2496) Anmeldungen zur Aufnahme in das hiesige Großherzogliche Gymnasium für das bevorstehende neue Schuljahr sind Donnerstag den 8- April, Morgens von q bis 12 Uhr, in dem Gymnasialgebäude unter Beibringung von Zeugnissen der bls- beriaen Lehrer bei der unlerzeichnelen Behörde zu machen, worauf am 9- und 10. April bie Aufnahmeprüfung Statt finden wird- Der Unterricht beginnt am 12. April.
Gießen, am 23. März 1869.
Grobherzogliche Direktion des Gymnasiums zu Gießen.
__Dr. Geist.______________________________________
Einladung zum Küfer- und Bierbrauer - Ball.
2511) Zu bem am 2. Ofterfeiertage UN Saale des Cafe Leib Abends 8 Uhr stattfindenden Ball laden wir alle Freunde und Bekannte höflichst ein.
Garten sind bei Herrn Moritz Enders oder Abends an der Kaffe zu haben.______________________ Das
Zinß er scher Garten.
2495) Am drillen Osterfeiertage, den 30. März: Großes Kontert ä la Strauß, ausgeführt vom Musik-Corps des Pommer'schen Füsilierregiments
Nr. 34, unter persönlicher Leitung seines Musikdirectors, Herrn A. Parlow.
Anfang halb 5 Uhr. Entree ä Perfon 30 kr.
Billets ä 24 kr. sind bei den Herren Ph. Schlatter und
2458) Eiu Zimmer mit Cabinet ist zu vermiethen bei
__________H. Riibsamen, Mäusburg.
2459) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen Wallthorstraße Lit. A. Nr. 227.
2461) Ein großes möblirtes Zimmer ist in der Neustadt Lit. D. Nr. 55 zu vermiethen._____________________________________
2455) Ein freundlich möblirtes Zimmer mit Cabinet ist vom 1. Avril an zu vermiethen- Neue Anlage. Näheres bei der Exped- d. Bltts-____________________________
2456) Ein möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei
Wern Hard Brück, Flügelsgasse.
Vermischte Anzeigen.
Geschäfts-Empfehlung.
2493) Einem geehrten Publikum hiermit zur Nachricht, daß ich mich dahier als Herrcnklcidcrmachcr etablirt habe und empfehle meine Arbeiten zu billigen Preisen bei reeller Bedienung. (English tailor.)
Anton Frei, im Hause des Herrn Kirchendiener Knoll.
2491) Es empfiehlt sich Frau Heck, wohnhaft bei Herrn Andreas Euler, als Kochfrau zum Ausgehen.
2470) Wir machen hierdurch die öffentliche Anzeige, daß unser beabsichtigter Socie- täts-Vertrag nicht zur Ausführung gekommen ist, und daß ich, der niitunterfchriebene Friedrich Textor, das bisherige Brauereigeschäft an der Hardt für alleinige Rechnung fortführe.
Gießen, den 20. März 1869.
Friedrich Textor. F. W. Heinz.
2471) Unterzeichneter empfiehlt sich zur Uebernahme von Zimmerarbeit und verspricht billige und reelle Bedienung.
Georg Ruckstuhl, Zimmermeister, _______________vor der Neustadt.___________
2479) Für eine Fabrik in chirurgischen Instrumenten in Holland werden gesucht:
2 tüchtige Arbeiter und
1 Mechaniker,
die später, wenn qualifizirt als Werkführer, sollen engagirt werden.
Franco - Offerten unter R. E. 334. befördert das Annoncen - Büreau von Haasen- stcin Vogler in Frankfurt a. M.
| Stroh-Hüte
werden gewaschen, gefärbt und nach neuester Fa^on umgcarbeitet bti
Gießen. Louis Schild, Hutmacher, ________________________am streu;._________
2500) Ein junger Hund ist Eisenbahn- Arbeitern in der Nähe des Schießplatzes
K. Roloff bis Mittags 12 Uhr zu haben.
| Epileptische Krämpfe (Fallsucht)
hiilt der Specialarzt für Epilepsie l>r. O. Källiscli in Berlin, jetzt Mittel- BtVHSSe JÜTr. ®. — Auswärtige brieflich. Schon über Hundert geheut.
