Ausgabe 
2.9.1869
 
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Berlin. Der'lds. Zeitung" zufolge wurde tor einigen Togen in Et. P.tcriburg ein (Semite aufgehoben, tos sich ebne Griuhmigung ter Behörde aus Anhängern ter panslavistischcn Ideen bileet und besonders damit befaßt batte, Sammlungen zur 8er- terung panslavisiischcr Zwecke zu veranstalten. Die Statuten und andere Schriftstücke der (Gesellschaft sind corsiScirt und die Vorgefundenen Geldsummen dem Lercin zur Unterstützung Nethleidenter über- wiesen worden. Tie Milglictcr OrS (Semite» lieh man innß ohne weitere Bcrselgung, so tcß man also weniger gegen den PanslaviemuS im Princ p, als vielmehr nur gegen die Ucbeitretung polizeilicher Dorschiificn vorgrhen wollte. Die Piesse hat über den Borgang fein Wort gebracht, und es ist anzu- nehmen, daß ein gegebener Wink die Biranlaffung zu rem brachtiten Schweigen sei.

Berlin. Noch einer (Sorrespondenzmittheilung der9tcito. Alle,. Ztg." sind in Otm nahe bei ter estcrrtich. Stadt Tesch en gelegenen Torfe Schibeez go- lizische und schlisilcke Parte.sührer zusammen gekom- men, um über Kräftigung dir polnischen Propaganda zu berathen. Anwesend waren Ezaitoryeky, Zicmial- kcwsly. Die ciel.ithan'schen Blätter schwiegen bis­her über tiefe Versamnilung.

Frankfurt, 30. Aug. Die Donauztg." brockte tic|tr Tage die Nackrick t, Baiern und Boden würden nächstens in den Nortbund cintrrtrn und Mainz in Preußen e nverleibt wirten. Münchener Nachrichten von ce» pctentcr Seite erklären jene Mittheilung als total erfunden.

Karlsruhe, 27. Aug. Man glaubt, daß die wichtigsten Gesitzeniwürse den Kammern sofort bei ihrem Zulammcnilitt rorgelegt toirtin können. Das Hantcleministerium bereitet einen selchen über die Arbeit der Kinder in den Fabriken vor oder hat denselben bereits beendigt. Am eingreif.ndstcn sind ohne Zweif.l die Vorlagen über Armen-Unterstützung und Gcmeinde-Velscssung.

Stuttgart, 2b. Aug. bin Artikel desStaats- onzcigeis besagt: Die L'qu tatieneconsercnz hat die Gemeinsamkeit deS Materials der Bundeefestungen beschlossen. Die süddeut che FeslungScemmission über­wacht das Material von lllm, Rastatt und Lands- Hut, die Verwaltung dcü Norddeutichcn Bundes das von Mainz.

Wien, bin Erlaß des Ministers des Innern an Cie LandeechcsS fühlt aus, daß ter gegenwärtige Siand der Gesetzgebung e ne bcf hlende Einwirkung der Regierung auf Derminrerung der Feiertage nicht gestalte, sondern eS der Einsicht der Berökerung überlassen sein muß, sich überflüssiger Feiertage zu enthalten. Die Behörden baden bezüglich von Amte- Handlungen jeden nicht gebetenen F.icrlag zu igno- riren und voikemwenden Falls die Bivölkerung in diesem Sinne zu beeinflussen.

