Ausgabe 
23.11.1869
 
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Eiliemvohnung von 6 !

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^-milimlogis ist zu vmnie- 1 ironiagi die Erped. d. Bltts. I"

- Nr miber Katzenstein & , : - schw Nennung ist ein Wohn- | :r ? aus 8 Zimmern, Küche und u 6c-. .^bnkgebäude, zu LvW t agnaib, auf mehrere ^ahe - .rriltnanttn wollen fid) an

m B- Katzenstein, Neuenweg Nr. M

ilisckte Anzeigen.

Uiitf zu bcad)tfn!

^cpariren und Aus- "L Körben und Korbmö- ^e'das Eluhlsleebten besorgt

V »; e ci r. xunstkorbsttchrer, Zäubmackemeister

. . . ' r-r ''er Sandgasse.

lehtt das Kleider- , ^^A-chen nacd einer leit.

Mädchen, welche an :7.7 zbal nehmen wollen, bk | -* -ine m melden- M ^ulchneiden werden dik ' 7 p^edn und können s : ...7 Unbildung nne gedruckte ' . billigen Preis erhalt. ' ^ladtmacherin, - ziet-!er **

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I n guten gesuSk- ^7"7gesvU r*itud> (Vntti^ , e ^tzchöf- al. s'"»

V orlesungen:

10805) Die von mir angekündigten Vorlesungen über die Geschichte der deutschen Poesie des Mittelalters werde ich jedesmal JVIittwocIl Abends von 6 bis ? Uhr in der kleinen Aula halten.

Erste Vorlesung morgen den 24. November.

Prof. Dr. Georg; Zimmermann.

lluröheutfdjf Packel-Besiirüernngs- Gesellschast

Val leite, Reinecke, Rändel <fe (omp.,

Commandit - Gesellschaft auf Actien.

Grund-Kapital 500,000 Thaler.

10766) Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Herrn Heinrich Weißgerber in Gießen die General-Agentur für die Provinz Oberhessen übertragen worden ist.

Berlin, den 25. October 1869.

Die Genet al-Direktion

Aallette. Handel.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung empfehle ich mich zur Beför­derung von Packeten aller Art mit und ohne Werths-Declaration und Nachnahme nack- allen Eisenbahn-Stationen Deutschlands und sämmtlichen überseeischen Plätzen.

Die Portosätze für Packete ohne Werths-Declaration und ohne Nachnahme sind im internen Verkehr bis zum Gewichte von 50 Pfund durchschnittlich um 25 % und bei Gewichten über 50 Pfund um 50 o/o niedriger als diejenigen der Post. Für Sendun­gen mit Werths-Declaration und Nachnahme beträgt die Assecuranz-Prämie und resp. die Nachnahme-Provision nur die Hälfte der Postsätze.

Die Gesellschaft gewährt in Verlustfällen dieselbe Entschädigung, wie die Post. Heber jedes Packet, auch ohne Werths-Declaration, wird ein Einlieferungsschein ver­abfolgt. Zur Ertheilung näherer Auskunft bin ich bereit und werden Reglements, sowie Portotarife in meinem Büreau, wie auch im Annahme-Local, verabreicht.

- Gießen, den 20. November 1869.

Heinrich Weißgerber,

General-Agent der Norddeutschen Packet-Beförderungs-Gesellschaft, Büreau: Seltersberg Lit. E- 41 A.

Annahme-Stelle bei Herrn Carl Fuhr, Kirchenplatz, Ecke der Schloßgasie.

Bm-gcr-Clnb.

10813) Die auf Mittwoch den 24. No­vember vorgesehene

Abendunterhaltung ist auf

Freitag den 26. November, Abends 7 Uhr, verlegt worden. Der Vorstand.

10812) Jemand, der eine Geschäftshand schreibt und in allen Theilen der Arithme­tik befähigt ist, wünscht unter bescheidenen Ansprüchen Beschäftigung. Das Nähere bei der Exped. d. Blattet.

10810) Ich suche auf gleich oder auf Weihnachten eine gesetzte ältere Person in meine Küche, die, wenn möglich, auch noch etwas Hausarbeit versehen könnte.

