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Politische Nun- sch n u.

Darmstadt, 23. Jan. Eine Bekanntmachung Großh. Krieg-Ministeriums über den Termin zum Antritt des einjährigen Dienstes bestimmt, daß von denjenigen jungen Leuten, welchen die Berechtigung rum einjährigen Dienst ertheilt worden ist oder noch crtheilt werden wird, der Eintritt zum Dienst, auch bei den Jägerbataillonen, zur Zeit der Einstellung der Ergänzungsmannschaft dieses Jahres, welche auf den 11. nächsten Monats festgesetzt worden ist, statt- finden kann. Der folgende Termin zum Eintritt ein­jährig Freiwilliger in der Truppe ist dann der 1. April dieses Jahres.

Darmstadt, 23. Jan. DieMain-Ztg." schreibt:Heute war in Abgeordnetenkreiscn das Ge- rücht verbreitet, daß die großh. Regierung die Pro­position Preußens wegen Uebernahme des Baues der Hanau-Offenbacher Bahn angenommen habe und sich dermalen die Verhandlungen nur noch auf die weitere Ausführung der Bahn beziehen, wobei das Bestehenbleiben des jetzigen Bahnhofs in'S Auge gefaßt ist. Wir Horen dies Gerücht aus durchaus zuverlässiger Quelle bestätigen."

Darmstadt, 24. Jan. Die Erste Kammer der Stände wird am Montag den 27. d. M., Vor­mittags 11 Uhr, zu ihrer 19. Sitzung zusammen- treten. Die Tagesordnung lautet: Berathung und Abstimmung über: 1) die Vorlage der Großherzog­lichen Ministerien des Innern und der Finanzen, den Gesetz-Entwurf, die Fortdauer des Zoll- und Handclsvereins, hier die Wahlen der Abgeordneten zum Zollparlamcnt betreffend; 2) die Mitthei­lung der zweiten Kammer, bezüglich des Antrages der Abgeorvneten Herren Edinger und Kaibel auf Vorlage eines Gesetzentwurfs in Betreff der Versetz- barfeit in den Ruhestand, resp. Pensionirung der Großherzoglichen Gerichtsvollzieher; 3) Die Mit­theilung ter zweiten Kammer, Den Gesetzentwurf über die Militärdienstpflicht in den durch den FrieDcns- vertrag mit Preußen neu erworbenen GebietStheilen

betreffend; 4) die Mittheilung der zweiten Kammer, die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums der Justiz, betreffend: a. die Verordnung vom 17. Januar 1867 über die Ausübung der Gerichtsbarkeit in denjenigen Distrikten und Orten, welche in Folge des Friedens­vertrages vom 3. Sepember 1866 den Provinzen Starkenburg und Oberheffen einverleibt worden sind, b. einen Gesetzentwurf, betreffend mehrere in diesen beiden Provinzen bestehende, in die gedachten Di- stricte und Orte einzuführende Gesetze; 5) die Mittheilung der zweiten Kammer, bezüglich des Ge­suchs des GefängnißwärterS Joh. Schwarz zu Ober- Ingelheim um Aufbesserung seines Gehaltes.

Darmstadt, 24. Jan. In der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer der Stände kam die Ant­wort des Präsidenten des Gesammt-Civil-MinisteriumS, Frhrn. v. Dalwigk, auf die Interpellation des Abg. Heß, den Bau der Oberhessischen Eisenbahnen betref­fend, zur Verlesung. Dieselbe lautet:

Der Unterzeichnete beehrt sich, die von dem Herrn Landtags-Abgeordneten Heß in der Sitzung der zwei- ten Kammer der Stände vom 16. d. Mts. gestellte Interpellation dahin zu beantworten, daß allerdings annehmbare Offerten für den Bau der beiden Ober- hessischen Bahnen vorliegen und daß die Bildung einer Actien-Gesellschaft ganz nahe bevorsteht, worauf sodann alsbald eine Regierungsvorlage in Bezug auf Diese Eisenbahnen an die Stände, hoffentlich noch im Laufe dieser Woche, gelangen wird.

