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10. November.

Die bereits telegraphisch angckündigten Mitthei- langen derN. fr. Presse" aus Konstantinopel über die' Vereinbarungen zwischen Oesterreich und der Pforte lauten ausführlicher:Graf Beust bat bei seinem hiesigen Aufenthalte Gelegenheit gehabt, sich persönlich zu überzeugen, daß die türkische Diploma­tie im Vereine mit den Administratlv-Behörden der Pforte über die Vorgänge in den südflavischen, öster­reichischen wie türkischen Provinzen bessere Infor- mationen besitze, als das österreichische Cabinet, trotz seiner zahlreichen Konsulate und Agentien in jenen Gebieten. Man batte gleich beim Beginn der süD- dalmatinischen Insurrection es von hier an Winken nicht fehlen lassen, um dem österreichischen Cabinet den Umfang und die eigentliche Bedeutung dieser Bewegung nahe zu legen, ohne jedoch in Wien be­sondere Beachtung zu finden, den Einen Fall ausge­nommen, daß in Folge jener Warnungen drr Abgang jener Pulversendung, die man mitj w-chrhast öster­reichischerGemüthlichkett nach Montenegro erpcdiren wollte, noch in letzter Stunde sistirt wurde. Die inzwischen über die Insurrection und dir ihr zu Grunde liegenden Elemente aus Wien, Zara, Ragusa und Eattaro an den Grafen Beust eingelaufencn Berichte haben die Mittheilungen der Pforte in nachdrücklichster Weise bestätigt und der anfänglich etwas optimistischen Auffassung des Grafen Beust über die Dinge in Süd-Dalmaticn einen argen Stoß versetzt. Den Eindl'ck, den man dem Grafen Beust in das Netz gräco-slavischer Agitation, welche den ganzen Süden und Südosten der Monarchie um­spinnt, hier gewährt hatte, konnten jene Wiener Be­richte nur vervollständigen, und so geschah es denn auch, daß die mit der Pforte eingeleiteten diploma­tischen Unterhandlungen allmätrg einen größeren Um­fang annahmen. Für den Moment wird nur ein Theil dieser bier getroffenen Vereinbarungen zwischen Oesterreich und der Pforte zur praktischen Ausführung kommen, und zwar jener, der eine ausgiebige Grenz- dewachung seitens der Pforte an der östereichftch- dalmatinischen Grenze stipulirt. Wichtiger als dies sind die weiteren hier getroffenen Abmachungen, nach welchen für den sehr möglichen Fall eines allgemeinen Aufflammens der südslavifchen Insurrection Oester­reich und die Pforte sich gegenseitig die Integriiät ihres TcrritorialbcsitzeS garantiren."

11. November.

Aus Berlin schreibt man derAllg. Ztg." : Die dänisch gesinnten NordschlcSwiger, welche hier ver­gebens um eine Audienz beim König von Preußen nachgesucht, hatten die Absicht, demselben nicht bloS die bewußte Adresse zu überreichen, sondern ihm auch mündlich die Allernative zu stellen: entweder ohne Säumen den Art. 5 des Prager Friedens ausführen zu lassen oder sich öffn gegen dessen Ausführung zu erklären, weil die Bevölkerung in NordschleSwig end­lich bas feit mehr als drei Jahren über ihr schwe­bende Damoklesschwert der Ungewißheit beseitigt wissen wolle. Durch die Vermittelung des preußi­schen Oberpräsidenten v. Scheel-Plessen, der sich ihrem Verlangen, ihr Gesuch beim König zu unterstützen, auf das Entschiedenste wiedersetzt hatte, wurde ihnen schließlich Ende voriger Woche eine Audienz beim Minister des Innern bewilligt, in der sie die Gewiß- heit erhielten, nach keiner Seite hin auf die Er­füllung ihrer Forderungen rechnen zu können.

Es wird ein Antrag des Concils erwartet, wel­cher die Aufhebung der theologischen Fakultäten an sämmtlichen deutschen Hochschulen ausspricht und da­für seien abgesonderte BildungSanstalten für die künf­tigen Seelenhirten einzusühren.

Wir haben bereits früher unseren Lesern mitge- theilt, daß die Militärbehörde das, den in 1866 ge­fallenen Hannoveranern zu Ehren errichtete Denkmal in Celle gewaltsam hat abbrechen lassen, weil, wie angegeben ward, dasselbe auf einem dem Militär- siscuS gehörigen Platzes ohne Erlaubniß desselben er­richtet worden ist. Den Befehl dazu gab General- lieutenant v. Schwarzkoppen in Hannover und Oberstlieutenant v. Rex in Celle führte den Befehl, ohne besondere Schonung des Denkmals aus. Nun hat, wie aus sicherer Quelle verlautet, der König sowohl den Gknerallieutenant v. Schwarzkoppen als auch den Oberstlieutenant v. Rex in andere Garnisonen versetzt und den Befehl zur Wiederher­stellung des Denkmals auf seine Kosten ertheilt.