Louis Busch Wittwe.

10808) Tüchtige Glasergesellen finden gegen hohen Lohn dauernde Beschäftigung bei Christian Keck,

Glasermeister in Lich.

10809) Ein Schneidergeselle findet Be­schäftigung bei Joh. Becker.

10811) Ein braves Dienst­mädchen wird zu sofortigem oder baldigem Eintritt gesucht. Wo? sagt gefälligst die Erped. d. Bl.

10807) Ein gesitteter Junge kann so­gleich in die Lehre treten bei

Christian Keck, Glasermeister in Lich.

10782) Ein braves Dienstmädchen, das gut kochen kann, wird zu Weihnachten ge­sucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bl.

10759) Weißbindergeselleu (An­streicher) werden gesucht von

L. Stumpf $ Comp., in Kid).

10755) In eine Wirtschaft wird ein braves Mädchen für die Küche gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts.

10756) Auf Weihnachten wird ein Mäd­chen gesucht, das sowohl in der Küche, als auch in allen häuslichen Arbeiten erfahren ist. Zu erfragen E. 81.

Für Bierbraurrribrlihcr.

10778) Ein auswärtiger junger Mann von 17 Jahren, stark gewachsen, von an­genehmem Aeußern und von guter Familie, wünscht in einem größeren Geschäft die Bierbrauerei zu erlernen. Das Nähere ist bei der Exped. d. Bltts. zu erfahren.

10754) Ein Junge aus hiesiger Stadt wird als Hausbursche gesucht. Näheres bei der Erped. d. Bltts.

"Minden, 28. October. Der eben erschienene Familenkalender des Lahrer hink. Boten für 1870 erzählt auf Seite 225:Der Hinkende hat Unglück!" Wenn's ein Kalenderschreiber einmal bis zum Märtyrer gebracht hat, dann hat er mit seinem Kalender gewonnenes Spiel, und so ein Bischen Märtyrerthum ist eine bessere Reklame und auch eine wohlfeilere, als die vielen kostbaren Zeitungsreklamen, die in der Regel unmittelbar unter dem Hoffschen Malzextrakt abgedruckt werden. Bis jetzt freilich hat der Hinkende mit seinem Märtyrerthum wenig Glück. Zwar im Badischen, da geht es noch an, da wird er von den Ultra-Demokraten ein preußischer, von Bis­marck bezahlter Emissär geschimpft und von den Schwarzen auf der Kanzel und im Beichtstuhl behandelt, auch in Preußen hat er einiges Glück gehabt und ist in Königs­berg, Lippstadt, Münster, Bielefeld, Minden und anderen Orten konfiscirt worden, was er immerhin auf 200,000 Stück Mehrabsatz rechnen kann. Aber bis zum Ein­sperren hat er es doch noch nicht gebracht, und doch wäre jede Woche Cachot bei Wasser und Brod 50,000 Exemplare werth. In Münster wäre es ihm beinahe geglückt, da haben sie den Buchhändler zu 7 Tagen Gefängniß und 5 Thalern Strafe verdammt. Es ist zwar nicht viel, aber der Hinkende wäre für den Anfang auch mit dieser Klei­nigkeit zufrieden gewesen, da machte ihm der undankbare Buchhändler einen Strich durch die Rechnung, ergreift den Rekurs, und der Staatsanwalt, dessen Geschäft es doch eigentlich gewesen wäre, den Hinkenden oder dessen Stellvertreter einstecken zu lassen, trägt selbst auf Freisprechung an, denn er habe die Anklage nurmit Wider- derstreben", und zwar nur aus wiederholten Befehl erhoben, und er finde in dem Ka­lender durchaus keine Verspottung der katholischen Religion, sondern nur eine scharfe Satyre aus deren Auswüchse. So war's also diesmal wieder nichts. Die Hoffnung aber hat der Hinkende doch nicht aufgegeben." Er glaubte, sie heute erfüllt zu sehen, da gegen ihn in Mind en heute in zwei Untersuchungen öffentlich verhandelt wurde. Leider aber wurde nicht einmal die Vernichtung der konfiscirten Exemplare (Gegen­stand der ersten Untersuchung) ausgesprochen, sondern angenommen, daß hierzu nur das Kreisgericht in Bielefeld, welches die Konfiskation beantragt, competent fei. In der zweiten Untersuchung wurde beantragt, den hiesigen Agenten, den Buchhändler Vol- kening, weil er feiner eigenen Aussage nach über 4000 Exemplare des hink. Boten für 1869 verkaufte, obwohl der VermerkVerlag von Aug. Volkening" unrichtig an­gegeben war und er die Unrichtigkeit dieser Angabe wußte, mit einer Geldstrafe von hundert Thaler zu belegen. Doch cs erfolgte Freisprechung. Zu bemerken ist noch, daß in allen Punkten der hiesige Staatsanwalt auch heute die Auffassungen der Ober­staatsanwaltschaft nicht theilte und neben den ihm aufgetragenen Plaidoyer und An­trägen mit feiner eigenen dem Angeklagten günstigen Meinung nicht zurückhielt. Namentlich betonte er, daß der Hinkende in harmloser, spaßhafter und höchst ergötz­licher Weise erzähle, während doch der sehr ernste Sinn nicht verkannt werden könne. Eine absichtliche Beleidigung der katholischen Religion liege den Darstellungen fern, eine interessante Erzählungsweise sei die Hauptsache. (Bürgerzeitung).

