'litt;
*'n 2aale.
)itb,
,,ue Staut» Erstund.
■dir'-
n.
offen, bw-mmbassins Per;
bekannt. ' ? Wochentage» Pn 4 bl- 12 x^x
a fl 5.000.
lun9 der Amsler-
beftebmben Am n fi.100,000,:
inindefttns fL 3. der Kthlr. ].
1f Serien zuge-. ragc können pr. f .qratis.
itt a. M. I
r -
biümien-Lovsc \ m Wen Mattel!
utfit
erloosuiiq,
von hoher der nur Gewinne imr am
Juni in obiger Llaais- erbende betrag ist
ibo^. hM''
•" 4i«’eS'n
7er
80,000 Haler, iolumbtn größeren
io,000.40,000.
10. 2 a 10,000. ! a 6,000. 2 a 00. 3 a 2,300.
3 a 1, 500. 103 100. "21 a 300. stO a 100 Mb winnf a HO Md rechter fleinftc ,l!s den Einsatz.
, bei jedem Wf itrina!!ooselkei«f Jl-., a 2 M.' i-iarfcnbung, JJ misworfchuy, ■ oieaenben, "Mgi ... versandt,
ntdidif 8kW5 j(b ssinfcdeidung W
tZck i*.’* -> wiener«® * au«, Ml?* “« LrW°t 9tnorm 0 * iuimetfi«® ®* Aufträge ««ü
1 wollt-
Feuilleton.
D i r Doppelehe.
Frei aus dem Französischen, von Emma v. Nindorf.
(Fortsetzung.)
Sie sand endlich Athem, zu fragen: „Was willst Du von mir? Bedenke meine Stellung, wahnsinniger Mensch .... nein, lieber, guter Robert! Du wirst mich nicht unglücklich machen wollen; auch Du wärest verloren; Deine Rechnung mag seitdem nicht leichter geworden sein." — Sie bot ihm eine Börse, er steckte diese kaltblütig ein. „So leicht geht's nicht, Rös. Meinst Du Dich loszukaufen? Mich lüstctt'S jetzt mehr nach Ehre, als nach Gold. Das Bünv-- niß mit einer Gräfin kitzelt meine Eitelkeit, Ueberbrüssig bin ich des Abschaums, mag nicht mehr iii's Kehrig geworfen sein; an Dir will ich mich heben. Vertraue mir, ich diene Dir treu, auf Spitzbubenwort — und das ward nie gebrochen. Gieb mir auch das Deine — ich hoffe, Du hast's den glücklichen Leuten noch nicht abgelernt, daß nichts heilig ist gegen uns, die Ausgestoszenen. Sieh', Du kannst mich gewiß brauchen — eine vornehme Frau und keinen Spitz- buben !! — versuch's nur, soll Dich gar nicht reuen." — „Run denn!" flüsterte die Gräfin tiefaufathmend, und es war, als durchzucke sie plötzlich ein Gedanke. Ach will Dich wieder rufen lassen. Wie gelangt meine Botschaft zu Dir?" — Er riß ein Stückchen Papier hervor, kritzelte ein Paar Worte mit Bleistift darauf und gab es ihr. „Leb' wohl, Ma ! Du weißt, daß ich den Weg selbst zu Dir finde." — Und fort war er durch Vie Tapetenthüre. Die Gräfin bedeckte das Antlitz mit beiden Händen.---
„Da ist wieder unser alter Graumantel!" rief m des Anwalts Amtsstube ein kleiner Schreibzunge, der eben ziemlich gierig in ein Stück Brod biß, etwas Krumme ausbohrte und eine Kugel davon drehte. Diese warf er voll Muth- willen durch das Guckcrchen des Fensters, an welchem er lehnte. Die wohlgelenkte Kugel prallte beinahe wieder bis an den Kreuzsiock hinauf, nachdem sie zuvor den Hut eines fremden Herrn getroffen hatte. Dieser schritt durch den Hof eines Hauses in der Straße Btvienne, die Wohnung des Sachwalters Derville.