Aus Madrid vom $8. Nov. wird gemeldet : Der Marineminister Topete hat seinen Entschluß, zurück­zutreten, auSgesührt, was der Ministerpräsidenk Prim heute den Cortes mit der Erklärung anzeigte, daß er Alles Aufgeboten habe, um Topete von diesem Schritte zurückzuhalten, daß aber alle Anstrengungen

an Topete's Zartgefühl gescheitert seien. Wenn er (Prim) selbst nicht seine Entlassung nehme, so unter­lasse er dies, weil aus seinem Rücktritte die Feinde der September-Revolution Nutzen ziehen würden. Er befragt die Kammer um ihren Rath, und die Mehrheit antwortete, er solle nicht abtreten. Darauf erhob sich Topete zu der Erklärung, daß seine Stel­lung im Ministerium peinlich und unhaltbar gewor­den sei Angesichts der von dem Ministerium erstrebten Lösung der Thronfrage, eine Losung, welche er für weniger vortheilhaft halte, als eine andere (die Auf­stellung Monlpensier's). Er fügte hinzu, daß er der September - Revolution und seinem Freunde Prim stets treu bleiben, die Regierung unterstützen, den mit Stimmenmehrheit von den Cortes erwählten König annehmen werde; die Eintracht der Parteien dürfe nicht leiden. In Beantwortung einer An­frage Salazar's erklärt der Colonialministcr Becerra, daß Spanien alle Anstrengungen der Flibustier zum Trotz Cuba behaupten, und daß nach der Ankunft der zuletzt abgesandtcn Verstärkungen der Aufstand bald niedergeschlagen sein werde.

In den Bocche di Cattaro macht die Niederwer­fung der Insurrection rasche Fortschritte. Nach ftchs- tagigcn Gefechten hat der Statthalter F -M.-L. Wag­ner die Zupa bis auf einige Ortschaften unterworfen, Dub, Sisic, Pobory, Maina eingenommen und Braich beschossen. Viele Ortschaften sind niedergebrannt. Vom Volke werden fortwährend Waffen eingeliefcrt. Die Verluste der Truppen sind gering. Die Ort­schaften Morigno und Ubii hoben sich ebenfalls unterworfen. Das Fort KoSmac ist verproviantirt und verstärkt. Die zu diesem Zweck von Budua aus entsendete Colonne oes Obersten Kaiffel wurde auf ihrem Marsche von Den zersprengten Insurgenten mehrfach beunruhigt. Die sich wieder ansammelnden Insurgenten wurden jedoch zurückgeworfen. Das österreichische Hauptquartier befindet sich in Budua. ES heißt, daß 80 Insurgenten, worunter Radanovich und zwei serbische Officiere, gefangen genommen sind. DerPresse" wird gemeldet, daß zwei Officiere, Artillerie-Oberlieutenant März und Lieutenant Ma- zarek vom 27. Iägerbataillon, welche unvorsichtiger Weise vom Fort KoSmac (in Der DepenDenz von Budua) aus spazieren gingen, Ersterer von den In­surgenten erschossen, Letzterer gefangen wurde. Aus Cattaro wird vom 8. Nov. gemeldet, daß der Nisa- noten-Capitän Giurcovich verhaftet sei. Aus Cattaro wurde auf Den Wachtposten bei Porta Fiumera ge­schossen, worauf Haussuchungen stattfanden und drei InDividuen verhaftet wurden. General Graf Auers­perg hat das Commando über die in Den insurgirten Distrikten operirenden Truppen übernommen. Aus Trebijne wird gemeldet: Achmet Pascha, der Com- mandant der regulären Truppen, verlangte noch Drei Bataillone Verstärkung, da er die Mitthcilung er­hielt, daß sich eine erhebliche Anzahl Montenegriner den dalmatinischen Aufständischen anzuschließen beab- sichtige.

Ein Telegramm Der WienerPresse' aus Con- stantinopel vom 7. Nov. meldet: Eine peremptorische Erinnerung, sich über die im zweiten Vezieralschreiben gestellten Forderungen in unzweideutiger Weise aus­zusprechen, wurde an Den Khedive gesendet. Morgen wird Der Ueberbringer dieses Ultimatums nach Alexan­drien mit der Rückäußerung des Khedive erwartet. Concessionen in Den Finanzfragen sind weder Ange­boten noch beAbsichtigt.

