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Er hat Sie ferner gebeten, der Selbstständigkeit und Selbstverwaltung der christlichen Confessionen deshalb Ihre Beistimmung nicht zu geben, damit nicht etwa die Selbstständigkeit von den Bischöfen als Dorwand benutzt werden könnte, sich über Landesgcsitze hinauSzusetzen. Aber, meine Herren, dieser Vorwand, der trifft ja eigentlich alle Gesetze, welche die Freiheit garantiren. Möglich ist über­all* der Mißbrauch der Freiheit, Sie müßten denn von dem Gedanken auSgehen, der Ihnen gewiß fern liegt, daß die Bischöfe allein in der Gefahr oder in der Möglichkeit sich befinden, Freiheiten zu mißbrauchen. Derselbe Grund läßt sich ja gegen alle anderen Freiheiten anwenden; die Preßfreiheit, die Vereinsfreiheit, alle Freiheiten lassen sich mißbrauchen. Deshalb halte ich auch diesen Einwand für gänzlich unbegründet.

Ich nehme bei dieser Debatte vielmehr einen höheren Standpunkt ein, einen Standpunkt, von dem ich glaube, daß Alle ihm zustimmen müssen, die Gerechtig­keit und Freiheit lieben und die aufrichtig darauf verzichten, durch Staatsgesetze nur ihre Meinungen zur Durchführung zu bringen. Wenn ich nicht diese Utber» zeugung hätte, daß es einen solchen Standpunkt der Gerechtigkeit gubt, der uns vereinigen kann, würde ich nicht das Wort vor Ihnen ergreifen; wenn ich nicht die Überzeugung hatte, daß auch die Fraktion, der ich angehöre, diesen Stand­punkt der höheren Gerechtigkeit gegen Alle einnimmt, würde ich nicht zu dieser Fraktion gehören. Ich werde kein Wort aussprechen, welches ich nicht grade so in vollem Maße auch für die Protestanten und für alle Confessionen, welche zu

versctz'n; an demselben Tage den Feuerwerker im Großberzoglichen Artilleriecorp-, Carl Bachert aus Ulrichstein und den provisorischen Expeditionsgehülfen Georg Lorenz aus Roßdorf zu Expeditoren bei der Main-Neckar-Elsenbahn zu ernennen. Am 18. Juli wurde dem Carl Nies aus Alzey da- Patent al- Geometer der zweiten Klasse für den Kreis Alzey ertheckt.

V. Militärdienstnachrichten.

Berlin, 28. Juli. Man ist hier fest davon überzeugt, daß durch den Wie­dereintritt des Fürsten Hohenlohe der verwaiste Platz des Grafen Bray im bayeri­schen Ministerium besetzt werden wird. Die Ultramontanen werden freilich alle- aufbieten, um dem verhaßten Staatsmann ein Bein zu stellen, man glaubt indeß, daß die bei dem jungen Könige Ludwig zum Durchbruch gekommene echt deutsche Gesinnung sich nicht durch die elerikalen Umtriebe von den Bahnen abhalten lassen wird, die mit der Entlassung Broy's nunmehr eröffnet sind. Fürst Hohenlohe kann mit Stolz auf seine politische Thätigkeit zurückblicken, welche stets den späteren Ereignissen conform gewesen ist und er ist somit die geeignetste Persönlichkeit, welche Bayern eine würdige und verhältnißmäßige Stellung im deutschen Staatenverbande anwcisrn könnte.

t Berlin, 28. Juli. Vom 14. bis 16. August wird hierselbst die General­versammlung des Vereins deutscher E senbahnverwaltungkn tagen, für welche bereit- eifrige Vorbereitungen getroffen werden. Zu den verschiedenen Festlichkeiten hat jede der hier domieilirenden Eisenbahnverwaltungen einen Beitrag von 6000 Thalern

Recht bestehen, gelten lasse.

Don diesem Standpunkt aus, meine Herren, gehe ich nun mehr zu dem Einzelnen über, und, wie Sie wahrscheinlich erwarten werden, namentlich zu dem Anträge, den Art. 15 der preußischen Verfassung in die NeichSgcsctzgkbung auf­zunehmen.

