Ausgabe 
1.7.1869
 
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Darmstadt, 28. Juni. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer stellte der Abgeordnete K. I. Hofmann einen dringlichen, die Mainz-Darmstädter Convention betreffenden Antrag. Durch die Antwort des Ministerpräsidinten auf seine Interpellation sei die Frage, die er in derselben gestellt habe, umgan­gen worden; es sei ihm nunmehr zweifelhaft, ob die Convention, welche den Ständen vorgelegt und die­jenige, welche angeblich aufgehoben wurde, auch die­jenige sei, um welche es sich handle. Wie aus dem Buche Bruck's hervorgehe, habe der Bischof auf die Form, nicht aber auf seine Rechte selbst verzichtet; die Convention sei nur zum Schein aufgehoben wor­den. Die Stände hätten ein Recht, zu erfahren, wie es sich mit derselben verhalte. Er beantrage daher die Vorlage der Actenstücke durch die Regie- rung und ersuche die Kammer, die Sache für dring­lich zu erklären. Bei dem 1866er Friedensschluß ging bekanntlich wenige Monate vorher die, dem Großherzogthum Hessen angefallene Landgrafschast Hessen-Homburg (ausschließlich der beiden in Preußisch - Sachsen gelegenen Hessen - homburgischen Domanialgüter Hötersleben und Orbisfelde) an Preußen über. Betreffs dieser beiden Güter wurde von der Großherzogl. Regierung erklärt, solche seien nicht als Domanialbesitz zu behandeln, sondern als als fideicommissarisches Privateigenthum der Groß­herzog!. Familie an^usehen. Die frühere Stände­versammlung behielt sich die Prüfung bis zum Ein­gang der Acten u. s. w. vor. Nachdem diese jetzt (mindestens theilweise) erfolgt ist, hat der Finanz- Ausschuß die Ansicht gewonnen, daß es sich um ein an das Land heimgefallenes Surrogat eines Deputat- ObjccteS handle, welches für das früher bezahlte Ablösungs-Capital an das Land zurückfallen müsse. Der Ausschuß beantragt sonach, die Rechte ces Lan­des auf Vie heimgefalleneu Domanialgüter Höters­leben und Orbisfelde nebst Zugehör zu wahren, sowie die Regierung zu ersuchen, baldigst zum Behuf einer Verständigung über dieselben die geeignete Proposi­tion an Die Stände gelangen zu lassen. Bei dec heute stattgehabten Sitzung ter zweiten Kammer kam der Hauptvoranschlaz der Staatseinnahmen für die Finanzperiode 1869/71 zur Berathung. In den Hauptvoranschlag der Einnahmen werden aus­genommen : die Einnahme aus Domänen, unter die Verrechnung der Rentämter und sonstiger Cassen 706,948 fl., unter der Verwaltung der Oberbau- Direction 68,000 fl. Der Antrag des Ausschusses, dem Antrag des 19. Landtags, eine baldigste Ver­äußerung der Badeanstalt und des B.raunkohlenwerkS Salzhausen bctr., beizustimmen, wurde mit 19 gegen 16 Stimmen, ferner der Antrag auf Veräußerung der zum Salinenbau entbehrlichen Gebäulichkeiten der Saline Thcodorshalle und auf Verminderung des dor­tigen Betricbspersonals einstimmig angenommen.

Berlin, 28. Juni. Dem Vernehmen nach macht der Bundeskanzler Graf Bismarck den Tag seiner Abreise nach Varzin von dem Eintreffen des Reichs­kanzlers Gortschakoff abhängig, den er persönlich zu begrüßen wünscht. Gortschakoff wird auf seiner Bade­reise in nächsten Tagen hier erwartet.

