1203) Samstag den 13. Februar wurde eine silberne Taschenuhr auf dem Wege von der Neuen Anlage durch die sog. Junkerstraße nach dem Kreuz verloren. Der redliche Finder wird gebeten, dieselbe gegen , eine gute Belohnung in der Neuen Anlage Lit. C. Nr. 36 im dritten Stock abzugeben.
1191) Zur Abhaltung von Versteigerungen jeder Art empfiehlt sich unter promptester und reellster Bedienung
Carl Pietsch I.
(Dienstmann-Jnstitut.)
Wichtig für Viele!
In allen Branchen, insbesondere aber bei Bezug der allgemein beliebten Staats- prämien-Loose, rechtfertigt sich das Vertrauen einerseits durch anerkannte Solidität der Firma, anderseits durch den sich hieraus ergebendenden enormen Absatz. Das wegen seiner Pünktlichkeit bekannte Bankhaus Adolph Haas in Hamburg ist Jedermann auf's Wärmste zu empfehlen.
1218) 130 fl. liegen in hiesiger Kirchenkasse gegen genügende Sicherheit zum Ausleihen bereit.
Alten-Buseck, den 15. Februar 1869.
Seuling, Kirchenrechner.
1192) Ein in häuslichen Arbeiten erfahrenes Mädchen findet Stelle Wallthor Lit. A. Nr. 161 im untern Stock.
Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Frachtmärkten.
Frachtmärkte.
Febr.
Waizen.
Korn.
Gerste.
Spelz.
Hafer.
Erbsen.
Linsen.
Wicken.
Kartoffeln.
Weisi- mehl.
Noggeu mehl.
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
MM preis
Auf dem Markt
Mtt.- preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
Auf dem Markt
Mit.- preis
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Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
Feuilleton.
Unter dem Schicksal.
Eine Geschichte aus dem Leben von Edmund Frank.
(Fortsetzung.)
Die Schneiderin probirte dem jungen Mädchen bas Kleid an und machte, als sie die Länge des Rockes ausmaß, die beiläufige Bemerkung, daß Adeline und ich ganz genau von derselben Große seien.
Am folgenden Tage nahm ich jenen Spitzenshawl und ging damit zum ersten Spitzenhänvler unserer Metropole in der Königstraße, von welchem ich erfuhr, daß der Preis dieses Kleidungsstückes wahrscheinlich vierhundertfünfundsieb- zig bis fünfhundert Thaler gewesen war.
„Weniger keinenfalls," fügte Herr Heinrichs hinzu, „und ist der Ankauf des Shawls nicht durch Jemanden geschehen, der genauer Kenner von Brüsseler Spitzen ist, so hat er höchst wahrscheinlich bedeutend mehr gekostet."
Abends sandte ich der Eigenthümerin durch Martha den Shawl zurück und diese erzählte mir, als sie mir Fräulein Adelinen's Dank und herzliche Grüße bestellte, Capitän Theobald, oder wie sie ihn zu nennen pflegte, der einarmige Herr, sei, als sie aus der Thüre des Hauses Nummer 57 getreten, soeben auf dieselbe zugeschritten gekommen.
In jener Nacht schlief ich unruhig und wachte viel, weil ich Adelinen's wegen tiefe und lebhafte Bekümmerniß fühlte.
Es war jene Umwandlung des ganzen Wesens bei ihr eingetreten, die ich schon so oft an jungen Mädchen zu beobachten Gelegenheit gehabt hatte, wenn ihnen die ersten Blicke in das Paradies der Liebe vergönnt waren.
Ja, ihre Augen hatten das ewig fesselnde, schöne Bild in sich ausgenommen und strahlten es jetzt in seiner ganzen Farbentracht wieder.
Ihr ihr selbst unbewußtes, zerstreutes, gedankenvolles Wesen, das leichte, sanfte Lächeln, welches so häufig den rosigen Mund umspielte, die milde Ruhe, welche sich im Tone ihrer Stimme, selbst in jeder ihrer Bewegungen aussprach, sagten mir Alles.
