H Zum Besten -er Ostpreußen beabsichtigen die Unterzeichneten än 4 aufeinander folgenden Donnerstagen, Abends 7Vz Uhr, Vorträge im großen Saale des Clubgebäudes Zu halten, und zwar:
den 30. Januar: Zimmermann, lieber Göthe's Torquato Täffo, Mit Deklamation ausgcwähltcr Stellen; .
„ 6. Februar: Ulmann, lieber den Herzog von Rtichstadt:
„ 13. „ Merkel, lieber die Todesstrafe;
„ 20. „ Zöppritz, lieber die Mvergänglichkeit von Stoff und Bewegung
ui der Natur.
Einlaßkarten zu allen 4 Vorträgen sind in den Buchhandlungen von I. Ricker und von W. Ferber zum Preise von 3 fl., Familienkarten für 3 bez. 4 Personen zü 7 bez. 9 fl. zu haben.
Einlaßkarten zu eisizelnen Vorträgen a 1 fl. ebenda, sowie Abends an der Cassc.
Prof. Dr. G. Zimmermann. Dr. Ulmann. Dr. Merkel.
Prof. Dr. Zöppritz.
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L- Anzeigen aller Art werden besorgt mit: Schnelligkeit — Ersparniß von Porto K- s und Spesen, sowie eigener Mühwaltung — Gratisbelege — Rabatt bei größeren g S Aufträgen — Discretion — Special-Cvntracte mit besonders aün- I § stigen Bedingungen bei Ucbcrtragung drS gesammten JnsertiouöwesenS. -- - Sachse & Co. in Leipzig. ?
-5 Zeitung-Annoncen-Expedition. °
S Filialhandlungen vorläufig in: 4
iS Bern und Stuttgart.
iL, gg» Annahme von Inseraten für die: Allgemeinen Anzeigen der 1 lA ^Gartenlaube", Auflage 230,000 Exemplare. S
500) Wir erlauben uns, Diejenigen, die Interesse für eine schöne Handschrift haben, auf den ausgezeichneten Unterricht des Herrn I. Wolff, des zu gleicher Zeit praktisch wie geistig gebildeten Schulmannes aufmerksam zu machen. Einige Schüler.
485) Ich bringe hiermit zur Kenntniß, daß Steiger August Neumann aus dem Dienste für die Grube Raab getreten ist.
Wetzlar, den 20. Januar 1868.
Joseph Raab.
468) Eine Brieftasche ist auf dem Wege vom Lumpcnmannsbrunnen naich Gießen verloren worden. Der redliche Finder wird gebeten, dieselbe an die Exped. o. Bltts. abgeben zu wollen.
484) Ein Mädchen vom Lande, welches sich auszubildcn wünscht, kann bei einer Wittwe, bei weicheres zugleich alle Handarbeiten erlernen kann, gegen angemessene Vergütung Kost und Logis erhalten. Näheres bei der Exped. d. Bltts.
471) Es wird gegen guten Lohn ein reinliches, williges Dienstinädchen oder auch Laufmädchen gesucht.
Louis Petri, Neuenweg.
Epileptische Krämpfe (§nll= sucht) heilt Dr. O. Ätllisch, Spezialarzt für Epilepsie, Berlin, Jägerstr. 75,76. Auswärtige brieflich. (478)
I Drittes Concert im Muter-Abonnement des Gießener Cnncerl-Vereins Mittwoch den 29. Jünuür 1868, Abends präciS 6 Uhr, im Club-Saale, unter gefälliger Mitwirkung des Herrn Jules de Swert, Herzog!. Hof - Concerimeister und Kammervirtuos aus Weimar, und des akademischen Gesangvereins.
Programm:
1) Symphonie (A-dur) von F. Mendelssohn.
2) o. Andante i für Violoncello von Molique-
b. Concertstücke f Tur ^oionceuo, öon Servals.
