11. November.
Der „KarlSr. Ztg." wird officiös aus Wien ge- schrieben: Ich babe mich zu der Erklärung ermäch- ! tigt, daß Vie Meldung, so sicher sie auch auftritt, '■ der „N. fr. Pr." von dem Abschluß einer Conven- | Hon” in welcher sich Oesterreich und die Türkei im i Hinblick aus die süd-slavische Bewegung gegenseitig ihren Besitzstand verbürgen, aller Begründung ent- behrt. Auch die Wiener „Presse" demcntirt den Abschluß einer varartigen Convention und bemerkt: Vielmehr zielten in Konstantinopel gepflogene Verhandlungen bloS Darauf ab, daß die Türkei ge- nügende' und schleunige Vorsorge treffe, um die Verbreitung des Aufstandes auf ihrem Gebiete hintanzuhalten ; andererseits aber den österreichischen Truppen für ihre Operationen den freien Durchzug durch angrenzendes türkisches Gebiet gewähre. Diese Ab- machungen sind nun, wie von verläßlichrr Seite ver- sichert wird, in Betreff des ersteren TheileS in voller Ausführung. Es sind Seitens der Pforte in die an Dalmatien angrenzenden Provinzen die nothigen Verstärkungen dirigirt; außerdem ist in der Herzego. wina der neue Gouverneur Safet Pascha persönlich längs der Grenzen thätig, um für eine entsprechende Deckung derselben Sorge zu tragen.
12. November.
Der Umstand, daß der Herzog von Genua bei Der neulichen Versuchswahl in Madrid 117 und bei Der nachmaligen Ballotage 128 Stimmen erhielt, während auf Den Herzog von Montpensier nur 63, resp. 53 Stimmen fielen, veranlaßt die „Italienische Correspondenz" sich über die eventuelle Wahl eines Mitgliedes des Hauses Savoyen zum Könige von Spanien in einem Artikel auszusprechen, welcher eine officiöse Färbung hat. Die Regierung scheint demnach der Wahl nicht entgegen zu sein. Die „Cor- responvenz" erblickt in der Wahl einen Sieg des monarchischen Princips, welches in Spanien aus den bekannten Gründen zum Fall kam, aber unter einem Prinzen des italienischen Königshauses sich wieder erheben werde. Das Blatt prüft die Hindernisse, welche von außen kommen könnten, und fürchtet nicht Den Eintritt derselben, die dem Monarchismus entgegen stehen. Strömungen würden sich ausgleich.'N lassen, die merikanische Kaiserwahl sei mit der Wahl eines Königs von Spanien nicht zu vergleichen. Die „Correspondenz" weiß zwar nicht, ob der angebotene Thron Annahme finden werde, aber „das Unternehmen, in Spanien eine Aussöhnung des monarchischen Princips mit der modernen „Freiheit zu bewirken, übersteige nicht Die Kraft eines Prinzen des Hauses Savoyen." Das italienische Königshaus habe das Glück Italiens begründet, warum sollte ein Mitglied Dieser Familie nicht im Stande sein, glückliche Tage über Spanien zu bringen?
Die Herzogin von Genua beharrt auf ihrem Widerstande gegen Die Canvidatur ihres Sohnes für Den spanischen Thron.
Prim unD seine FreunDe haben Die Canvidatur Des Herzogs von Genua ausgegeben. Man kommt auf eine auf einen neuen Plan basirende iberische Union zurück.
Die portugiesische Regierung hat Den Landesbischöfen auf ihre Anfrage Die Erklärung zukommen lassen, Daß ihrer Reise nach Rom zum Concil nichts im Wege stände, daß ihnen aber keine StaakSunter- stützung zu diesem Zwecke gewährt werden könne. In Folge dessen glaubt man, daß von Den 16 Lan- Desbischöfen nur zwei sich zur Reise nach Rom entschließen werden.
Der amerikanische Staatssekretär Fish erwiderte Dem spanischen GesanDten, die Unionsregierung beabsichtige noch keine Anerkennung des cubanischen Ausstandes und mißbillige Die Verletzung der Neutralitätsgesetze durch (Kubaner in Den Vereinigten Staaten.