Paris, 27. Juni. Hrn. Schneider's Demission in Folge der besonderen Auszeichnung, die seinem ärgsten Concurrenten, Baron David, dem Vertreter der reaktionärsten Partei, zu Theil geworden, ist eine That, welche, da auf dcS Kaisers entschuldigende Antwort hm die Demission zurückgenommen worden, dem Körper-Präsidenten seine höchst schwierige Stei­lung tn der neuen Kammer vielleicht etwas erleich­tern wird. Viel leichter wird ihm die Arbeit doch nicht werden. Die heutige Opposition ist nicht mit Phrasen und Geschicklichkeiten abzuspeisen. Sie küm­mert sich wenig um die Namen Derer, die das Kai- serthum npräsentir'N, sie hat cS mit diesem selbst zu schaffen. Der Bastard des Königs von Westpha- len ist aber durch das energische Auftreten Schnei- Vers, als Nachfolger des Bastarden der Königin Hortensia (Morny) und des Bastarden Napoleons 1. (Wale.rski), als Kammerpräsident für immer un­möglich geworden. In der That wäre es curios, wenn die zufällige Geburt der Herren ihnen ein be­sonderes Anrecht auf den Vorsitz der französischen Volksversammlung geben sollte, denn man wüßte schwerlich dem Herrn Jerome David ein anderes Verdienst nachzurühmcn, als daß der alte Jerome Napoleon sein Vater und die Wittwe des Malers David seine Mutter war. Mit der Rede zu Beauvais hort das Horchen auf des Kaisers Wort auf. Nun ist die Reihe an den Vertretern des Volkes Unsere Tribunen werten ihr Wort halten. Der kleine schlaue Thiers hat keine Zeil verlo­ren. Er hat ganze Stöße von Wahlacten sich vor­

bereiten lassen, viele Wahlen werden angegriffen, die Uebergriffe und Eingriffe der Regierung und ihrer Präfecten werden tapfer bekämpft werden. Die Pa­riser Unruhen, die Crawalle von Bordeaux und Nantes und endlich bas Blutvergießen zu St. Etienne werden zur Sprache kommen. Thiers sagte jüngst zum Deputirten des liberalen Cenlrums, Latour Du- moulin:Nun sind die Wahlen vorbei, jetzt müssen wir ein bischen Opposition machen!" Zu Gambetta, der . ihm vorgestellt wurde, hat Thiers gesagt: Sie nennen sich irreconciliable, einen Unversöhnlichen; ich werde implacable, unerbittlich, sein!" Es wird eine schöne Sitzung geben! Die Welt hat wieder einmal ihren Blick und ihre Hoffnung auf Paris gerichtet!

Paris, 28. Juni. Heute um 2 Uhr wurde die außerordentliche Session des gesetzgebenden Kör­pers eröffnet. An den Zugängen des Palais Bour­bon hatte sich eine große Zahl von Neugierigen eingefundcn; hier und da wurde ein Geschwader von Polizeisergeanten sichtbar, denen inbeß schlech­terdings keine Gelegenheit geboten wurde, eine active Rolle zu spielen. Einige populäre Abgeordnete, so namentlich die Herren Thiers, der in Begleitung des Generals Ehangarnier kam, und Jules Ferry, wurden von der Menge erkannt und mit Lebehoch­rufen begrüßt; das war Alles. Im Innern waren die Tribünen gedrängt voll. Besondere Aufmerksam­keit erregten, wie man sich denken kann, dre neuen Ankömmlinge der Opposition, dieUnversöhnlichen": Bancel und Eequiroe haben auf der obersten Bank der Linken Platz genommen, ihnen folgen eine Stufe tiefer Gambetta und Raepnl, dann Jouvencrl und Bethmont, welch Letzterer trotz seines liberal-dyna­stischen Wahlprogramms den alten Platz inmitten der reinen Opposition beibehalten hat.

Vermischtes.

Gießen. Eine Sitzung des Gemeinderathö fand vergan, gcne Woche nicht Statt.

Darmstadt, 24. Juni. Schluß des Reg.-Bl. Nr. 24.

111 Die Erhebung und Eontrolirung der Uebergangsabgabe von Branntwein betreffend. Dieselbe lautet:

Unter Bezugnahme auf die Verordnung vom 17. d. M., die Erhebung und Eontrolirung der Uebergangsabgabe von Branntwein betreffend, werden die nachstehenden vom 1. Juli b. I. ab 4n Wirksamkeit tretenden Bestimmungen zur öffent­lichen Kenutniß gebracht.

