Einzelbild herunterladen

Feuilleton.

D i e U a m c n l o f r.

Novelle von Theodor König.

(Fortsetzung.)

Die kleine Figur des jungen Mädchens richtete sich bei diesen Worten fast imponirend empor, während Willert todtenbleich wurde und am ganzen Körper vor unterdrückter Leidenschaft zitterte.

Er hat in der schändlichsten Weise Ihre Unschuld hintergangen," zischelte er zwischen den Zähnen hervor.

Niemals, niemals können Sie seine Gattin werden. Er wird es niemals wagen, zurückzukehren, um Ihre Hand zu verlangen. Inzwischen, mein liebes, gutes Kind, sind Sie völlig heimathlos.

So muß ich eben so gut arbeiten, wie schon so manche Andere meines Ranges dazu gezwungen gewesen sind!" rief Hyacintha entschlossen aus.

Ich klage nicht darüber, nicht im Geringsten. Ich will arbeiten und warten- Dessenungeachtet, Herr Willert, danke ich Ihnen herzlich für Ihr groß- müthiges Anerbieten und wünsche Ihnen aufrichtig alles Gute, was Sie ver- dienen," schloß sie ihre Rede, indem sie ihm die Hand mit einer Geberde reichte, welche in seinen Augen die Kluft zwischen ihr und ihm nur noch auffälliger her- vortreteu lassen mußte.

Aber, um Gotteswillcn, was haben Sie denn nur, was ist Ihnen be- gegne!', liebes Kind?" fragte die gute Felicie erschrocken, als Hyacintha wieder zu ihr in's Zimmer trat und sie das bleiche, verstörte Gesicht derselben sah.

Ach, nach all' dem schweren Kummer, der mich in letzter Zeit schon be- troffen, ist dieser neue noch verhältnißmäßig leicht zu ertragen," antwortete daS junge Mädchen seufzend.

Ich hübe so eben erfahren, daß ich nunmehr nichts bin wie eine heimath- lose Bcltlerin. Aber ich bin ja doch noch jung und kann ja arbeiten."

Arbeiten? Sie, Fräulein? So lange ich lebe, niemals, niemals! Wenn es't'hig wird, für unseren Lebensunterhalt zu arbeiten, so ist das meine Sache," sagte Felicie, indem sie Hyacintha's Hand nahm und liebkoste.

Gut, so arbeiten wir denn Beide," flüsterte Cynthia, den Kopf an die Schulter der guten Französin lehnend.

Ja, ja, wir arbeiten Beide. Laß' nur Dein Kopfschütteln! Es wird außerdem nur eine kurze Zeit lang nöthig sein, denn bald genug wird Berthold zurückkehren fönn n und dann ist ja Alles wieder gut."

Du lieber Gott, damit wird es wohl lange genug Zeit haben," dachte Felicie bei sich selbst, doch konnte sie es in diesem Augenblicke nicht über sich gewinnen, Hyacintha dieses letzten HoffnungSankers zu berauben.

Ich denke, Sie haben Recht," erwiderte sie,aber sagen Sie, wann ver­lassen wir denn das Gut?

In acht Tagen," war die Antwort.So lange, denke ich doch, können wir uns hier noch verweilen. Nach einer Woche wirb die ganze Dienerschaft hier entlassen sein und auch wir ziehen dann fort, um unser Glück in der weiten Welt zu versuchen."

Morgen, morgen schon sollte Hyacintha die Heimath so vieler Jahre, den Schauplatz ihres Jugendglückes verlassen.

In traurigen Gedanken verloren, eine stille Thräne wehmüthiger Erinnerung an die Theuren im Auge, in deren Kreise sie hier gelebt, lehnte sie auf ihrem Zimmer in der Ecke des Sophas, als plötzlich, aufgeregt und sichtlich außer Fassung, Felicie dort cintrat.

Es sind zwei Herren unten, die Sie zu sehen wünschen," berichtete sie.

Zwei Herren? Und wer sind sie denn?" fragte das junge Mädchen in unruhiger Verwunderung.

Doctor Wilder und der Herr, welcher jetzt gesetzlicher Erbe des Gutes ist. Will Fräulein sich hinunter verfügen?"

Ich muß ja wohl," entgegnete Hyacintha mit einem schweren Seufzer, denn der Ton, in welchem Felicie jene Herren gemeldet, hatte plötzlich allerlei unbestimmte Hoffnungen in ihr erweckt.

Was kann es nur fein, daß diese Männer zu mir herauefuhrt? Schnell, schnell etwas Wasser, Felicie! Ich muß mir zuvor die Augen waschen und dann, Felicie, bitte, ordne mir das Haar ein wenig."

