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Revolution ihm enthüllte: ach! Bann nahm sein Irrsinn einen wahrhaft tx« chreckenden, wilBcn Charakter an. Diese Ausbrüche BeS Zornes waren inDessen nur von kurzer Dauer ; Bic Geistesschwäche erhielt wieBer Bit OberhanD ; Btt Wuth erschöpfte sich, unB der Marquis verfiel auf's Rrue in seine Träumereien over vielmehr Visionen; ein ZustanB von nieoerbeugenBer Trauer für Bit Urnge- bung Bts Irren, aber für ihn selbst gewissermaßen glücklich, Ba er ihm Ruht, Leben unB GesunBheit zurückgab. ,

Helene servirte ihrem Vater Ben Kaffee im Eßsaale, utto beim Anblick Bie­se- labenBen Getränkes, Bas aus Ber Röhre einer silbernen Kaffeekanne in seine Taffee von altem SevreS floß, verfehlte Ber Marquis, Ber für sein Leben gern erzählte, niemals, seiner Tochter bei Bieser Gelegenheit Hof-AnekBoten zum Besten zu geben, Bit sie schon hunBertmal gehört hatte, aber Benen sie stets auf's Reut ein freunbliches Lächeln schenkte.

Ja, mein Fräulein, sagte heute Ber ehemalige Marquis, Ber Herr Bt Voltaire trank täglich bis zu vierzehn Taffen Kaffee unB hatte BeSwegen wahr­lich nicht weniger Geist. Die TragöBie Merope ist eines AbenBs aus einer Tasse Kaffee hervvrgegangen. Was Orosman betrifft, so würBe er ganz gewiß nie Bas erhabene unB zärtliche Wort:Du weinst, Zaire?" gefunBen haben, wenn er keinen Kaffee getrunken hätte.

Wenn Herr Bt Voltaire keinen Kaffee getrunken hätte, wollen Sie sa­gen, mein Vater, erwieBerte Helene mit freunvlichem Lächeln.

Versteht sich, mein Fräulein, versetzte der Marquis. Ach so, fuhr er fort, hat man mein JagdkleiB zurecht gelegt? hat man Ben Hufschmied für meine Pferde geholt? Ich bin morgen im Gefolge des Königs, unB man sagt, daß die Königin dieser Jagd beiwohnen wirv. Wenn der Wind sich im Südwesten erhält, so können wir leicht Brei Hirsche auftreiben. Der SüowinB ist vortrefflich für Bit Witterung, wegen Ber Feuchtigkeit, Bie er dem Boden giebt. Trockner Wind, kein Wild! erinnern Sie sich dessen, mein Fräulein?

Ja, mein Vater, dar ist sehr richtig! antwortete das sanfte, geduldige Mädchen.

Indessen schritt die Zeit vor und Helene sah nicht ohne Angst den Augen­blick des Rendezvous, Bas sie am gestrigen Abend bestimmt hatte, sich nähern.

(Fortsetzung folgt.)

8.

Der versiegelte Brief.

Die Uhr auf der großen Treppe des Schlosses von Rencey schlug zwölf. Der ebemaliae Marquis, Ber Mann Ber TraBitionen unB alten Gewohnheiten, speiste um Biese Stunde zu Mittag. Sein Wahnsinn hatte den sonderbMcen Charakter, Baß er ihm Bie Vergangenheit in voller Klarheit erscheinen ließ. Der alte Herr lebte nur im Rückblick; sein GcBächtniß war von überraschender Treue für Alles, was den ersten Tagen der Revolution vorangegangen; aber von die­ser Epoche an war fein Gedächtniß getrübt; es war, als wenn Ber durch Ben Fall der Monarchie gewaltsam erschütterte Geist Bes Herrn von Rencey sich unter den Trümmern verdunkelt hätte; fein Auge konnte nicht mehr durch den Staub dieser Ruinen dringen, und wenn er zuweilen liebte Augenblicke 4*4J»« "n Schimmer der Wahrheit das Lebensbild der Gegenwart die Wirklichkeit der

Sommerbetrachtungen.

Die friedliche Lage der Welt ladet zu stillen Sommerbetrachtungen ein. Die beiden großenMacher" der europäischen Politik sind körperlich leidend und er- schöpft, Die Finanzen aller Länder verlangen Schonung, Ruhe, Erholung. Und u viesen zwei Gründen zur Erhaltung des Friedens sendet die Vorsehung eine Schönheit und Pracht der Jahreszeit unB eine Uepp.gkeit unB Fruchtbarkeit Be« strotzenden Bodens, als wollte sie den Menschen unB Völkern mit lauter stimme turufen: Die Frucht euerer Mühen und Arbeit ist ein so reicher Segen, rott ihn Wenige von euch, Bie jetzt leben, gesehen haben. Wollt ihr ihn nicht fneB- lich unv Dankbar genießen, ohne Streit, Neid unv Hader untereinander § Wem von euch können beim Anblick euerer Felder Gedanken an Zerstörung, Kamps und Blut kommen? Ist das Böse in euch so mächtig, daß keine Mahnung, keine Warnung, kein Segen von oben es ausrotten kann i