3* e N t i

Aus dem Leden einer Nonne.

Novelle von I. H.

(Fortsetzung.)

Wir wollen gern annehmen, daß die Gräfin glaubte, auf diese Weise am Besten für das Wohl ihres Kindes zu sorgen, aber eigenthümlich, zu kalt und herzlos blieb es immer, daß sie den Jammer ihres Kindes keiner Beachtung werth hielt, sondern schweigend dessen Dahinwelken ansah.

Elisabeth ließ von dem Tage an, wo sie der Mutter das Versprechen gege- den hatte, wenigstens ein Probejahr im Kloster zu verweilen, Alles ruhig über sich ergehen, aber auch jede Spur von ihrem jugendlichen Frohsinn, ihrer kind­lichen Heiterkeit war verschwunden. Die Frau Gräfin wußte freilich aus eigener Erfahrung, daß auch der größte Schmerz seine Linderung von der Zeit empfängt, und darum dachte sie auch wohl, daß Elisabeth sich in der Einsamkeit des Klo» sters bald heimisch und glücklich fühlen und nicht nach dem Geräusche der Welt sich zurücksehnen werbe.

Vorbereitungen zu ihrer Abreise bedurfte es nur weniger, die strengen Ge- setze des Klosters, wohin sie gebracht werden sollte, erlaubten nur das Nothwen» digste mitzubringen, und so war denn Alles in Ordnung.

Jetzt aber, am Vorabend ihrer Abreife aus der Heimath, empfand Elisa­beth, daß das Opfer, welches sie ihrer kindlichen Liebe brachte, beinahe zu groß war, und wie sie so in ihrem Gemache saß, nachdem sie die Mutter gebeten, sie diesen Abend mit ihren Gedanken allein zu lassen, da war es ihr nicht an- ders, als wenn sie mit der schönen, sonnigen Welt abgeschlossen habe und sich jetzt zur Ruhe niederlegen müßte.

Ihr ganzes vergangenes Leben ging an ihr vorüber von dem Augenblicke an, wo sie zum eigenen Bewußtsein erwacht war. Kein liebendes, sondern ein strenges, kaltes Mutterauge hatte ihre Erziehung überwacht, nie hatte sie ein Wort des Lobes zu ihrer Ermunterung vernommen, sondern überall, wohin sie blickte, nichts als Tadel und Strafen. Nur ein Lichtblick war in ihr einsames Dasein gedrungen, und das war als ihr einziger entfernter Verwandter, Adolph von Felseck zu ihr gedrungen. w

Damals hatte Elisabeth empfunden, was es heißt, zu leben, und noch erfüllte die Erinnerung an jenen köstlichen Sommer ihr unschuldvolles Herz mit namenlosem Entzücken. Aber seitdem war nun schon dreimal der Sommer zurückgekehrt, Adolph hatte mittlerweile sein Offiziersexamen glücklich bestanden und war in eine entfernte Garnisonsstadt versetzt und Elisabeth hatte nichts wieder von ihm gehört, obgleich er ihr ganzes Sein und Denken ausfüllte.