3) Zwei Balladen für Chorgesang von R. Schumann.
4) a. Air rü Nioloncello von I. S- B a ch.
b. Mazurka fantastique \ sur Violoncello, ÜOn J. de Swert.
5) Najaden-Ouverture von W- St- Bennett-
Für Nichtabonnenten sind BilletS ä -18 fr. in der Iticker'schen Buchhandlung zu haben. Die Concertdirection.
Börsennachrichten.
25. Januar 1868.
Prioritäten.
5°/o östr. F. St. E. B. 242>/2 Ludwigsh.-Bexbach 157 Maxbahn 107
Bayer. Ostbahn 1193/4 Hess. Ludwigsbahn 1293/4 3% östr. Stsb.-Prior. 52 i/4 3% östr. s. Lombard., — 3% Livorneser 28>/g Toscaner 40i/2 Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse — 5% Elisabeth-Prior. 743/4 do. II. Emiss. 73
Anlehensloose« Kurh. 40 Thlr. Loose 53*74 Nassau fl. 25 b. Roth. 38 Gr. Hess. fl. 50 b. R. 142% Gr. Hess. fl. 25 b. R. — 4O/o bayr. Präm. Anl. 99% 4y/o badische Loose 97 7/s Badische fl. 35 Loose 51 1858r Priori tätsloose — 1860r Loose 7O7/8 J864r „ 771/s
Wechsel.
Amsterd. k. 8. IOO1/4
Augsb. k. S. 100
Berlin k. S. 105
Bremen k.'S. 975/g ;
Cöln k. 8. 105 !
Hamburg k. 8. 881/2 Leipzig k. 8. 105 London k. S. 1195/g Lyon k. S. •— Paris k. 8. 95 Wien k. 8. 9?Vs Disconto 3% G.
€!el<l»orteiie
Pr. Gass. Sch. 1 447/g-45t/g Div. Cass.-A. —
Pr. Friedrdor. 9 57-58 Pistolen . . 9 49-51
„ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 51-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankenst. 9 29-30 Engi. So uv er. 11 54-58 Russ. I in per. 9 50-52 Doll, in Gold 2 27-28
Preuss. 4,/2o/0 Obi. 967/s Frankf. 31/2% Obi. 82S/g Nass. 41/2O/0 Obi. 945,8 Kurh. 40/0 Obi. 90</4 Hess. 4% Obi. b. Roths. — „ 3 V2°/o do. do. 85
Bayer. 5% Obi. 1011/4
„ 41/2°/o 1jährige 94*/4
» 41/2% jährige 93’/ä
Würtemb. 41/2U/o Obi. 94 Baden 4>/30/0 Obi. c. E.L. 933/4
Oestr. 50/0 b. R. 60 V4
„ 5% National 53 */j
„ 50/0 Metall. Obi. —
„ M. steuerf. 48*/2
Amer. 6% 1881r Bds. 775/g „ 6D/0 1882r 76Vs
Actieii»
Frankf. Bank 127
Oester. Bank 662
„ Creditact. 184 V2
Darnist. Bankact. 212
Feuilleton.
Vetter und Base.
Eine Familiengeschichte.
(Fortsetzung.)