Ja, sie hatte jenes bezauberte Land betreten, jenen magischen, nimmer versiegenden Strom überschritten, der nun ihr ganzes künftiges Leben von seinen früheren Pfaden trennen mußte.
Mit heißem, innigem Verlangen ersehnte ich mir die gewisse Nachricht, daß jener ernste, tapfere Offizier, der so ganz dazu geschaffen schien, es zu übernehmen, sie, als ihr Gatte, gegen das von mir dunkel geahnte, schwer drohende Unheil zu schützen, und dennoch hatte ich kaum Ursache zu der Erwartung, meine Wünsche schon in Balde erfüllt zu sehen.
Adeline erwähnte des Kapitäns nur selten, auch wußte ich, daß die Besuche des Letzteren in ihrem Hause nicht häufig genug waren, um auf eine bereits bestehende Verständigung zwischen Beiden schließen zu lassen.
Am Morgen des Tages, an welchem sie im Hause des Herrn Palmer - speisen sollte, kam meine junge Nachbarin schon frühzeitig zu mir und ihr ganzes Wesen verrieth Aufgeregtheit und Verstimmung.
Sie sprang in ihren Reden vom Zehnten auf'S Hundertste hinüber, wies Cato's Liebkosungen ungehalten zurück, klagte über die Hitze des Zimmers, erhob sich endlich rasch vom Sopha, trat an's Fenster, preßte die Stirn gegen die Scheiben und wandte mir dann ein von Thränen überströmtes Antlitz zu.
„Aber was ist Ihnen denn, Adeline?" fragte ich tief ergriffen. „Lassen Sie mich Alles wissen, machen Sie mich doch zu Ihrer Vertrauten, wenn Sie es über sich zu gewinnen vermögen."
„Wenn ich das vermag? Ach, wohl vermag ich es, Madame Thalhcim. Ich möchte Ihnen so sehr — so sehr ungerne Bekümmerniß verursachen, doch Sie sind ja die einzige Freundin, welche ich besitze, und ich fühle mich auch gar zu elend."
Mit einer heftigen Bewegung, die nichts mit ihrer gewöhnlichen Grazie gemein hatte, warf sie sich vor meinen Stuhl nieder und legte ihre Hände gefaltet in meinen Schvoß.
„Ich will Ihnen erzählen, was mich so quält", sagte sie. „Auch Capitain Theobald speist heute bei Palmer und es beschämt mich — weshalb, weiß ich wahrlich nicht — so außerordentlich, gerade vor ihm in einem Anzuge erscheinen zu sollen, der nichts wie geradezu eine Lüge ist, denn das und nichts Anderes ist er ja, beste Madame Thalheim.
Mein Kopf ist ganz wirr und wüst. Es muß durchaus irgend etwas nicht so sein, wie es sein sollte.
Was aber soll Theobald von mir denken, wenn er mich Comödie spielen steht, um jener Leute Gunst zu schmeicheln.
Er kann ja gar nicht anders wie glauben, es geschehe um ihres Reich- thums willen, und wenn dem nicht auch wirklich so ist, so vermag ich auch selbst keinen anderen Grund anzugeben.
Was um Gotteswillen kann meinen Bruder nur dazu veranlassen, so fest darauf zu bestehen, daß ich gerade in diesem so wenig für mich passenden Anzuge erscheine?
Theobald muß ja mich sowohl wie ihn verachten und eine Erklärung vermag ich ihm ja einmal nicht zu geben."
Ich aber — mir ahnte es nur zu klar — i ch kannte die entsetzliche Erklärung des Geheimnisses.
„Vielleicht beachtet Capitän Theobald Ihren Anzug gar nicht einmal, liebes Kind", sagte ich. „Es giebt viele Männer, die für dergleichen Aeußerlich- keiten gar keine Augen haben."
„Ja wohl giebt eS solche Männer", entgegnete Adeline, „aber Theobald gehört nicht zu ihnen. Er hat gerade ein sehr, sehr scharfes Auge für den Anzug, und ganz besonders, — ganz besonders für den meinigen."
Sie sagte dies mit einem flüchtigen, schnell wieder hinsterbenden Erröthen.