Das ist die innere Stimme, die aus der Fülle dieses Jahres spricht, und qeroiß, wir alle verstehen Diese Stimme, und geben ihr im tiefsten Herzen Recht. Wer schreckte nicht bei Dem Gedanken auf, daß auf eine Bem Jahr 1811 so ähnliche 3eit ein Jahr 1812 folgen könne? Frieden! ruft es au« den blauen, g!lddurchsch,mmerten Lüsten, Frieden! aus Aeckern, Wiesen unB Waldern, Frie­den ' ruft es auch in Der armen Menschenseele! Frieden unter den Volkern, Frie­den 'unter Ben einzelnen Menschen und Frieoen in jedem Gemuth!

Diese milde, versöhnliche unD diesen sommer so berechtigte Stimmung könnte wenn sie uns recht durchdränge, gar viel Gutes stiften, sie wurde manche herben Erinnerungen an den Zwiespalt des 34«« vergessen mach?», sie würde Viel zur Ausgleichung Ber noch bestehenden EntiremDung livischen dem Norden und Süden unseres gemeinsamen Vaterlandes beitragen (viel mehr als Zoll- unD Nichtzollparlamente, Bankette und Toaste), und sie könnte"auch "uns im Verkehr nut unseren Mitmenschen unD in uns selber besser unD edler machen. Seit langen Jahren war Der Mahnruf dazu fern fo »er- länolidier unD eindringlicher. Wie viel unnötiger Streit, Neid und Hader -esteht auch im bürgerlichen täglichen Leden, in den kleinsten Verhältnissen, tu w e vielen Familien! Wohl kein Blut, aber wie viele Thrane» werden grund­los vergossen, wie viel Seufzer erpreßt, die in Freude und lächelnde Mienen umgewanDe't werden könnten! Wie sehr steht da« trotzige Ich dem eigenen Auf- schwung eiligeren!^ im täglichen Leben, bei Ben Großen wie

bei dm Kleinen Bieser Welt, an die guten Seiten unserer Bruder, nicht an Die schwachen unD bösen, suchen wir das Bessere, Lichtvolle in ihnen auf, nich Das Dunkle und Gemeine, unD wir werDen selbst glücklicher unv besser werden. Habt festen Glauben an das Aechtmenschliche in euch selbst, so wird euer Blick auf sie auch ein klarerer unD freierer fein. Füllt eure Brust mit Dem, was uns Allen gemeinsam ist, was un« eint unD bindet, nicht mit dem, was uns trennt und zerreißt so werdet ihr zarte, innige Fäden und Bande entrecken, von denen ihr vorher Nichts gewußt, Nichts geahnt, und Der herbe Tade über »erme.nt- Le Feinde wird in der ruhigen Einschau in un« selbst »crschw.nDen

Seht ihr nicht die Vögel, wie sie im reinen Aether <4 schwingen unv heben unv senken, hört ihr nicht, wie sie Den Jubel nnv das Gluck,das h kleinen Leiber füllt, kaum fassen können, und wie sie ihn 1laut !

ihren offenen Kehlen ausströmen lassen über Die prangende Erdi s,e rufen uns zu und klopfen an unser Herz, Daß eS sich öffne, ratz es»mitjuMeunD jauÄ» , daß es vergesse allen Druck und Roth, alles Boje und R» .ge,,daß unser Gc- müth rechten Vorrath an Muth, Freudigkeit, L.ebe »nd Wohlwollen samm e fur

Menschen auf Erven!"

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung)

Nun ereignete e« sich aber nach einem unerklärlichen Schicksalsspruche, daß j yzhrenD die Kinder dieser beiden Familien sich zärtlich liebten, ihre Väter, die , Herren de Vitry und de Rencey, sich gegenseitig haßten. Ja, seit langen Jahren herrschte eine erbliche Feindschaft unter diesen beiden Familien. Was liegt an ber Ursache? Sie war da, lebhaft und brennend, wie der Haß Der Montagne unC Capulet, Deren unglückliche K nDer sich anbeteten.

So erinnerten Helene und Reymond an Julia und Romeo; so hatte, viel- leicht dieser Beziehung wegen, Bie Königin Marie Antoinette dies edle junge Baar, dessen unerwartete Vereinigung geeignet schien, Ben beklagenswerthen Zwistigkeiten, Bie ihre Familien trennten, ein Ziel zu setzen, unter ihre» Schutz genommen.

Der Haß der Väter geht unter in der Liebe ihrer Kinder," hat Shake­speare gesagt, und so auch die liebenswürdige Königin.

Aber nach-dem Tode Henry de Rencey's, Ber auf Bem Schlachtfelde ver- founDet worDen, hatte eine unüberwindliche Schwermut!», eine tiefe Entmuthigung fub Der Seele des jungen de Vitry bemächtigt- Er blieb indessen seiner Fahne unC feinem Soldateneide treu, als Die Nachricht von Dem ToDe Ludwig« XVI. unD acht Monate später Die vom ToDe der Königin Den letzten Hoffnungstraum, btr noch geblieben war, in ihm vernichtete.

