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bereits beschlossen ist. Billiger als seither kommt das Publikum indessen gewiß nicht durch.

München, 23. Jan. Heute nahm der Wehr» ausschuß der Abgeordnetenkammer das Wehrgcsetz in der Fassung, wie cS aus der vorgestrigen Berathung der Reichsräthe hervorging, mit allen gegen 2 Stim­men (Kolb und Feustel) an.

Stuttgart, 23. Jan. DieDem. Corr." schreibt: Das Ergebniß der Verhandlungen vcr württembergi- schen Kammer über den in dem preußischen System nach- gebildcten Entwurf ves KriegSvienstgesetzeS ist von allge- mclnem Interesse; nachdem Baiern und Baden im Be­griffe sind, mit Gutheißen der Landesvertretung dem preußischen Militarismus unterworfen zu werden, ist Württemberg das einzige süddeutsche Land, wo noch da­gegen gekämpft wird. Man muß anerkennen, daß die Regierung in dem Gesetzentwürfe, und nament­lich durch ihre Zustimmung zu der gesetzlichen Rege­lung der Präsenz auf 2 Jahre, wcitergehcnde Con- cesslionen gemacht hat, als die badische oder baierische Regierung; gleichwohl wurden sie in der Kammer nicht für genügend gefunden, und der Gesetzentwurf scheitert bei der Endabstimmung, wenn über die nach Ablehnung aller Anträge jetzt unentschieden gelassene Frage eine Regelung der Präsenz in dem vorliegen­den Gesetze nicht schließlich noch eine Verständigung erfolgt; vielleicht, daß zu diesem Behufe die Frage nochmals an die Commission gewiesen wird, und die Regierung, um die Paar entscheidenden Stimmen zu gewinnen, sich mit der gesetzlichen Feststellung eines Maximums der Präsenz von 18 Monaten einver­standen erklärt. Es wäre das Klügste, was sie, von ihrem Standpunkte, thun könnte, und fragt sich nur, ob Preußen keine Schwierigkeiten macht?

Wien, 21. Jan. Die Reichsraths - Delegation hat die Geschäftsordnung en bloc angenommen. Die Abendausgabe derNeuen freien Presse" meldet: die Verordnung der Beeidigung der Staatsbeamten auf die Verfassung habe die kaiserliche Sanction erhalten und die Regierung werde dem Reichsrath ein Gesetz wegen eventueller virecter Abgeordneten- wählen vorlegen.

Wien, 23. Jan. Die Arbeiterbewegung in Wien hat die Aufmerksamkeit der Regierung erregt, und wie ViePresse" officiös anzeigt, bereiten Vie Minister ves Handels, Ves Innern unv ver Justiz über die Gründung von socialen Vereinen und Er- werbsgenossenschaften einen Gesetzentwurf vor, welcher dem Reichsräthe gleich bei seinem Zusammentritte zur verfassungsmäßigen Behandlung vorgelegt werden soll.

Wien, 25. Jan. DasTagblatt" meldet: Ein Ministerialerlaß ordnet die Aufhebung Ves Juden- ghettoS in Galizien an. Wie dasselbe mittheilt, hat die päpstliche Curie scharfe Vorstellungen bei Oesterreich wegen dessen Haltung in ver Concordats- frage gemacht.

Wien, 25. Jan. Die heutigeWiener Zeitung" bringt eine kaiserliche Entschließung, wodurch Erz­herzog Albrecht zum Armeecommandanten ernannt wird, dem künftig die Jnspicirung und kriegstüchtige Ausbildung der Armee, sowie die Einbringung von Vorschlägen beim Reichsministerium in Betreff der­selben obliegt.

Prag, 21. Jan. Die Installation des Bürger­meisters ist eben beendet. Der Eid, welchen derselbe leistete, erwähnt nicht nur ausdrücklich des unver­brüchlichen Festhaltens an der Verfassung, sondern betont auch vie Verpflichtung des Bürgermeisters zur- Wahrung ver bestehenven Gesetze. Die Bürger­corps waren ausgcrückt. Das Jnfanteriecorps wurve trotz der Ministerverorvnung czechisch commandirt. Der Statthalter äußerte darüber dem Biirgermcistcr sein Mißfallen in vernehmlicher Weise.