13. November.
Die ministerielle „Prov. Corr." schließt einen Auf- satz: „Kein Steuerzuschlag" mit folgenden Sätzen: Bei Der Berufung eines neuen Finanzministers unD bei Den Erwägungen, welche Derselben innerhalb Der Staatsregierung vorhergingen, mußte die Doppelte Aufgabe erneut in Betracht kommen: es mußte einerseits dem augenblicklichen Bedürfnisse Des Staats- Haushaltes unter möglichster Schonung Der Steuer- krast DcS Volkes Abhülfe gewährt werden, andererseits war Der Blick auf dauernde Verbesserungen unseres Finanzwesens zu richten. Die Erklärungen des feigen Finanzministers bekunden, daß diele beiden Ausgaben schon bei der ersten Maßregel, zu welcher sich Die Staatsregierung entschlossen hat, gleichzeitig in's Auge gefaßt worden sind. Durch eine Reform unseres Staatsschuldenwesens gedenkt
die Regierung, ohne die alt bewährten Grundsätze Der preußischen Finanzverwaltung aufzugeben doch die Möglichkeit zu gewinnen, bei Der Tilgung Der Staatsschulden die jedesmalige Lage und die Bedürfnisse des Staatshaushaltes mit in Betracht zu ziehen; zugleich soll durch eine vorläufige Einrichtung diese Reform schon jetzt zur Beseitigung des vorhandenen Deficits benutzt werden, indem Die vieö- malige Schuldentilgung um Den Betrag des Deficits verringert wird. Die Aufnahme, welche Die Vor- chläge Des Finanzministers bei ihrer AnkünDigung gefunDen haben, bürgt Dafür, daß es gelingen werDe, auf Diesem Wege Die Schwierigkeiten Des nächsten Staatshaushaltes zu beseitigen und zugleich eine Dauernde Erleichterung für unser Finanzwesen zu tchern. Bei den vorbehaltenen weiteren Erwägungen über unser Finanz- und Steuersystem wird es sich vornehmlich um den Zusammenhang der preußischen Finanzen mit Der Entwickelung des Norddeutschen Bundes und des Zollbundes handeln müssen. Schon jetzt ist durch die neuesten Entschließungen der Regierung zunächst das gewonnen, daß das Zusammenwirken mit der Landesvertretung in Bezug auf Die BeDürfnisse des Staatshaushaltes von Neuem gefiebert ist. Ferner aber hat sich Die Zuversicht neu bewährt, Daß Preußens Finanzkraft ungeachtet Der augenblicklichen Schwierigkeiten, fort und fort fest begründet und unerschüttert ist."
Der „Allg. Ztg." wird aus Wien geschrieben: Es gewinnt immer mehr Den Anschein als würDen sich Die Stellungen Der. Mächte demnächst stark vcr- schieben. Daß sich die Beziehungen zwischen Preußen und Rußland in letzter Zeit wesentlich gelockert haben, ist ein öffentliches Geheimniß; verschiedene Symptome deuten dagegen auf eine keimende Annäherung zwischen Rußland und Frankreich, und es Dürfte die Vermuthung kaum abzuweisen sein, daß der Kronprinz von Preußen den Weg nach dem Orient nicht über Wien genommen haben würde, wenn die preußische Politik nicht Ursache zu haben glaubte, die Stärkung ihrer Position fortan in einer Richtung zu suchen, wo sie ehrlicherweise aggressive Tendenzen nicht vorraussetzen kann, wo sie vielmehr dem ent- schiedensten Bedürfniß begegnet, Den FrieDen mit allen Kräften zu stützen. Es soll mit Diesen Bemerkungen nicht gesagt sein, Daß die angeDeutete Wandlung sich bereits vollzogen habe, und Daß schon irgendwelche bindende Abmachungen Die neuen politischen Wege zeichneten. Aber Die Strömung ist unläugbar eine andere geworden, unD Die Steuerleute, welche Das Staatsschiff führen, haben augenscheinlich mehr als sonst Die Augen offen, um nach WinD unD Wetter zu spähen.