Paris, 30. Aug. ImReveil" fordert heute Deiceeluze die Exilinen auf, von der Amnestie Ge- brauch zu machen und noch Frankreich zurückzukch. rcn.Glaubt unS schreibt tiesir starie Repu­blikaner wenn euer Aufenthalt in ter Fremde feine Berechtigung hatte, so hat seine Fortdauer keine Entschuldigung mehr. Jdr mochtet euch verpflichtet glauben, von dem Vaterlande fern zu bleiben, als der Schlaf das allgemeine Gesetz war, das begreift sich. Aber bnue, da die Augen geöffnet sind, da von allen Seiten die Bestrebungen sich gellend ma­chen, einstimmig, brennend, so ist eure Stelle in un­serer Milte, inmitun des Kan pfes, der eben erst beginnt. Mit der Freiheit zurückledren, das wäre zu spat. Ihr müßt zurücklelr.n, wenn ihr noch Tdeil nehmen könnt an ter Arbeit, und ihr werdet zurückkchren, wenn und daran zweifeln wir nicht ihr noch diejenigen seid, die idr wäret am Tage, nachdem der Sieg des Schlechten euch auf d e fremde Erde geworfen. Glaubt nicht, d.ß Frank­reich so sei, wie es im In - und Auslande die Journale darstellen, welche unter vlischiedenen For­men die demokeaiische Idee bekämpfen. Große Dinge sind gkthan Worten, und wir b dau rn, daß sie ebne euch gethan sind, denn, vergeßt es nicht, es bedurfte einigen Muthcs für diejenigen, welche eingezwänzt in dem taiferlichen Frankreich, allen Nachstellungen ausgesetzt und unter dem Druck der gemeinsamen Nicteilage der Nation aus ter Verdumpfung gezo­gen, in der sie sich selbst vergaß. ES bleibt jetzt übrig, das W ik zu verrollständigen. Ungeheuere Aussichten eröffnen sich und ter Augenblick ist ge- kommen, alle Jlrafte in Bewegung zu setzen, alle Hülfomiltcl der Partei beranzuz ehen, d r ihr an- gehört, wie wir. Tas Won Hal seine Rechte wre- dergesunren; die Tribüne wird sich trädtig rn den Versau mlungen «rdeben. Ihr könnt also wieder in

die Schranken treten, ohne an eurem Glauben Scha- , ten zu erleiden, ohne die Achtung gegen euch selbst ; zu verletzen "

Madrid, 27. Aug. DieImperial" meldet: ! Marlos Hal einen Brief an Prim gerichtet, in wel- chcm er die Unwirksamkeit ter Todesstrafe bei poli­tischen Verbrechen auSeinandersetzt. Prim hat dieses Schriftstück dem Ministerrathe unterbreitet. Dasselbe Blatt stellt in Abrede, daß gelegentlich deS Empfan- ges der Journalisten im Schlosse La Granja von ter Throncandidatur Serrano'S die Rede gewesen sei. DieEpoca" meldet: Prinz August von Por­tugal, ter wahrscheinlichste Throneandidat von Spa­nien, werte die Tochter des Herzogs von Montpen» sier beirathen.

Nom. Die Eongregation hat beschlossen, die Betheil'gung der Vertketer der katholischen Mächte an ten Verhandlungen des Eoncils dürfe eine nur passive sein; falls sie etwas einzuwenden wünschen sollten, hätten sie das außerhalb des Eoneils tcm Staatssccreta'r zu sagen, Oer allein mit ihnen in DiSeussionen sich einlaffen dürfe.

Konstantinopel, 21. Aug. Die Pforte er- ließ ein Enrular an die Gouverneure ter Provin­zen, worin tieselben zu einer beschleunigten Erledigung ter Geschäfte ausgefoidert werden. DaS Erreular macht für den Fall, als Privatinteresscn durch eine Versäumniß ter Behörden leiden sollten, die Schuld­tragenden hiesür verantwortlich.

Konstaniinopel. Der Vicekönig von Aegypten rrchtserl gl sich in Cer durch Talahut Pascha über­brachten Antwort auf das Schreiben des Großvezierö gegen die erhobenen Anklagen und widerlegt alle vorgebrachten Anichuldigungen als ung-red.t. Die Antwort schließt mit den Worten, Hospnilich werde eine offene Auseinandersetzung jeden durch die unge- recbtin Anklagen hervorg.brachten Übeln Eindruck ver­wischen. Ismail Pascha betheuert seine unwandel­bare Treue und Ergebenheit und verspricht, sobald die Geschäfte es ihm gestatten würden, seine Huldi­gung am Throne des Sultans niecerzulegen.

Vermischtes.

Gießen, 31. Aug. Tie Sitzungen des Schwurgerichts in der »Pivvmz Oberheffen vom vierten Quartal 1b69, für welches der Großherzoglick r Hofgerichts Rath, Herr Buff, zunr Präsidenten und der Großherzogliche G«Heime ^osgerichts- rath. Herr »Wort ut a n n, zu dessen Stellvertreter ernannt wurden ist, werden

Montag den 4 kn Oktober rr. c., Vormittags 9 Uhr, ihren Anfang nehmen, und es sind demzufolge in der heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglickeii Hofgerichtö dieser Provinz die Haupt- und Ergänzungo-Geschworenen in folgender Ordnung ausgcloost worden.

