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Friedberg, 7. März. DerWetteraukr Bote" erzählt: Ruch Verkündigung des W a h l r e su l t a t s auf dem Rathhaus ergriff Gemeiderath Ruths Vas Wort, um vor Schluß des Protokolls eine Erklä­rung abzugeben, Herr RegierungSraih Trapp erklärte jedoch wiederholt, es könnten hier weder Erklärungen gegeben, noch abgenommen werden, worauf Herr Ruths auf das Wort verzichtete. Wie derWett. Bote" hört, wollte Herr Ruths bemerken, daß in Folge der bei der Wahl vorgefallenen Unregelmäßig­keiten und Gesetzwidrigkeiten gegen die Gültigkeit der Wahl bei dem Reichstag Protest erhoben wer­den würde.

Berlin, 6. März. Heute Nachmittag fand eine Versammlung von Mitgliedern der nationalliberalen Fractionen des Landtags und Reichstags statt, um über die Organisation der Partei in ganz Deutsch­land zu beschließen.

Berlin, 9. März. In der heutigen Reichs- tagssltzung, wo auf der Tagesordnung die Präsiden­tenwahl stand, wurde zum ersten Präsidenten Simson mit 165 von 181 Stimmen gewählt. Derselbe nahm die Wahl an. Der Herzog von Ujest wurde mit 155 von 177 Stimmen zum ersten, Herr von Bennigsen mit 124 von 170 Stimmen zum zweiten Vicepläsioenten gewählt. Löwe erhielt 44 Stimmen.

Kassel, 3. März. DieHess. Morgenztg." schreibt: Das Beschlagnahmegesctz zeigt bereits seine eingreifenden Folgen. Wie man hört, ist der kömgl. Generalverwaltung des kurfürstlichen Hausfideicom- misses, durch deren Vermittelung die kurfürstlichen Hofdiener in Prag seither noch ihre Besoldungen empfingen, vom Finanzminister in Berlin der Befehl zugegangen, fernere Zahlungen an dieselben,nicht mehr zu leisten. Die hier wohnenden ehemaligen Hofdiener erhallen natürlich ihre Besoldungen nach wie vor. Die Maßnahme ist nicht gegen die Hof- diener, sondern nur gegen den Kurfürsten gerichtet.

Frankfurt, 8. März. Die Botschaft des ame- rikanischen Präsidenten Grant findet in der gesamm- ten unabhängigen Presse des Auslandes den Aus- druck ungetheilter Anerkennung wegen der männlichen und geraden Offenheit, womit diese Worte verkündet, und wegen des Geistes der Gesetzlichkeit, der Friedens­liebe und der Rechtlichkeit, der aus ihnen spricht. Die englischen Blätter urtheilen außerordentlich gün­stig darüber und entnehmen aus dem die Alabama- srage betreffenden Passus, der von ihnen nicht als eine Drohung aufgefaßt wird, durchaus keinen An­laß zu der Befürchtung, daß die friedliche Austragung der streitigen Angelegenheit unter dem neuen Prasi- denken mehr als eine Frage der Zeit sein würde. Auch die Wiener Blätter sprechen sich sehr günstig über den Eindruck der Präsioentenrebe aus. Der Neuen Fr. Presse" ist dieselbe ein Unterpfand, daß die Union schönen ünd friedlichen Tagen cntgegen- geht.Darüber fügt sie hinzu freuen wir uns aus ganzem Herzen. Nicht nur um der Union selbst willen, deren strahlendem Banner unsere volle, ungetheilte Sympathie gehört, nein, auch Europas, auch unsertwegen. An den Ufern des Hudson und des Miisissippi hat die Freiheit ihre Burg gebaut, und so lange diese steht, flieht sie nicht aus ter Welt. Die Fortdauer, die Lebenskraft der Union ist uns eine Bürgschaft schönerer Zukunft und wir schauen über den Ocean, wie das Volk Jsrael's in Egypten nach dem gelobten Lande. Ja, wir leben in Egypten und die Bauten, an denen wir frohnen, sind die Kasernen. Die Gegenwart ist trübe und eisern, doch wir verzagen nicht. Wir fahren auf dem stürmischen Meere dahin, aber der Compaß der Freiheit zeigt uns den Curs, den wir einhalten müssen, und die Sterne der Union leuchten uns verheißend entgegen. Lange, sehr lange dürfte die Fahrt dauern, nicht wir, nicht unsere Söhne werden daö Ziel schauen, aber ein späteres Geschlecht, dem wir vorarbeiten, wird einst, gleich den Seeleuten des Columbus, jubelnd aufschreien: Land, Land!"