Wir wollen, meine Herren, das Werk vollenden, das unsere Kriegsheere auf den Schlachtfeldern begonnen haben.

Früher gab es auch im Endziel eigentlich in Deutschland keine Parteien, nämlich in dem Verlangen nach einer großen nationalen Einheit; nur über die Wege zu diesem Ziele gab eS verschiedene Parteien. Sie sind alle jetzt verschwunden. Wir wollen Alle wetteifern in der Treue gegen unseren Kaiser und uns bemühen, an dem Aufbau eines einigen, großen, mächtigen, herrlichen Deutschlands mitzu» wirken. Das ist auch insbesondere die Aufgabe dcs Reichstages. Wenn aber dieser Aufbau gelingen soll, so muß er vor Allem sartgeführt werden in demselben Geiste, in dem ihn unser Kaiser und unser Heer begonnen haben. Der Kaiser selbst hat bei jeder Gelegenheit Gott die Ehre gegeben, und auch noch in den eben verlesenen Worten, mit denen er die Adnsse des Reichstages entgegen ge­nommen hat, spricht sich so schön wieder diese Gesinnung aus. Ebenso war unser ganzer Heer ein von gottesfürchtiger Gesinnung durchdrungene- und erfüllte- Heer, gewiß im Gegensatz zu dem französischen Heere.

Ich rede nicht von den Einzelnen, über die richte ich nicht; aber der ganze Geist des französischen HeereS ist nicht in dem Maße ein Geist der Gottesfurcht und der christlichen Gesinnung, wie es im deutschen Heere ter Fall ist, welches unmittelbar au- dem Volke hervorgegangen ist, während das französische Heer ja eigentlich vom Volke fast ganz getrennt ist. Dieser Geist muß nun auch in irgend einer Weise, so scheint es wir, einen Ausdruck in unserem DerfassungSwerke finden; auch die Verfassung muß der Achtung vor der Religion und vor der religiösen Ueberzeugung des deutschen Volke- in irgend einer Weise Ausdruck geben. Dazu bietet Ihnen die Annahme unsere- Antrages eine Gelegenheit.

Wenn jener Aufbau gelingen soll, dann müssen wir zweitens, soviel an uns liegt, und da- ist der Gedanke, den auch schon der Abgeordnete ReichenSperger neulich ausgesprochen hat die religiösen Kämpfe von dem politischen Boden ausschließen und für da- öffentliche und politische Treiben die religiöse Versöhnung anbahnen. Ich betrachte deshalb auch in dieser Hinsicht unseren Antrag als eine magna charla des Religionsfriedens in Deutschland, soweit er in unseren Händen liegt. Damit sind die Gegensätze nicht verwischt auf dogmatischem Gebiete, aber damit sind diese Gegensätze ausgewiesen aus den politischen Versammlungen. Dieser Religionsfriede ist nicht dadurch zu erzielen, wie manche glauben, daß wir die bürgerliche Gesellschaft von der Religion trennen. Auch nicht dadurch, wie es Andere glauben, daß man die bekämpft, welche an einem christlichen Bekenntn'ß treu festhalten. Dieser wahre, fcstbegründete Neligionssriedcn ist vielmehr nur da­durch zu erlangen, daß wir den verschiedenen religiösen Ansichten und den berech­tigten Bekenntnissen volle Parität gewahren; dem einen Bekenntniß wie dem anderen.

Dieser Parität aber giebt unser Antrag den rechten Ausdruck.

Dieser Standpunkt, den ich eben entwickelt habe, meine Herren, ist allein der Standpunkt der vollen Gerechtigkeit. Zur Gerechtigkeit gehört, daß wir J:dem sein Recht geben; da- thut unser Antrag. Er ist gerecht denen, die das Christen- thum in den alten Bekenntnissen bekennen; er gewährt Toleranz denen, die glauben was ich freilich für unmöglich Halle einem Christenthum ohne alles Be- kenntniß anhängen zu können; er ist gerecht auch den nichtchristlichen Confessionen. Unsere Forderung ist die Forderung der Gerechtigkeit gegen Alle, ohne Nebenge­danken und ohne Hintergedanken.