Da in Den einzelnen Forts und Ortschaften der Zupa starke Besatzungstruppen zurückgelassen werdesi müssen, so scheint es, Daß Die in Den Bocche con- centrirten Truppen für Die neuen Operationen nicht auSreichenD befunDen roerDen. Es Dauern Daher Die Zuschübe unD Verstärkungen noch immer fort. Nach Berichten aus BuDua ist dort am 8. unD 9. mit Ausnahme einiger geringen Plänkeleien mit Den vor Fort Kosmac streifenden Insurgenten nichts Bedeutendes vorgefallen. Die Brigade des Oberst Schönfeld hält Budua und die Umgebung besetzt und hat Adtheilungen nach Castel Lustua (an Der Küste, anderthalb Meilen südlich von Budua), St. Stefano gleichfalls an Der Küste zwischen Castel, Lustua und Budua), Maina und Castel Convento detachirt. Aus den Höhen von Gorazda und Dubovica wurden neue Wachblockhäufer aufgestellt. Bei Der Expedition nach dem Fort Kosmac behufs Verproviantirung sind in den Gefechten mit den Insurgenten vom 7. Inf.- Regirnente Baron Maroicic, Lieutenant Friedel und 2 Mann gefallen, Hauptmann Ueberbacher und 10 Mann verwundet und 3 Mann vermißt worden. Vom 9. Jäger-Bataillon wurden 6 Mann verwundet.
Kaum ist es den Truppen gelungen, den Ausstand im südlichen Theile von Dalmatien — der Zupa und der Maina (der Grenzdistrict Pastrovich verhielt sich bisher ruhig) — zu bewältigen, so erhebt die Insurrection schon wieder nördlich von den Bocche di Cattaro, in Der CrivoScid, einem von der Herze- gowina im Westen, der Zernagora und Montenegro im Norden und Osten und einer Meerenge im Süden eingeschlossenen Landstrich, kräftig ihr Haupt. In den jüngsten Tagen haben Haufen von Aufständischen, die nur eine halbe Stunde von Dem militärisch nicht schwach besetzten Risano liegenden Küstendörfer Llpsi und Sterp am Golf von Risano überfallen unD trotz energischer, dauernder Gegenwehr der Bevölkerungen vollständig auSgeplündert. In Folge dessen bat Die schon nicht wenig angestrengte BrigaDe DormuS, nachdem sie in neuntägigen Gefechten sich Den Weg
von Cattaro nach Budua durch die Zupa erzwungen, alsbald nach deren Pazificirung in einem Eilmarsch nach Cattaro zurückkehren müssen und diese Stadt auch in einem Tage erreicht.
Der „Allg. Ztg." wird aus Triest vom 7. Nov. geschrieben: Auch für Die nächsten drei Tage sind wieder Lloyddampfer gemietet, welche Truppen nach Dalmatien befördern sollen. Diese neue Vermehrung Der Dortigen militärischen Macht hat aber nicht mehr die Bewältigung des localen Aufstandes im Kreise von Cattaro, sondern andere Eventualitäten im Auge, von Denen sich Die Regierung nicht so überraschen lassen Darf, wie eS von Der Erhebung der Bocchesen geschah. Daß man eS mit einer längst vorbereiteten, umfassenden Bewegung an Der illyrischen Halbinsel zu thun hat, liegt jetzt klar am Tage. Es ist ge- wissermaßen noch als ein Glück für Oesterreich an- zusehen, Daß Der AusstanD an Der Bocca durch die Einführung des Wehrgesetzes jetzt schon verfrüht und isolirt ausgebrochen ist, wo man, von anderen äußeren Conflicten frei, die Mittel und Die Zeit hat, sie zu bewältigen und Den Dortigen Verhältnissen eine neue, zweckmäßige Basis zu geben unD für eine künftige Den Umständen entsprechende Vertheivigung und Behauptung jenes Gebiets Sorge zu tragen.
Preußen. Koblenz, 11. Nov. Der Fürst von Hohen- zollern und der Fürst von Rumänien sind zum Besuche der Königin hier eingetroffen. Die Vermählung de- Fürsten CSart mit der Prinzessin Elisabeth wird nächsten Montag auf Schloß Neuwied statlfinden.
