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Am folgenden Tage reiste Felicie nach Stralsund, während Hyacintha au der Pachtung zurückblieb. m

Willert wiederholte seinen Besuch und brachte das versprochene Buch mit.

Er war noch redseliger und liebenswürdiger wie gewöhnlich und sprach von Dem guten alten von Bergen und dessen ältesten Sohn in so warmen, liebevollen Ausdrücken, daß Cynthia sich tief davon gerührt fühlte.

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Berthold's erwähnte er gar nicht.

Er bot seine alleräußerste Brredtsamkeit auf, seine junge Wirthin zu fesseln, und Erinnerung und Gewohnheit trugen mit dazu bei, seine Gegenwart für Hyacintha zu einer wirklich angenehmen zu macken.

Er nahm den Thee mit Hyacintba auf ihrem Zimmer.

Der kurze Tag näherte sich inzwischen seinem Ende und Felicie war noch immer nicht zurückgekehrt.

Sie ließ ihre Blicke so häufig nach dem Fenster wandern, horchte augen­scheinlich mit so außerordentlicher Aufmerksamkeit nach jedem Geräusch, das sich draußen Horen ließ, daß dies dem Informator nothwendiger Weise ouffallen mußte.

Aber ich ermüde meine liebe Schülerin, sagte er im vertraulicheren Tone längst verschwundener Zeiten,ich ermüde Fräulein Hyacintha. Zck werde mein Pferd bringen lassen. Verzeihen Sie mir nur, daß ich über Ihre Nähe den Lauf der Zeit vergessen habe."

Nein, nein, an Sie backte ich eben durchaus gar nicht, Herr Willert," sagte Hyacintha sehr kalt und fremd.

Ich erwarte Felicie, die um verschiedene Einkäufe zu machen, verreist ist, zurück, und es beginnt ungewöhnlich spat zu werben."

Nun, mein Weg ist theilweise auch der zur Stadt. Ich werde sehen, ob ich nicht mit ihr zusammentreffen und ihre Rückkehr beschleunigen kann."

Ick würbe Ihnen dankbar dafür sein," entgegnete Hyacintba.Es wäre mir unheimlich, hier allein schlafen zu müssen. Ich hoffe, Ihr Vorhaben möge Ihnen gelingen."

Ja, ja, auch ich hoffe es," antwortete der Informator.Zur Aengstlich- feit haben Sie indessen kcinenfalls auch nur den allergeringsten Grund. Die Leute hier im Hause sind in jeder Beziehung zuverlässig und treu. Ick kenne sie seit einer Reihe von Jahren und kann also für sie hasten. Auch jenes Angst­geschrei des Geistes scheint ja gänzlich verstummt zu sein."

Er bot unserer jungen Freundin sodann gute Nacht und gleich darauf hörte sie ihn auch wirklich davonreiten.

Auf's Neue vergingen Stunden und keine Felicie kehrte wieder zurück.

Vor Besorgniß und Furcht fast außer sich, fortwährend mit der gespann» testen Aufmerksamkeit nach den Fenstern hinüberlauschend, schritt Hyacintha unstät im Damenzimmer auf und nieder.

Frau Rusch trug endlich das Abendbrot auf und fragte dabei, ob die fran­zösische Mamsell an diesem Abende noch zurückkehren werbe.

Hyacintha erwieverte, sie erwartete Felicie jedenfalls.

Es ist für die Reise durch den Wald sehr spät geworden," meinte die Frau.

Der Karren kam schon vor Eintritt der Dunkelheit wieder und Jacob sagt, Mamsell werde zur Rückreise einen MiethSwagen benutzen. Es ist nur gut, daß die Person die Mittel dazu besitzt," fügte sie mit boshaftem Kopfschütteln h'"^Felicie kam indessen nicht und um Mitternacht ließ Hyacintha sich über­reden, zu Bette zu gehen, während Frau Rusch, die Abwesende noch eine Stunde lang wachend zu erwarten versprach.

Aber wirklich, Fräulein, Sie können sicher darauf rechnen, daß sie heute Abend nicht mehr kommt," sagte sie dabei.Es treiben sich um diese Zeit gar zu viel Gauner und Strauchdiebe im Walde umher."

Seufzend und mit schwerem Herzen stieg Hyacintha die Treppe zu ihrem Schlafzimmer hinan. . ,

Zu Bette zu gehen konnte sie sich nicht entschließen, obgleich die Mudigkett der Jugend schwer auf ihr lastete. ,

Sie gab also dem Feuer neue Nahrung, hüllte sich in einen dicken Shawl, ließ sich in den Armstuhl nieder und begann in dem Buche zu lesen, welches der Informator ihr überbracht hatte.

