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37) Die Schuldverschreibungen der hie- siaen Loge Nr. 38, 70, 76 und 103 «nd zur Rückzahlung ausgeloost worden nnd können die Beträge nebst Zmftn bis nun 1. Januar bei Herrn Sparkasserechner j?ebr in Empfang genommen werden.

Gießen, den 25. Deceinber 1868.

^ür die Freimaurerloge: Dr. Eckstein.

38) Den Vormündern und Euratoren, welche über ihre Verwaltung Rechenschaft abzulegen haben, empfiehl; sich der Unter­zeichnete zu Aufstellung der deßfallstgen Rechnungen. Lang.

10) Ein junger Bursche wird in eine Restaiiration gesucht. Das Nähere bei der Exped. d. Blys.

59) Ein braver fleißiger Junge, der sich auf feineres Metalldrehen einüben will, findet bei sofortiger Bezahlung dauernde Stellung. Bei wem? sagt die Exped. d. Bl.

60) In ein Material-Waarengeschäft wird ein gut geschulter junger Mann in die Lehre gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts. ____________________

62) Ein Mädchen, welches gute Zeug­nisse aufzuweisen hat, findet sogleich gegen hohen Lohn Stelle bei

G g. Schmehl, am Brand.

Geübte Schuhmacher finden für sich und ihre Gesellen dauernde und lohnende Beschäftigung bei der unter­zeichneten Schuhfabrik; auch konneu solche, welche im Besitze einer Nähmaschine sind, mit Schäftchennähen ebenfalls beschaf- t,8t ""^Deeschseld & Wallerstei,i, (39) in Offenbach a. M-

I. C. Clar^ Buchbinder, Sonnenstraße,

empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens. (22)

Börsennachrichteu.

31. Deceinber 1868.

Preuss. 4*/2% Obi. 933/4 Frankf. 3/2% Obi. 813/4 Nass. 41/2°/o Obi- 941, g

Kurh. 4% Obi. 865/» Hess. 4«/o Obi. b. Roths. 91/4 31/2% 60. do. 871/2

Bayer. 5% Obi. 1021/»

4i/20/0 1jährige 953/g

41/2°/o jährige 96 Würtemb. 41/2% Öbl. 94V2 Baden 4'/2% Obi. c. E.L. 94?/g Oestr. 50 0 b. R. 593/4

50/0 National 52ya

5% Metall. Obi. 63

M. steuerf. 51/4 Amer. 6®/q 1882r Bds. 785/g

w 6% 1885r 775/tz

Actien,

Frankf. Bank 1221/g

Oester. Bank 661

Creditact. 232!/2 barmst. Bankact. 2631/2 __

Prioritäten.

50/0 östr. F. St. E. B. 300 Ludwigsh.-Bexbach 159i/2 Maxbahn 106

Bayer. Ostbahn 127

Hess. Ludwigsbahn 139 30/g östr. Stsb.-Prior. 54>/4 3°/q östr. s. Lombard. 443/4 30/g Livorneser 313/4

Toscaner 493/8

Frankf. Hypotb.-Bank Frankf. Vereins-Kasse 50/0 Elisabeth-Prior. 733/4 do. II. Emiss. 73</4

Wechsel.

Amsterd. k. S. 99l/2

Augsb. k. S. 993/4

Berlin k. S. 105

Bremen k. S. 96 >/4

Cöln k. 8. 105

Hamburg k. 8. 873/4

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 1191/g

Lyon k. 8. Paris k. 8. 94i/2 Wien k. 8. 99', g Disconto 3i/2°/o G.

Geldsorten.

Anleliensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 54 2 Nassau fl. 25 b. Roth. 373/4 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 172 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 42 4°'o bayr. Präm. Anl. 103i/2 40/g badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 543/g 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 785/g 1864r -

Pr. Cass. Sch. 1 Div. Cass.-A.

Pr. Friedrdor. 9

Pistolen . . 9

n doppelte 9 Holl. fl. 10 St. 9 Ducaten . . 5 20 Frankens!. 9 Engi. Souver. 11 Russ. Imper. 9 Doll, in Gold 2

443/r45

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Feuilleton.