Unser Standpunkt ist ferner, wie ich glaube, auch zugleich allein der Stand­punkt der wahren Religionsfreiheit vor den bürgerlichen Gesetzen, wie sie uns durch dieselben gewährt ist. ES ist eine gir große Täuschung, auf der einen Seite von Religionsfreiheit zu reden, wie uns die Verfassungen sie gewähren, und auf der andern Seite sie lediglich auf die Gesinnung des Individuums be- schränken zu wollen. Das ist mehr Gedankenfreiheit alr Religionsfreiheit.

(Fortsetzung folgt.)

Darmstadt, 27. Juli. Dte heute ausgegebene Nr. 25 des Großherzoglichen Regierungdiattes enthält:

I. Gesetz, das CassationSverfabren betreffend.

H- Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen im 2. Quartal 1871 betreffend.

IH. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern, die Ertheilung von Aufnahme- und Entlassung-.Ulkunven betreffend.

IV. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben' allergnädigst geruht: am 29. Juni dem evang. Pfarrer zu Eudorf, im Dekanate! Alsfeld, Eduard Bierau, die evang. Pfarrstelle zu B llertshausen, im Dekanate Alsfeld, zu übertragen; am 1. Juli den HofgerichtS Canzlisten bei dem Hof^ericht' der Provinz Starkenburg Heinrich Göttmann zum Canzlisten bei der Cabinets-' güter-Direction, zu ernennen; am 7. Juli den Forstmeister des Forstamts Schotten,! Friedrich CellanuS, in gleicher Diensteigenschaft in da- gorstamt Seligenstadt zu!

bereits gezahlt. Auch die fünfzehn Berathungsgegenstände, die auf der Tagesord­nung stehen, versprechen interessante Verhandlungen. Mit dem Congreß ist zugleich die g ter des 25jährigen Bestehens dieses Vereins verbunden. Auch den die Ab­geordneten der einzelnen Verwaltungen begleitenden Damen ist auf sämmtlichen Eisenbahnen mit Ausnahme der niederländischen Staatsbahnen und der nieder­ländischen Rheinbahn freie Fahrt mit vierwöchentlicher Giltigkeit eingeräumt. Bis jetzt ist eine allgemeine Begrüßung am Abend des 13. August in den Festfälen des Rathhauses und am 17. August eine Vergnügungsfahrt in Aussicht genommen.

Wenn man den umlaufenden Gerüchten trauen darf, so dürste der gegen­wärtige wohl berathene Zustand der Staatsfinanzen den Beamten in erster Reihe zu Gute kommen, wie ja allerdings nicht bestritten werden kann, daß die Gehalts- normen ter Staatsbeamten mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen keineswegs im Einklang stehen. Einem on dit zufolge wären für die Ressorts de- CultuS- und Justizministeriums eine Erhöhung von 200 Thlr. pro Stelle in Aus­sicht genommen. Während die Postbeamten schon durch den Nachtragsetat für das laufende Jahr vom Reichstage bedacht sind, sind die Telegraphenbeamten bis­her noch ganz leer ausgegangen. L tztere beabsichtigen nunmehr auf mehreren größeren Stationen ebenfalls Petitionen für den nächst n Reichstag vorzubereiten, für welche wohl die besten Aussichten auf Erfolg blühen dürften, da durch den Postnachtragöktat bereits die Nothwendigkeit einer Gehaltserhöhung in ganz analogen Verhältnissen officiell anerkannt ist.

München, 29. Juli. Das Ministerium des Auswärtigen wurde dem früheren Kammerprasivenlen Grafen Hegnenberg-Dux angeboten, derselbe hat jedoch abgelehnt.

München, 29. Juli. Zu Universität-senatoren wurden heute gewählt: Prof. Friedrich, Plank, Riehl, Pettenkofcr, ZiUel und Corneliu-. Dieselben sind anti-infallibilistlsch.