„Simounin, wenn Du die Clienten beleidigst, werfe ich Dich zur Thüre hinaus. So arm ein Client auch sein mag, bleibt er doch beim Teufel! immer noch ein Mensch," sagte der Ober Schreiber, und unterbrach eine angefangene Kostenberechnung. Der Schreibjunge erwiederte stolz, wie ein Schüler, der seinen Meister sängt: „wenn er ein Mensch ist, warum heißen Sie ihn den alten Graumantel ?" —
„Was für einen Streich könnten wir dem Gesellen spielen?" wisperte der dritte Schreiber, und hielt mitten in seiner schriftlichen Abhandlung inne. Diese sollte einer Bittschrift angehängt werden, die der vierte Schreiber aussetzte und zwei Neulinge aus der Provinz copirten. „Recht!" erwiederte dieser, mit seiner Zunge des Heftes Rücken netzend, um das dicke, gestempelte Blatt umwenden zu können. „Recht, Ihr wollt ihm einen Possen spielen? Wir sagen, daß der Herr seine Clienten nur zwischen 2 und 3 Uhr Morgens sprechen kann. Laßt sehen, ob er sich einfindet, der alte Schelm." —
Die große Amtsstube entbehrte den klassischen Ofen nicht, Der jede Höhle der Rechtsverdrehung ziert. Die Röhren liegen schräg durch das Zimmer und meinigen sich mit einem zugemauerten Kamine. Auf seinem Marmorsimse prangten in trautem Vereine Käsrinden, Brodstücke, frische Schweinsrippchen, Gläser, Flaschen und die Chocolavetasse des Oberschrcibers. Zu Der Ausdünstung dieser Lebensmittel gesellten sich die Düfte des unmäßig erhitzten Ofens und Der eigen- tbümlichc Kanzlei- und Actengeruch. Den Fußboden bedeckten bereits Koth und Sci-'iiee, welchen die Schreiber herelngetragen hatten. Am Fenster stand des Princivals cylindersörmiger Schreibtisch. Es mochte 8 bis 9 Uhr Morgens sein. Al- Schmuck Dienten Den räucherigen WänDen die großen gelben Anschlagzettel, welche Beschlag auf unbewegliche Guter ankündigen, Verkauf, Versteigerungen ic. Hinter dem Oberschreiber erhob sich ein riesiger Schriftkasten, in jedem Fache Acienstücke aufgehäuft, von Denen unzählige Aufschriften herabhingen und jene rochen Fadcnendchen, Merkmal der Prozeßschrift; in Den untern Reihen vergelbte, tttiuberänderte Cartons mit den Namen der yauptclienten, deren ergiebige Anliegenheiten gerade ausgebrütet wurden. Spärlich drang das Tageslicht durch -trübe Scheiben. Ohnehin sind zu Paris nicht viele Amtsiluben, in denen man im Monate Februar vor zehn Uhr ohne Lampenhülfe schreiben könnte. Leicht Ht sich begreifen, daß jene sehr vernachlässigt sein müssen. Jeder kommt, Nie- nonD bleibt. Kein persönlicher Antheil knüpft sich an diese Alltäglichkeit. Die Hinutzige Einrichtung vererbt sich von Anwalt zu Anwalt. Vorliegende dunkle, liftoubte Amtsstube war demnach, wie alle ihre Schwestern, etwas zurückstvßend Pi - en Kläger, und reihte sich dadurch würdig unter der Hauptstadt gräuliche Mißgeburten. Ohne Die Trödlerbudcn voll flatternden Lumpen, vor Denen alle Laujchungen schwinden, weil wir zu deutlich sehen, wohin des Lebens Fest grenzt: chiie diese Kloaken unserer Dichterträume stünde unter allen Kramläden Der Minschengesellschaft Die Advocatenstube oben an. Mit Spiel-, Gerichts- unD Loltosälen verhält es sich ja eben so. Warum? Vielleicht macht an Diesen Orten da? Drama, Dessen 'Bühne Die Tiefe Der Menschenseele ist, ihn für alle Neben- dicorationen gleichgültig.