I Ergänzungs - Geschworene.

1) Julius Balthasar »Wilhelm WallenfciS, Liqueurhöndler, 2) Dr. Karl Wer «her, Privatdoeent, 3) Albert Scheel, Utlen- waarenhündter, 4) Ehrrstian Iughardt lll., Bäcker; 5) F. VI. L. Ehr. Koch, Eomnussionär, 6) Dr. Ferdinand Kehrer, Pro­fessor, 7) August Noll. Backer, 8) Friedrich Emil Loos, Ellen- waarcnhändler, 9) Ur. »Adolph Meit.nheimer, Apotheker, 10, Karl Vöber, Gemeinderath, 11) Wilhelm Lrebrrch, Eommissionär, 12; iSmil Pistor, »Brannrmeinhänrler, sämmtlich in Gießen.

11. Haupt- Geschworene.

1) Eonrad Dippel, Wirth in Lieder dach. 2) Wilhelm Fert,ch, Epeceieihändler in Friedberg. 3) Johannes Schutt, Muller in Mufchenheim. 4) Heinrich Martini, Fabrikant in Bilde!. 6) Georg Phil ppi, Gastwirth rn Friedberg. 6) »Wil­helm Wenzel, Fabrikant in Lauterbach. 7) Philipp Jakob Weiß, Specereihändler in Nauheim. 8) Erwin Biaunwarth, Oikonour in Stamn.heim. 9) Eonrad Ätnhly 11 , »iliulkr zu Allendorf o. d. Lumda 10) Heinrich Schmiermund II., Lanv- tvntb in Oder Cerbeitenrod. 11) »Wilhelm Faber, Gutsbesitzer in Gießen. 1?) Fr iberr Adalbert von Vtoideck zur 9tabenau in Friedelhaus>ii. 13) »Wilhelm Geyger, Iuitizrath in Assen, heim. 14) »Balthasar Becker, Burgerme ster in K.sselbach. 15) Theodor Witte, Apotheker in Gießen. 16, Heinrich Zim­mer 11., Müller in Grunberg. 17) Johannes Stephan. Muller in Hemmen. 18) Adolph Sri loller, Landwirth in Elpenrod. 19) Zohanu Georg Lankvogt VI., Bierbrauer in Rockenb.rg. 20) Eoniad Ludwig Uhl, Gastwirth in Vt dda. 21) Avarn sicher II., Muller in Hutzdois. 22) Johannes Götz, Laud- wirih in Heegheim. 23) Eonrad Roö VII., Bürgermeister in Wolf. 24) Eonrad R,ritze 1 11., »Bürgermeister in Kefenrod. 25) Rudo pH Klingeihöff.r, Kamme,dir.ctor in Büdingen. 26) Fir.diich BeNter. Eigarrenfabrrkant in Gießen. 27) Eduard Lltens, Zeuzsab,ckant von da. 28) Iaccb Schutt, MnUer in Wetter seid. 29) Johannes Schäfer II., Muhleubesitz.r in Zett. 30; Daniel B.nter, Postmeister in Butzbach.

Offenbach, 27. Aug. Bor einigen Tagen wurde aus einem Venbvb.n iu der Deconouiiezum »4'r»nßifchrir Hoi" hier, die an der Dberniainilrabe (»Weg nach Burgei) belegen, ein »Mann todt aufgefunten, welckenr die Hirnschale zorschmet. t.rt war. äJi'uir vcrmuihet cin.n Mord, und ist die Unter­suchung deßhalb eing.leitet; Verdacht auf Personen, die man der That beschuldigen könnte, besteht zur Zeil noch nicht.

