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Ein Sturm, schüttelt, tobte an und Meer dahin.

Die Namenlose.

Novelle von Theodor König.

wie er seit Jahren die stattlichen Eichen Arcona's nicht ge- einem September-Nachmittage des Jahres 17.. über lanD

lich sein." .. ". ,

Und doch mochte ich fünf Silbergroschen mit Dir wetten, Papa, daß er noch zurückkornrni," entgegnete Bethold.Wenn der Informator einmal sag, er wolle dies oder das thun, so ist cS ganz sicher, daß er es auch wirklich thut. Und er hat gesagt, er werde jedenfalls noch heute Abend zuruckkehren.

Ja, ja, er ist ein Mann von großer Entschlossenheit, besitzt iceoch auch, wie Du ja vorher selbst bemerktest, eben so viel Klugheit, und ,» glaube daher kaum, daß er sich der Gefahr aussetzen wird, von einem stürzenden Eichbaume "^^Wäl>/end^dichs Gespräches hatten die Kanonenschüsse fortgedauert, hörten jedoch jetzt plötzlich auf, und dies veranlaßte im ganzen Zimmer mit einem ^ale3eKfte'muS\a«C Me' vvriiber, die Mannschaft jenes Schisses entweder ge- rettet oder ertrunken sein, aber eben diese Ungewißheit hatte etwas außerordent-

Mit bedrückten Gemüthe und in sehr ernster Stimmung setzte sich der Baron heute mit seinen Söhnen zum Abendessen nieder, Obgleich der Sturm sich zu dieser Zeit gelegt batte, oder, richtiger gesagt, in einzelnen Windstößen dahinstarb.

Bergen empfand ein Gefühl dunkler, unbestimmter Unruhe, dessen er ver- g'ben^H^d^hott^imme^Ius'S Neue die Bemerkung, wie außerordentlich lieb es ihm fei, daß er feine Schwester aufgefordert habe Stockholm nicht vor dem folgenden Monate zu verlassen, doch wollte sich ihm fortwährend eine dunkle Ahnung aufdrängen, als ob sie feinen Wünschen nicht nachgekommeni und , .fjt ein Unglück zugestoßen sei, und eben sein fortwährende- Zuruckkommen au dre seiner Schwester erteilten Warnung, durch welche« er bestrebt war, sich selbst jene Unglücksahnungen auszureden, diente nur dazu, endlich seine S^ne, welche mit außerordentlicher Liebe an ihrer Tante hingen, ebenfalls m.t demselben an- zusteckcn.

Gerade als das Abendessen beendet war, vernahm man das Geraufch heramollender Räder. (Fortsetzung folgt.)

In einem hohen Bogenfenster des herrschaftlichen Hauses seines Rittergutes lehnte der Baron Gustav von Bergen und blickte trübe auf die Verwüstung hinaus, welche das Unwetter unter den jungen Baumanpflanzungen in seinem Parke anrichtete, auf in der Luft umherwirbelnde Blätterwolken und abgebrochene Baumzweige.

An seiner Seite strengten zwei Knaben von vierzehn Jahren die Augen an, um dieweißen Schafe", wie ste die schaumgekrönten Wellen nannten, zu zählen, welche der Aufruhr der Elemente auf der etwa eine Viertclmeile vom Hause entfernten Ostsee daherjagte.

Mitten durch das Geheul und Gepfeife des Sturmes drang letzt plötzlich vom Meere her der dumpfe Ton eines Kanonenschusses zum Ohre.

Ein Nothschusz, Papa!" rief Carl von Bergen, der ältere der beiden Zwillingsknaben.

Leider Gottes, ja," entgegnete der Baron, sich trübe vom Fenster ovwcn- dend und die Klingelschnur ziehend.Ich fürchte nur, der Hülferuf wird bei diesem entsetzlichen Wetter nutzlos verhallen müssen, um so mehr, da der Wind gerade dem Lande zu steht."

Während er noch sprach, ließ sich auf's Neue der dumpfe Donner eines Kanonenschusses Horen und in demselben Augenblicke trat auch Berner, der alte Hausmeister, in's Zimmer.

Stürzte nicht eben ein Camin ein, Berner?' fragte der Gutsherr.

'Leider ja, Herr Baron. Auf dem linken Flügel."

Viel Unheil angerichtet?"

So gut wie gar keines, Herr Baron. Der Schornstein wurde vom Sturme so weit über das Dach hinaus geschleudert, daß er nur wenige Pfannen mit sortgerissen hat." , m

Ja, ja, der Sturm tobt entsetzlich," sagte der Baron.Horch! Wieder ein Kanonenschuß!"