Ihre bleiche Gesichtsfarbe und der kummervolle Ausdruck desselben verliehen unserer jungen Freundin jetzt vielleicht nur eine noch zartere Schönheit wie sonst, Lucas von Bergen, der jetzige muthmaßliche Gutserbe, glaubte wenigstens, noch

Politische

niemals eine so liebliche weibliche Erscheinung gesehen zu haben, wie die des jungen Mädchens, welches jetzt mit ruhiger Grazie in das Zimmer trat, wo man ihrer harrte.

Doctor Wilder, welcher Hyacintha feit ihren Kinderjahren gekannt hatte, näherte sich ihr, nahm ihre Hand und begrüßte sie mit fast väterlicher Wärme.

Ich beabsichtigte noch gar nicht einmal, mich schon in Ihre trauernde Einsamkeit einzudrängen," sagte er sanft,ein Gerücht aber, das mir gestern zu Ohren kam, hat mich veranlaßt, mit meinem Besuche bei Ihnen nicht länger zu zögern. Wie ich höre, haben Sie sich in der Landstadt, eine Wohnung ge- miethet, welche Sie schon Morgen zu beziehen beabsichtigen?"

Das hat Felicie besorgt und wir werden Morgen wirklich nach jenem Logis übersiedeln," antwortete Hyacintha mit bebender Lippe und fast tonlos.

Ich hoffe, mein Fräulein, es wird meinem Freunde, Doctor Wilder, ge­lingen, Sie zu überreden, Ihre Wohnung, wenigstens bis jenes Pächterhaus zu Ihrer Aufnahme eingerichtet ist, bei meiner Schwester zu nehmen.

Das Protägö der reizenden Mathilde von Bergen wird stets ganz besondere Ansprüche auf meinen Schutz und meine besondere Fürsorge haben."

Hyacintha verbeugte sich dankbar.

Es war ihr nicht unbekannt geblieben , daß Lucas von Bergen sich einst vergebens um die Hand Mathilden's beworben hatte und nur um ihretwillen unverheirathet geblieben war.

Sein Anerbieten verdient den größten Dank.

Was aber konnte er nur mit feiner Rede von dem Pächterhause meinen?

Die Antwort darauf gab ihr der Doctor, ohne natürlich zu ahnen, was eben jetzt in ihrem Innern vorging.

Ich bin gekommen, Fräulein Cynthia," sagte er,um Ihnen die Mit- theilung zu machen, daß Sie vermöge des mir durch Ihre französische Dienerin überbrachten Testamentes des verstorbenen Herrn Carl von Bergen Erbin des Pachthauses und der Ländereien von Heidenthal sind.

Das Testament, von welchem ich rede, wurde auf das Verlangen des Testa­tors von mir selbst aufgesetzt."

O Carl, mein theurer, unvergeßlicher (Sari!" murmelte Hyacintha tief ergriffen.

Ich habe den Inhalt des Testaments dem Herrn LucaS von Bergen, der das tiefste Interesse für Sie empsindet, mitgetheilt," fuhr der Jurist fort.

Wir haben das Gewese näher in Augenschein genommen, um uns zu überzeugen, ob das dortige Haus eine passende Wohnung für Sie bietet.

Dieses befindet sich im besten baulichen Zustande, hat zwar im Ganzen ge­nommen etwas Düsteres, sehr Altmodisches, ist jedoch im Innern hübsch und

bequem.

Sollten Sie Lust haben, sogleich dorthin überzusiedeln, so wird es bewohn­bar sein, nachdem die Zimmer nur einen einzigen Tag wohl durchwärmt worden.

Herr LucaS von Bergen wünscht indessen sehr Ihren Besuch bei seiner Schwester, bis Sie den jetzt noch so schwer auf Ihnen lastenden Kummer mehr überwunden haben werden."

Sie beweisen sich sehr, sehr freundlich gegen mich, Herr von Bergen, wandte sich Hyacintha mit dankbarem Blicke zu dem Edelmanne,ober ich ver­mag es für jetzt wirklich schlechterdings nicht, Ihrer Fräulein Schwester einen Besuch abzustatten, sondern ich glaube vielmehr, daß die Abgeschlossenheit und Stille jenes kleinen Geweses besonders beruhigend und wohlthätig auf mich ein­wirken werden." ,

Sei es also so," sagte LucaS von Bergen.Es liegt durchaus nicht in unserer Absicht, Sie überreden zu wollen, Ihren eigenen Wünschen zuwider zu handeln, doch werden wir Ihren Besuch jedenfalls nur als aufgefchoben br- trachten. _ , ,

Wir kehren jetzt nach dem Pachthose zurück, um Ordre zu geben, das Haus sogleich zu Ihrer Aufnahme herzurichten.

