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Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmarkten.

Fruchtmärkte.

Aug.

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Korn.

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3-

Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.

Feuilletsn.

D i c Namenlose.

Novelle von Theodor König.

(Fortsetzung.)

Während sie vom Gesumme der Bienen und dem Gesäusel von Blättern saft bis zum Vergessen der Wirklichkeit eingewiegt dasaß, öffnete sich die Thür und Willert trat ein.

Sobald schon?" fragte sie mit einem leichten Seufzer über die unwillkom­mene "Unterbrechung ihrer Träumereien.'Ist Papa denn schon zu unserem Spaziergange fertig?"

Das nicht," antwortete der Informator, näher tretend und einen Stuhl ganz in die Nähe nehmend.

Der Herr Baron ist nach den Ställen gegangen und hat mir aufgetragcn, dem gnädigen Fräulein mitzutheilen, er werde in einer Stunde zurück sein, um Sie abzuholen. Wenn Sie sich dann also bereit halten, so wird es völlig früh genug sein."

Ist es denn noch sehr früh?" fragte Hyacintha.Schon unsere Mittags- täfel schien mir heute gar kein Ende nehmen zu wollen. Die Zeit kommt einem so entsetzlich lang vor, wenn man auf Jemanden wartet."

Ach, ich wünschte, es gäbe auch Jemanden, dem beim Warten auf mich die Zeit lang würde," seufzte der Informator.

Hyacintha gab keine Antwort, sondern blickte, als ob sie seine Aeußerung nicht gehört hätte.

Ich bin so außerordentlich neugierig, zu sehen, ob Berthold mich wohl wiedercrkennt," sagte sie nach einer Pause.

Ich glaube fast, Sie haben von Berthold von jeher mehr gehalten wie von seinem Bruder," bemerkte der Informator, während es wie ein dunkler Schatten über seine Stirn flog.

,, Darüber weiß ich kaum etwas zu sagen," entgegnete Hyacintha.

Ich glaube nicht, daß ich überhaupt im Stande dazu wäre, mich darüber zu entscheiden, welcher von meinen beiden Brüdern so recht eigentlich mein be­sonderer Liebling ist. Sie waren, glaube ich, für Berthold niemals besonders eingenommenfuhr sie dann lebhafter fort, während Willert sichtlich zu­sammenzuckte.

Da irren Sie ganz außerordentlich, Fräulein," versicherte er, jedoch mit großer Ruhe.

Ich habe meine warme Zuneigung von jeher ganz gleichmäßig zwischen meinen beiden Schülern getheilt."

Nein, nein, Berthold hat diese niemals besessen," entgegnete Hyacintha mit einem Kopsschütteln,Berthold nicht. Ich wußte es immer, daß Sie ihn nicht recht so recht leiden konnten, obgleich Sie niemals unfreundlich gegen ihn waren, was Sic ja freilich gegen Niemanden sind oder zu sein vermögen.

Berthold selbst glaubte freilich ihre Zuneigung zu besitzen, ich aber wußte von jeher und weiß jetzt erst recht, daß er sich darin irrt.

Ich pflege stets ganz richtig zu errathen, wem Sie wohl wollen und wem nicht."

Wirklich?" rief der Informator plötzlich mit Leidenschaft aus.Ver­mögen Sie mir denn auch wohl zu sagen, wer es ist, den ich auf der ganzen weiten Welt am meisten liebe?"

Mit schalkhaftem Lächern ließ sie ihren Fächer leicht auf seinen Arm nie­derfallen und bauchte ein:Sich selbst" hervor.

O nein, nein!" rief er lebhaft aus.Ich liebe Jemanden, der hoch, hoch über mir steht!"

Wer aber in aller Welt konnte das denn doch nur sein," sagte Hyacintha mit einer Miene komischer Verwunderung.

Mit grenzenlosem Erstaunen sah sie aber jetzt den sonst so ernsten Infor­mator an ihrer Seite niederknieen.