„Dafür, ja, dafür wenigstens sei dem lieben Gott gedankt!" rief ich, indem ich sie herzlich küßte.
„Ich erfuhr erst eben jetzt, daß auch er heute Gast bei Palmer sein wird.
Er sandte mir ein Bouquet Blumen und ein Billetchen, in welchem er mich bat, erstere heute an meinem Kleide oder im Haar zu tragen.
Es thut mir nur leid, daß ich von Theobald s Teilnahme an der heutigen Gesellschaft nichts früher erfahren habe, denn dann hätte ich meinem Bruder meine Verlegenheit wegen des Anzuges mitgetheilt.
Ich weiß ganz gewiß, Gustav würde nicht wünschen, daß Theobald irre an mir würde.
Er legt viel größeren Werth auf Theobald'S gute Meinung wie auf die der ganzen Palmer'fchen Familie."
Ich hegte in dieser Hinsicht meine Zweifel, sprach sie jedoch nicht aus, sondern blickte schweigend auf Adelincn's niedergesenkte Augenwimpern.
„Nun ja, eS wirb denn wohl einmal so sein müssen," sagte sie, indem sie fich erhob und leicht zusammenschauderte. „Sollte eine Zeit kommen, wo ich mich gegen Theobald aussprechen darf, so wird er, hoffe ich, mit Gustav'S Schwäche Nachsicht haben."
„Wenn eine Zeit kommen sollte, Adeline? Wenn die Zeit kommt, denke ich doch, wollten Sie sagen, nicht wahr?
„Vielleicht, ja, kommt einmal eine solche Zeit, doch habe ich bis jetzt noch kein Recht, mit Bestimmtheit davon zu sprechen," antwortete sie mit einem noch reizenderen Erröthen wie zuvor.
Gustav Rosen war abgereist und Adeline kam an jenem Tage zu mir herüber.
Sie blickte traurig und sah angegriffen aus.
Jene Mi'tlagsgesellsch >st war höchst langweilig gewesen, doch Mad. Palmer und ihre Tochter hatten sich sehr freunolich und aufmerksam gegen sie erwiesen, auch ihr Pianospiel und ihren Gesang außerordentlich bewundert.
Capitän Theobald hatte über ihren Herrnhuteranzug nicht die geringste Bemerkung gemacht und Herr Palmer war außerordentlich liebenswürdig gewesen.
„Waffen Sie auch wohl, Madame Thalheim," bemerkte Adeline mit einem matten, schnell vorübergehenden Lächeln, „daß ich fast glaube, Fräulein Palmer würde gar nichts dagegen einzuwenden haben, meinen Bruder eine ihr bedeutend nähere Stellung wie die von Papa'S erstem Commis einnehmen zu sehen, und daß die Firma, wenn Gustav nur wollte, sich gar bald in Palmer, Heyden & Rosen verwandeln könnte?"
„Und glauben Sie, daß Ihr Bruder Neigung habe, diese Liaison zu schließen?" fragte ich.
„Nein, ich fürchte, er denkt gar nicht daran. Fräulein Palmer ist nicht hübsch und häßliche Frauenzimmer kann mein Bruder nun einmal durchaus nicht leiden.
„Ich glaube, er verachtet die Frauen im Allgemeinen, obgleich er mir ein sehr guter Bruder ist.
Ich habe ihn sagen hören, kein Frauenzimmer habe weitere Ansprüche zu erheben, wie diejenigen, zu welchen ihre Schönheit sie berechtigte, und ein Mädchen, das solche überhaupt nicht besitze, müsse zum Besten der menschlichen Gesellschaft eigentlich Zeitlebens eingesperrt werden.
Natürlich spricht er nur im Scherze so und dennoch liegt etwas von seiner wirklichen Meinung in diesen Aeußerungen.
Ich beobachtete Fräulein Palmer, während ihr Vater lange angelegentlich mit meinem Bruder sprach und Theobald in den Musikheften umherblättcrte und es kam mir vor, als verriethcn sich in ihrem Gesichte und dem ganzen Wesen herbe Täuschung und Unmuth.
(Fortsetzung folgt.)