München, 29. Juli. Die Wahl Döllinger'- zum Rector der Universität erfolgte mit 54 gegen 6 Stimmen. Anwesend waren 63 von 78 stimmberechtigten Professoren.

Leipzig, 27. Juli. In der bei dem k. Bezirksgerichte wider den Drechsler- meister Bebel und die Redacteure Liebknecht und Hepner anhängigen Hochverraths- Untersuchung haben, seitdem Bebel von dem Reichstage heimgekehrt ist, noch einige Erhebungen stattgefunden, und nach fernerweitem Schlüsse der Voruntersuchung hat die k. Staatsanwaltschaft wider Bebel, Liebknecht und Hepner wegen Vor­bereitung des Hochverraths Anklage erhoben und die Verweisung der Angeklagten vor das Geschworncngericht beantragt. Außerdem ist wider Liebknecht wegen Be­leidigung des Deutschen Kaisers, und wider ebendenselben sowie wider Hepner wegen einiger anderer durch die Presse verübter Vergehen Anklage erhoben worden. (Ltipj. 3 )

Paris, 28. Juli. Wie verlautet, wird das ! nke Centrum demnächst den Antrag einvringen, die Vollmachten Thier-' zu verlängern.

Pesth, 29. Juli.Pcsti Naplo" erfährt als fast zweifellos, daß Fürst Bismarck und Graf Beust gleichzeitig mit ihren Monarchen in Gastein zufammen- fommen und auch die Grasen Andrassy u».b Hohenwart dort erscheinen werden.

Borsennachrichten.

29. Juli 1871.

Preuss. 4l/zo/o Oblig. 98 Fraukf. 3i/20/0 Obi. 82%

Naas. 41/zO/o Obi. 97>/2 Kurhess. 4% 88/z

Gr. Hess. 5"/g Obi. 102

n 4% n 89

» 3WV0 -

Bayer. 50/q 1007/s

4/2 °/o 1jährige 98'>/g

40/q 1jährige 93

Wiirtemb. 4*/□ °/o Ohl. 97*/2

Baden 4/2% Obi. o. E. L. 97i/4

Oesterr. Silberrente 56/j

Papienente 48l/4

50/0 M. steuerf.

Amerik. Bonds 1881r 99%

n » 1882r 96-/4

1885r 963/8

1887r 9638

Spanier, neuest. 3% 3N/g

Actleii.

Frankf. Bank 137/4

Franks. Vereins-Kasse lO?1^

Darmst. Bankaot. 367

Wien Bankactien 734

Galizien 238

Actleii.

Oest. Creditact. 273/s

50/0 östr. F. St. E. B. 4041/4 Lombard. Bahn 171 */2 Lud wigsh.-Bexbach 1813/4 Maxbahn 1273/4

Bayer. Ostbahn 1293/*

Hess. Ludwigsb.-Act. 1551/2 Rheiu-Nahebahn-Act. Oberhessen 75y4

Prioritäten.

3O/o öster. Stsb.-Prior. 58

3°/0 öst. s. Lombard 73-/8

30/0 Livorneser 321/j

5O/o Toscanet 52>/4

5% Elisabcth.-Prior. 77Vi do. II. Emiss. 83>/z

Anleheiisloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 66% Nassau 25 fl. 39

4*V0 bayr. Pram.-Anl. 1095/g Ansbacher 7 fl. ll3/«

4% badische Loose 108/< Badische fl. 35 Loose 67*/g Oestr. fl. 250 v. 1854 76 V2 1858r Prioritätsloose 1701/2 1860r Loose 875/a

I864r 130

Braunschweiger 181/z

Stadt Florenz 82 y<

Wechsel.

Amsterdam k. 8. 991/4

Augsburg

k.

S. 993/i

Berlin

k.

8. 105

Bremen

k.

8. 9 61/1

Brüssel

k.

S. 931/8

Hamburg

k.

8. 871/4

Leipzig

k.

8. 105

London

k.

8. 1173/4

Lyon

k.

8.

Paris

k.

8. 931/8

Wien

k.

8. 953/9

ditto

m.

8.

ditto

1.

8. -

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tieldsorten.

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