Noch lange Zeit hielt diese Lectüre sie wach, endlich ledoch wurde ihre Müdigkeit ganz unwiderstehlich und sie nickte über ihrem Buche ein.

Wie lange sie geschlafen haben mochte, wußte sie nicht, als sie plötzlich durch ein lautes, angstvolles Geschrei nach Hülfe, einen verzweiflungsvollen Auf. kreisch und durch lautes Wehklagen einer weiblichen Stimme aufgeweckt wurde.

Hyacintha war aufgesprungen und kaum noch halb wach zur Thür geeilt, als ein lautes Klopfen an diese sie mit einem Male zur vollen Wirklichkeit emporschreckte.

Wer ist dort?" fragte sie.

Ich bin es, Fräulein," erwiderte die Stimme der Frau Rusch.Um Gottes willen, öffnen Sie."

Hyacintha erschloß die Thür nur mühsam und mit zitternder Hand, denn sie fürchtete, es sei Felicie irgend ein entsetzliches Unglück zugestoßen.

O Gott, Fräulein, aber sind Sie nicht furchtbar erschrocken?" fragte die Frau des Vogtes mit.zitternder Stimme, indem sie hastig die Thür wieder hinter sich zuzog.Horch, jenes entsetzliche Angstgeschrei beginnt auf's Neue!"

Was meinen Sie denn aber eigentlich, Frau Rusch?" fragte sie die junge Dame. ,

Der Geist, Fräulein, es ist der Geist, der so entsetzlich schreit und kreischt!"

Der Geist?" sagte Hyacintha.Die Stimme, die ich hörte, war ieden° falls die eines lebenden Menschen. Ich glaubte sogar ganz deutlich die Ihrige zu erkennen."

Der letzte Aufschrei rührte allerdings auch von mir her," antwortete Frau Rusch,der andere aber, nein, Fräulein!" Und die würdige Frau be­gann, nach allen Seiten scheu um sich blickend, an allen Gliedern ihres Körpers in sehr kunstvoller Weise vor Angst zu zittern und zu beben.

Es klang wie ein gewaltsam unterdrückter Schrei nach Hülfe, sagte Hyacintba. m ...

Ganz genau so klingt es immer, Fräulein. O Gott, o Gott im Himmel. Ich habe geglaubt, es sei nun endlich vorüber damit!"

Bleich und bebend sank Frau Rusch auf einen Stuhl nieder.Aber, nein, wahrhaftig, Fräulein, Sie sind noch nicht einmal ausgekleidet," sagte sie nach einer Pause, als machte sie diese Bemerkung erst eben jetzt.

Glücklicher Weise bin ich es noch nicht," antwortete Hyacintha sehr kühl.

(Fortsetzung folgt.)

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D i e Namenlose.

Novelle von Theodor König.

(Fortsetzung.)

Sv kann ich ihn also empfangen und ihm sagen, Fräulein dürfte ihr Zimmer jetzt nickt verlassen, weil sie Migräne hätten."

Nein, nein," sagte Cynthia, ..das hieße ja lügen. Nein, ich werbe ihn geradezu bitten, feine Besuche fernerhin nicht zu wiederholen."

Wissen Sie wohl auck, liebes Kind, baß Herr Willert, nachdem er sich von Ihnen beurlaubt, keineswegs sogleich auch bas Haus verlassen hat?" fragte Felicie, währenb sie an jenem Abende damit beschäftigt war, ihrem jungen Fräu­lein das Haar zu ordnen.

Hyacintha wanvte den Kopf um und blickte sie mit dem Ausdrucke des höch­sten Erstaunens an.

Nicht? Und wo verweilte er sich denn noch?"

Unten im Holzkeller."

Träumst Du ober wachst Du, Felicie?"

Nein, nein, Fräulein, ich spreche tn völligem Ernste. Als Herr Willert

von der Thür des Hauses fortritt, bog er nur eben um die Ecke.

Ich ging in Ihr Zimmer hinauf, um etwas Wolle zu holen, und als ich

zurückkam, glaubte ich im Corribor eine Maus laufen zu sehen.

Ich verfolgte sie unv und sah sie in der leeren Kammer am Ende des Ganges verschwinden.

Ich setzte das Licht nieder, trat zum Fenster und blickte hinaus und sah nun werden Sie es glauben sah nun diesen Herrn Willert im eifrigen Gespräche mit dem Holzvogt vor der Thür stehen, welche, wie sie ja wissen, von dem Zimmer, welches Rusch bewohnt, direkt in den Hof führt.