Die HAltung der russischen Regierung gegenüber der dAlmatinisschen Insurrection ist in hohem Grade sonderbar. In der Warschauer russischen Ressource werden jetzt mit ausdrücklicher Bewilligung der Peters­burger Regierung laufende Vorlesungenüber Die Verhältnisse Der Südslaven und deren Zukunft" ge- halten, Die von panslavischem Geiste durchweht sind. Noch weiter geht, Dem PestherLloyd" zufolge, das Moskauer slavische Comite und dessen Filialen. Das­selbe erfrecht sich und die russische Regierung dul­det es Die Anerkennung der Aufständischen Boc- cheftn als kriegführende Macht zu befürworten.

Preußen. Berlin, 6. Nov. Im Abgeordnetenhause brachte heute Abend der Abgeordnete v Bonin (Genthin) fol» gende von allen Fractionen unterstützte, nächsten Dienstag zu verlesende Interpellation ein: Wirb die Staatsregierung von dem ihr zustehenden Widerspruchsrecht gegen den Berkaus der braunschweigischen Staatsbahnen Gebrauch machen oder nicht.

Berlin, 10. Nov. Oberst Werder, Flügeladjutant des Königs, ist zum militärischen Bevollmächtigtes in Petersburg ernannt worden. Der Schillerpreis von 1000 Thalern nebst der Gclddenkmünze wurde vom Könige nach dem Vorschläge der Prüfung«, Commission dem Verfasser des Trauerspiels SophoniSbe", Emanuel Geibel, verliehen.

Flensburg, 6. Nov. Hebet den Erfolg der nordschleö» wig schen Adreßdeputation, bestehend aus den Herren Kryger, Ahlmann, Ska^ Callfen und Jensen, Kaufmann in Flensburg,

bringt die .FlenSb. Avis" einen authentischen Bericht, theil- weise mit Schriftstücken vom Präsidenten Scheel-Plessen, Mini­ster v. Eulenburg, dem Hofmarschallamt rc. belegt, aus wel­chem hervorgeht, daß sie weder beim König eine Audienz, noch bei dem Minister v. Eulenburg einen Empfang ermöglichen konnte. Man erkennt zugleich daraus, daß sie sich viele Mühe für die Sache gemacht hat.

Sachsen. Dresden, 10. Nov. In der heutigen Sitz­ung der Abgeordnetenkammer wurde der Antrag der Fortschritts­partei auf Abrüstung mit großer Majorität angenommen. Gin von der nationalliberalen Partei eingebrachtes Amendement, eS möge dabei die nothwendige Rücksicht auf die Machtstellung und Sicherheit Deutschlands genommen werden, wurde ab» gelehnt.

Mecklenburg-Schwerin. Schwerin, 8. Nov. Dem Landtage w>rd ein VerordnungSentwurf, betreffend die direeten Steuern vorgelegt werden. Die im vorigen Jahre proponirte Einkommensteuer ist aufgegeben, dagegen werden statt der bis­herigen Eontribution acht Steuern proponirt: Viehsteuer, Pacht» steuer, Haussteuer, Besoldungssteuer, Erwerbssteuer, Lohnsteuer, Zinseusteuer und Gewerbsteuer.

Hessen. Darmstadt, 10. Nov. Die Wiedereinberufung der Stände ist gutem Vernehmen nach für die letzten Tage dieses Monats in Aussicht genommen.

Oesterreich. Wien, 6. Nov. DieOesterr. Gorresp." meldet : Auf Grund eines schwedischen MemoireS knüpften Oesterreich, England und Frankreich in Konstantinopel Unter­handlungen zur Befreiung der Handelsichiffe von den seit 1866 sie benachtheiligenden, lästigen Anordnungen bei der Einfahrt und Passining in den Dardanellen und dem Bosporus an. Die türkische Regierung scheint zu billigen Berüöfichtungen der anSgesprochenen Wünsche entschieden diSponirt.

Wien, 10. Nov. Der Gemeinderath von Wien beauf­tragte die Rechtösection zur Berichterstattung über die Frage der Loslösung der Stadt Wien von Niederösterreich und ihrer Erhebung zu einer reichsunmittelbaren Stadt.

Semlin, 7. Nov. Der Secretär des Fürsten von Mon­tenegro, Sundetschitsch, ist heute hier nach Montenegro via MvhacS und Triest durchgereist. Derselbe kommt aus Rußland.