Alle lauschten athemlos. .....

Wir sind zu weit vom Meere entfernt, um jenen Unglücklichen Hulse bringen zu können," seufzte der Gutsherr,aber ich kenne kaum etwas Schmerz, licheres, wie den Ruf um-. Hülfe zu hören, ohne doch die Macht zu besitzen, diese zu leisten. Ich danke jetzt nur Gott, daß ich an meine Schwester geschrieben und sie gebeten habe, die Seereise keinenfalls vor dem nächsten Monate, wo das Aeauinoctium vorüber ist, anzutreten." ,

Ach die gute, liebe Tante Mathilde," nef Carl,rote ich mich darauf freue, sie wiederzusehen. Sie ist auch gar zu lange fortgewesen!

Ihr war einmal Veränderung der Luft und Zerstreuung durchaus noth- wendig." antwortete der Baron,denn sie hatte während aller Jahre, seit Eurer Geburt, dies alte Haus nie anders wie höchstens dann und wann einmal aus eine einzige Nacht verlassen."

Au,'s Neue der dumpfe Donner eines Schusses.

Ich wünschte fast, unser Gut läge noch we-ter vom Meere entfernt, so daß wir Viesen Ton nicht mehr zu hören vermöchten," flüsterte Carl schaudernd.

Und ich wollte, wir wohnten dem Meere.so nahe, daß wir Hulse leisten könnten," tvorf Berthold eifrig ein.Es scheint ja, al« wenn ihnen diese auch von keiner anderen Seite kommt!"

Ich glaube auch gar nicht, daß bei diesem furchtbaren Sturme überhaupt ein Boot auf dem Wasser zu schwimmen vermöchte," meinte der alte Berner, ver sich inzwischen diese und jene Beschäftigung im Zimmer gemacht hatte,was aber zur Rettung der Unglücklichen nur irgend gcthan werden kann, geschieht von Seiten der Fischer aus I. gewiß."

Ich möchte nur wissen, ob Herr Willert nicht den Ver such macht, den Armen Hülfe zu bringen," bemerkte Carl nachdenklich.Kühnheit genug besitzt er dazu."

Ohne Aussicht auf entsprechenden Lohn wird er, fürchte ich, sich schwerlich dazu hergeben, denn der gute Herr Willert weiß stets sehr genau, was und zu welchem Zwecke er es thut," entgegnete Berthold etwas tpifc-

Heute Abend kann er nun keinenfalls mehr hierher zurückkommen," sagte Der Gutsherr,denn wenn £>er Sturm mit dieser Wuth anhalt, so wird der Weg durch die Waldungen durch stürzende Bäume und Zweige lebensgefahr-

Lange ruhten die Blicke der Anwesenden auf dem Bild des gefallenen Helden, und kein Auge blieb thränenleer. . ,.

Tiefbewegt sprach der Barbone:Laßt uns am Tage der Freude mit diesen Thränen das Andenken des gefallenen Helden ehren."

Der Darbone.

(Barbone, im ital. Volksdialect: der Bärtige.)

Novelle von Fr. Büchner.

(Schluß.)

Willenlos folgte er dem Pförtner in die herrliche, neuerbaute Kapelle, aber th-ilnahmlos schaute er auf die schonen Steinarbeiten und Glasmalereien, und endlich sagte sein Begleiter, dem solche theilnahmlose Betrachtung der schönsten Kapelle im ganzen Lande sehr ungewohnt schien:Aber, mein Herr, wenn Ihnen da« Alles nicht gefällt, betrachten Sie doch wenigstens die Madonna."

In dem Hintergründe des Chors der Kirche war das allgemein bewunderte Bild welches die Himmelskönigin, leicht von einer Wolke getragen, darstellte.

'Der Fremde blickte auf das Bild hin, und ein lauter Ton der Verwun- dcrung entrang sich seinen Lippen. . ,

Der Pförtner schaute mit sichtlicher Befriedigung auf den plötzlich umge- wandelten Fremden, der unverwandt das Antlitz der Madonna anblickte; nicht wenig erstaunte er aber, als derselbe sich zu ihm wandte und sagte:Meldet mich rasch Eurem Herrn und sagt ihm, daß ein Freund ihn hier.erwarte.

Wird nicht gehen," murrte der Pförtner abgehend, und wirklich erschien er bald wieder mit der Nachricht, daß der Schloßherr für Niemanden zu sprechen sei.