Prag, 22. Jan. Diz Unruhen vom Sonntag haben sich gestern im erhöhten Grade wieverholt. Schon vor 7 Uhr hatten sich dem deutschen Casino, wo das Bankett zu Ehren des neuen Justizministers 1 (früheren Prager Professors) Herbst stattfinden sollte, gewaltige Mcnschenmaffen angesammelt. Nach 7 Uhr wuchs vie Menge in beunruhigender Weise unv drängte sich derart gegen das Casino, daß vie schon vor Ansammlung der Leute die Straße durchziehen­den starken Polizei- und Gendarmerie-Patrouillen nicht mehr im Stande waren, die Passage frei zu machen. Die Menge wich nicht, begann im Gegen- theil zu pfeifen, zu schreien, brüllte ununterbrochen: Pereat Beust! Pereat Herbst!" und sang in tau­sendstimmigem Chor vie bekannten czechischen Agita- tionslieder. Da gütliches Zureden ves Bürgermei­sters, sowie des inzwischen herbeigeeilten Czechenfüh- rers Rieger nichts half, und die Bewegung der Massen äußerst gefahrdrohend wurde, wurde gegen 8 Uhr Militär requirirt, welches schon Nachmittasg in ven Cascrnen consignirt worden war.

Bern, 24. Jan. In der heutigen Sitzung des Bunvesrathes wurde mitgetheilt, daß das Königreich Griechenland definitiv seinen Beitritt zu dem inter­nationalen Münzvertrag erklärt habe.

Paris, 23. Jan. DiePatrie" dementirt die Anlage eines befestigten Lagers bei Satvry. Es handele sich nur um vie Anlegung eines Artillerie­parks ver kaiserlichen Garde zu Versailles.

Paris, 24. Jan. DiePatrie" komm heute nochmals aus die gestern gemeldete Arbeit des Kaisers über das Militärgesetz zurück, welche auf 16 großen Octavseilcn in der kaiserlichen Druckerei herausge­kommen ist. Es zeigt sich, daß, wie zu vermuthen stand, die gestern imAbend-Moniteur" gegebene Uebersicht des Gesetzes und namentlich der hier noch­mals folgende Schlußsatz dieser kaiserlichen Publica- tion entnommen sind. Er lautet:Wir müssen schließlich sagen, daß, wenn Vas Gesetz über vie Heeresorganisation den großen Staatskörpern vorge- lcgt wurde, dies nicht geschah, weil die Regierung einen nahen Krieg (une guerre immädiate) fürch­tete, sondern weil sie durch die Erfahrung der Feld­züge in der Krim und in Italien erkannte, daß un­sere militärischen Kräfte nicht auf ver Höhe eines großen Landes, wie Frankreich, standen. Die Ereig­nisse, weiche sich seitdem in Deutschland zugetragen haben, konnte, diese Meinung nur bestätigen, aber sie waren viel mehr ein Anlaß, als die Ursache der Vorlegung des Gesetzes. Denn es muß wohl gesagt werden, ohne ven deutschen Krieg 1866, ohne diese leuchtende Verwarnung ist es zweifelhaft, ob die öffentliche Meinung ein Gesetz zugelassen hätte, dessen Nothwenvigkeit unv Bedeutung Diejenigen allein be­griffen, welche für die Sicherheit und Ehre ves Lan­des allein verantwortlich sind." DasJournal Ve Paris" giebt unter sehr begreiflichem Vorbehalt das Gerücht, ver Minister des Innern hätte die Präfectcn über die Aufnahme, welche Vas Militär- Organisativnsgesetz in ihren Departements gefunden habe, um Rath gefragt. Es wären ihm daraus nur zwei bis drei nicht ungünstige Antworten zugegangcn. . Der Kaiser ist heute Abend wieder von Com­piegne zurückgekehrt.

ÄKudrid, 23. Jan. Briefe aus den baskischen Provinzen, aus Aragonien und Catalonien sine ein­stimmig der Ansicht, vaß eine carlistische Jnsurrec- tion zu Gunsten des ältesten Sohnes Don Juans bevorstehc. Man behauptet, vie Wittwe von Carlos habe an 40 Millionen Realen zur Unterstützung der Bewegung gesandt.