Zugleich erlaubt sich der Unterzeichnete vorläufig zu bemerken, daß es die Absicht ist, die eine jener Bahnen von Gießen über Grünberg, Alsfeld, Lau­terbach nach Fulda und Die Andere von Gießen über Büdingen nach Gelnhausen zu führen."

Darmstadt, 19. Januar. rc.

Die Debatte über den Antrag Des 1. Ausschusses, die Verwaltung der ConfessionSschulen betreffend, wurde bis zur Berathung über Den Antrag des Abg. Soldan, die Vorlage eines neuen Schulgesetzes be­

treffend, vertagt. Dem Anträge desselben Ausschusses, den Schutz der Lehrer gegen die Aumuthungen der geistlichen Exercitien betreffend, wurde stattgegeben, dagegen der Antrag des Abg. Keil und Huy auf Aeuderung in der Art der Abgabe der Waldstreu aus Gemeindewaldungen abgelehnt. Nach Erledigung einiger Beschwerden, welche die Unterstützung der Kammer nicht fanden, vertagte sich das Haus auf unbestimmte Zeit, und steht, nach der Aeußerung des Präsidenten, ein Wiederzusammeutritt vor Mitte des nächsten Monats nicht zu erwarten.

Darmstadt, 24. Jan. Bestem Vernehmen nach wird spätestens.zu Ende dieses Wintercurses unsere Kriegsschule geschlossen werden. Die Zöglinge derselben werden in Zukunft ihre Studien auf preußi­schen Schulen zu machen haben. Die von Geh. Oberfteuerrath Ewalv in Berlin geführten Verhandlun­gen über den Eintritt des Großherzogthums in die Gemeinsamkeit der indirekten Steuern mit dem nord­deutschen Bunde sind nunmehr beendet, und wird der Genannte morgen wieder hier eintreffen. Wie bereits vor einiger Zeit mitgetheilt, wird Ewald auch an Den Verhandlungen des Zollbundes Antheil nehmen und sich deßhalb in der Kürze wieder nach Berlin begeben.

Berlin, 24. Jan. DieKreuzzeitung" bemerkt gegenüber den Auslassungen DerFrance" über Die schleswig'sche Frage: Wir sind überzeugt, daß jede fremde Einmischung die Verhandlungen Preußens mit Dänemark stören würde. Die Einmischung jeder nicht durch den Prager Frieden legitimirten Macht würde die entschiedenste Zurückweisung von deutscher Seite erfahren.

Wiesbaden, 21. Jan. Die Stempelge- setzgebung. für das Herzogthum Nassau wird gutem Vernehmen nach nicht mehr lange Gegenstand von Beschwerden und Unzuträglichkeiten sein, indem die Beseitigung der jetzigen Stempelgesetzgebung und die Einführung Der Stempel nach Der Thalerwährung

Ader Der Vetter vom Lande kam ihnen schon entgegen und rief:O Herr­sch, das ist ja Jettchen, mein herziges Büschen! Na, grüß' Dich Gott, mein Kind! Kennst mich wohl nicht mehr, und hab' Dich doch schon als Kind auf dem Arm getragen! Na, ich erkannte Dich sogleich wieder, Denn Du bist eben nicht viel gewachsen, außer in Der Breite! Sapperment, Du blühst ja wie ne Pfingstrose unD bist so dick wiene Dampfnudel! Dir scheint das «Statt» leben gut zu bekommen, besser als die Pension! aber nicht wahr, frische Weise macht fette Kälber! Viele Gruße von Louise und Mine, und dem schwar­zen Bock, auf dem Du damals in Weiterfelv so gern geritten bist, hat man Micheli vor einem Jahre stechen müssen, weil er zu stößig geworden .... Alle Wetter! und dort ist Jdchen! Du lieber Himmel, was für ein Püppchen Du hist! so bleich wie Buttermilch und so Dürr wie eine Binse! Jettchen kann Dir ja von ihrem Ueberfluß abtreten. Grüß' Dich Gott, kleiner Weißkopf! denkst Du noch daran, wie wir auf der.Herrenwiese zu Wetterfeld mit einander die Gänse hüteten und Dich der graue Gänserich in den Arm biß, daß cs blu­tete ? Armes Närrchen, wähntest damals, Du müßtest daran sterben, und bist nun doch ganz groß und schmuck geworden! Fritz läßt Dich grüßen und will Dir weiße Kaninchen mit rvthen Augen schicken, Die Du vordem so sehr liebtest! Wir haben- daheim einen ganzen Stall voll von dem Ungeziefer wühlen nur den ganzen Stallboden auf, die Biester . . . ."