Der König, Dem ReymonD Treue geschworen, war nicht mehr aber Das Vaterland war geblieben, unv ein erhabener Ruf ließ sich plötzlich in dem Herzen des edlen Jünglings vernehmen. Das Vaterland, sein alter Vater und Helene! _ er zögerte nicht mehr. Einige Compagnien der Condü'schen Armee waren verabschiedet worden; Reymond verließ Deutschland, begab sich in die Schweiz, von da über Die Alpen und nahm Dienste in jenen herrlichen Bataillonen Der italienischen Armee, Die, von Dem Degen Bonaparte'« geleitet, Wunder verrich­teten. Hier fand Reymond Brüder; hier öffnete sich sein erleichterte« Herz dem berauschenden Odem des Ruhmes und der Vaterlandsliebe. Sich einen Namen erwerben, Frankreich dienen, durch seine Unerschrockenheit einen hohen Grad ge­winnen, eine« Tages in fein Vaterland zurückkehren, um seinen alten Vater unD Helene zu beschützen Das war Ber fieberhafte, aber berauschenBe Gedanke, Ber seine Seele erfüllte unB ihn zu einem Der tapfersten Soldaten der italienischen Armee machte. , ._

Ach, nach dem Vertrage von Campo Formio war Reymond ttn Begriff, sich im Gefolge des Generals Bonaparte auf den Weg nach Frankreich zu be­geben, als die öffentlichen Blätter ihm das blutige Ende des Grafen de Vitry berichteten, seines Vaters, des Ex-Marschalls, Ex-Pair« des Königreichs, der, als des Verbrechens der Verschwörung gegen Die Republik angeklagt unD über- fuhrt, vom Revolution«-Tribunal zum Tove auf Dem Schaffst verurtheilt wor­den war.

Der erste GeDanke Reymonds war ein GeDanke Der Verzweiflung; er wollte sich eine Kugel Durch Den Kopf jagen. Ein Medaillon, das ihn nie verließ, zeigte ihm plötzlich Die himmlischen Züge Helenen« de Rencey. Reymond warf seine Pistole fort und rief:

Wohlan, behalte mich, mein Vaterland! Ich werde fortfahren, D-r zu Dienen, grausame«, unglückliches Land! Und wa« sollte auch ohne mich au« dem edlen jungen Mädchen werden, Dem ich mein geben geweiht habe?

Herr de Vitry fuhr fort, in Italien unter dem Namen Reymond zu Bienen. @r wurBe Lieutendnt in einem Guiden-Regiment, und als Die Expeditions-Armee nach Egypten abging, schiffte er sich mit mehreren seiner Kameraden nach Malta ein, welches der Öbergeneral als Sammelplatz bezeichnet hatte, um sich Dort mit' Der französischen Flotte zu vereinigen. .

Das Uebrigc au« feinem abenteuerlichen Leben roirb er uns wahrscheinlich selbst im Fortgänge dieser Geschichte erzählen. ,

Kehren wir in den Park von Rencey in der Tourraine zurück, wohin ein HerzenSintereffe uns ruft; wir werden uns glücklich schätzen, wenn Der Leser uns dahin folgen unD Diese lange, aber nothwenDige Abschweifung verzeihen will.

Die Sonne war im Begriff unterzugehen, unD Fräulein De Rencey fürch­tete, ihren Vater zu lange allein zu lassen. .

Mein Herr, sagte sie zu Reymond, da Bic Vorsehung Sie tn BreS Land zurückgeführt hat, so glaube ich, Baß eS zum Glück für uns Beide ist. Es ist spät, mein Vater bedarf meiner. Wenn Ihnen Daran gelegen ist, mich roieocr« zusehen, so werde ich mich hier an Derselben Stelle morgen Nachmittag zwischen ein und zwei Uhr rotcDer einfinven.

Der Hauptmann verbeugte sich unD bat um Die Erlaubniß, ihre HanD zu küssen; eine Vergünstigung, Die Helene wahrscheinlich nicht zu gewähren gewohnt war, denn sie bewilligte sie nur zitternd.

Reymond, dessen Absicht es war, achtunvvierzig Stunden m Tours zuzu- brtnaen, versprach am folgenden Tage zur bestimmten Stunde zu kommen. Er begab sich zu seinem PserDe, jenem treuen Gefährten, Der, beunruhigt über fein Schicksal, nicht aufhörte, ihn zu rufen.

Helene unD Marguerite näherten sich Der Schwelle Der kleinen P»orte und sahen von Da. mit welcher Kühnheit und Leichtigkeit ein Offizier der egyplischen Armee sich auf sein Pferd schwang. Der Hauptmann entfernte 14"« Galopp, fobalD er Die Ecke Der Mauer und Die kleine Parkpforte aus Dem Gesicht »ertö­ten hatte.