London, 16. Jan. In einer Versammlung der Birminghamer Hanvelskammer hielt am 6. d. M. Mundella, ver Präsivent ver Handelskammer von Nottingham, einen Vortrag, worin er nachwies, daß in den letzten Jahren bas Auslanv sich Englands bester Erfindungen bemächtigt und mir diesen Ma­schinen bessere Erzeugnisse erzielt habe, als England selbst, weil auf dem Festlande «us den Gewerbe­schulen ein Arbeiter hervorgehe, der die neuen Vor­theile auszubeuten wisse. In England bestehe nichts der Art, und selbst wenn man ähnliche Anstalten einrichte , so müsse erst die große Masse des Volkes ihrer Unwissenheit entrissen und dann eine Art un- merklicher Uebergang wie in Sachsen und Preußen zwischen Elementar- und gewerblichem Unterrichte hergeftellt werben. Deutschland, fuhr der Redner fort, sei ein junger Riese noch in der Wiege. Ver­glichen mit ver deutschen Concurrenz fürchte er von Frankreich gar nichts. Deutschland werbe Englands größter und Hauptconcurrent für die Zukunft sein. Im weiteren Verlauf der Rebe schilderte Mundella, was er in deutschen Fabriken und anderen Einrich­tungen und an einem deutschen Polytechnikum gese­hen, und baute auf diese Anschauungen die Behaup­tung, England behaupte gegenwärtig nur das Felv mit seinem mächtigen Capital und seinem alten in­dustriellen Ansehen, es ruhe auf seinen Lorbeeren und verliere täglich mehr Boden, inbessen Deutschland in kräftiger Entwickelung emporwachse.

London, 23. Jan. Dec Minister des Innern, Harvy, der KriegSminifter Pakington unv Lord Stanley wohnten Dem in Bristol abgehaltenen con- servativen Bankette bei. Stanley hielt eine Rede, in welcher er sagte: die Hauptfrage, die vorliegt, sei Irland; eine Trennung Irlands von Großbri­tannien sei undenkbar und unzulässig; agrarische Re­formen seien aber dringend geboten; das Parlament möge daher dieselben baldmöglichst erörtern. Die Kirchenfrage bleibe jedoch dem reformirten Parlament anheimgestellt, lieber die innere Lage, sagte der Redner, das Schlimmste sei hoffentlich überstanden. Bezüglich der auswärtigen Lage äußerte er sich dahin, daß trotz der Verstärkungen der Kriegsmacht in den Staaten des Continents, demnächst keine Störung ves Friedens zu besorgen sei; Rüstungen seien zuwei- len Drohungen, aber oft auch nur Vorsichtsmaßregeln gegen wirkliche oder eingebildete Gefahren.

London. Auch England hat seine schwarzen Punkte. So berührt jetzt dieLondon Review", ein anstänviges und gemäßigtes liberales Blatt, einen solchen mit den Worten:Vieles, was frivol und selbst schlimmer ist als frivol, kann man der Jugend

verzeihen. Aber es läßt sich nicht verhehlen, daß sich im Volke immer ernster und allgemeiner der Wunsch ausspricht, seinen zukünftigen König mit Beschäftigun­gen und Bestrebungen ibentificirt zu sehen, die ihm Achtung gebieten. Wo nicht, so werden Die repu­blikanischen Gesinnungen, Die ein Theil der Arbei­terklasse jetzt nur seiner Hochachtung vor der Kö­nigin unterordnet, an Stärke und Ausdehnung ge- Winnen. Wir würden dies beklagen, aber es kann nicht ausbleiben, wenn der Prinz nicht bald seine Pflichten erkennt und übt." Ein Korrespondent der Allg. Ztg." bemerkt dazu:Die liberale Partei hier unv in Irland wünscht, daß Der Prinz von Wales seine Residenz in Irland aufschlage, nicht nur, um ihn seinen Junker-Associationen und unpopulären Liebhabereien zu entziehen, sondern auch, weil sie glaubt, daß die Anwesenheit Des Thronfolgers unter Den Irländern viel dazu beitragen würde, die wan­kende Treue der irischen Nation zu befestigen und Den Weg zur Lösung dergroßen Schwierigkeit" zu bahnen. Das Gerücht will nun wissen, daß die Königin diesen Wunsch theile, aber bei ihrem Sohne auf Schwierigkeiten stoße. Es sind nicht die erprob­ten Freunde seines Vaters, Die sich Der Prinz zu Genossen und Rathgebern gewählt hat, und am Hofe seiner Mutter ist er fast ein Fremdling. Der Kontrast zwischen Vater und Sohn ist fast frappant und berührt Den gewöhnlichen John Bull unange­nehm. Prinz Albert, ein vortrefflicher Wirthschafter, hatte dem Prinzen von Wales bis zu seiner Mün- digkeits - Erlärung ein bedeutendes Vermögen zusam­mengespart, eine Jahres-Revenue, wie sie kein englischer Thronerbe vor ihm besessen. Es ist kein Geheimniß, daß diese günstige Finanzlage jetzt schon einer schweren Verschuldung Platz gemacht hat.