Sie selbst, die Schönste, Liebenswürdigste, Beste Ihres ganzen Geschlechts!" rief er mit vor Leidenschaft bebender Stimme.

Neben Sie sich denn eigentlich im Comödienspiel, Herr Willert?" fragte das junge Mädchen, rasch vom Stuhle emporspringend.

Wollen Sie vielleicht eine Scene aus Romeo und Julie einstudiren?"

Und liebe ich Sie Denn nicht eben so unglücklich, wie einst Romeo lieebt, Sie schönes, reizendes Kind? flüsterte der Informator.

Hyacintha's Gesicht überzog sich vor Erstaunen und Unwillen mit dem tiefsten Erröthen.

Ich glaube nicht, daß Sie es verantworten'können, in dieser Weise zu mir zu reden, Herr Willert," entgegnete sie,da Sie doch wissen, wie ganz ver­schieden unsere Lebensstellungen sind. Bitte, stehen Sie doch auf. Es verletzt mich, Sie so thörichte Dinge beginnen zu sehen," setzte sie dann hinzu, indem sie ihre kleine Gestalt stolz emporrichtete.

Ich will mich, ich kann mich nicht aus dieser Stellung erheben, Hyacintha, bis ich Ihnen gesagt habe, wie tief, wie innig und warm ich Sie anbete, ich, der noch nie zuvor im ganzen Leben der Liebe gehuldigt hat.

Schenken Sie mir wenigstens Ihr Mitgefühl, Ihre Vergebung," flehte der Informator und suchte sich ihrer Hand zu bemächtigen, welche Sie indessen mit einer stolzen Bewegung zurückzog.

Meine Verzeihung haben Sie," erwiderte sie kalt,und ich beklage die

Thorheit, welche Sie heute begangen, von Herzen. Die Erinnerung daran muß doch, dünkt mich, für einen Mann von Ihren Jahren für immer etwas sehr Demüthigendes behalten."

Wann dachte die Liebe jemals an Jahre oder Lebensstellung?" fragte Willert mit seiner sanftesten Stimme zurück.

Es bekümmert mich tief, daß Sie sich so thörichten Schwärmereien über­lassen, Herr Willert," sagte Hyacintha mit etwas milderer Stimme wie vorher, jedenfalls aber hätten Sie nicht zu mir reden sollen, wie Sie es gethan haben. Sie müssen doch begreifen, daß meines Vaters nnd meiner Brüder ernstlichen Unwillen gegen Sie erregen würde, wenn ich ihnen die so eben zwischen uns vorgefallene Scene erzahltn wollte, und daß Sie aller Wahrscheinlichkeit nach dann dies Haus würden gänzlich verlassen müssen.

Um der alten Zeiten willen werde ich indessen Ihr Geheimniß bewahren.

Bitte, erheben Sie sich und suchen Sie die thörichten Reden, welche Sie geführt, nur selbst zu vergessen, auch ich werde die Erinnerung daran aus meinem Gedächtnisse zu verbannen suchen."

Er gehorchte schweigend, während Hyacintha rasch an ihm vorüberschritt und ter Thür des Gemaches zueilte.

In einem vollkommenen Fieber ohnmächtiger Wuth blieb aber der Infor­mator dort zurück.

Sie hatte ihm seine niedrige Geburt, seine abhängige Stellung, seine vor­gerückten Jahre vorgeworfen, hatte dies noch dazu mit einer Naivität gethan, die ihrer Rede nur noch mehr Verletzendes verlieh, und er fühlte sich dadurch nur noch mehr gedemüthigt:

In seiner Erbitterung knirschte er mit den Zähnen, ballte er krampfhaft die Fäuste zusammen.

Warum mußte ich alberner Narr Denn aber das Geständniß auch schon so bald wagen, zumal in dem Augenblicke, wo sie, in einem Zustande lebhafter Aufregung, stündlich der Ankunft ihrrs LieblingSbruderS entgegenharrt?