Heidelberg, 6. März. Die siegreiche Durch- kämpfung der gemischten Schule in Mannheim wirkt ansteckend auf die Umgegend. Zn den dortigen Nachbartörfern Neckarau, Käferthal und Freuden­heim, in der zwischen hier und Mannheim gelegenen Amtsstatt Ladenburg und hier in Heidelberg selbst ist eine starke Agitation dafür im Gange. Vor we- nigen Tagen wurde hier unter übermäßigem Zudrang ein Bürgerabend dafür gehalten. Alle Parteien mit einziger Ausnahme des schwarzen Casinos hatten sich dazu die Hände gereicht. Für die Nationalliberalen sprach Professor Wundt, für die Demokraten und freisinnigen Katholiken Dr. Franz Mittermaier, für die Protestanten Kirchenrath Schenkel und für die Israeliten Dr. Reckendorf. Auch der Gemeinderath,

obgleich viele Katholiken in seiner Mitte zählend, hat sich einstimmig für die gemischte Schule ausgesprochen. Und doch ist der Sieg noch nicht gewiß. Denn nirgends in Baden hat die Casinopartei so bedeu­tende Führer wie hier (,Lintau, Bissing, Professor Verina u. A.), nirgends ist ihr Fanatismus und ihre Rührigkeit größer, und Viele können sich ihrem Einfluß nicht entziehen, der sich mit eben so großer Leidenschaft als Klugheit jedes Mittels zur Erreichung der Parteizwecke bedient.

Paris, 5. März. Wie der C onstitutio n n el mittheilt, hat die Idee, die Dienstbücher für die Arbeiter abzuschaffen, im Staatsrath den Sieg davongetragen. Dieses Ergebniß ist nicht ohne Schwierigkeit erreicht worden, denn die meisten con- stituirten Slaatekörper, Gerichte und Handelskammern, hatten sich für deren Beibehaltung ausgesprochen; allein das Princip der Freiheit, welches, wie der Constitutionnel" bemerkt, sich jetzt an Stelle der Reglementirung in allen administrativen und ökono- mischen Instituten zu setzen strebt, überwog endlich. Bei Gelegenheit der über den Zustand und die Be­dingungen des französischen Ackerbaus ang.stellten Untersuchung war von einer großen Anzahl der zu Rathe gezogenen ländlichen Grundbesitzer verlangt worden, baß die Dienstbücher auch auf die ländlichen Arbeitir ausgedehnt würden.Die von dem StaatS- rath angenommene Lösung in Bezug auf die indu- striellen Arbeiter läßt vorhersehen, daß diesem Wunsch nicht Folge gegeben wird, und wir glauben, daß, alle Vortheile und Nachtheile beider Systeme mit einander abgewogen, dasjenige, welches die Freiheit und die Würbe des Menschen achtet, ben Vorzug vervient."

Paris, 6. März. DerPublic" glaubt, baß Marquis Lagueronniöre nach Brüssel ein vollständig ges Expose über die Anschauungen Frankreichs in Betreff der wirthschaftlichen Fragen mitnehmen werde, und spricht die Eiwartung aus, das belgische Cabi- net werde an die Prüfung dieser Auseinandersetzung mit einem weniger engherzigen und ben Interessen Belgiens angemesseneren Geist gehen, als berjenige war, welcher bei ber Ausarbeitung des neuen (Ei- flnbahn-) Gesetzes obwaltete. DerPublic" sagt, Nigra sei nach Florenz, PaSzera nach München ab­gereist. Das Leichenbegängniß Troplong'ö hat heute staltgefunden. Das diplomatische Corps wohnte demselben an. Der gesetzgebende Körper hat mit 192 gegen 41 Stimmen ein Gesetz in Betreff der Finanzen der Stadt Paris genehmigt, wornach das außerordentliche Budget von Paris künftig der Kam­mer zu unterbreiten ist.

Brüssel, 6. März. DieK. Z." schreibt: Die heutige Sitzung der Repräs.ntantenkammer hat dem Ministerium und besonders dem Justizminister Bara einen glänzenden Sieg gebracht. Die Ab­schaffung ber Schuldhaft, lebhaft bestritten von ver­schiedenen Mitgliedern beiver Parteien bes Hauses, ist endlich mit 81 gegen 12 Stimmen und 12 Stimmenthaltungen angenommen worben. Die Cen- tralsection hatte bie Körperhaft in gewissen Fällen, z. B. gegen betrügerische Schuldner, beibehalten wollen, unb vertheldigte ihre Ansicht mit großer Hartnäckigkeit. Der Sieg des Regierungsvorschlages ist hauptsächlich ber Energie und Beredsamkeit des Hrn. Bara zu verdanken, und dieser Triumph ist ihm wohl zu gönnen, denn von allen Mitgliedern des Cabineis hat keines in jüngster Zeit sich so vielen Angriffen ausgesetzt gesehen und einen so zähen Widerstand gefunden, wie ber Iustizminister.