Nähe.

(Fortsetzung folgt.)

j5 0 l 6 a t e n g l ü ik. *

Novellette von Heinrich Hensler.

hatten den Jungen erweckt, er t dem mit den Wellen ringenden Mädchen gluck tch heraus.

Aber Maria! Was fällt Dir ein?" fragte der Junge;wolltest Du Deine von der Hitze ermatteten Glieder durch ein frisches Bad erquicken und kamst dabei an eine Untiefe?"

Ach nein!" erwiederte das erschrockene Mädchen mit niedergeschlagenen Auaen: ich habe das Essen für Dich und Seppi herausgetragen, da sah ich am Ufer die schonen Blumen und wollte sie mir brechen; eine stand zu tief unten, und da verlor ich das Gleichgewicht."

Und bist hineingestürzt," ergänzte der Junge die Erzählung des Mädchens. Nun,' es ist noch gut abgelaufen; zum Glücke war ich nicht weit entfernt, hortt deshalb schon Deinen ersten Schrei und konnte gleich zur Stelle sein, um Dich herausiuuehen. Es wird Dir doch hoffentlich keinen Schaden bringen

Warum nicht gar!" erwiederte das Mädchen.Der Schrecken war nur augenblicklich, und das unfreiwillige Bad wird mir wohl bekommen. Ich will nur schnell nach Hause lausen und andere Kleider anziehen, damit es der Vater nicht merkt, sonst werde ich tüchtig ausgescholten. Dort steht Dein Essen, An- drea. Eile Dich ein wenig, daß ich den Topf wieder mitnehmen kann.

Gehe nur fort, Maria!" sagte der Junge,ich nehme den Topf schon mit nach Hause, wenn ich die Ziegen eintreibe."

Eine erdrückende Hitze lag auf der Gegend weit umher.

Es war ein ungewöhnlich heißer Sommertag des Jahres 177b, die Einwohner von Monzi in der Grafschaft Nizza harrten sehnsüchtig auf den Eindruck des Abends und dessen kühlende, erfrischende Luft, welche die fast un­erträgliche, entnervende Hitze des Tages wenigstens /heilweise zu mildern ver­sprach. /Die Leute wagten kaum ihre Hütten zu verlassen, obschon sie durch schlechte Wände und Dächer nur nothdürftig vor den sengenden und brennenden Strahle« der Sonne geschützt waren.

Aber nicht allen Bewohnern dieses Dörfchens war es vergönnt, ui dieser Weise den ersehnten Abend zu erwarten; wem das harte Loos gefallen, unter fremden Leuten sein Brod suchen zu müssen, oder wer durch die Arbeiten des Tages Etwas verdienen mußte, um sich und seine Familie erhalten und das tägliche Brod gewinnen zu können - der mußte es freilich wagen, Trotz zu bieten den Gluihen des Tagesgestirnes, auf die drohende Gefahr hm, bleibenCen Nachtheil davon ju tragen, denn der furchteritche Hunger kennt keine Rücksichten. Nur in einigen Mittagsstunden war es durchaus unmbghd), im Freien zu «er- weilen, und alle lebende Geschöpfe mußten Siesia halten.

Eine ziemliche Strecke jenseits des Dorfes Monzi erhebt sich die sonst flache Gegend und bildet den Anfang eines Berges, welcher aber größten The,les au« unfruchtbaren, wildromantische Schluchten bildenden Felsen besteht, die bald einzeln in Ungeheuern Dimensionen umhcrliegen, bald zu beträchtlicher Hohe übereinander gethürmt sind, aber selten besucht werden.

In einer Vieser Schluchten, unter einer großen, ein vorspringendes Dach bildenden Felsplatte lag an diesem heißen Tage ein Hirtenknabe, em kleiner dürrer Junge mit scharf ausgeprägten Gesichtszugen, bräunlich gelber H-ut arbe, schwarzem, straff herabhängendem Haare und tiefliegenden dunkeln, lebhaft blitzen­den Augen, dem man ein Alter von 18 Jahren nicht ansah. Er war barfüßig und nur mit alten zerrissenen Hosen und einem groben leinenen Hemde bekleidet.