Die Accorde eines Strauß'schen Walzers luden die Paare in den Tanzsaal, und der Reigen schlang sich dahm und trug in seinem Wirbel auch Henrietten und den Vetter. Der sonst so stolzen Henriette war zu Muthe wie einer Trunkenen ; der Boden schien unter ihrem Fuße zu versinken und sie wähnte frei zu schweben an Vetter Robert's Arm. Sie hatte all' der kleinen und großen Künste der Koketterie vergessen, welche sie gegen ihn in Anwendung zu bringen gedacht, und ihr Kopf hatte für nichts anderes mehr Raum als für seinen Anblick, Von dessen Antlitz sie ihr Auge nicht mehr verwenden konnte. Und doch siegte sie vielleicht in ihrem Vorhaben nur um so mächtiger, obschon sie zu unterliegen; schien. Sie, die ausging zu sahen, war nun die Gesang ne! — —
Die Tour war zu Enke, und erhitzt vom Tanze kehrte Henriette an des Vetters Arm zu der Commerzienräthin zurück, welche kein Auge von dem Paare verwandt hatte. Ein junger Herr aus ter Stadt eilte aus den Vetter zu, um in ihm einen vermeintlichen Jugendfreund zu begrüßen, und während die beiden Männer sich die Hande schüttelten, stürzte Henriette auf ihre Mutter zu und zog sie rasch in eines der stilleren kleinen Zimmer. Ihr Busen wogte, ihr Auge flammte, die Wange glühte hoch von der Erhitzung des Tanzes, doch höher noch von leidenschaftlicher Erregung, die beinahe alle Bande der Etikette sprengte. Sobald Henriette sich mit der Mutter allein sah, warf sie sich weinend an ihren Hals. „O Mama, Mama! wenn er mich nicht liebt! . . ." war alles, was sic hervorbrachte.
„Was ist Dir denn, mein Goldkind? Ist er Dir denn kalt begegnet?"
„Nicht doch, Mama! er drückte mir ein um's andere Mal die Hand und preßte mich int Tanze an sich so innig, so zärtlich .... und doch so schüchtern, Mütterchen, und so besangen, wie ich es von dem kecken Robert von ehedem nie erwartet hätte!"
„Nun, das geht ja prächtig ! Wo ist denn da ein Grund zum Weinen für Dich, meine süße Henriette?" fragte die Mutter freudig. „Das erscheint ja bei euch beiden wie Liebe auf den ersten Blick! Das geht ja über Erwarten gut, wenn Robert ebenfalls so Feuer und Flamme ist, wie mein sonst so kühles und überlegtes Kind!
„O, Mama, ich sühle es an meinem eigenen Herzen," flüsterte Henriette verschämt und barg ihr glühendes Antlitz an der Schulter der Mutter, „daß er nicht gleichgültig gegen mich ist, und dcch .... ach, ich kann den Gedanken nicht fass», Mutter! er steht mit seiner Ruhe und Sicherheit so hoch über mir!"
„Komm, mein Kind! fasse Dich! Um's Himmels willen nur keine Scene, denn wir sind beobachtet. Laß uns schnell in den großen Salon zurückkehren! — Um Alles, war gibt es denn hier? ' fragte sie noch zwischen Thüre und Angel.
„Eine kleine Störung, gnädige Frau! einen lauten Wortwechsel zwischen einem Gaste, wie es scheint, und einem Ihrer Diener," erwiedcrte ein Herr aus der Gesellschaft.
