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frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.
Fruchtmärkte.
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Hafer.
Erbsen.
Linsen.
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Warzen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen,
Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
U § n i L l e t o n.
Dir Rache einrg deutschen Mädchens.
Ein Ereigniß aus dem Leben.
Novelle von N. v. Hof.
(Schluß.)
Nichts hätte mich in meinen Augen erbärmlicher erscheinen lassen, als von der blinden Wuth dieses, halb dem Wahnsinn verfallenen Menschen Vortheil zu ziehen.
Er führte so knabenhaft Den Degen, daß es mir nach kurzem Gefechte gelang, ihn zu entwaffnen.
Knirschend vor Zorn, mit schäumender Lippe, erklärte er sich für überwunden.
Kaum aber hatte nuch ich Den Degen aus Der HanD gelegt, als er einen an Der WanD hängenden Dolch an sich riß, sein Weib fluchenD mit einem Schlag zu Boden streckte und — während ein Blutquell ihrer Schulter entsprang — sich Den Dolch in Die Brust stieß.
Alles war mit Blitzesschnelle vollführt und noch ehe ich einem Der beiden unglückseligen Gatten beispringen konnte, hatte sich schon Die Thür geöffnet, Be- waffnete traten ein unD erklärten mich für ihren Gefangenen.
Ohne Widerstand folgte ich ihnen, denn ich erkannte sie als Diener Der Gerechtigkeit, aber ich befeuerte ihnen meine Schuldlosigkeit.
Fenicc's Weherufe folgten mir.
Vor dem Hause stand ein Italiener in den mittleren Jahren und von edlem Ansehen.
Mir war cs beim ersten Anblick, als müsse ich demselben schon einmal im Leben begegnet sein.
Er redete mich an:
„Signore, ich sah das Duell, als ich am Fenster vorüberschritt, einem Unheil vorzubeugen, benachrichtigte ich die Polizei, ich bin demnach die Ursache Ihrer Gefangennehmung, aber ify werde Ihnen auch ein Zeuge sein, daß ohne Ihr Verschulden hier Blut vergossen wurde.
Seien Sie außer Sorgen, Ihre Haft soll nicht lange dauern."
Dann reichte er mir seine Karte.
Es war der Marquis d'Azeliv *), mit welchem mein Vater einigen geschäftlichen Verkehr gehabt, woher mir seine Physiognomie noch in Erinnerung.
Noch an demselben Abend, als ich tief verstimmt über Die Ereignisse nachsann und begann, einen gar bitteren Beigeschmack am Abenteuerlichen zu entdecken, trat eine dicht verschleierte Frau bei mir ein, es war Fenice.
Sie brachte mir die Nachricht, daß Paolo noch einige Worte gesprochen, ehe er gänzlich verschieden, und daß er sich selbst als den allein Schuldigen be- fannt habe. —
Ferner, daß Rafaele's Wunde nicht von Bedeutung fei und daß sie sich in wenigen Tagen auf das Land zurückzuzieben gedenke, und sie mich anflehe, ihr dahin zu folgen, sei es nur für eine einzige Stunde, sobald ich aus meiner Haft entlassen wäre.
Dies geschah schon nach wenigen Tagen; ich eilte auf's Land, um Rafaele meine Teilnahme, mein Bedauern auszusprechen und Abschied von ihr zu nehmen.
Diese Begebenheit hatte mir die Stadt Neapel so gänzlich verleidet, daß ich sie möglichst schnell verlassen wollte, um nie mehr dahin zurück zu kehren.
War nun Rafaele's Schönheit früher schon bewunderungswürdig, ja, blendend gewesen, so war sie jetzt, von tiefem, schmerzlichem Ernst überschattet, nur um so anziehender; es lag etwas seltsam Rührendes in dieser plötzlichen Ab- Wesenheit jener lebendigen. Frische, die sie früher gekennzeichnet, eine Stille, eine Scheu war an Deren Platz getreten, die mich Kranksein befürchten ließ.
Kaum aber hatte uns Fenice, welche bet ihr war, als ich eintrat, verlassen, da — ?
Nun, was glaubst Du, was geschehen, Iocelin?"
Iocelin sah ihm diesmal mit Dem Ausdruck gespannter Erwartung in das Antlitz, ohne zu sprechen.
Albrecht fuhr fort: „Rafael stürzte sich mir zu Füßen und beschwor mich, sie nicht zu verlassen — nicht zu verstoßen.
Vor ihrem flehenden Blicke erbebte ich in tiefster Seele!
Sie gestand mir, wie sie mich geliebt von dem Momente an, wo sie mich zuerst erblickt.
Sie verglich diese Liebe mit einer verzehrenden Flamme, die von Stunde zu Stunde mehr um sich gegriffen, und endlich all' ihr Denken und Fühlen, ja, ihr ganzes Sein in sich verschlungen zu haben scheine.
Ein furchtbarer Kampf wogte in meinem Innern, vergebens bemühte ich mich, sie empor zu heben.
Sie sah mein Schwanken, mein Zögern; sie glaubte sich verschmäht, da losten sich langsam die Arme, die meine Kniee umfangen hielten, und sie lag vor mir im Staube, bleich, ohne ein Merkmal des Lebens; ein schwerer, starrer, entseelter Körper."
Hier machte Albrecht Bernau wieder eine lange Pause.
Schnell, mit unhörbaren Schritten, glitten die Freunde gleich Schatten durch die umdärnmerte Allee; Beide athrneten rasch und tief.
„Ich hob sie sanft empor," fuhr der Erzähler fort, „und trug sie zu einer Ottomane, welche in demselben Zimmer stanD.
