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Akademischer Gesangverein.

1031) Donnerstag den 11. Februar, Abends 7 Uhr,

im Club-Saale,

Probe von Hänüels Samson

(mit Orchester), wozu die verehrlichen Mitglleder des academischen Gesangvereins er- gebenst einladet W» Mickler,

academ. Musikdirector.

Geschäfts-Eröffnung.

1024) Der Unterzeichnete eröffnete heute am hiesigen Platze, Seltersweg C. 43, eine

Material- und Specereiwaaren-Handlung

und bittet unter Zusicherung bester Bedienung um gütigen Zuspruch.

Gießen, den 11. Februar 1869. Emil Fischbach.

Haasenstein & Vogler

Zeitungs-Annoncen-Expedition

in FRANKFURT AM MAIN.

Filialgeschafte: in Hasel, Berlin, Hamburg, Leipzig, Wien.

5,885000 Thlr.), Jahre, ist

KtiriwnrrlicherungsdanK f. D. in Gotha.

L94) Die Geschäftsergebnisse dieser Anstalt im Jahre 1868 waren überaus aün- 1 blnen reichen Zugang an neuen Versicherungen (3085 Personen mit

welcher größer war als in irgend einem der früheren

gestiegen.

die Zahl der Versicherten auf 33100 Pers., die Versicherungssumme auf 60,450000 Thlr-, der Bankfonds auf etwa 15,350000 Thlr.

Kei einer JahrLseinnahme von 2,760000 Thlr. waren nur 1,217300 Thlr. für oV4 flefiorbene Versicherte zu vergüten, welcher Betrag wesentlich hinter bet rechnungs­mäßigen Erwartung zurückbleibt und den Versicherten eine abermalige hohe Dividende m Aussicht stellt.

In diesem und den nächsten vier Jahren werden nahe an

Zwei und drei Viertel Millionen Thaler vorhandene reine Ueberschüsse an die Versicherten vertheilt, was für das Jahr 1869 eine Dividende von

3 9 Procent ergiebt.

Versicherungen werden vermittelt durch

Buchhändler A. Nicker in Gießen.

Ortseinnehmer Louis Höhler in Büdingen.

Lehrer H. K. Walz in Lich.

Oscar Ehrhardt in Marburg.

99o) Nach den Analyftn des berühmten Chemikers M. Sayen zählt die Cacao- Pflanze zu den nahrhaftesten Producten der Erde. Dieser Gelehrte sagt, daß eine gute Tasse Bouillon von Rindfleisch 28 Gramm Nährstoff enthalte, während sich in einer Tasse mit Milch zubereiteter reiner Chocolade 188 Gramm nährende Vestandtheile vorfanden.

Nach einem englischen Blatte hätte eine ärztliche Untersuchung der Chocoladen 70 verschiedener Fabriken von London und Paris eine Verfälschung der Waare in 39 derselben erwiesen, ein gewiß trauriges Resultat! Da auch in Deutschland eine unver- faschte Chocolade zur Seltenheit geworden ist, so verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß sämmtliche Cacao- Präparate des Hauses Franz Stollwerck -5 Söhne in Köln als durchaus frei von jeder Beimischung garantirt sind und wegen dieser Eigenschaft von den Aerzten vielseitig empfohlen werden.

In den hauptsächlichsten Geschäften Deutschlands sind diese Chocoladen vorräthig.

F e u i l

Unter dem Schicksal.

Eine Geschichte aus dem Leben von Edmund Frank.

(Fortsetzung.)

Nun ja, sie schien es zu sein. Mir gefielen ihre Ungenirtheit, ihre Herz, lichkeit, und umsomehr vielleicht, weil ich diese Eigenschaft kaum an ihr zu fin­den erwartet hatte, da ich eigentlich durch meinen Bruder schon im Voraus gegen sie eingenommen gewesen war."

So, so?" flöchte ich verwundert ein.

Ja wohl, das war ich. Er schärfte mir dringend ein, mich stets außer- ordentlich einfach zu kleiden, wenn ich erwarten könnte, mit ihr zusammenzu­treffen.

Kaum erfuhr er also, daß sie die Absicht habe, mir einen Besuch abzu- statten, so schickte er mir denken Sie nur sogar ein Telegramm, durch welches er mich aufforderte, meine Schulkleidung anzulegen.