Seligenstadt, 24. Aug. Heute legte sich ein etwa 11jähriger Knabe (wie wir bören, der Sobn eineö »W.chsel- wälterS) in der Aöhe der Statt auf die Schie en und ließ sich von dem »Bahnzuge überfahren. Es wurde ihm der Kopf mitten entzwei g.fpalien und das linke Be n vorn Rumpf« ge­trennt, so da» ter Tod sofort einirat. »Man sagt, der Knabe habe vor einigen Tag n einen Geldbrief mit 4 st. unier-

schlaqen und aus Furcht vor Strafe dann den Selbstmord beganaen. >

Worms, 30. Aug. Am Samstag begann dahier mit der Abhaltung des TumlageS das siebente mittelrheinifche Turn­fest. Es waren 1d0 Bertreter der einzelnen im »Berbande be­findlichen »Bereme anwesend. Als Mitglieder in den deutschen Turnaussst wurde Herr Bömper gewählt, ihm gegenüber war Kuhl aus »Butzbatz ausgestellt. AIS »Borort und nächster Festort wurde Tarmstart gewählt. Am Sonntag zogen die Bereine mit ihren Fahnen in die Feststabt ein. Biele Vereine begaben sich am Sonntag Abend schon wieder hinweg. An dem Preißturnen betheiligten sich heute 120 Turner.

Kaffel. Der König von Preußen hat sich die wackere Turnerieuerwebr voistettcu lassen, die bei Um »Brande der Schmidt'schen Kuristmuhle sich neulich au-gezeichnet hat. Den Feuerwehrmann Zahn, der mit eigner Lebensgefahr die Fa­milie v. »Barteleben geiettkt hatte, redete der König mit den Worten an, den schönsten Lohn seiner Tbat werte er in seiner Brnst tragen, aba- auch er habe ihm etwas mitgebracht, was er sich zur Erinnerung und Andern zur Nachahmung tragen möge. Damit überreichte er ihm die silberne »Medaille für R'ttung aus L.b.nsgefahr. Unter dem donnernden Hoch der erfreuten Feuerwehr und ter umsteh.nun »Menge stieg er in den Wagen.

Fulta, 28. Aug. Zu der bevorstehenden Versammlung denticher Kirchensürsten haben bis heute dem hiesigen Herrn Bischof Ehristoph Florentius ihre Theilaahme angemeldet: die Erzbischöfe Dr. Paulus »Melchers von Eöln, »Michael v. De n- leirr von »Bamberg, GregorinS v. Särerr von »München, Fürst­bischof Dr. Heinrich Förster von »Breslau -, die »Bischöfe Dr. Wilhelm Emanuel Freiherr v. Ketteier v. »Ma nz, Dr. Eon- rab »Martin von »Pateiboin. Dr. »Mathias Eberhard von Trier, Philipp Kren-entz ron Ermland, Dr. Johannes Nepomnck von ter »Marwitz von (Sulin, Eomad Jakob »Wedekin von HildeS- h.im, Dr. Johannes Heinrich Beckmann von Cdnabrurf, Hein­rich v. Hokitettec von »Passau, »PaneratiuS Diuk.1 von AugS- bnrg, Leonard v. Leonard von Eickstärt, Dr. Anton v. Stahl von Würzburg; ferner der »Weihbischof und Generaloikar deS Erzbietbums Freiburg: Lothar Kubel, der neugewählte »Bischof von Rottenburg: Dr. Joseph v. Het'ele, ter apostolische »Bicar von Dre.'den: Ludwig Forwerk, der apostolische Bicar von Luremburg: »NicolauS AdameS. Der Bischof von Speyer wird durch den Domcapitlllar Dr. »W. »Molitor vertreten sein. Den Vorsitz fuhrt der Erzbischof Paulus von Eöln.

Heidelberg, 28. Aug. Unabhängig vom Jirristentage hat sich gestern ein Verein zur Abschaffung der Todesstrafe constituirt. Zum Vorsitzenden ist Adookat Kißling aus Linz gewählt worden. »Bis jetzt zählt der Verein 400 Mitglieder.

Spetier. Der ProtestanriSmuS, der vor dreihundert Zäh­ren in Speyer feinen Namen erhielt, ist ungeheuer bescheiden geworben und zu einem deutschen Protestantenverein z isammen- geschrumpft. Diesem Verein, der im Lctober in Berlin tagen will, wurden von dem Eonsistorium tie Kirchen zur Abhaltung seiner »Berathu'igen verweigert; der Odeikirchenrath soll nun en'scheiden. Die Kirch.ngemeinden, scheint», haben nichts mehr zu sagen.

