen.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Ermittelung des Erg?bnisseS der am 3. März d. I. abzuhaltendcn Wahl eines Reichstagsabgeocdneten für den I. Wahlkreis des GroßherzoattuunS vbie Kreise Gießen, Grün berg und Nidda umfassend)

Dienstag den 7. März, Normittags 9 Uhr,

in dem Sitzungssaale des NathhauseS zu Gießen statlfindeu wird und daß der Zutritt zu dem Locale während dieses Actes jedem Wähler offen steht.

Gießen, den 25. Februar 1871. Der Wahlcommiffär:

v. S t a r ck.

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Politischer Th ei l.

2. März.

Während die Annahme ter Friedenspräliminarien durch die Versammlung in Bordeaux, wohin am Montag Abend Thiers seine Reise angetreten hat, nur noch tie Frage von ein Paar Etunten ist, sieht man schon mit Spannung aller Orten der zukünftigen Politik der französischen Republik entgegen. Die Arier- ßnnung der jetzigen RegierungSgewalt von Seiten der Mächte ist jetzt erfolgt, in Bordeaux legt man auf die Promptheit, mit welcher dirse Anerkennung er- folgte, großes Gewicht und schmeichelt sich mit dem Gedanken, daß dieselbe de. sonders den von Thiers vertretenen Grundsätzen gelte, welche von den Mächten als genügende Bürgschaft für die Zukunft betrachtet würden.

Als liefe Giunlfatze werden von den Anhängern des Herrn Thiers ange­führt:In der auswärtigen Politik Aufrechterhaltung eines nothwendigen Gleich- glwicktes von Europa; in der inneren die Errichtung einer Gewalt, welche, gleichviel unter welcher Form, die Ordnung unter Achtung der Frechen verbürge; Eonscrvativer in Europa, Liberaler in Frankreich, verdanke Thiers dieser Toppel- flkllung die Popularität, die ihm im Innern zujauchze, und die Sympathien, die ihm im Ausland entgegen kämen." Wer aber dir auswärtigen Polit.k des jitzigen Chefs der Executive gefolgt ist, der mied sich erinnern, daß er mit ftj- ttntr Hartnäckigkeit stets verfochten hat: die Nied/rhaltung der Völker Europa'» lrelche nach Einheit stribtcn, die unverwüstliche Skepsis gegen die Befestigung d.r Rutschen und italienischen Nationolbewegung dabei, trotz seines Voltatrianismus das Streben, in Italien den Kirchenstaat und in Frankreich die Scbutzzöllnerci hrzustellm.

Wenn die Organe des Chefs der Executive dieskonservativ" nennen, so diese Bezeichnung im jetzigen Augenblicke fraglich genug; durch die Schutz- Mnerei sucht er sowohl seinen volkswirthschastlichenconffrvattven" Ideen eine Cenugthuung zu geben, wie sich den Anhang der nordsranzösischen Fabrikanten iu Ochern, welche mit ihm seit Bestehen des englischen Handelsvertrages gcwütbet haben; zugleich fallen die Führer dieser Agitation im Lager der Cleucalcn in'o Mwicht.

Außer der Ernennung des Schvtzzöllners Pouver-Querlier zum Finanzmi- rißer ist die tes Herzogs von Brvglie zum Botschafter in London bezeichnend; Wt(er eifrigeKatholik", jrdoch aus der Schule Montalrmbert's, tritt in London »it dem Titel als Botschastrr der französischen Republik auf, und seine Ernen- vMg soll der englischen Gesellschaft beweisen, daß die französische Republik, um

mit rcrFrance" zu redrn,in einem neuen Lichte auftritt", sie benimmt der- selbenden Charakter des Abenteuerlichen, den sie vor der Welt hatte", sie lehrt,daß die Republik allen Illustrationen, allen Talenten gestattet, ihr zu dienen", und daß sie sich vors-tzt,nicht Europa durch einander zu bringen, sondern seine Sicherheit und Freiheit zu verbürgen."

Talleyre-nd wußte sich auf dem wiener Congreß durch die Dertheidigung des Stichworts der Legitimität e>ne Art von Autorität und einen großen An- thkil an der Leitung der Derhontlungen zu verschaffen; vielleicht möchte Thiers für die nächste Zeit mit dir Parole des Gleichgtwichts uttcn ähnlichen Einfluß auf Europa gewinnen. Jedoch findet dabei der große Unterschied statt, daß wedir leine diplomatische Begabung derjenigen Tallcyrand'S gleich kommen, noch das jetzige Frankreich mit dem vom Jahre 1814 zu vergleichen ist.

T'eFrance" focht in ihrer Nummer vom 25. Febr. zu beweisen, daß der Feldzug der Deutschen in Frankruch nicht im Geringsten glorreich gewesen sei, da sicmit einer Million Mann Soldaten über ein Land hergesallen seien, das, Donk der Unsäh gkeit der Regierung, ohne alle Lertheidigung" gewesen sei. Für Frentuich seidtr Friede ehrenvoll, da cS der Welt das Beispiel eines hartnäckigtn Widerstandes gegeben bube, für Deutschland |d er cS aber nicht, ra cs olle Rechte dcr Menschheit vul'tzt habe". In einem anderen Artikel führt die France sogar eine erohence Sprache:Unsere Sieger, nicht zufrieden, uns für die Gegenwart zu ruiniren," so sagt sie,wollen uns auch noch für die Zu­kunft berauben. Exaltirte Patrioten behaupten, daß Frankreich gedemüthigt fei. Da« ist es nicht. Wenn in einer nahen Zukunft die Aufregung sich etwas ge- l'gi hat, io wird man sehen, daß man noch sehr wohl seine Eigenschaft als Franzoi.n eingestehen kann. Dagegen wird ein Mann nur mit der Schamröthe auf den Wangen sagen können:Ich bin ein Deutscher, das heißt: ich gehöre einer Nation von Seeräubern und Spitzbuben an." Wenn Hr. v. Bismarck eine giößrre Gebietsabtretung v rlangte, so könnten wir ftinen Stolz unklugen; wenn der Kaiser Wilhelm darauf bestände, seinen Triumpheinzug tn Parts zu halten, so konnten wir darin seine unheilbare Eitelkeit erkennen; aber wenn wir s.hen, daß sie uns unsere letzten Hülfsquellen wegnehmen wollen, |o haben wir das Recht, sie wegen ihrer Habgier und Raubsucht zu verachten. Herr v. Bis­marck ist kl staunt, daß die pariser Presse die Bedingungen nicht natürlich findet, die tr uns dictirt; er findet es außerorde'cklich, daß man von einer Revanche spricht. Und welcher Mann von Hrrz kann ohne Entrüstung die neuen Forde-