Petersburg, 21. Jam Der russischeIn­valide" bekämpft die Meinung der WienerDebatte", daß die europäischen Mächte ihrem Protectorat für Die Christen im Orient entsagen müssen. Die gesamm- ten Christen Der Türkei würden in Folge dessen einen verzweifelten Aufstand machen und Die christlichen Machte müßten sodann zur Rettung der Pforte mit derselben gegen die Christen ein Bündniß schließen.

Vermischtes.

Gießen. Ein Schüler des jetzt hier anwesenden Schreiblehrers Herrn Wolff veröffentlicht Folgendes: Wenn etwas die allgemeinste Aufmerksamkeit verdient, so ist es Der achtstündige Schreib-Unterricht des Herrn Wolff. Sagt er in seinen Annoncen, er verwandle selbst Die schlechteste Hanvschrift in nur acht Stunden in eine schöne und geläufige, so klingt dieses markt- schreiend, zumal es Manchem nach jahrelangem Schrei- den bei eisernem Fleiße und unermüdeter Thätigkeit nicht gelungen ist, seine Handschrift zu verschönern. Wer aber seinen Unterricht gehabt, der wird bald er­kennen, daß sich seine Versprechungen erfüllen. Durch den Unterricht gelangt man ohne die mindeste Schwie­rigkeit von Stunde zu Stunde mit sichtlichem Erfolge zum Ziele und schreibt mit großer Leichtigkeit und vielem Vergnügen nur darum, weil man Die Mittel, richtige Feverhaltung und Lage des zu beschreibenDen Materials, sowie naturgemäße Haltung des Ober­körpers hat kennen lernen, unv man sich währenD Des Unterrichts sowohl, als auch in een häuslichen He­bungen sehr leicht und bald daran gewöhnt hat. Was Den Unterricht anbelangt, so ist derselbe sehr leicht faßlich, Denn Herr Wolff versteht es, Jeden in seiner Eigenthümlichkeit beim Schreiben zu behandeln und aus der leichtesten Form ganz consequent sämmtliche Buchstabengruppen zusammenzustellen und Den Lernen­den zum Eigenthum zu machen Man hat nur wenig häusliche Nachübungen nothig, aber man weiß was und wie man übt, und man muß nach Innehaltung Des in Der Lehrstunve Erlangten nothwenvig seine Handschrift verschönern. Vergleiche ich meine jetzige Hanvschrift mit meiner früheren, so scheint es mir fast unglaublich, in so kurzer Zeit so viel erlangt zu haben. Mein Name, sowie die förmliche Umwand­lung meiner Handschrift find in der Expedition zu ersehen."

Darmstadt. Betreffs des vor Kurzem auf Dem Bahnhofe zu Heppenheim stattgehabten Unglücksfalles, wo durch Explosion einer fälschlich mit Glaswaaren declarirten Kiste mehrere Menschen verunglückt, hat es sich herausgestellt, daß Die Kiste Knallsilberpatronen in kleinen Schächtelchen verpackt, enthielt.

Würzburg, 19. Jan. Die hiesige Brodtver- giftungsgeschichte wurde vorgestern abermals vor dem Bezirksgericht verhandelt, da die Sache am 27. Dec. V. I. wegen Krankheit des Beschuldigten Sauer ver­tagt worden war. Da weder der Beschuldigte noch dessen Vertheidiger erschienen war, lautete das Urtheil Dahin, daß es beim früheren Erkenntnisse, welches Den Beschuldigten zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilte, sein Verbleiben, und derselbe die Kosten der Ein­spruchs-Verhandlungen zu tragen habe.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.