O, Thor, Thor, der ich wieder einmal war!

Aber sie sah gerade heute so zauberisch schön aus und schien so sehr ungewiß zu sein, wann sich mir wieder einmal eine so günstige Gelegenheit bieten würde, daß ich darüber olle Vorsicht vergaß.

Und daß Ende vom Liede ist nun, daß ich mich gänzlich in ihrer Macht befinde."

Mit düster umwölkter Stirn schritt er einige Male im Gemache auf und nieder, dann aber nahm sein Gesicht ollmälig einen ruhigeren Ausdruck an.

Er durfte sich ja fest überzeugt halten, daß Hyacintha sein Geheimniß be­wahren würde, Denn was sie einmal versprochen, war sie von jeher gewohnt ge­wesen, strenge zu halten.

Er dürfte ja auch noch ferner unter einem und demselben Dache mit ihr leben und hatte täglich, nein, fast stündlich Gelegenheit, durch Blicke und Seufzer seine Lebensbemerkungen zu wiederholen.

* *

Auf Den Arm ihres Pflegevaters gelehnt, harrte Hyacintha am Eingänge des Parkeß sehnsüchtig der Ankunft ihrer Adoptivbrüder entgegen, Denn Carl, welcher einige Wochen in Berlin gewesen und Den BertbolD, nachDcm er auf der Heimreise noch einen Abstecher nach Paris gemacht, von dort abgeholt hatte, sollte jetzt mit diesem zusammen zurückkehren.

Sie plau'erte inzwischen scheinbar in großer Heiterkeit mit Dem Vater und Dennoch war ihr das Herz jetzt keineswegs noch so leicht wie vor wenigen Stunden, weil die Erinnerung an die seltsame Liebeserklärung des Informators sie nicht wieder verlassen wollte.

Die erste Liebeserklärung, die einem jungen Mädchen gemacht wird, ist im Leben desselben stets ein großes Ereigniß.

Unsere junge Freundin hatte plötzlich empfinden gelernt, daß sie aufgehört hatte, ein Kind zu sein, und trotz des durch Willert's Verletzung Des RespectS vor ihrer höheren Lebensstellung beleidigten Stolzes fühlte ihre jugendliche Eitelkeit sich geschmeichelt.

Sie war erzürnt über die von ihm bewiesene Kühnheit und fühlte dennoch auch wieder Bedauern Darüber, daß ihre Reize ihn unglücklich machen, ihm den Frieden rauben sollten.

Zu diesen widerstreitenden Empfindungen gesellte sich ein heimlicher Wider­wille gegen den Informators den das mutterlose Mädchen, vielleicht zu seinem eigenen Glücke, von jeher gehegt hatte und der jetzt noch durch das Gefühl ver­mehrt wurde, daß Willert das vom Baron in ihn gesetzte Unbedingte Zutrauen in unehrenhafter Weise verrathen hatte, denn unserer jungen Freundin war von ihrem Pflegevater ein hoher Sinn für Ehre eingeprägt worden und sie war nicht romantisch genug zu Dem Gedanken, daß körperliche oder geistige Leiden jemals Vertrauensverletzungen zu entschuldigen vermöchten.

Wäre ich," Dachte sie,an seiner Stelle gewesen, nimmer, nimmer hätte ich von meiner Liebe gesprochen. Nein, ich wäre gestorben, ehe ich gethan hätte. Willert muß entweder ein sehr schwacher oder ein sehr schlechter Mensch sein".

Das verständige Mädchen suchte sodann den Gegenstand gänzlich aus den Gedanken zu bannen, doch die Erinnerung an jene Scene kehrte immer und immer aus'S Neue wieder, um ein dunkles Gefühl der Furcht zurück zu lassen, für welches doch nun einmal gar keine Erklärung zu finden war.

(Fortsetzung folgt.)