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frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.
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Gerste.
Korn
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Auf dem Markt
Auf dem Markt
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Auf dem Markt
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Nmmalaewickt per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl^40Pfund.
Linsen.
Auf dem lMit.' Markt Ipreis
I Kartoffeln. I
Aus dem Mit.-
Feuilleton.
V e r s ch m i e g e n r Liebe.
Erzählung von Hermann Semmig.
(Fortsetzung.) „
Wilhelm ricth vom Uebersahren ab, auch Mane war ängstlich; aver ihre beiden Brüder, die durch das Krachen des Donners wie vom Taumel des Uebermuthes ergriffen wurden, drängten unter Neckereien und Ermuthigungen vie Zögernden in den Kahn zurück, und spotteten ihrer Besorgniß selbst durch so kühnes Schaukeln, daß bei den hohen Wellen das Wasser eindrang. Aber ein neuer, heftigerer Donnerschlag und der auf einmal mit Wuth ausbrechende Sturmwind bändigten ihren tollen Uebermuth, sie erblaßten und bereuten fast selbst ihr abenteuerliches Wogestück; mit Mühe arbeitete der Schiffer sich durch vie schäumenden Wellen, die der Sturmwind peitschte. Während dessen sah Marie todtenbleich und zitternd an Wilhelms Seite, der ruhig und beobachtend vasaß, bemüht, durch erkünstelten Gleichmut!) seine Freundin zu beruhigen. Schon war der Fluß weit über die Hälfte durchschnitten, da, im Angesicht des nahen UserS, kam den beiden Brüdern der Muth wieder; ja, als schämten sie sich der im ersten Schrecken gegebenen Blöße, suchten sie sich jetzt, das vorige Spiel von Neuem aufnehmend, im Uebermuth selbst zu überbieten. Vergebens warnte der Schiffer, ein Schiff kam eben stromabwärts, schneller als es geschienen hatte, und zugleich stürzte der Regen unter Sturmgeheul in Strömen herab ; da — auf einmal stieß Marie einen gellen durchbohrenden Schrei aus, die beiden nahrzeuge waren zusammengestoßen und die Wellen gingen brausend über den Kahn hinweg. Einen Augenblick war Alles vom Wnffer überfluthet. Wilhelm tauchte zuerst empor, er warf einen raschen forschenden Blick umher, dann sah man ihn mit kräftigem Armstoß nach einer Stelle rudern, untertauchen und, Marien im linken Arm umschlungen haltend, mühsam dem Ufer zuschwimmen. Schiffer, die von fern? das Unglück gesehen hatten, waren schon herbeigeeilt und halfen ihm das Land gewinnen; andere waren in Kähne gesprungen und retteten die Uebrigen; kein Menschenleben war verloren. Man brachte Marie in dem nächsten Hause unter, Wilhelm traf selbst die ersten Anstalten zur Pflege, deren die zwei Brüder nicht minder bedurften; dann eilte er, durchnäßt, wie er war, in die Stadt. Zu verheimlichen galt hier nichts; trotz ihrer Kränklichkeit eilte die Mutter sofort mit dem Vater hinaus. Es war unmöglich, Marien am selben Abend in die Stadt zurückzuschaffen; ein Fieber, das sie ergriffen, erlaubte dies erst nach mehreren Tage. Sie hatte von dem Augenblick an, wo der Kahn umschlug, das Bewußtsein verloren; die Schiffer, die am Ufer Zeuge gewesen, hatten ihr erzählt, wie Wilhelm sie gerettet hatte.
Als Wilhelm Marien nach der Krankheit zum ersten Mal wieder vom Bett aufgestanden im Zimmer antraf, trat sie ihm mit einer feierlichen Schüchternheit entgegen, faßte zitternd seine Hand und sprach: „Sie haben mich mit Gefahr Ihres Lebens gerettet, ich danke Ihnen, lieber Wilhelm !" Diese Worte machten ihn beben, nicht bloS, weil sie mit einem seltsam zitternden Tone ausgesprochen waren, sondern namentlich, weil es das erste „Sie" war, mit dem Marie ihn anredete. Aber er erschrack fast, als er ihr in'S bleiche Antlitz sah, in dessen ernsten Zügen ein wunderbarer geistiger Ausdruck herrschte; das Mädchen war in der kurzen Zeit zur Jungfrau geworden.