Ich fand dies natürlich außerordentlich sonderbar, mußte aber selbstversta'nd- lich dem Verlangen des Bruders nachkommen, mochte ich in jenem Anzuge auch aussehen wie eine Vogelscheuche.

Als ich ihn fragte, weshalb er denn eigentlich dies Verlangen an mich ge­stellt habe, wurde er fast ärgerlich und gab mir die Antwort, es werde ihn in's Verderben stürzen, wenn ich seinen Wünschen in dieser Beziehung nicht stets mit der größten Pünktlichkeit nachkäme.

Madame Palmer muß doch eine schrecklich übermüthige und dabei mißgün- stige Frau sein, wenn sie mich nicht ein wenig nett gekleidet sehen mag, weil mein Bruder im Geschäfte ihres Mannes und also von diesem abhängig ist.

Was meine Kleidung jene Dame überhaupt angeht, vermag ich gar nicht zu begreifen.

Außerdem bin ich es auch von Gustav gar nicht gewohnt, daß er irgend­wie auf die Meinung Anderer Werth legt."

Ich wußte hierauf nichts zu erwiedern und schwieg.

Unser Einkommen ist doch sicherlich unser eigen," fuhr Adeline in un­willigem Tone fort,und unsere Ausgaben gehen nur uns selbst, keineswegs aber Madame Palmer etwas an, mag Gustav immerhin von ihrem Manne sein Salair erhalten. Er verdient es sich wahrhaftig sauer genug und macht sich viele und große Sorgen um's Geschäft.

Bisweilen sitzt er die halbe Nacht hindurch hinter Büchern und Papieren. Und ach, Madame Thalheim, Sie glauben gar nicht, wie außerordentlich er sich in der letzten Zeit verändert hat," schloß das Mädchen ihre lange Rede unter einem plötzlich hervorstürzenden Strom von Thräuen.

Die Kundgebung lebhafter Gemüthsbewegung, vor welcher alle Schranken der geselligen Formen Zusammenstürzen, führt schnell ein vertrauteres Verhältniß herbei, wenn vorher schon Sympathie vorhanden war.

Ja, von jenem Tage an fühlte ich mich als Adelinens vertraute Freundin, obgleich ich freilich in dem Augenblicke, wo sie zu mir sprach, selbst nur wenige tröstende Worte für sie hatte.

Ich sagte ihr, sie müsse sich die Sorgen ihres Bruders nicht so sehr zu Herzen nehmen, denn das Banquiergeschäft führe diese nur gar zu häufig mit sich, und wahrscheinlich seien eben jetzt Operationen von besonderer Wichtigkeit im Gange, welche ihn in ungewöhnlich aufregender Weise in Anspruch nähmen.

Sie antwortete mir mit einem Seufzer, sie wisse nicht das Geringste von den Geschäften, mit welchen Gustav jetzt zu thun habe.

Dieser ließe sich darüber nie auch nur mit einem einzigen Worte gegen sie aus und liebe es nicht, Fragen deswegen an sich richten zu lassen.

Nach wenigen gleichgültigen Worten bat sie mir dann gute Nacht und ver­ließ mit Cato mein Haus.

Das Wenige, was ich von Adeline erfahren hatte, stimmte mich recht trau- rig, und ick wünschte nur, die Schicklichkeit erlaubte mir es, sich nach dem Be- trage des Salairs ihres Bruders zu fragen.

Ich fand es indessen unmöglich, einen Vorwand für eine so delicate Frage zu ersinnen, die daher, wiewohl ich keineswegs aushörte, darüber nachzusinnen, wenigstens vorläufig in den Hintergrund meiner Gedanken trat.

l e t o n.

An einem düsteren Tage des Monats November" kam Adeline Rosen, deren Besuche in der letzten Zeit sehr häufig geworden waren, zu mir und erzählte mir mit einer Miene des tiefsten Widerwillens, daß Madame Palmer und ihre Tochter nach ** zurückgekehrt seien, und daß sie und Gustav am nächsten Sonn­tag im Hause derselben speisen sollten.

Am Montage sollte dann ihr Bruder in besonders wichtigen Geschäften des Hauses eine Reise antreten, wohin, wußte sie nicht.

Ich fand sie außerordentlich niedergeschlagen.