2483) Nach den Analysen des berühmten Chemikers M. Aayen zählt dieCacao- Pffanze zu den nahrhaftesten Producten der Erde. Dreier Gelehrte sagt, daß eine gute Tasse^Bouillon von Rindfleisch 28 Gramm Nährstoff enthalte, wahrend sich> m. einer Tasse mit Milch zubereitcter reiner Chocolade 188 Gramm nährende Bestandtheile vorsänden^ S((ltlc 6ättc einc SrMche Untersuchung der Ch°-°l°d-n
70 verschiedener Fabriken von London und Paris eine Verfälschung der Waare m 3J derselben erwiesen, ein gewiß trauriges Resultat! Da auch® “en" w
fäschte Chocolade zur Seltenheit geworden ist so verdient besonders, hcrvorgeh oben.zu werden, daß sämmtliche Cacao - Präparate des Hauses Frauz StoU vcrck LS Sohnc in Köln als durchaus frei von jeder Betnwchung garanttrt sind und wegen dieser Eigenschaft von den Aerzten vielseitig empfohlen werden. T .
In den hauptsächlichsten Geschäften Deutschlands sind diese Chocoladen^vorrathig^
91 u f f o r b e r u n q.
2482) Allenfallsige Gläubiger unseres verstorbenen Vaters, H. Elkan in Gießen, belieben ihre Ansprüche mit Belegen innerhalb der nächsten zwei Monate um so gewisser bei uns einzureichen, als später eingehende Reclamationen unbefriedigt bleiben würden.
Frankfurt a. M-, den 17. März 1869.
Gebrüder Elkan.
2460) Ein braver Junge kann in die Lehre treten bei
M- Nagel, Schuhmacher-
zugelaufen und kann derselbe im Schü tzen- h o f abgeholt werden.
2477) Ein goldenes Medaillon mit zwei Photographien ist verloren gegangen. Der redliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen eine gute Belohnung an die Exped. d- Bl- abzugeben._______________________________
2489) Dienstag den 30. März, als am dritten Ofterfeiertage:
Tan)-Musik
auf der Badenburg.
Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten C. W. Dietz.
Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Union, am 6. März von Bremen abge- laanaen. ist am 20. März, Abends 7 Uhr, wohlbehalten in New-York angekommen.
F e u i l
Meiner Mutter Schicksale.
Erzählung von Fanny Herbert.
(Fortsetzung.)
„Sie sind Freundin von Ceremonien. In Frankreich, Madame, kennen wir dergleichen nicht, ma fois ! Bei uns veranstalten die Damen in ihren Schlafzimmern sogar Spielparkhieen. Lassen Sie uns jedoch Ihrem Borurtheil Ge- nüge leisten, Madame. Ich begebe mich hinunter, um in meinen eigenen Zimmern Ihre Befehle zu erwarten."
Mit diesen Worten verliest Mr. Roussel das Gemach, in welchem er mit großer Aufmerksamkeit umhergeblickt hatte, und stieg die Treppe hinab.
Meine Mutter folgte ihm und sprach der guten Mrs. Terrin d.e Bitte aus, ihr Zimmer auf kurze Zeit benutzen zu dürfen, welches Gesuch D’efe mit der größten Bereitwilligkeit zugestand. *
Ich wurde abgeschickt, Mr. Roussel hinabzunöthigen, und er begleitete mich, meine Hand in der seinizen haltend.
Als er in's Zimmer trat, nahm er Platz neben meiner Mutter.
„Bor Allem, Madame," sagte er, „möchte ich Sie bitten, sich keinenfalls durch Die Mittheilung, welche ich Ihnen zu machen wünsche, beleidigt zu fühlen, denn ich gebe Ihnen die Versicherung, Vast meine Absichten die besten sind."
„Ich zweifle nicht im Geringsten daran," antwortete meine Mutter, als er schwieg. —
„Bitte, reden Sie."
„Gut denn, Madame. Sie führen mit Ihrer Mademoiselle Tochter em sehr einsames, trauriges Leben, entsagen jeder Zerstreuung und jedem Vergnügen, und das sollte nicht so sein. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn Sie geneigt wären, mir am Altäre die Hanv zu reichen, und Ihre Tochter gewiß eben so sehr lieben, als wenn sie mein eigenes Kind wäre."
Mr. Roussel hatte beim Beginn seiner Rede leise und langsam gesprochen, doch wurde sie allmälig lauter, bis sie endlich energisch klang.
Meine Mutter war durch seinen Vorschlag so außerordentlich überrascht, daß sie nicht sogleich zu antworten vermochte.
„Ich bin nicht reich, Madame," fuhr Mr. Roussel nach kurzer Pause fort, .aber" ich habe ein für uns genügendes Einkommen und Mademoiselle wird einmal sehr hübsch werden. Wir werden sie zur Künstlerin heranbilden. Run, nun, das findet sich mit der Zeit. Beeilen Sie sich indessen gar nicht mit Ihrer Antwort, Madame, — nehmen Sie sich Zeit, zu überlegen und theilen Sie mir Ihren Entschluß mit. Heute Abend vielleicht?"