Ungarn. Pesth, 8. Nov. Im Unterhause erklärte Güt- vös auf Simonyi'S Interpellation, die Regierung habe keine Schritte bezüglich eines Truppendurchmarsches durch die Türkei gcthan und würde dies hoffentlich auch künftig unnüthig fein.

Belgien. Brüssel, 9. Nov. Einem sehr glaubhaften Gerüchte zufolge ist hier eine MinisterkrifiS eingetreten. Der Justizminister Bara und der Minister der öffentlichen Arbeiten Jamar sollen, wie eS heißt, ihre Portefeuilles nirderlegen. Fröre Orban und der Minister des Innern Pirmez haben ge­stern mit dem Könige conferirt.

Italien. Florenz, 9. Nov. Statt de« schwer kranken KömgS wird wahrscheinlich der Kronprinz den Kaiser von Oesterreich in Brindisi begrüßen.

Florenz, 10. Nov. Der Sohn der Prinzessin von Pie­mont (Gemahlin deS Kronprinzen) wird den Titel Prinz von Neapel fuhren.

Rußland. Petersburg, 8. Nov. Zur Formulirung von Anträgen für eine anderweitige Regelung der Verhältnisse der Juden in den nordwestlichen Provinzen des russischen Reiche« ist in Wilna eine besondere Commission eingesetzt worden. Seit dem 17. October werd en zu den Commisionsberathungen Drpu- tirtc der Judenschaften zuge zogen, je zwei aus jedem der bethei» liglen Gouvernements. Dieselben sollen durch gutachtliche Aeußerungen aewirken helfen, daß die RegulirungSvorschläge der Commission den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung entsprechen.

Türkei. Konstantinopel, 8. Nov. Der KriegSmini- ster unterbreitete dem Sultan ein neues HeereSgefetz zur Sanc» tionirung; statt 150,000 wird die Türkei künftig 200,000 Mann in Friedenszeiten und 400,000 Soldaten in Kriegs» zelten haben. Die Landwehr beträgt 300,000 Mann.

Syrien. Beyruth, 9. Nov. Der Kronprinz von Preußen ist heute früh nach einer günstigen Ueberfahrt hier eingetroffen, hat die deutschen Gt ablissements besucht und wird morgen nach DamaScuS und Balbeck weiter reisen.

Aegypten. Cairo, 8. Nov. Der Herzog und die Her­zogin von Aosta find gestern Abend nach Italien abgereist. Die Kaiserin Eugenie ist noch in Aegypten. Sie wird am 14. Nov. in Alerandrien erwartet.

vermischtes.

Darmstadt, 6. Nov. Das heute erschienene Regierungs­blatt Nr. 52 enthält:

I. Verordnung d. d. 1. Nov., die Ausführung der Ge­werbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund vom 21. Juni 1869 betreffend.

II. Bekanntmachung der Großherzoglichen Commission für Post-Angelegenheiten, die Correspondenz nach Belgien, inSbessn« dere Postanweisungen betr.

III. Bekanntmachung, den PersonenpostcourS (hier die Per- sonengeldsätze) zwischen Büdingen, Altenstadt und Wöllstadt betreffend.

IV. Dienstnachrichten. Am 25. Sept, wurde dem Conrad SameS aus Langsdorf das Patent als Geometer der ersten Claffe für den Kreis Nidda ertheilt.

Offenbach, 10. Nov. Vorige Woche suchte ein junger Mann von hier einen anderen Breitegrad auf, nachdem er auf einem Wechfel im Betrag von 2000 st., die Unterschrift seines PrincipalS gefälscht, und denselben bei einem hiesigen Banquier diScontirt hatte. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde auf einer benachbarten Mühle ein Pferd gestohlen. Die Diebe kamen gegen Morgen hier durch und versuchten ihren Raub mit der Taunusbahn auf den Hochheimer Markt zu bringen, da jedoch kein Viehwagen momentan vorhanden und der Zug am Abfahren war, fo suchten sie von Frankfurt aus das Weite. Die Herren Collet und Engelhardt, sowie P. I- Spicharz u. Comp. hier, haben die Arbeitszeit in ihren Fabriken freiwillig herabgesetzt und sprachen die Arbeiter ihren Principalen deßhalb öffentlich ihren Dank aus.

Kassel, 8. Nov. Pfarrer Vilmar in Melsungen ist ohne Angabe irgend eines Grundes vom Amte suspendirt, fein Sohn, der außerordentliche Pfarrer W. Vilmar, fämmtlicher Functionen enthoben und beiden ist jegliche Aushülfe im Amt bei anderen Geistlichen untersagt worden.

Paris, 8. Nov. Traupmann soll ein volles GestLndniß abgelegt haben.

Red Action, Druck und Verlag der Brüyl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.