In dem Augenblick, wo die Commerzienräthin den Empfangssaal betrat, ward die Flügclthüre desselben weit aufgerissen, und auf der Schwelle erschien der neue Vetter vom Lande wie ein zürnencer Leu unv schrie den Diener an : „Untersteh' Er sich vieß nochmals gegen mich, Er betreßter Schlingel, und ich gebe Ihm eins auf Seinen dicken Kopf, daß Er in die Mitte der anrern Woche hineinfliegt!" Damit schüttelte er eine ziemlich sehnige Faust gegen den Diener,
welcher ihm den Eintritt in den Salon hatte wehren wollen. — „Schön'n guten Abend, ganze Gesellschaft, und nichts für ungut, wenn ich eben ein wenig laut war. Aber da bleibe der Geier geduldig, wann Einem solch ein Wicht von einem Diener mit den Fäusten droht. — Gott's Blitz, als ob ich nicht des Herrn Commerzienraths leiblicher Neffe wäre, der Sohn von dem Pachter Christian Michael Balder in Wctteifeld, der keinem Menschen hier einen Pfennig schuldet! Als ob ich nicht wüßte, daß die Frau Tante Commerzienräthin mir zu Liebe diese Gesellschaft gebeten hat, und sich der armen Verwandten ihres Mansies nicht schämt. Und nun grüß' Sie Gott, liebste Frau Base, und Gott- willkommen! Und weil denn Niemand im Hause sich meiner annehmen wollte, so bin ich selber hergZommcn und wollte nur der Frau Base sagen, daß der Schlingel von dickem Bedienten da drunten mir ein wahres Loch unter dem Dache angewiesen hat, und daß ich im Taubenschlage übernachten müßte, wenn nicht Väschen Pauline mir ihr Stübchen eingcraumt hätte. Und vieß wollt ich nur der Frau Base Commerzienräthin sagen, damit sie dem bengelhasten Kerl eine ordentliche Pauke hält, denn ich weiß wohl, daß Sie es mit den Balder'schen nicht so schlecht meint .... Und nun Gott zum Gruß, Frau Base!" setzte er mit einem so kräftigen Schlag in die rasch ergriffene Hauv Der Commerzienräthin hinzu, daß die Nähte an ihrem feinen Handschuh davon sprangen; „ei zum Geier, kennt mich denn die Frau Base nicht mehr? Ich bin ja der Rudolph, der zum Buchbalter auf der Fabrik verschrieben ist!"
„Ich weiß, ich weiß . . . ." stammelte die Commerzienräthin, die vor innerer Bewegung ganz blaß geworden war und förmlich zitterte. „Du bist mir willkommen, Neffe, aber Du hättest mir den Schreck ersparen können, den mir Dein heftiges Eintreten verursacht hat. Und dann, sich' Dich einmal um unv betrachte Deine Kleidung, und Du wirst gestehen müssen . . . ."
„Daß ich kein hochzeitliches Kleid anhabe, ja, — zugegeben!" sagte der Vetter vom Lande und schlug seinen weiten schlotternden Paletot von blauem Matrosentuch auseinander. „Aber der grobe Kittel da hält warm, Frau Base, und ist bezahlt; und die schönen Frauenzimmerchen da und die geputzten Herren nehmen mir'S nicht übel, wenn ich in diesem Aufzuge eintrete, wie ich eben von der Reise komme. Ich bin halt ein Bauernbub, unv dem Darf man so etwas nicht nachtragen. UnD wozu auch mich am späten AbcnD noch in Staat werfen — bei Nacht putzen sich nur die Hirtenweiber, sagt man bei uns zu Hause. Darum fort mit all dem dummen Schnack, Frau Base! Wie geht ei Denn ? wie steht's? Was machen denn die Mädels, Jeltchen und Ida? und wo ist der Vetter Gottfried?"
Die Commerzienräthin war keines Wortes mehr mächtig; sie sah um sich her theils sehr ernste und verstimmte, theils spöttische Gesichter; sie hörte kichern und lachen. Die erste Entrüstung der Gäste hatte sich in Humor und wohl auch in Schadenfreude verkehrt. Henriette glühte vor Scham und war zu dem andern Vetter geflüchtet, Der absichtlich fern blieb, weil er den Gedanken nicht unterdrücken konnte, daß Robert den Scherz zu weit treibe, und weil er fein Betragen innerlich mißbilligte. „Robert, mein Freund! ich bitte Dich um Gotteswillen, entferne doch diesen Menschen mit guter Manier! flüsterte sie ihm zu und klammerte sich an seinen Arm. „Es ist Papa's neuer Commis, — nur ein armer Bursche vom Lande, den Der Papa aus Erbarmen in Dienst genommen hat, und gar kein Verwandter von uns . . . ."
„Nicht doch, Cousinchen, es ist ja mein leiblicher Vetter! wir haben uns heute Abend schon begrüßt!" versetzte Robert. „Aber komm, wir wollen ihn besänstigen und in ein Nebenzimmer führen!"