Madrid, 8. März. Cortes. Auf eine In­terpellation ber Republikaner antwortete Prim, er würde bie Canbidatur des Herzogs von Monlpensier aufrecht erhalten. Marschall Castelar und Figueras greifen Montpensier an.

Madrid, 9. März. Aus Anlaß einer an's Ministerium gerichteten Interpellation sagte Topete: Bei der Wahl zwischen einer Republik unb Dein Herzog von Montpensier würbe er dem Letzteren ben Vorzug geben. Serrano sagte: Die Frage über bie künfiige Regierungsform des Landes müsse bis zur DiScussion über die Constitution eine offene bleiben, die Ansicht Topete'S darüber müsse ebenso, wie jede andere, respectirt werden.

Washington, 5. März. (Kabeltelegramm ausReuter's Office".) Grant legte folgende Mi- nisterliste vor, welche der Senat genehmigte: Wash- burne, Auswärtiges; General Shofield, Krieg; Ste- vart, Finanzen; Ergouverneur Cox, Inneres; Borie, Marine; Creswell, Generalpostmeister; Richter Hoare, Generalstaatsanwalt. General Sherman ist zum Obergeneral der Armee, Sheridan zum Generalneu- tenant ernannt worden.

Vermischtes.

Darmstadt, 6. März. Durch allerhöchste Entschließung vum .heutigen haben Seine Königliche Hoheit teil wegen Er- niorbung der 12jährigen Margarethe Seibel von der Harbmuhle bei Nieder - Roßback zum 5vbe verurtheilten Peter F e u er- b a ch von Ober - Wöllstadt zu lebenslänglichem Zuchthaus zu begnadigen geruht.

Darmstadt, 8. März. Nachdem KroßherzoglicheS Mini­sterium des Innern die Ausdehnung der Starkenburger Vieh- VersicherungS Anstalt auf das ganze Land und die Statuten der nunmehrigenV i e h - V er s i ch eru n g S - A n st a l t für das Großherzogthum Hessen" genehmigt hat, wird dieses Institut mit dem 2. April I. I. in Thätigkeit treten. Die reuen Sta- tuten, bei deren Bearbeitung aum die Einrichtungen und Be­stimmungen anderer großen und empfohlenen Vieh-V.rficheningS- Bereine in Betracht gezogen wurden, haben zum Theil wesent­liche Abänderungen und Ber esserungen erfahren, zu welchen gehören: die Ausdehnung auf die Provinzen Oberhessen und Rheinhessen, §. 1 ; die Errichtung einer besonderen Abtheilung für Versicherung deS Rindviehs gegen Seuchen, §. 2; die strenge Trennung der drei VersicherüngS-Abtheilungen, §§. 3, 32; die Versicherung des Rindviehs ohne statutarisches Mari- mum eines WerthanichlageS, §. 5; die Möglichkeit der Be­theiligung der Ortö-Vieh Verstcherungö-Vereine, §. 7; die Fort­setzung der Versicheiung durch Erben von Mitgliedern, und im Falle der Veräußerung an einen neuen Inhaber, §.16; die tarifmäßige Ausbildung der Beitragsruckvergutuug, der Prämie, §§. 1941 ; die Entschädigung versicherter S'hiere für den Fall der Tödtung auf polizeiliche Verfügung,^insofern nicht durch Dritte (Staat, Gemeinde u. s. ro.) Erfa'tz^D leisten ist und geleistet wird, §. 26, pos. 5.

Indem wir daS gemeinnützige, aus der Mitte der landw. Vereine hervorgegangene Unternehmest den Viehbaltern des Lan­des angelegentlich empfehlen, erübrigt uns nur der Wunsch, daß dem Institute dasjenige Vertrauen entgegengebracht werde, wel­ches einer alsbaldigen ausgedehnten Entwicklung zur Seite stehen muß.

Fvicdbcrg. ImUsinger Anzeiger" sinden wir folgende heitere Anzeige, welche wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen: Pferde-Treue! Am 4. d. MtS. ereignete sich im Stalle des Gasthauseszur goldenen Sonne" in Usingen ein Vorfall, welcher allgemeine Bewunderung verdient." Meine Pferve, sowie dasjenige des Hrn. H. aus Nod a. d. Weil standen neben einander. Als ich füttern wollte, vermißte ich meinen Hafer­sack und was sah irb, als ich in den Stall trat ?--Eins

meiner Pferde, welches meinen Hafersack in fremder Hand ge­wahrte, hatte den Hrn. H., der meinen Hafersack jn der Hand Ijie!t, fest auf der Brust gepackt und somit mir überliefert. Dies als Beispiel von Pferdetreue. Heinrich Waas, Kutscher aus Friedberg.