Der alte Kläger trat eben in Die Thüre mit jener Demuth, welche die Beengungen eines Unglücklichen verzerrt. Er versuchte, zu lächeln; aber feine Ge- ftlttSinuskeln ließen wieder nach, als er in Den unerbittlich gleichmüthigen Schrei- bnzefichtern .vergebens nach einem Strahle von Wohlwollen gespäht hatte. Höf- sit wandte er sich an Simounin: „Ist Ihr Herr zu sprechen?" Statt aller Antwort tippte Der boshafte Junge mit Den Fingern auf Das Ohr, als wolle ci sagen : ich bin taub. „Was beliebt, mein Herr?" fragte Der vierte Schrei- dtt und schluckte Dabet einen Mundvoll Brod hinunter, womit man füglich einen SwrpfünDer hätte laden können, schwang fein Messer und kreuzte die Beine. „Ich bi| zum fünften Male hier," erwicdcrde Der Geduldvolle, „und wünschte, Herrn Tilville zu sprechen." — „In Geschäften?" — „Ja, aber ich kann nur ihm sW - •" — „der Herr schläft. Wenn Sie in einem bedenklichen Falle seinen Math begehren — nur um Mitternacht nimmt er ernste Arbeiten vor. Wollen Es uns aber Ihr Anliegen mittheilen, so könnten wir so gut wie er ..." — En Fremde ließ sich nicht irre machen. Er schaute so bescheiden umher, wie iin armer Hund, Dur in eine Küche schlüpfte und da Prügel fürchtet.
Durch eine Vergünstigung ihres Standes ängstigen sich Schreiber niemals vor Dieben. Jene hegten also auch gegen den Graumantel keinen Verdacht, ließen ihn ungestört das schöne Local betrachten, in welchem er umsonst einen Sitz zum Ausruhen suchte: er war sichtlich ermüdet. Die Anwälte lassen aus Grundsatz wenig Stühle in der Amtsstube. Der gemeine Mann wird es bald müde, auf höchsteigenen Füßen zu warten, macht sich brummend davon und raubt keine Zeit, Die, nach eines alten Sachwalters Ausdruck, außer Taxe ist. „Herr," erwiederte der Alte auf jene Zudringlichkeit, „ich war schon so frei, Ihnen zu bemerken, daß ich meine Angelegenheit nur Herrn Derville eröffnen kann. Ich warte, bis er aufsteht." —
Der Oberschreiber, welcher Die Rechnung beendet unD das Aroma seines Chocoladcs gerochen hatte, verließ Den Rohrstuhl, näherte sich dem Kamine, faßte Den alten Mann in’« Auge, betrachtete seinen Mantel und schnitt eine unnachahmliche Fratze dazu. Ersterer mochte vermuthlich denken, daß man diesen (Silenten in Die Citronenpresse legen könnte, ohne eine Centime zu gewinnen, und versuchte daher, mit Einem Worte in's Mittel zu treten, um Die Amtsstube von einem so schlechten Kunden zu reinigen : „Es ist wahr, mein Herr: Der Principal arbeitet nur Nachts. Sollte Ihr Geschäft von Wichtigkeit sein, so ratbe ich, um 1 Uhr wiederzukommen." —
Der Kläger betrachtete Den ersten Schreiber starr und blieb einen Augenblick regungslos. Längst an allen Wechsel Der Züge gewöhnt, wie an Die seltsamen Launen, welche Unentschlossenheit und Nachsinnen, Merkmale Prozessiren- Der, hervorbringen: ließen sich Die Schreiber im Essen nicht stören, lärmten mit Den Kinnladen, wie Pferde an Der Raufe, unD bekümmerten sich nicht weiter um Den Alten. „Herr, ich will heute Abend wiederkommen," sagte er endlich. Mit einer Zähheit, Die dem Unglücke eigen ist, schien er die ganze Blöße Der Menschlichkeit aufdecken zu wollen. Es ist ja Daß einzige Epigramm, welches sich das Elend erlauben Darf: Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit zu unbilligen Weigerungen zu zwingen. Haben Unglückliche Die Gesellschaft gleißnerischer Lüge Übermiefen, flüchten sie sich um so inniger an das große, warme Gottesherz.
„Ob das nicht ein merkwürdiger Schädel ist!" sprach Simounin, ohne zu warten, bis der Greis Die Thüre zugemacht hatte. — „Er sieht au«, als wie ein Ausgegrabener," nahm Der letzte Schreiber Da« Wort. „Es ist irgend ein Oberst, Der Rückstände anspricht." — „Nein, ein alter Verwalter," meinte Der Dritte Schreiber. „Ich wette, er ist von Adel," schrie Der Erste, „ich wette, daß er Thürsteher mar," Der Dritte. „Nur Portiers sind mit solch schäbigen, ölgetränkten, ausgefranzten Mänteln begabt, wie Der des alten Ehrenmannes!" — „Ihr saht also weder seine ausgetretenen Stiefeln, noch seine.Cravatte, Die ihm statt des Hemdes Dient ? — Er lag sicher unter Den Brücken." — „Er könnte von Adel sein und doch Den Strang gezogen haben. Das ist schon vorgekommen," rief Der Vierte. „Nein," erwiederte Der Oberschreiber unter allge- meinem Gelächter; „ich behaupte, er war 1789 Brauer, unD unter Der Republik Oberst." — „O, ich wette freien Eintritt für uns alle in's Schauspiel, daß er nicht Militär war," sagte Der Dritte, und „das-läßt sich hören," Der Erste.