Als sie ihn zum ersten und letzten Male sah, war sie noch ein Kind ge- wesen, aber je größer sie geworden, desto mehr hatte sie an Adolph gedacht, und jetzt war sie längst überzeugt, daß sie allein mit ihm glücklich werden könne.

Und jetzt war alles Glück vorbei.

l e t s n.

Elisabeth verhehlte es sich keinen Augenblick, daß ihre Mutter Alles daran setzen würde, daß sie das Kloster nicht wieder verließe, und die Gräfin hatte noch stets ihren Willen vurchgesetzt.

Sie sah schon, wie sie allmählig mehr zur Nachgiebigkeit gestimmt sein würde, sie hörte schon das Knistern der Scheere, womit man ihr goldschimmern- merndes Haar von ihrem Haupte trennte und ein entsetzliches Weh zerriß ihr Herz. Warum hatte sie nachgegeben? Warum war sie nicht geflohen, so weit ihre. Füße sie tragen wollten, um bei Adolph, der seine kleine Cousine doch so sehr geliebt hatte, Hülfe und Schutz zu suchen?

Das waren verhängnißvolle Fragen und Elisabeth wußte sie sich nicht zu beantworten sie wußte nicht, als daß sie morgen in das Kloster gebracht werden sollte und Adolph sie dann nicht mehr finden würde, wenn er in den nächsten Tagen käme, sie aufzusuchen, wie er versprochen. O, es war aber sehr gut, daß sie ihn dann nicht mehr sehen würde; niemals hatte sie von ihm Ab­schied nehmen können.

So war die Nacht vorbeigegangen Elisabeth hatte ihr Lager nicht aufge- sucht, unberührt stand es da, durch die grünen Seidenvorhänge drang der erste Strahl der Morgensonne und dieser weckte Elisabath von ihrem dumpfen Hin­brüten. Bald darauf wurde es auch im Schlosse lebendig, die schlürfenden Schritte des alten Castellans wurden gehört und dann auch die Stimme der Gräfin Marion, die bald daraus zu Elisabeth in das Gemach trat.

Ein finsterer Schatten flog über ihr starres Gesicht, als sie die Tochter noch an derselben Stelle, in derselben Stellung, wie sie sie am vorhergehenden Abend verlassen hatte, sitzen sah, die Augen statt auf die gepackten Koffer gerichtet.

Elisabeth," sagte sie streng,die Stunde, die zu Deiner Abreise bestimmt ist, naht, und Du hast Dich noch nicht vorbereitet?"

Elisabeth erhob sich und entgegnete ruhig:

Noch einen Augenblick Geduld, Mutter, ich bin gleich fertig."

Und kaum eine Viertelstunde später trat sie völlig gerüstet in das Gemach, wo ihre Mutter saß und sie erwartete.

Jetzt erst sah Gräfin Marion, daß die letzte Zeit doch nicht ohne Kampf an Elisabeth vorübergegangen war, und ein sonderbares Gefühl von Schmerz, was sie seit Jahren nicht mehr empfunden hatte, durchzuckte sie. Aber im näch­sten Augenblicke war dieses auch schon wieder verschwunden und ihr Gesicht wieder so ernst und streng, wie immer.

Noch einmal brach Elisabeth in ein krampfhaftes Weinen aus, bis sic sich müde geweint hatte, aber damit schien auch Alles beendet. Keinen schmerzlichen Blick warf sie mehr auf die Stätte ihrer Kindheit,» keinen Gruß wehte sic zu der strengen Mutter hinauf, als der Reisewagen sich in Bewegung setzte, um sie ihrer neuen Heimath zuzuführen schweigend lehnte sie sich in die weichen Polster zurück und starrte gedankenlos vor sich nieder. (Forts, folgt.)