Eberstadt, 7. März. Bei einer heute Nachmittag hier abgehaltenen Vorstellung eines Seiltänzers riß der Pfahl, woran das Seil in der Höhe eines Hauses befestigt war, in dem Augenblick aus 6er Erde, als der Akrobat fein halsbrechendes Kunststück auf demselben zeigte und das Ziel beinahe erreicht hatte ; er stürzte herab und brach, wie man hört, einen Arm unb eine Rippe. Mehrere Aerzte waren sogleich zur Hand.

Montauban, 2. März. Am 4. d. M. beginnt vor ben hiesigen Assisen ein Proceß, der fast einzig dasteht. ES bandelt sich dabei um ein wahres Gemetzel unter unschuldigen Kindern unb um eineMenschenfresserin" , so nennt die Bevölkerung hiesiger Gegend die Hauptangeklagte Jeannc Delpech, für welche der Mord von Kindern zur Beschäftigung und Er­werbsquelle geworden war. Ein Kind tobten, war für diese Person fast so Alltägliches, daß sie bie Zahl ihrer Opfer faum bestimmt anzugeben vermag. Aus einem der Häuser, in denen sie in Montauban wohnte, hatte sie. fast ein förmliches Gebein- hauS gemacht. Plan fand dort unter der Stiege eine ganze Menge von Kindergebeinen, mit denen man ohne Muhe sieben Kinder-Skelette zusammengestellt hat. Jeanne Delpech tödtete ebenso gleichgültig ihre Kinder, bie ihrer Tochter ober fremder Leute; das geringste Interesse reichte für sie hin, um einen Mord zu begehen; die von ihr dabei am liebsten angewendete Methode war die Erstickung. Sie tauchte die Kinder in ein Gefäß mit Wasser, bann zerschnitt sie die kleinen Leichen in Stucke, die sie sohin vergrub. Die Geschickte dieser Verbrechen greift bis in das Jahr 1857 zurück, wo sie das Kind ihrer eigenen, von ihr zum lüderlichen Lebenswandel angeeiferten Tochter einen Tag nach ber Geburt ermordet hat. Zwei Jahre später begann sie bann ben Kinbesmord gewerbsmäßig zu be­treiben. Sie übernahm Kinder, angeblich um sie in Fiudel- anstalten ober bei Ammen unterzubrinzzen, in Wahrheit, um sie zu etmorben, und den Betrag, den sie für dieselben in ber Anstalt erlegen sollte, für sich zu behalten.

London, 28. Febr. Die seltensten Selbstmorde sind wohl die durch Verbrennung, deren sich in jüngster Zeit zwei kurz auf einander folgten. Der erste Fall hat sich in ber Hauptstabt selbst ereignet; ein ZeitungShändler begoß sich in seinem Schlafzimmer mit Paraffinöl und steckte seine Kleider in Brand; der zweite Fall wird aus der Provinz gemeldet, wo ein Farmer Hol; und Kohlen in seiner Stube zusammen- trug, sich gewissermaßen seinen eigenen Scheiterhaufen aufrich­tete und und sich oben darauf setzte. Bald erregten bie Flam­men die Aufmerksamkeit ber Dienstboten; sie eilten hinzu und fanden ihren Herrn bereits so stark verbrannt, daß er in weni­gen Stunden starb.

In Schweden fängt die Frömmigkeit an, die Gurgeln in Gefahr zu bringen. Aus Stockholm schreibt man nachste­hende Schauderthat:Ein Schrei deS Entsetzens und der Entrüstung durcheilt das Land. Schon wieder hat ein Predi­ger, der stch den Ruf derFrömmigkeit" anzueignen gewußt batte, sich des Morde« schuldig gemacht. Vor einigen Jahren nämlich ermordete ein Pastor Lindbäck die armen Sckaafe sei­ner Heerde, um sie von ihren Qualen zu befreien, indem er bie Hostien und ben Wein vergiftete, weil er sich als Diener Gottes bazu berufen fühlte. Heute nun ist es ein alter Mann von 60 Jahren, ber in der Umgegend von Jönköping in ber Provinz seit lange das Pfarramt bekleidete, M. Palmgren, der der Unzucht mit dreien feiner Dienstmädchen unb be« Mor­des von zweien derselben beschuldigt ist. Trotzdem ließ man diesen ehrwürdigen Geistlichen auf freien Fußen, ber, um den Ausfall der Untersuchung nicht abzuwarten, plötzlich verschwun­den ist, man sagt, er sei bereits unterwegs nack Amerika.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (F/r. Chr. Pietsch) in Gießen.