„Herr, Herr!" schrie Simounin, und öffnete das Fenster. „Was thust Du, Junge?" frug Herr Boucard. „Ich rufe ihn, um zu fragen, ob er Oberst oder Thürsteher ist. Er muß es doch wahrlich am besten wissen!" — Alles lachte. Der Greis kam noch einmal herauf. , Was sagen wir?" rief der dritte Schreiber. „Laßt mich sorgen," antwortete der Erste. „Herr," sprach er zu Dem armen Alten, als dieser schüchtern, mit gesenkten Blicken eintrat, vielleicht um seinen Hunger nicht durch gieriges Ansehen der Eßwaaren zu verrathen. „Mein Herr, wollten Sie die Gefälligkeit haben, uns Ihren Namen zu sagen, Damit Der Principal weiß . . . — „Chabert." — „Der bei Eylau gebliebene Oberst?"
frug GoDelchal, Der noch nichts gesagt hatte und auch fein Schärflein Witz bei» steuern wollte. „Derselbe, Herr," entgegnete Der Ehrenmann mit wirklich antiker Einfalt, und zog sich zurück.
„Paff! Oh! Ah! Tralala!' „Herr Godeschal, Sie kommen umsonst in's Theater," sagte der vierte Schreiber zu Dem Neuangekommenen, und gab ihm einen so derben Schlag auf die Schulter, daß man ein Rhinoceros damit hätte fällen können. Es war ein Sturm von Gelächter, Geschrei und Ausrufungen, zu dessen Darstelluog man alle nur immer möglichen Sprachtöne hätte aufbrauchen müssen. „In welches Theater gehen wir?" — „In Die Oper!" rief der Erste. „Erlaubt mir," entgegnete der Dritte, „das Theater ward nicht bezeichnet. Ich kann, wenn es mir beliebt, Euch zu Madame Saqui führen." — „Madame Saqui ist fein Schauspiel." — „Was ist Schauspiel?" erwie- Derte Der Dritte. „Wir wollen uns an Die Thatsachen halten : Was wettete ich, meine Herren? Ein Schauspiel. Was ist Schauspiel? etwas, das man sieht" — Aber auf diese Art könnten Sie sich ja auch Ihrer Schuld entledigen, indem Sie uns auf den Pontneuf führten, das Wasser fließen zu sehen," unterbrach Simounin. „Für Geld," fuhr der Dritte fort. „Aber, man sicht für Geld viele Dinge, die kein Schauspiel sind; Die Begriffsbestimmung ist nicht genau," sprach Godeschal. „Aber hören Sie doch!" — „Unsinn, mein Lieber!" meinte Boucard. „Ist Curtius ein Schauspiel?" fragte Der Dritte. „Nein," erwiederte Der Erste, „es ist ein Figurencabinet." — „Ich wette hundert Franken gegen einen Sou," sagte Der Dritte, „daß das Cabinet Curtius ein Schauspiel bietet." — Die Schreiber zuckten Die Achsel.
„Ueberdies ist es gar noch nicht unterschrieben, ob Der alte Pavian uns nicht zum Besten gehabt hat," ließ sich Der Dritte vernehmen, Der seine Abhandlung schloß. Bei Ehre unD Pflicht! Oberst Chabert ist maustodt und feine Frau wieder verheirathet mit Dem Staatsrathe Graf Ferraud; sie gehört ja zu unfern Clienten." —
„Da nichts entschieden ist," nahm Der Erste Da« Wort, „so wollen wir uns dahin vergleichen, daß wir in Die ersten Logen des Theater frant-aid gehen und Talma im Nero bewundern. Simounin verfügt sich in's Parterre."
Diese Scene malt eine von Den tausend Freuden, welche später, bei dem goldenen Rückblicke in Der Jugend Sonnenland, Den Seufzer entlocken: „Die gute alte Zeit!" —
(Fortsetzung folgt).