Nach einiger Zeit belebte sie sich langsam wieder, als ihr Bewußtsein so weit zurückgekchrt, daß sie mich wieder erkannte, wollte sie fliehen."
*) Damaliger Gesandter in London.
„Ha, Grausamer," murmelte sie hoch erröthend, und wollte enteilen, „konntest Du mich denn nicht wenigstens in Deiner Nähe dulden?"
Ich hielt sie zurück, zog sie an meine Brust, nannte sie zum ersten Male Rafaele, meine Rafaele.
„Deine Sclavin!" rief sie.
„Mein Weib," sagte ich. —
Thra'nen entstürzten ihren Augen. „O, die seligste der Frauen," flüsterte sie.
„Erst heute weiß ich es, was Liebe ist. —
Noch ein Kino, zwang man mich, Paolo anzugehören, dem meine Seele, ach, nur allzu gram war.
Was ich seitdem gelitten, kann nur Der ermessen, Der einem bösen Dämon zur Qual anheimgegeben, in Wahrheit Dem schrecklichsten Der bösen Geister: Dem Dämon der Eifersucht. —
Nichtsdestoweniger wird sein Tod meinen Rus, wenn nicht vernichten, doch sehr gefährden, das allgemeine Urtheil ist einmal für die Todten, und Paolo's Familie bat schon jetzt den Versuch gemacht, Dieses Urtheil in jeDer Weise zu meinen Ungunsten zu schärfen.
Ich bin verloren, gänzlich verloren, sobald ich hier verweile, so lasse es denn zu, daß ich Dir folge, wohin Du ziehst, als Deine Gattin, als Deine Sclavin, wenn Du willst."
Noch einmal machte sie Den Versuch, mir zu Füßen zu sinken, ich fing sie in meinen Armen.
Noch an Demselben Abende traute uns Der Priester des kleinen Weilers.
Zwei Tage später schifften wir uns ein, nachdem ich zuvor an meine Mutter geschrieben und sie von Allem in Kenntniß gesetzt hatte.
Nkir zu Liebe empfing sie uns mit offenen Armen, jetzt liebt sie Rafaele um ihrer selbst willen."
„Und Rafaele?"
„Ich hoffe, ja, ich wage es zu glauben, daß sie glücklich ist. Gebe Gott, daß sie es bleibe!" —
Nach einigem Zögern nahm Iocelin das Wort und fragte zum dritten Male:
„Und Clara Lindner? Sie ist doch von dem Allen unterrichtet? Was sagte sie dazu? Wie hat sie es erfahren und wie ausgenommen?"
Statt eine dieser Fragen zu beantworten, lenkte Albrecht plötzlich um und wendete seine Schritte wieder Der Allee zu.
Iocelin hatte eine Vorahnung, Daß jetzt endlich Die Erklärung folgen werde, aber er war zu gespannt, dieselbe mit Ruhe erwarten zu können.
Alle seine Pulse schlugen höher.
Albrecht stand ihm nicht mehr im Wege, was hatte er jetzt für sich selbst zu hoffen, Clara war ihm za immer gut gewesen, wenn sie auch Bernau den Vorzug gegeben.
In seiner Erregung warf er abermals eine Frage hin:
„Sie hat sich wohl vorgesetzt, nun Niemanden ihre Hand zu schenken, sich — statt an dem einen Treulosen — nun an der ganzen Männerwelt zu rächen und ihren Stolz darin zu suchen, gleich Lady Hallford möglichst viele Körbe aus- zutheilen?"
„Wäre sie eine Engländerin," seufzte Albrecht.
Sie hatten indessen das Ende Der Allee erreicht und er öffnete das Eisen- thor im Gitterwerk.
Indem er hindurch schritt, zog er den Freund sachte nach. Jetzt standen sie Beide am kleinen Rosengärtchen.
Bernau bog sich über dessen zierliche Einfassung hin, theilte das Gebüsch mit seinem Arm auseinander und — die sinkende Sonne schien auf ein Grab, welches mit einem niedrigen Kreuze von weißem Marmor geschmückt war.
ES trug in goldenen Lettern die Inschrift „Clara".
Lange starrte Iocelin wie im Traume daraus hin.
Endlich lösten sich Thra'nen, schwere Thränen aus seinen dunklen Augen.
Ueber Albrecht's Züge zitterte ein wildes Weh. —
Iocelin pflückte mechanisch eine Der weißen Rosen, Deren schweres, müDeS Haupt sich beinahe bis zum fammetnen Rasen hinab gesenkt, währenD er leise bemerkte: „beinahe verwelkt." —
„Man hat vergessen, sie heute zu begießen," bemerkte Bernau eben so mechanisch.
„Je meurs si l’on m'oublie,“ flüsterte Iocelin, als wolle er Der Blume feine Stimme leihen.
Bernau aber wehte es an wie eine Stimme aus Dem stillen, kühlen Grabe, an Dem sie standen.
„S o rächte sich das das Deu tsche Mädchen," sagte er unwillkürlich. „Und wahrlich, diese unfreiwillige und unbewußte Rache war die bitterste, die sie nehmen konnte.
Als sie von meiner Verbindung mit Rafaele plötzlich und so ganz unerwartet durch eine Bekannte unterrichtet wurde, sank sic zurück und erbleichte. Wenige Stunden später war sie des Todes Beute. —
Ihr Vater ließ sie hier in ihr blumiges Grab legen und floh Dann den Ort, wo sie gelebt. —
Als ich zurückkehrte, war sie nicht mehr. —
Das ist Der Wurm, Der an meinem Herzen nagt unD Der nicht schläft bet Tag, noch bei Nacht."