§. 1. Die Uebergangsabgabe von Branntwein, welche nach §. 3 der Verordnung vom 19. Mai d. I., die Besteue­rung des Branntweins betreffend (Reg.-Bl. Nr. 20) 12 fl. 136/ig fr. von der Hessischen Ohm bei 50 Procent Alkohol- stälke nach dem Alkoholometer von Tralleö betragt, wird mit 9,17 Kreuzer für jede Hessische Maas zu 50 Procent Alkohol­stärke nach TralleS, oder, was daffelbe ist, mir 18,34 fr. für jedes Einhundert der in dem Branntwein überhaupt enthalte­nen, durch Multiplication der Maaszahl mit dem Stärkegrad ermittelten, Alkohol-Procente berechnet. Bei Berechnung der Abgabe nach dem zuletzt erwähnten Satze für den auf eine Anmeldung eingcführten Branntwein bleiben jedoch die Alkvhol-Procente, welche nicht volle 100 betragen, außer An­satz. Außerdem sind bet dem in vorstehender Weise berech­neten Betrag der für den auf eine Anmeldung eingesührten Branntwein zu entrichtenden Uebergangsabgabe die Kreuzer- Bruchtheile, wenn sie Vz Kreuzer oder mehr betragen, für einen vollen Kreuzer zu rechnen, wenn sie unter 1/2 Kreuzer betra­gen, außer Ansatz zu lassen.

§. 2. Die Uebergangsabgabe von Liqueuren, d. h. von dem mit Zucker oder Zuckerstoffen und anderen Ingredienzien versetzten Bianntwein, dessen Stärke seiner Zusammensetzung wegen durch das Alkoholometer nicht zu ermitteln ist, wird ohne Rücksicht auf die Alkoholstärke nach dem Normalsatze für Branntwein von 50 Procent nach Tralleö berechnet. Von Liqueuren und anderen Spirituosen jedoch, welche ungeachtet ihrer Versetzung mit anderen Substanzen noch mehr als 50 Procent nach Trolles zeigen, ist die der gefundenen Stärke entsprechende Uebergangsabgabe zu erheben. Ebenso ist auch Branntwein zu behandeln, welcher mit Schellack oder ähn­lichen Stoffen vermischt ist und unter der Bezeichnung Firniß, Politur k. im Handel vorkommt.

§. 3. Zur Revision und Eingangsabfertigung des in das Großherzogthum eingesührten ubergangsabgabepfiich- tigcn Branntweins nach Maßgabe der dieserhalb besonders er­teilten Vorschriften find ermächtigt: a. an der Gränze: die an den betreffenden Uebergangsstraßen als Uebergangsstellen bezeichneten OrtSeinnehmereien Fürfeld, Alzey, Flomborn, W a ch e n h e i m, M o n ö h e i m, V i e r n h e i m, H e p P e n h e i m, Hirschhorn, Michelstadt und Hatnstadt, sowie das Salzsteueramt Wimpfen, das Hauptzollamt W o r m s und die Anmeldestelle vor Wormö. d. im Innern bei Sendungen unter Uebergattgsscheincontrole die Hauptzollän.ter Darmstadt, Offenbach, Gießen, Mainz und Bingen, die Neben- zollämter I. Classe Bensheim und Alsfeld, die OrtSein- nehmcreien Groß-Umstadt, Fürth, Beerfelden, Vil­bel, Friedberg und Wörrstadt.

Die unter a und b genannten Steuerstellen sind vom 1. Juli d. I. ab ausschließlich zur Erledigung von Ueber- gangöscheinen über Branntwein nach den bestehenden Vor­schriften ermächtigt.

IV. Na mens Veränderung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 19. Mai dem Friedrich Hecht aus Darmstadt zu gestatten, daß derselbe neben seinem Familiennamen Hecht noch den Namen Schlosser führe und am 22. Mai dem MarcelluS Heil zu Ilbenstadt zu gestatten, in Zukunst stall seines bisherigen Familiennamens den 'Namen Heller zu führen.

V. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 10. April dem

Fahnenträger im 2. Inf. Reg., Schwarz aus Höchst, die Stelle eines dritten Pedellen, sowie Canzlei- und CarcerdienerS bei der LandeS-Universilät zu Gießen zu übertragen; an demselben Tage dem Schulamts - Aspiranten Gerhard aus Udenheim die katholis-1 e Schulstelle zu Wöllstein zu übertra­gen; am 24. April den von den sämmllichen Riedesel, Frei- Herrn zu Eisenbach, auf die evangelische Pfarrstelle zu Brauer- schwend präsenlirten evangelischen Pfarrer zu MeicheS, Traut­wein, für diese Stelle zu bestätigen; am 28. April dem evangelischen Pfarrer zu Pohl-Göns, Ritsert, die evangelische Pfarrstelle zu Kirch-Göns, und an demselben Tage dem Schulamts-Aspiranten Schlechtweg aus Friedberg die erste Gemeinde-Schulstelle zu Pfeddersheim, dem Schulamts- Aspiranten Schäfer aus Brensbach die dritte evvng. Schul» stelle zu Pfeddersheim, dem Schulamts-Aspiranten Hosseus aus Wöllstein die vierte evang. Schulstelie zu Pfeddersheim, dem Schulamts-Aspiranten Haas aus Mardorf die israelitische Schulstelle zu Trais an der Lumda zu übertragen.

Vom französischen Hose. Es ist schon viel Ver­fängliches über bie schmutzige Wäsche des zweiten KaiserthumS geschrieben worden, daß man wohl etwas Unverfängliches über die reine mittheilen darf. Der Pariser Eorrespondent deS Star" gibt interessante Aufschlüsse über den Wäschevorrath der kaiserlichen Familie. Die lange Liste eröffnet mit 5000, Paar Betttücher, Tischtücher, Handtücher, Badetücher u. s. w Die jährliche Waschrechnung beläuft sich in der Regel auf 150,000 Francs. Wenn der Hof nach Fontainebleau geht, werden nicht weniger als 1000 Paar Betttücher, 12,300 Stück Servietten, 900 Tischtücher, 300 Küchenschürzen u. s. w. mitgenommen. Unter den Tafelgedecken befinden sich welche für 200 Eouverts. Das Gefammtgewicht des jährlich nach Fontainebleau gesandten WäschevorrathS beträgt 1280 Kilo­gramms.