Mecklenburg-Schwerin. Schwerin, 10. Nov. In dem Entwürfe einer Vcrorbnung, betreffend die indirecten Steuern, welcher heute den in Sternberg versammelten Standen vorgelegt wird, ist von dem Princiv der Zugrundelegung einer allgemeinen Einkommensteuer und der Combinirung derselben mit verschiedenen Factorensteuern abgegangen und ein Verfahren proponirt, wodurch die Steuerkraft des Lande- nur mittelst Factorensteuern in Anspiuch genommen werden soll. Unter den Factorensteuern der Vorlage hat eine Hufensteuer nicht wieder Aufnahme gefunden und ist da- Princip der Classi- ficirung der Steuern vom Handel und Gewerbe verlassen und für letzteres dasjenige dir Einschätzung fubstituirt. Die Faktorensteuern nun, welche nach dem jetzigen Vorschläge der Regierung in Gemäßheit der Bestimmungen der auf dem Landtage zu berathenden Verordnung erhoben werden sollen, sind 1) eine Viehsteuer vom Betrieb der Landwirlhschaft und sonstiger Viehhaltung, 2) eine Steuer von Pacht-Einnahmen, 3) eine Steuer von Wohnhäusern, 4) eine Gewerbesteuer, 5) eine BesoldungS- steuer von Gehalten, Pensionen, Pfründen, 6) eine Crwerbe- steuer von dem Erwerbe aus der Ausübung einer Kunst oder Wissenschaft, sowie aus höheren Privatdienstverhältnissen, 7) eine Lohnsteuer von dem Verdienste aus geringerer Lohnarbeit, 8) eine Zinsensteuer von der Einnahme auö Zinsen, Renten, Dividenden und Apanagen.
Vermischte-.
Darmstadt. Die jüngste HandelSvereinSsttzung debattirte die Frage des Octroi. Die Versammlung beauftragte den Vorstand : eine Adresse an den Stadtvorftand zu erlassen, welche sich für allmählige Abschaffung deS Octroi und Beseitigung desselben als Schutzzoll gewisser Gewerbe ausspricht. Diese Declaration soll in einer zu diesem Zweck zu berufenden Bürgerversammlung zur Unterschrift aufgelegt werden!"
Worms. Vor Kurzem wurde dahier ein in seiner Art seltener Dieb zur Haft gebracht. Derselbe ging hier zu einem Uhrmacher," um sich eine Uhr repariren zu lassen. Während deS- Geschäfteö besah er sich Local und Uhren wib verstand hierbei auf kunstgeübte Weise unbemerkt eine andere. Uhr in seine Tasche wandern zu lasi^st^-die er sofort wieder dem nächsten Uhrmacher veräußerte, um in Besitz von Geld zu kommen. Bei diesem wurde reicher geerntet und mehrere Uhren mitgenommen, die er ebenfalls veräußerte, indem er sich für einen Uhrenhändler ausgab. Die Polizei mischte sich schließlich in den Handel.
Bad-Nauheim. Dem Vernehmen nach hat unser Cur- orchester unter der Leitung seines Direktors, Herrn Edmund Neumann, ein Engagement nach Nizza erhalten, um während des Winters die Concerte, Ballmusiken ?c. im großen Casino (Cercle international) daselbst zu crekutiren. E< ist dies eine, sowohl das Orchesterpersonal als seinen Dirigenten ehrende Anerkennung ihrer Leistungen, und ist eS erfreulich, daß umer vaterländisches Baöeörchester selbst in weiter Ferne lohnende Beachtung gefunden hat. (O. A.)
Frankfurt. Vor einigen Abenden wurde in der Bocken» heimergasse ein Frauenzimmer von einem Kutscher überfahren und starb an demselben Abend in Folge der Verletzungen. Der alsbald verhaftete Kutscher wurde seiner Haft entlassen, nachdem sich ergeben hatte, daß er alles Mögliche zur Verhütung des Unglücks gethan. Der Vorgang wirb'folgendermaßen geschildert : Der so beklagenSwerthe Unfall war durchaus nicht in Folge des raschen Fahrens des Kutschers, sondern lediglich durch die plötzliche Bestürzung der Verunglückten entstanden. Al- der Kutscher sah, daß die Dame noch rasch über die Straße gehen wollte, hielt derselbe ein und erst nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Dame stille stand, wollte er weiter- fahren. Zn demselben Momente versuchte die Dame, abermals vor den Pferden vorbei zu kommen, wobei dieselbe von der Deichsel an der Schläfe erfaßt und umgeworfen wurde, ein Unfall, den der Kutscher obgleich er die Pferde zusammennß, nicht mehr verhüten konnte.
Kolberg, 9. Nov. Gestern Nacht herrschte hier großer Sturm ans Nordwcst. Heute Vormittag strandete auf der Ostseite de- hiesigen Hafens der schwedische Schooner »3nge- ! börg", Kapitän G. C. Bergström, mit Brettern von Mon- fteraS nach Crüsand bestimmt. Die Mannschaft ist unter großen Anstrengungen gerettet. DaS Schiff liegt im Sande und ist Wrack.
Redoctinn. ST.-ruff unh Verlag der V rii h l'scheir Druckerei (iD-r. <K b r. ^ieff A) ‘«lenen.