Der Junge kümmerte sich wenig um dte heiße Sonne; er schlief bc- baalich in dem Schatten des sorgsam auSgewähiten, natürlichen Daches, wahrend um ihn herum eine Heerde Ziegen lag, gleich ihm von der druckenden Hitze unter da» schützende Obdach getrieben.

So mochte er einige Stunden gelegen haben; die Sonne begann endlich -u sinken und längere Schatten zu werfen; die Ziegen verließen nach und nach ibren Ruheplatz und suchten an dem mageren Gestrüppe der umherlicgenden Fel- sen ihren Hunger zu stillen, da durchzitterte ein heller durchdringender schrei die Lust der Schläfer richtete sich rasch auf; dem lauten Schrei folgte un­mittelbar ein klägliche« Hilferufen, und Der schnell ermunterte Junge eilte mit raschen Sprüngen nach der Gegend hm, woher das Rufen zu kommen schien.

Am Fuße der Felsenanhöhe zieht sich ein klarer Bach in malerischen Wm- düngen durch Vie Ebene unv bewässert äußerst fruchtbare Felder und Wiesen. Eie Ufer dieses Bache« hatten die nöthige Feuchtigkeit, au« demselben anziehend, weniger von der Hitze gelitten; da, Gra« gedieh hier üppiger, unv hier unv da sproßten sogar Blumen in weithin glänzenvem Farbenschmucke hervor.

Ein junger Mädchen hatte diese Blumen erblickt, sie wollte fit zu einem Sträußchen sammeln, war vabei unvorsichtig und, an einer abschüssigen Stelle de« Ufers sich zu weit hinüberneigend, in den Bach gefallen. Ihre Hulferufe

Nun gut, Andrea! ich gehe," erwiederte das Mädchen,aber ich bitte Dich 'recht sehr, sage ja Niemanden, daß ich in dar Wasser gefallen bin. Nicht wahr, lieber Andrea, Du verräthst mich nicht? ,

Wie magst Du nur zweifeln, Maria!" versetzte Jener.Du weißt ,a doch, daß ich Dir nichts abschlagen kann, wenn Du bittest. Gehe nur fort und suche, daß Du neben der Scheune zur Hinterthüre hinein in den Hof kommst, da wird Dich Niemand sehen."

Das Mädchen eilte mit flüchtigen Schritten nach Hause, wahrend Andrea sein Abendbrod verzehrte unv sich dann behaglich auf dem Boden ausstreckte, den Strahlen der scheidenden Sonne überlassend, seine nassen Kleider zu trocknen.

Maria war die sieben,ehnjährige Tochter eine« Bauern in Monzi, welcher ein größeres, aber sehr verschuldetes Gut besaß. Sie war eine hübsche, schlank gewachsene Dirne, fleißig unv unverdrossen in der Arbeit, vom frühen Morgen bi« zum späten Abende thätig, dienstwillig und freundlich gegen Jedermann und von einer alle Herzen gewinnenden Güte.

Andrea war Ziegenhirt bei dem Bauern. Obschon kleiner von Gestalt als das Mädchen und mehr als ein Jahr älter, war er doch, sowie tn seinem Aeuße- ren, so auch hinsichtlich seines Charakters sehr verschieden von demselben, für Vas in seinem Innern eine heftige Leivenschaft glühte. Er war allerdings zu jeder Arbeit geschickt, stark und gewandt, wenn er einmal Lust zur Arbeit hatte, was aber höchst selten sich ereignete, denn er war faul und trage, weßhalb er, sich auf seine kleine Gestalt verlassend, noch in diesem Alter die Stelle eine« Ziegenhirten versah, wozu in der Regel sich nur Knaben bi« zum vierzehnten Lebensjahre verwenden ließen. . . _