Die kindlich heitere Unbefangenheit schien jetzt von ihr gewichen; bei allem Scherz, bei aller Freude war sie ernst, sie warb selbst träumerisch. Zuweilen blieb sie lange vor einer Vlume stehen, sah sie an, und dann schien es, als wären plötzlich ihre Blicke nach innen gerichtet. Alles um sie her war wie vergessen für sie, man mußte sie rufen, um sie aus ihrer Träumerei zu erwecken, oder, was noch seltsamer war, sie erweckte sich selbst durch irgend ein lautge- sprocheneS Wort daraus, und dann sah sie die Umstehenden an und belächelte sich selbst; aber zuweilen war eS, als läge eine Thräne unter dem Lächeln verborgen. Der Vater sah sie besorgt an. „Es ist nichts," sagte die Mutter und lächelte auch. Es schien sich auch wirklich Alles wieder in's alte GeleiS fugen zu wollen; Marie fand die frühere Heiterkeit wieder, und namentlich an ihrem Geburtstage, der in die ersten schönen Herbsttage fiel, und an dem ihr Wilhelm mit einem prächtigen Strauß frischer Rosen gratulirte, war sie wie ausgelassen vor Freude und Glück. Abends war ein kleiner Zirkel eingeladen, Freunde und Freundinnen überraschten die Glückliche mit allerhand lieblichen Geschenken, die angenehmste Ueberraschung aber schien für sie ein Musikstück zu fein, das Wilhelm eben vor ihr aufschlug, als sie sich an das Piano setzen wollte. Sie hatte einmal den Wunsch geäußert, es zu besitzen, hatte es selbst in den Musikalienhandlungen gesucht, aber nicht gefunden. Wilhelm aber hatte eS heimlich kommen lassen, und nun lag es plötzlich unerwartet vor ihr. Sie stieß ein leises „Ah" aus, dann sagte sie: „Sie denken an mich, Wilhelm; das ist schön von Ihnen." Man verlangte sofort, daß sie es spielen sollte. Noch nie hatte sie so viel Kunst, so viel Gefühl im Vortrag gezeigt, alle Zuhörer brachen in lauten Beifall aus.
Plötzlich unterbrach sie ihr Spiel, legte den Kopf in die Hand und saß wie nachsinnend da. Man sah sie verwundert an, und als sie zufällig die Augen aufschlug und Aller Blicke mit Erstaunen auf sich ruhen sah, fuhr sie zu- * sammen, als erwache sie plötzlich unter wildfremden Menschen am entferntesten Orte von der Welt; sie blieb den Rest des Abends über zerstreut. Die Gäste verabschiedeten sich bald; als Wilhelm sich empfahl, gab sie ihm die Hand und sagte sanft: „Gute Nacht, lieber Wilhelm!" und sah ihm lange nach. Sie blieb so noch einige Zeit stehen, dann rief sie leise wie im Traume: „Gute
Nacht," fuhr auf und fing laut an zu weinen. Man fragte besorgt, was fic Denn habe? „Nichts, es ist nur eine Aufregung vom heutigen Tage, liebe El' tern," gab sie tröstend zur Antwort; sie mußte sich aber doch gleich zu Bette legen, denn es packte sie ein so heftiger Fieberschauer, daß sie sich nicht selbst entkleiden konnte. Einige Tage lang war sie leidend. Man glaubte jetzt den Rath des Arztes nicht verschmähen zu dürfen, und derselbe rieth zur Vorsicht. Die nächste Zeit ließ nicht entscheiden, ob ihr Zustand sich verbessere oder verschlimmere. Die Weinlese war ein sonniger Nachglanz des Sommers und das heitere Wetter, der Winzerjubel, die gesellige Freude bei den gemeinsamen Aus» flögen schienen von Mariens wieder röther blühenden Wangen zurückzustrahlen. Nur Wilhelm fragte sie einmal bei einem traulichen Spaziergänge: „Sie sind nicht wohl, Fräulein Marie? es glänzt in Ihren Augen Etwas, das nicht Ge» sundheit ist; sollte der Unfall im Sommer Sie so sehr angegriffen haben?" — „O nein, nein," erwiederte sie rasch, „Sie irren sich gewiß, mir ist ganz wohl;" dabei drückte sie ihm die Hand, zog aber gleich die ihre rasch und wie er|d)rocfen zurück. „Das freut mich unaussprechlich," fügte Wilhelm hinzu, „so kann ich wenigstens ohne Besorgniß um Sie von hier scheiden, ich werde Dresden nächstens verlassen." — „Sie gehen fort ?" fiel sie hastig ein; „das kommt mir unerwartet," setzte sie wehmüthig hinzu. „Es ist unvermeidlich," sagte Wilhelm; „indessen, wenn mich Ihre Eltern gerne sehen, -Werte ich um Erlaubmß bitten, einmal zu Besuch zu kommen." Marie antwortete nichts darauf, sie holten die Anderen ein und gingen unter fröhlichen Gesprächen mit ihnen nach Hause.