Rusch hielt eine Laterne in der Hand, aoer ich konnte außervem Beide auch schon beim Mondlichte deutlich erkennen.

Nach wenigen Minuten traten sie unter die Colonnade, wo ich Rusch eine Fallthür in die Höhe heben sah, durch welche Beive bann verschwanden."

Das klingt allerdings außerordentlich seltsam," entgegnete Cynthia nach- benklich.

Möglich ja aber, daß Rusch wegen baulicher Reparaturen in jenem Keller mit dem Informator zu sprechen wünschte, dem er ja, wie Du wohl weißt, von jeher fast bei Allem zu Rathe zu ziehen gewohnt war."

Das wäre ja nur noch um so viel schlimmer," warf Felicie ein.

Es wäre wohl Zeit, daß der Vogt unv Der Informator auf die Herr­schaft hier verzichten."

Und sahst Du sie auch wieder aus dem Keller zurückkehren? fragte Hya­cintha."

Nein, liebes Kind, das habe ich nicht gesehen. Ich wartete einige Zeit lang auf sie, dann aber ging der Mond unter. Es wurde unangenehm kalt, ich selbst sehr müoe unv so ging ich mit der Wolle zu Ihnen herab. Ick er- zählte Ihnen dies Alles nicht sogleich, weil ich weiß, daß diese Frau Rusch die Üble Angewohnheit hat, an Den Thüren zu horchen."

Felicie! Aber ich bitte Dich!" rief Hyacintha aus.

',Sie bat Diese Gewohnheit in Der That, Fräulein. Ick sah unv hörte sie sich eilig unv verstohlen entfernen, als ich Dies Zimmer verließ, um auf Ihr Geheiß für Den Herrn Informator Die Hausthür zu offnen. Sie hatte im Corri- Dor vor Ihrer Thür auf Der Lauer gestanDen, ich bin Dessen ganz voll- kommen gewiß."

Cynthia fühlte sich in ihren tiefsten Gefühlen verletzt, suhlte sich unnennbar wehmüthig angeregt. . __

Ach, Daß ich Die sichere, ruhige, glückliche Heirnath Der vergangenen Tage zurück hätte," seufzte sie. , *

Der GeDanke, im eigenen Hause von Spionen beobachtet zu werDen, ist qar z'u schrecklich, selbst wenn man gar keine Geheimnisse zu bewahren hat.

Aber Fräulein könnte Doch möglicher Weise Geheimnisse haben ober be­kommen ; nein, noch mehr, Fräulein hat bereits ein solches," sagte Felicie, indem sie einen Brief aus Der Tasche zog und in Hyacintha'S Hanve gab

Das in französischer Sprache abgefaßte Schreiben war von Giles Cyncourt Dupont, einem Vetter Felicie's, Dem Kammerviener eines reichen französischen Emigranten, unD erzählte in äußerst vorsichtiger, geheimnißvoller ReDe, Daß Der Schreiber Der Aoressatin Mittheilungen von großer Wichtigkeit zu machen habe, weshalb er sie um einen schnellen persönlichen Besuch bitten lassen müsse

Das kann NiemanDen anders wie nur ihn betreffen, flüsterte Cynthia

Du mußt^ohne Verzug sofort nach der Hafenstadt hinüberreisen, Felicie!"

"Ganz recht, Fräulein. Wenn mir nur nicht Dieser Herr Willert so große Unruhe verursachte! Warum mußte er geraDe heute kommen? Welcher Art sind Die geheimen Vorrichtungen, Die ihn hier beschäftigen ? Es will mir durchaus nicht in Den Sinn, Sie allein zu lassen. Wollen Sie mich nicht auf Der Reise nach StralsunD begleiten, Fräulein?"

Wir wollen Morgen früh sehen," war Die Antwort;ich furchte nur, das möchte viel größeres Aufsehen und Gerede verursachen, als wenn Du unter dem Vorwande nothwendiger Einkäufe die Reise allein machte^ Nun, wir wollen sehen Ach, Felicie, es werden doch keine traurige Nachrichten sem?

Das nun wohl ganz sicher nicht, Fräulein. In diesem Falle hatte mein Neffe "in dem Briefe seine Worte nicht so außerordentlich vorsichtig unv ängstlich gestellt, sonvern geravezu geschrieben, Monsieur Berthold sei todt.

9 Sie sprachen, wie sie es fast immer thaten, wenn sie allein waren, fran- .tzsisck, jetzt aber trotzvem nur im Flüstertöne.

8 Ein unerklärlicher Argwohn und eine unbestimmte Furcht veranlaßten sie, selbst die Laute der fremden Sprache dem lauschenden Ohr der Frau Des Vogtes zu verbergen. # #