Weltervorzcichen durch Thiere. Gutes Wetter steht zu erwarten, wenn beim Regenwetter die Eulen schreien, Lerchen und Rothkehlchen hoch fliegen und dabei viel singen, Nachtigallen bis gegen Morgen flöten, Weihen, Reiher und Rohrdommeln mit lautem Geschrei fliegen, Kibitze und Sper­ber Hochansteigen und laut schreien. Ferner ist auf gutes Wetter zu rechnen, wenn die Fledermäuse Morgens früh und Abends spät fliegen, wenn die Jvhanniswürmer ungewöhnlich hell leuchten, Laubfrösche im Freien Hochsitzen, Schafe auf der Weide hoch und munter springen, Roßkäfer Abends häufig fliegen, Hornisse und Wespen Abends noch reichlich fliegen, und Blutegel ruhig am Boden der Wassergefäße liegen. Schlechtes Wetter steht dagegen in Aussicht, wenn die Finken vor Sonnenaufgang sich hören lassen, Krähen hoch über Fel­sen, Thürme und Gebäude fliegen, die Köpfe aufrecht tragen, und nach solchem Fluge Wasser aufsuchen und die Köpfe ein- tauchen, Schwalben nahe an Mauern vorüberfllegen und dabei in nahe Gewässer tauchen, wenn sich die Tauben baden, spät Abends vom Felde heimkehren und die Störche ihre Jungen im Neste bedecken, wenn die Kraniche und Geier bei schönem Wetter schreien und das Haus-Federvieh sich im Staube wälzt. Wenn die Hunde Gras fressen und bie Katzen allzulange mit der Pfote sich putzen, Haushähne zur ungewöhnlichen Zeit und häufiger als sonst rufen und Regenwürmer in großer Anzahl aus der Erde kriechen, folgt bald anhaltender Regen. Vor­übergehender Regen steht bevor, wenn die Laubfrösche rufen und dabei niedrig sitzen, ins Wasser gehen und untertauchen, Kröten hervorkriechen, Mäuse laut pfeifen. Maulwürfe hoch aufwerfen, Mücken im Schatten spielen, sehr hartnäckig Men­schen und Thiere verfolgen, und wenn die Flöhe stechen. Re­gen folgt bald, wenn daö Hornvieh die Schnauze leckt, Schweine das Futter zerstreuen, Schafe bei der Mickkehr vom Weidengange sich dos Grasfressen nicht wehren lassen, ungern in den Stall hineingehn. und Blutegel in den Waffergesäßen auf der Oberstäche deS Wassers sich halten. Häufiges Fliegen der Roßkäfer am Morgen bringt am Mittag Regen; Gewitter entstehen binnen 24 Stunden, wenn der Cchlammpeizker (Wetterfisch) unruhig wird und aus dem Wasser emporschnalzt, Blutegel aus dem Wasser wollen, convulfivisch sich bewegen und Bienen sich schon in der Früh nicht vom Bienenstöcke entfernen, oder wenn sie Mittags schaarenweise Heimkehren. Im letzteren Falle steht Sturm in Aussicht. Sturm steht in Bälde zu erwarten, wenn die Drosseln, Finken und Ziemer sehr unruhig flattern, die Fische springen -und das Wasserhuhn untertaucht. Sturme legen sich bald, wenn der Eisvogel wäh­rend dcS Sturmgebrauses zur See fliegt, Spatzen fröhlich schwirren, See- und Flußfische nahe an der Oberfläche schwim­men , Delphine während deS Sturmes Wasser spritzen und Maulwürfe aus ihren Gängen hervorkommen. Aber auch an­erkannte Thatsache ist es, daß die Thiere nicht allein 12 bis 24 Stunden zuvor die Witterungsveränderung verkünden, son­dern daß sie sich für längere Zeitabschnitte ob der kommenden Witterung vorsehen rind so für un6 bei richtiger und aufmerk­samer Beobachtung auch die Jahreszeiten nach ihrem Vorge­fühle voraus verkünden, ob kalt oder gelind, regnerisch ober trocken, warm oder heiß, Frühling, Sommer, Herbst und Winter werden. In dieser Hinsicht sind uns die Zug- oder Wandervögel vortreffliche Leiter. Viel Mäuse im Herbste uub spät in den Winter hinein bockende Schafe lassen mit Wahr­scheinlichkeit auf einen gelinden Winter schließen. Guten Grund, einen gelinden Winter zu erwarten, geben uns die Finken, wenn sie im December noch bei und in unseren Gärten und Hainen weilen. Strenge und andauernde Kälte im Winter steht zu erwarten, wenn die Vögel im Herbste fett sind, wenn die Zugvögel, namentlich die Störche, Schwalben, Kraniche und Schnepfen, ungewöhnlich frühe fortziehen und die heimi­schen Waldvögel im October und November ihre Nahrung in der Nähe menschlicher Wohnungen suchen. Gin fast untrüg­liches Merkmal ist aber für einen sehr kalten Winter wenn die nordischen Zugvögel an den Küsten der Nord- und Ostsee erscheinen und tief in das Land hineinziehcn. Moor-Elstern, Staare. KrametSvögel und Schneegänse früh schon erscheinen und die Saatkrähen schon im October wandern. Ungewöhn- ich hohe Ameisenhaufen im Sommer und hochaufgebaute Mäusenester lassen einen kalten Winter erwarten, und wenn der Fuchs bei strenger Kälte bellt, wird die Kälte zunehmen. Hornisse und Wespen in großer Anzahl im October noch, pro- phezeihen einen kalten Winter. Rauhe Frühjahre verkünden uns das frühe Erscheinen der kleineren Vögel in Schwärmen in der Nähe der Häuser, namentlich der Rothkehlchen und Meisen.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.