Bald daraus nahm Wilhelm Abschied; die ganze Familie war voll inniger Herzlichkeit gegen ihn, Herr von N. küßte ihn und dankte ihm noch einmal für Die aufopfernde Freundschaft, die er seinen Kindern in Der Gefahr bewiesen hatte; „schreiben Sie uns zuweilen," sagte er noch. Marie bat ihn, eine kleine Börse, von ihr selbst in Perlen gestickt, zum freundlichen Andenken an sie mit- zunehmen, und freute sich innig, als Wilhelm seine unverstellte Freudigkeit darüber kund gab. In den ersten Tagen nach seiner Abreise unterhielt man sich noch oft von ihm; nur Marie, auffallender Weise, sprach fast nichts dabei, hörte aber mit innigem Vergnügen an, was man sagte. Die Zerstreuungen, Die jetzt mit Dem Winter fernen, waren schuld, daß man Den Entfernten nach und nach vergaß ' nur wenn Dann und wann ein Brief von ihm ankam, wurDe sein Name wieder genannt. Marie auch schien ganz für Die Gesellschaften zu leben, tn Denen man sich bewegte, und wo es nicht an Vergnügen fehlte; sonst lebte sie still für sich, und Die,e halb eingezogene halb gesellige Lebensweise trug dazu bet, Daß Niemand sonderlich auf ihre Gesundheit Achtung gab.
Aus solche Weise war Der Winter ziemlich herumgegangen, Tbauwinde fun- Digten schon dann und wann Den nahen Frühling an, als Marie, die den Abend vorher etwas über Unwohlsein geklagt hatte, eines Morgens später als gewöhnlich zum Frühstück kam. Ihre Mutter schrie entsetzt auf, als sie sie eintreten sah. sie glaubte ein Gespenst vor sich zu sehen. Eine geisterhafte Blasse lag auf Mariens Antlitz, Die von Dem weißen Morgenanzuge und Den hohlen, fiebrisch schimmernden Augen noch mehr hervorgehoben wurde; auf Der Hand, Die sie ihrer Mutter zum Morgengruß bot, lag ein matter, feuchtkalter Schweiß. Der Frau von N. war es, als fiele es ihr wie Schuppen von Den Augen; ihre Tochter siechte an einer auszehrenden Krankheit. Sie fragte sich, wo sie bisher die Augen gehabt, Daß sie dies nicht schon lange bemerkt hätte; sie rief sich alle einzelnen Umstände zurück, bis zu jenem unseligen Spaziergange, feit roel- chem das Uebel begonnen hatte, und verfolgte im Gedächtniß Den ganzen Verlauf Der langsam anwachsenden Krankheit. Sie konnte ihre Aufregung nicht zurückhaltcn, schloß weinend und bewegt ihre Tochter in Die Arme unD rief mit schmerzlichem Tone: „O, meine# liebe Tochter, Du bist ernstlich krank." — „Ich glaube es selbst, gute Mutter," sagte Marie mit trauernDcr Stimme, „ich habe Dich nicht Durch Klagen beunruhigen wollen; jetzt fürchte ich, ist es zu spät. — Sag' das nicht,'geliebtes Kind," antwortete Die Mutter; „es kommt Der Frühling, und auch Du wirst wieder aufleben, wir werden Alles aufbieten, ich schicke sofort nach Dem Arzte." Der Arzt kam unD fand, wie die Mutter, die erste Ursache der Kranheit in Der Erkältung unD Aufregung an jenem Tage, Da Der Kahn bei Der Ueberfahrt über Die Elbe umgeschlagen hatte. Er rieth zum schleunigen Gebrauch eines böhmischen BaDeS. Bald darauf reiste Die Familie ab. Ihr Weg führte sie über'ihre Besitzungen im DoigtlanDe, wo sie einige Wochen verweilten. Marie hatte große Freude, Den Ort ihrer KinDerjahre wie- derzusehen; sie gedachte aller Plätze, wo sie mit Wilhelm, damals ihrem unzer- trennlichen Gefährten, gespielt batte. Mit besonderer Vorliebe suchte sie einen Apfelbaum auf, der am Ufer eines kleinen Teiches stand, und unter Dem sie oft mit Wilhelm gesessen, um seinen ersten glücklichen Versuchen auf Der Flöte zu lauschen. EnDlich kam man im Bade an.
Der Arzt DeS Ortes, Den man befragte, sah Die Kranke lange prüfend an, schüttelte Dann mit dem Kopf und bat um einige Tage Bedenkzeit; er wollte, sagte er, erst nähere Bekanntschaft mit Der Kranken machen, ehe er ein bestimm- les Unheil fällen konnte. Marie war jetzt auffallend matter, und ihre Mutter Drang säst mit Verzweiflung in Den Arzt, zu rathen, zu helfen. EnDlich sagte Derselbe- GnäDige Frau, das liebel, an Dem Ihre Fräulein Tochter leiDet, liegt zu tief, als Daß ich es heilen könnte; eS ist ein Seelenlciden." Frau v. N. sah ihn starr an, sie begriff ihn nicht. „Es ist, wie ich Ihnen sage," fuhr Der Arzt fort, „wir BaDeärzte verstehen uns Darauf; in unfern Thalern sehen wir alljährlich eine Menge Romane beginnen, aber noch mehr enDen.
(Fortsetzung folgt.)