„Ich werde Ihr gütiges Anerhieten in Erwägung ziehen," antwortete mit schwacher, zitternder Stimme meine Mutter, „und Ihnen meinen Entschluß heute Abend mittheilen."
Mr. Roussel erhob sich, küßte ihr die Hand, kniff mich in die Wange, ver- beugte sich noch einmal und verließ uns.
Lange saß meine Mutter nun unbeweglich da und mir wurde zuletzt saft ängstlich zu Sinne, denn ihr Blick hatte einen ganz eigenthümlichen Ausdruck angenommen.
Endlich sprach ich zu ihr.
Sie erwachte aus ihrem Nachrenken und wir begaben uns Vie Treppe hinauf in unser Zimmer zurück.
l e 1 o n.
All uns Mrs. Terrin nach Tische ihren gewohnten Besuch machte, theilte meiner Mutter derselben Mr. Roussels Anerbieten mit, sowie auch, daß sie ge- sonnen sei, es anzunehmen. , n , c . , , .
Mrs. Terrin war hoch erfreut über die Aussicht auf eine Hochzeit und wünschte ihr mit warmen Worten Glück.
„Mein Mann sagt," fügte sie hinzu, „Mr. Roussel sei ein Mann von außerordentlicher Thätiakeit und höchst achtungswerthem Eharaeter, und ich sehe nicht ein weshalb Sie'ihn nicht einladen lassen wollen, heute Abend in meinem Wohn- zimmer den Thee mit Ihnen zu nehmen. Ich leihe Ihnen mit dem größten Vergnügen mein bestes Geschirr dazu."
Meine Mutter sprach für Die große Gefälligkeit ihren verbindlichsten Dank aus und Mr. Roussel erhielt an diesem Abende das Jawort von ihr. —
Die höchst einfache Hochzeit erforderte nur geringe Vorbereitungen.
In Den Gewohnheiten unD der Lebensweise meines Stiefvaters trat jetzt jedoch eine außerordentliche Veränderung ein.
Er traf mit meiner Mutter die Uebereinhmft, daß wir feine Zimmer im erilen Stockwerk des Hauses bewohnen wollten, und ich werde niemals das Er- staunen und Den Unmuth vergessen, womit meine Mutter Diese Räume in Augen- schein nahm, als Roussel sie Das erste Mal in Dieselben führte.
Nicht nur alle Stühle waren mit Musikheften beladen, sondern dieselben lagen auch in allen Ecken und Winkeln hoch aufgestapelt umher; Doch war dies noch das Wenigste. .
An den Wänden hingen ringsumher gewaltige Bauer zur Züchtigung von Kanarienvögeln unD mitten auf dem großen Sophatische stand ein solcher mit zwei japanischen Sperlingen.
Der Staub lag allenthalben zollhoch und da in Dem ganzen Gemache kaum Raum blieb, sich darin bin und her zu bewegen, so hatte Der Bewobner bisher seine Schlafstube als Wohnstube benutzt, Deren Anblick fast Uebelkeit erregen konnte.
Als meine Mutter ihrem künftigen Gatten über dies Alles sanfte Vorstellungen machte, schien er sehr erstaunt zu sein.
„Ma fois! Ich rneinestheils sehe nichts von Alledem, was Ihnen hier Mißbehagen verursacht," sagte er, „verfahren Sie indessen in dieser Wohnung ganz nach Ihrem freien Ermessen, und wenn Sie es wünschen, so sollen auch alle diese Vögel entfernt werden."
Meine Mutter antwortete ihm durch einen zärtlichen Blick des Dankes, worauf Roussel ihr die Hand küßte.
„Es ist mein höchster Wunsch, Sie als meine Gattin durchaus zufrieden und glücklich zu sehen," rief er.
Die Vogelbauer wurden also entfernt, die Zimmer mit größter Sorgfalt gereinigt und darauf wurde meine Mutter Roussel's Gattin.
Einige Zeit lang fühlte sie sich zufriedener und glücklicher, wie sie es kaum zu hoffen gewagt hatte, Denn Roussel suchte ihr auch Den leisesten ihrer Wünsche aus Den Augen abzulesen und war mir der fürsorglichste unD liebevollste Stiefvater-
Da er fast Den ganzen Tag über abwesend war, um Unterrichtöstirnden zu ertbeilen und Musikproben beizuwohnen, so konnte meine Mutter fast ihre ganze Zeit aus meine Unterweisung verwenden.
(Fortsetzung folgt.)