Nachdem sich der Fremde einen Augenblick besonnen, sagte er:Ihr mußt noch einmal gehen, sagt Eurem Herrn, es erwarte ihn hier Jemand, der Die Madonna" kenne." ...

Der Pförtner schaute etwas verblüfft auf den Fremden hin, dcr aber seinem Zögern gern schnell damit ein Ende machte, daß er ein ansehnliches Stück Geld in seine Hände gleiten ließ.

Der Pförtner ging. f f ,

Schritte tönten über den Schloßhof, der Fremde trat dem nahenden Schloß. Herrn bis an das Thor ver Kapelle entgegen. In dem nächsten Augenblick lagen sich Albrecht von Schauenstein und Maximilian von Holmar in den Armen.

Nachdem die erste Ueberraschung vorüber, sagte Albrecht von Schauenstein: Wir, Maximilian, haben uns wicdergefunden, aber"

Du wirst auch sie wtederfinden," unterbrach ihn dieser freudig,aber, habe "auch ich nicht vergeblich gehofft?"

Auch Du wirst glücklich werden, Maximilian," erwiederte Albrecht sanft, aber Du wirst Veronica verändert finden; seit Du von ihr getrennt marfi, ist Die Trauer bei ihr eingezogen, vnv nur Vie Hoffnung, die ich in ihr zu erhalten suchte, vermochte sie abzuhalten, daß sie nicht gänzlich der Welt enisagte.

Beide Männer traten Arm in Arm in das Schloß. Wahrend hier zwei Glückliche den Bund der Liebe erneuten, hatten in dem Dorfe Der Greis und das Mädchen den Gasthof verlassen, um an dem schönen Sommerabend noch eine kleine Strecke Den Schloßberg hinanzusteigen und hier Die Rückkehr Maxi­milians zu erwarten. w

Wieder waren sie um eine Ecke des sich vielfach krümmenden Weges ge­bogen, da rief das Mädchen plötzlich:Vater, sieh' Dort, Maximilian!"

Gleich Darauf riß sich das Mädchen von Dem Arme des Greises los, um der Begleiterin Maximilians entgegenzufliegen, und der erstaunte Greis vernahm wechselsweise die freudigen Ausrufe Der beiden Mädchen, die sich innig um­schlungen hielten. f ~

Bald hatte man vereint wieder das Schloß erreicht, und bald stand Io- Hanna allein mit Albrecht von Schauenstein, Thränen der Freude in den Augen vor dem Bild- der Madonna in der Kapelle, das so schnell zur glücklichen Entdeckung geführt hatte, und das ihr als Die schönste Bürgschaft der Liebe Albrechts zu ihr entgegenstrahlte.

Rasch verging der erste Abend bei Der Erzählung Der wechselseitigen Erleb- Nisse. Der Oberst und sein Sohn waren Jahre lang in russischer Gesangen-- schast geblieben, und Johanna war gestattet worden, Dieselbe mit dem Vater und Bruder zu theilen. _ _____

Zwei Monate später sah man an einem heiteren Morgen die jungen Bauern und Bäuerinnen der Umgegend den Schloßweg hinansteigen, alle reich> mi Blumensträußen unv Bändern geschmückt, jedes eine kleine Gabe für die Paare tragend, welche heute auf Arstein getraut werden sollten.

Schon harrete ungeduldig die Menge; aber man mußte noch Jemanden erwarten, ohne den die Trauung nicht vollzogen werden konnte.

Endlich fuhr ein Wagen durch das festlich geschmückte Thor ein, und der Ersehnte Der Barbone in neuem Priesterornate, stieg von demselben ab.

Nachdem auf fein Geheiß noch eine große, mit Vorhängen dicht verhüllte Platte, Die Brautgabe für die beiden Paare, von dem Wagen genommen unv in Den Festsaal gebracht worDen war, f^itt er der Kapelle.

Tiefbewegt hatte Der Priester vor dem BilDe Der Madonna Die Paare etm gesegnet, Die in dieser Stunde Den Lohn für ihre Treue empfingen, Die sie sich in langer und böser Zeit bewahrt hatten.

Bald Darauf war man in Dem reich mit Blumen ausgeschmuckten Saale Des Schlosses bei heiterem Mahl versammelt, und muntere ReDen priesen .as

IM»

Jone:Auch ich habe Euch ein Angebinde rniigebrachi, ein Bild, das Vie ernsten Tage Der Vergangenheit in uns wach erhalten wird.

Er trat an Die Wand hin und enthüllte das verschleierte Bild. Es war das Bild Andreas Hofer's, wie er vor seinem Tode nievergekniet war, um jid)