Ihre Dienerin, diese Felicie, die ich schon in meinen jüngeren Jahren sehr wohl kannte, werden Sie doch wahrscheinlich um sich zu behalten wünschen?'

Es wäre mir ganz unmöglich, mich von ihr zu trennen," entgegnete Hyacintha. . v .

Der Holzvogt hat seit vielen Jahren seine Amtswohnung in dem Hause gehabt und wünscht natürlich, daß auch in Zukunft so bleibe.

Die Frau und ihr Mädchen werden wahrscheinlich zu Ihrer Bedienung ge­nügen, mein Fräulein, denn es ist meine Pflicht, Ihnen zu bemerken, daß das Gütchen nur wenig über eintausend Thaler das Jahr einträgt."

(Fortsetzung folgt.)

W u n d f ch a u.

14. October.

Die englische und Vie französische Gesellschaft für die Abschaffung der Sklaverei haben gemeinschaftlich eine Adresse an den Marschall Serrano gerichtet, in welcher es u. A. heißt:Eine gewaltsame Jnsur- rection bedeckt seit sechs Monaten Cuba mit Blut. Was gerecht war, wird nothwendig. Die Coloni- sten durch weitgehende Reformen befriedigen, sich die Sklaven durch ihre Emancipation versöhnen, dieses sind für Spanien die beiden einzigen, letzten Mittel, um seine schönen und unglücklichen Colonieen zu be­halten. Ihr Name, Excellenz, ist in jenen entfernten Gegenden populär geblieben. Keiner hat vergessen, daß Sie bei Gelegenheit der Untersuchung von 1867 die denkwürdigen Worte gesprochen haben:Die Klagen der Bewohner von Cuba sind gerecht, und ich muß mit Schmerz bekennen, daß die Sklaverei in der civilisirten Welt heute nur noch eine spanische Institution ist." Wir, Mitglieder der Gesellschaften, die, obgleich sehr bescheiden, beinahe alle Theile der civilisirten Welt, von der sie damals sprachen, reprä- sentiren, bitten Ew. Excellenz, Sich Ihrer Worte von 1867 zu erinnern und den Ruhm Ihres Namens

an die Abschaffung einer von der Religion, der Gerechtigkeit, der universellen öffentlichen Meinung und von Ihnen selbst verdammten Ungerechtigkeit zu knüpfen." Dieses Aktenstück ist französischerseitS vom Herzog von Broglie, von Guizot, Laboulaye, Cochin und Eugen Joung unterzeichnet.

Ueber den Stand der republikanischen Bewegung in Spanien wird demTemps aus Madrid vom 6. Oct. geschrieben: In Katalonien ist die Erhebung allgemein. Im Norden wird FigueraS von einer bedeutenden Truppe von vollkommen bewaffneten Berg­bewohnern, welche der Abgeordnete Suner Capdevilla befehligt, bedroht; im Herzen wäre die (Solenne des Generals Palatino gezwungen worden, sich mit Mühe nach Barcelona zurückzuziehen, und die kleine Armee, welche der Abgeordnete Ioaristi befehligt, soll alle Umgebungen der catalonischen Hauptstadt beherrschen. Im Süden ist Reus, welches 12 Bataillone, die mit Artillerie zur See angekommen waren, bedrohten, von den Insurgenten geräumt worden, welche aber alle Berge des Priorato besetzt halten und mit den zahlreichen Banden in Verbindung stehen, die schon in Aragonien und in dem ehemaligen Königreich

Valencia gebildet sind. In Aragonien gibt es drei große Banden, und zwar in den Provinzen Huesca, Lerida und Saragossa; sie werden von den Abge­ordneten Blanc, Noguero und Castejan befehligt, und wenn es nicht an Waffen fehlte, würden sie eben so stark sein, wie die des Ioaristi. In An­dalusien hat der Aufstand seit zwei Tagen große Fortschritte gemacht. Im Norden hat sich die ganze Provinz Cordova erhoben und bedroht die Haupt­stadt; auf der anderen Seite des großen von dem Manzanares gebildeten Spaltes, hat sich die Bewe­gung den Städten Val-de-Peuas, Puerto-Lapiche und anderen in der Manchs mitgetheilt. In Sü­den stehen zwei Hauptcorps unter den Befehlen der Abgeordneten Paul und Fermin Salvocchea, welcher Letztere den Aufstand von Cadix befehligte; man ver­sichert, daß dieser bei Algar ein glänzendes und sehr glückliches Treffen mit einer zu feiner Verfolgung ausgeschickten Eolonne geliefert hat. Heute Abend meldet man die Erhebung der Arbeiter von Rio Tinto, welche unter dem Befehle des Bruders des Generals Pierrad auf Huvelva loömarfchiren sollen. In Alt-Castilien hat sich Bejar empört, und obgleich