Bon verschlossenem Charakter, mürrisch, eigensinnig un höchsten Grade und jähzornig, hatte er sich mit Niemanden befreundet; sein Dienstherr, sowie der Oberknecht hatten wegen seiner Arbeitsscheue beständig mit ihm zu kämpfen, unv jeven Sonntag gab e« in der Schenke, die er besuchte, Schlage denn er war streit- und händelsüchtig und höchst verwegen, während er die Zielscheibe des au- I gemeinen Spottes zu fein pflegte. Mehrmals - der Menge unterliegend - tüchtig vurchgeprügeft und mit blutigem Kopfe und zerdlautem Rucken zur Thur hinausgeworfen, drang er immer wieder zu einer anderen Thur hinein, bi« er zuletzt entweder halbtovt nach Haufe getragen werden mußte, oder die Wache ihn mit Gewalt zurückhielt, oder gar, - was nicht feiten geschah, - ihn m Vas Ortsgefängniß steckte, das er manchen Tag zur Strafe bewohnen mußte.

Die natürliche Folge davon war, daß Andrea allenthalben gehaßt und ge­fürchtet wurde und nur Feinde in dem Dorfe unv Cer ganzen Umgegend hatte. Nur Per Bader in Monzi war ihm gewogen, Venn nicht allein war er dessen bester und treuester Kunde, weil er wenigstens einmal tn der Woche mit bluft- tigern, zerschlagenem Kopfe zu ihm kam, er lieferte ihm auch stets «ne Hubsehe Anzahl anderer Kunden in Folge seiner steten Raufhanvel, weshalb Andrea so- gar oftmals umsonst bedient wurde. ... -

Seine Dienstherr hatte den nachlässigen und tragen Burschen schon langst fortgeschafft, wenn er nicht der Sohn eines früheren langjährigen treuen Knech- teä gewesen und als elternloser, armer Junge von ihm bemitleidet wotven roare. Auch fand er in Marien, der geliebten einzigen Tochter des Bauern, stets

eine eifrige Fürsprecherin. ...... m .....

Zwischen Andrea und Marien bestand ein ganz eigenthumUches Berhaltmß. ugenv, in ven loat? gtjauen. jun vui|i i Im höchsten Grade unverträglich und eigenwillig , wie wir c 'tn gehört ha en, eilte herbei, stürzte sich in den Bach und half unt mit Jedermann au« seiner Umgebung, selbst mit seinem Brodherrn m b - I ständigem Streite, war er nur gegen diese« Mädchen freundlich und dienstwillig,

von ihr ließ er sich immer ohne den geringsten Widerspruch ausschelten, für sie wäre mit Freuden durch das Feuer gesprungen, und es bedurfte von^chr nur eines Wortes, ja nur eines Blicker ihres schonen Auges, und Andrea war selbst im Zustande der höchsten Aufregung augenblicklich besänftigt. Und ihr einen Ge- fallen zu erzeigen, oder wenn er für sie eine Arbeit trgenC einet Art "errichten konnte, war er wahrhaft unermüdlich, so träge und arbeitsscheu er tm Uebrigen itoer Zeit war. Ueberall trat seine heiße glühende Liebe tn schärfster Auspra- qung hervor, und seine wilde, unbändige Leidenschaftlichkeit war auch in dieser Beziehung ganz unverkennbar, obgleich die Umstände und Verhältnisse sowohl, als seine Klugheit ibn veranlaßten, diese Gefühle rote immer möglich tn feinem Innern zu verschließen, wenigstens vor jedem Dritten zu verbergen.

Nur ein Mal hatte sich Andrea von seinen Empfindungen hinreißen lassen und Marien gestanden, wa« er für sie fühle ES war in der lErndte, alsI et mit dem Mädchen, der Letzte, auf dem Felde zuruckblieb. Matta hatte nicht Ja" nicht ,Nein" gesagt aber daß sie Andrea liebe, war nicht zu verken­nen. '(Siern hatte sie ihn, recht gern, und sie mochte ihn wohl leiden, aber sollte man e« wohl glauben, e« war ihr dennoch fast unheimlich tn feiner

9 Der Nachdruck ist nicht gestattet-