->Komm, Vetter! wir wollen Dich zum Oheim bringen, damit Du ihn be­grüßen kannst!" sagte der angebliche Robert und setzte leise hinzu:Genug des Scherzes, Vetter, ich bitte Dich! Die Tante kämpft mit einer Ohnmacht."

Na, ich sehe schon, ihr wollt mich nur los werden, weil ich nicht zu euch paffe!" rief der Vetter vom Lande.Ja wahrlich, ich passe auch nicht unter diese geputzten Püppchen da; aber mein Recht will ich haben, mein Recht, der Frau Base guten Abend zu sagen und Gott-willkommen, denn wenn ich auch nur ein Bauernbub bin, so weiß ich doch auch, was sich ziemt. Und nun guten Abend, Frau Base und Bäschen dort, und nichts für ungut, ganze Gesellschaft!" Und damit brach der Vetter vom Lande in ein pfiffiges wohlzufriedenes Lachen aus, ging hinaus und warf laut die Thiire hinter sich in'S Schloß.

Ein abscheulicher Affront!" flüsterte eine der geputzten Schönen ihrem Tänzer, einem geschnürten Lieutenant, zu.

Affront? mit Nichten, meine Gnädige!" versetzte Der Lieutenant.Rur Komödie, heiteres Intermezzo, göttlicher Spaß, auf Ehre I Unsere stolze Wirthin bläht sich so gerne, aber dieß war ein magnifiker Dämpfer ein prak­tisches Epigramm, Das ihr, auf Ehre! lebenslang anfleben wirb. Der Schwein­kerl war himmlisch, ganz wie ein Rüpel in Der Komödie. Aus Ehre, man hätte ihn vor Vergnügen prügeln mögen!"

Aber wie demüthigend für uns, Herr Baron! so erinnert zu werden, daß man sich wirklich wegwirst, wenn man die Einladungen von solchen Empor­kömmlingen annimmt!" sagte die Mutter der jungen Dame, eine dicke Stabs- osfizierswittwe mit rothem Gesicht, die so eben zwei gehäufte Teller mit Ananas- kiS und Confect verarbeitet hatte.

»Zugegeben, Baronesse, aber man hat doch seinen Spaß dabei, speist gut Abenddrod und trinkt samösen Clicqot," sagte der Lieutenant und betrachtete durch den Zwicker unverschämt ironisch die Damen vom Hause, die unter den Nachwirkungen dieses Austritts noch rathlos herumtrippelten.

Was meinst Du, Franz," fragte Julie Fink ihren Bruder,sieht dieß nicht aus, wie ein absichtlicher Schabernack?"

Eine Maskerade schon vor dem Fasching," versetzte Der junge Mann; stünDe nicht Robert Balver Dort leibhastig unD als ein gesetzter Mann neben Henrietten, so möcht' ich Darauf schwören, daß ess einer seiner tollen Streiche von ehedem wäre!"

Der Muthwille scheint im Blute zu liegen," sagte Frau Dönning.Der

Vetter vom Lande erschien mir ganz unD gar nicht so Dumm als er sich gab' und seine Stimme erinnerte mich vorhin lebhaft an Robert Balder."

Er ist pfiffig wie alle Bauern," sagte Franz Fink;und Die Strafe, wie Derb sie auch sein mag, war nicht unverdient, denn Die Geschichte mit Dem Gast­bett im Taubenschlag ist doch wahrlich charakteristisch."

Mein Gott, Robert, was müssen Sie von uns denken?" flüsterte Hen- riettte, vor Erschütterung ganz bleich und so gedemüthigt, daß sie den Vetter gar nicht mehr zu dutzen wagte.Welch ein (Scantal vor allen unseren Gästen!"