Berlin, 29. Ang. Die heutige Volksversammlung in der Tonhalle, betreffend die Klostersrage, war von 2000 »Per­sonen belicht. Reso utioueu winden angenommen für Abschaf­fung der Klöster und Ausweisung der Zesuiten unter ausdrück­lich, r Verwahrung, daß mit Herein »Beschlüsse gegen keine Re­ligion, welche eS auch sei, agitirt werden solle.

Prag, 28. Aug. Zur Huß - Feier ist besonders das Er­scheinen vieler Russen angemelbet worden.

Krakau, 28. Aug. Die Oberin des Earmeliterinnen Klo­sters und deren Stellvertreterin sind heute um 12 Uhr »Mittags gemäß Gerichtsbeschlusses auf freien Fuß gefetzt und unter Mi- litärbewachuug nach ihrem Kloster zmuckgebracht worden.

Paris, 29. Aug. DasJournal officiel" sagt: Der Gesundheitszustand d.6 Kaisers bessert sich fortwährend. Die rheumatischen Schmerzen, an welchen er gelitten, haben sich ziemlich verloren. Derselbe piäsidirte geste n dem StaatSralh. Die Kaiierin und der kaiserliche »Prinz kamen gestern Vormit­tag in Vastia an und wurden glänzend empfanzen.

Paris. Alle Feinschmecker haben Trauer angelegt. Der letzte der Gründer der berühmten Restaurationzu den Fr eres provenenux" in »Paris ist gestorben. B.sser als bei diesen Brüdern ist man nirgends in der Welt, sagt »Bädecker.

London. Durch viele tausend Familien in England geht ein großes »Wehklagen. Die große LebenSversicherun^ö Gesell­schaft Albert hat plötzlich bankerott und viele Taickende un­glücklich gemacht. Zahlreiche Familienväter hatten dec Bant ihre säuern Ersparnisse anvertraut, um sich ein halbwegs sor­genfreies Alter zu per schassen oder ihren Kindern ein Heine# Erbe zu hinterlassen. DaS ist nun vorbei und der Sch reck, n um fo größer, als der Schlag blitzschnell gefallen ist; nur Wenige hatten eine Ahnung, daß die »Verwaltung faul war.

* Ein Pariser Bettler. DerFigaro" erzählt Fol- ger.deS:(Sm Beamter im Ministerium des Innern pstegte bei jedem Ausgange einem blind.n Bettler, Namens »Benjamm, auf dem Boulevard Scbastopol zwei Sous zu geben. (Sine* Tages vergriff er sich und gab ein Doppel Lomsd'orstuck. Einen solchen Wohlihätigkeitsakt gestaltete sein »Budget nicht; er eilt also, nachdem er den Jirthum gewahrte, zurück, fand aber den Bettler nicht mehr an Gewohnter S kette und erhielt die AnSkuust, dieser habe sich auf einige Zeit zum Frühstück ent­fernt und durste in seiner Wohnung zu treffen fein. D> rt wurde er im Vorzimmer von einem Diener empfangen, der ihn auf seinen Wunsch, Her«n Benjamin zu sprechen, iu einen auf daö Eleganteste eingerichtet u Speisesaloir führte, wo er den »Blinden auf einem Divan sitzend fand.Sie wollten mich sprechen?" fragte dieser. Der ministerielle »Beamte aut« wertete darauf int einiger Verlegenheit:Zch bin untröst­lich, Sie gestört zu haben; ich g'aube aber, Ihnen an dem heutigen Morgen zwei Louied'or statt zwei Sons gegeben zu haben "DaS ist schon möglich, ich habe noch nick t Kasse gemacht; wenn ein Fehler vorgefallen, so ist eS nickt mehr als billig, ihn zu reparüen." Er klingelte, der Diener er­schien.Fragen Sie," wendete er sich au diesen,Herrn Ernst, ob in d.r Einnahme d eses Morgens sich ein Vierzigsrankeu- stuck voisindet." Der Diener erscheint mit dem Goldstücke und reicht dasselbe auf Befehl seines Herrn dem »Besucher auf einem Ehinasilbeitettcr. Als dieser sich mit einer Entschuldigung ent­fernen will, ruft ihm der blinde Bettler nach:»Pardon, mein Herr, Sie vergessen etwa-; ich habe zwei SouS zu bifom nitii."

»Heboction, Dr^ick und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Giessen.