Denken Sie nur, Madame Thalheim," sagte sie, und der klagende Ton ihrer mädchenhaften Stimme ergriff mich viel tiefer wie die eigentliche Veran­lassung ihrer Klage selbst,Gustav hat mir zu dieser MittagSgesellschaft eigendS ein ganz einfaches, schwarz seidenes Kleid machen lassen, mir strenge eingeschärft, nur meine allereinfachsten Schmucksachen zu' tragen, mir sogar auch verboten, einen gestickten Unterrock anzulegen."

Vergiß auch ja nicht, Lina,"" sagte er heute Morgen noch in der Haus- thür zu mir,daß Du am Sonntage durchaus Deinen Spitzenshawl nicht um­nehmen darfst. Bedarfst Du eines Ueberwurfes irgend einer Art, so kaufe Dir etwas Einfaches und Billiges.""

Welche Thorheit ist das nun wieder? Soll ich mich denn durchaus wie eine Herrnhuterin kleiden, nur um es Leuten recht zu machen, an denen mir weiter gar nichts gelegen ist?

Es ist nicht ehrlich gehandelt, ihren Vourtheilen in dieser Weise zu schmeicheln.

Wenn sie keinen Werth auf eine geschmackvolle Toilette legen, so thue ich eS doch und Gustav nicht minder, denn er kauft mir Alles, was ich nur irgend gebrauche, häufig sogar Sachen, welche ich mir gar nicht einmal zu wünschen wage, und die Vorspiegelungen sind mir nun einmal in tiefster Seele zuwider.

Warum denn auch soll ich mich diesen Leuten gegenüber überhaupt verstellen ?

Gustav hat, da er im Geschäfte des Herrn Palmer seine Pflichten treu und fleißig erfüllt, außerhalb desselben doch gewiß keinerlei Verflichtungen gegen die­sen, und wäre das selbst der Fall, so würde ich cS unwürdig nennen, seinen Vorurtheilen in so kleinlicher Weise zu huldigen."

Was kostet Ihr Spitzenshawl, Adetine?" fragte ich nach einigen verle­genen Bemerkungen, um das Gespräch womöglich auf einen anderen Gegenstand hinüber zu leiten.

Das weiß ich nicht," antwortete sie.Gustav schenkte ihn mir zu meinem diesjährigen Geburtstage, und Sie glauben gar nicht, wie außerordentlich ich mich darüber gefreut habe, denn wenn ich auch meinen seidenen Ueberwurf hatte,' so paßte dieser doch eigentlich nur zu Morgenpromenaden und ich hatte mir des­halb auch schon längst einen Shawl gewünscht.

Gustav hat ihn eigendS von Brüssel für mich kommen lassen, und das ist Alles, was ich weiß.

Ich möchte diesen schönen Shawl wohl einmal näher sehen. Sollten Sie es nicht vergessen, bitte, so bringen Sie ihn gelegentlich einmal mit."

O gerne, gerne," entgegnete sie,jetzt aber muß ich nach der Georgstraße Nummer 3, um meinen Herrnhuteranzug anzuprobiren.

Welch ein verwundertes Gesicht die Schneiderin machte, als ich ihr aus- einandersetzte, wie der Schnitt dieses Kleides sein soll, denn bisher hatte sie ja stets nach der neuesten und elegantesten Mote für mich arbeiten müssen.

Begleiten Sie mich doch.

Während Sie Ihren Hut aufsetzen und den Mantel umnehmen, will ich hinüberspringen und meinen Shawl holen, damit Sie ihn sogleich einmal in Augenschein nehmen können."

Sie verließ mich, kehrte jedoch gleich znrück und legte den Shawl auf mein Bett.

In der Georgstraße Nummer 3 sah ich sodann das für sie bestimmte schwarze Kleid, das fürwahr seinem Schnitte nach eher als passende Tracht für mich wie ein blühendes junges Mädchen gleich ihr erschien.

Unvorsichtiger Weise ließ ich mir eine derartige Aeußerung entschlüpfen.

Nun, ich werde das Kleid auch nicht anders tragen, als wenn ich ge­zwungen bin, das Haus des Herrn Palmer zu betreten. Darin liegt wenigstens ein Trost," meinte Adeline. (Forts, folgt.)