Laß es gut sein, liebes Väschen! Diese Menschen hier sind zum größsten Theil nicht werth, daß man sich um sie bekümmert es sind Larven und Pup­pen nach der Mode. Sie werden auf eure Kosten nun lachen und sich schaden­froh amüsiren, wie sie auf eure Kosten speisten und tränten. Wer wird von solchen Menschen ein tieferes Gefühl erwarten?"

Dieser Auftritt hat uns vor.der ganzen Stadt lächerlich gemacht, man wird unser Haus meiden, und uns nicht mehr einladen," sagte Henriette, und ihre Stimme bebte vor Entrüstung.

Ist es denn ein solcher Verlust, sich von diesen Leuten loszusagen, die nur eure Küche und Keller und eure schönen Gemächer verehren, nicht eure eigene Persönlichkeit?" fragte der Vetter.Diese Art von Geselligkeit, liebe Hen­riette, ist die an sich werthloseste, Denn man gewinnt Damit nur Schmarotzer und Schmeichler, keine Freunde. Man muß zu seinem eigenen Blute stehen, wenn man sich Freunde auf andere Zeiten erwerben und erhalten will!"

Du hast Recht, Robert; diese Ahndung kam nicht unverdient," sagte Henriette und blickte beschämt zu Boden.Wir verdienten Tadel für die stolze Ungastlichkeit, womit wir Die Aufnahme des Vetters Rudolph Den fahrlässigen Miethlingen überließen; aber wer hätte geahnt, daß diese Strafe so einschneidend, so öffentlich fein würde? . . . Und doch haben wir kein Recht, uns zu beklagen! der Streich ist verdient. Aber ich bitte Dich, lieber Vetter, geh' zur Mama und tröste sie, denn sie ist ganz darnieder geschmettert, und nur Dein Zuspruch wird sie beruhigen!"

6.

Unten im Erdgeschoß saß der Commerzienrath Balder bei der traulichen Abendlampe an seinem Schreibtische und rechnete und stöberte in verschiedenen Papieren. Die Musik des Balles tönte nur in gedämpften Klängen herab in Die Hinterstube, unD der alte Herr rückte jedesmal auf dem Stuhle ungeduldig hin und her, wenn schmetternde Accorde der Blechinstrumente an sein Ohr schlugen.

Onkelchen," tönte plötzlich eine Stimme schmeichelnd hinter ihm,wollen Sie Ihr Abendbrvd kalt werden lassen? Schon seit einer Viertelstunde steht das Essen dort auf dem Tische."

Ah, Du bist es, Pauline?" erwiederte der alte Herr aufblickmd, und hätschelte freundlich des Mädchens Hand, die es auf die Stuhllehne hinter ihm gelegt hatte.Du hast recht ich hatte mich vergessen. Aber nun komm und laß mich das Versäumte einholen."

Und ich darf Ihnen serviren, bester Onkel, nicht wahr?" frfl9te Puunne.

Es wird mir ein Vergnügen fein, wenn Du mir Gesellschaft leistest, Itebeö ÄDtnC.

Danke, danke, lieber Onkel! ich habe schon gegessen!" ries Pauline mit ihrer weichen, wohlklingenden Stimme, und schickte sich zuthunlich an, dem alten Herrn seine einfache Mahlzeit zu freeenzen. Er mit der gemächlichen Be­dächtigkeit eines Mannes, der nicht um des Vergnügens, sondern nur um der Gewohnheit und Nothdurft willen speist, und Den anDere, ernstere Gedaiuen be­schäftigen. Aber gleichwohl konnte er doch nicht umhin, Dabei mit Den Augen Paulinen's Bewegungen zu folgen, welche flink zwischen dem Anrichte- und dem Speisetische hin und her ging und in ihrem ganzen Wesen ,o viel ungesuchte Grazie und so viel liebevolle Besorgniß für ihren Wohlthäter verneth.Und hernach, Onkelchen, werden Sie wohl auch hinaufgehen zur Gesellschaft, nicht wahr?" fragte sie. (Sottf. folgt.)