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Anlage zu Ar. 49 des Hießener Anzeigers.

Feuilleton.

seinem Antlitz zu erblicken.

(Fortsetzung folgt.)

Sie so reden hört, wer sollte da nicht sie,wohlan, so beichten Sie schnell, Wahrheit, denn in Zukunft werden Sie ist dar nicht Deine Meinung auch, mein haben, der Dir seine Geheimniffe ver- Herr Myers, was es ist, und wenn es

man's Heiterkeit nur noch zu vergrößern schienen, denn jedesmal, wenn er sich vergriff, rief sie aus:Prächtig, Herr Myers, Sie machen eigene Variationen. oder machte sie ähnliche Bemerkungen. Endlich war das Stück zu Ende, worauf Perry sofort das Instrument schloß und sich mit folgenden Worten an Evelinens Mutter wendete:

Sie sehen, Madame, daß ich Recht hatte, als ich Ihnen sagte, ich ser nicht aufgelegt zum Spielen." , ,

Uno was ist Ihnen denn?" fragte sie,Sie sind so verstimmt und ein« sylbig;" und sich an Evelinen wendend, fügte sie hinzu:ist er den ganzen Abend auch so mit Dir gewesen? Wenn das jetzt schon anfängt, was soll man da wohl von der Zukunft denken?" . . ... ...

Eveline erröthete leicht und über Perry's Antlitz zog es wie ein plötzlicher

schweige? Lassen Sie uns also hören,

in unserer Macht ist, werden wir Sie zu trösten suchen." Sie sind zu gütig, Madame, aber" und er zögerte. Sprechen Sie sich aus, Herr Myers, haben Sie Kummer in Herzensaw

Sonnenblick.

Ach, Mavame," sagte er,wer schnell allen Trübsinn verscheuchen!"

Also doch Trübsinn," erwiederte was es ist, und sagen Sie uns ja die Ihrer Frau doch Alles beichten müssen; Kind, oder möchtest Du einen Mann

Verholen?"

Sie sind zu gütig, Madame, Sie wissen, daß mein Repertoire nicht zu groß ist, ich spiele nur einige Lieblingsmelodien, und Weber'S letzter Gedanke gehört zu diesen."

So wiederholen Sie uns diese Lieblingsmelodie noch ein Mal, wir werden ganz Ohr sein, nicht wahr, Eveline?"

Perry Myers, von Beiden aufgefordert, konnte nicht mehr abschlagcn, und während Mutter und Tochter in derselben Weise, wie wir sie im Beginn unseier Erzählung geschildert haben, ihren Platz im Divan nahmen, setzte sich der junge Mann wieder an das Instrument, dessen volle und schwellende Tone bald lauter, bald leiser durch den Saal klangen.

Kaum hatte er sich erhoben, um den Flügel zu verlassen, als auch schon Madame Gratman ihm zurief: . .. . t

Halt, lieber Herr Myers, so leichten Kaufes kommen Sie nicht davon Der letzte Gedanke ist allerdings sehr schön, aber so melancholisch, daß man ganz traurig davon gestimmt wird, Sie müssen uns veßhalb jetzt jedenfalls etwas Lustiges spielen, das uns aufheitert; vorwärts, lieber Myers, ich bin heute Abend so recht fröhlich gestimmt und möchte mich nicht verstimmen, spielen Sie uns den Carneval von Venedig!"

Entschuldigen Sie mich, Madame, ich kann heute Abend wirklich nicht mehr, ich bin nicht aufgelegt zum Spielen" , . _ ' .

Nicht aufgelegt zum Spielen, Herr Myers, das ist em Wort, welches den Damen gegenüber im Lexicon der Herren gestrichen sein muß; jetzt müssen Sre den Carneval spielen, um jeden Preis, geh' Eveline, gieb ihm die Noten

Eveline sprang auf, um dem Wunsche ihrer Mutter zu willfahren, doch schon war Perry ihr zuvorgckommen, und sie stellte sich neben ihn, um die Blatter umzuschlagcn, wobei sie ihm zuflüsterte: .

Thue doch, was die Mutter wünscht, sie ist heute in der besten Laune.

Perry begann, machte jedoch Fehler über Fehler, die jedoch Madame Grat-

Gelegenheiten ?z/

Glücklicher Weise für Perry wurde das Gespräch durch das laute Geräusch eines in diesem Augenblicke vorfahrenven Wagens unterbrochen, gleich darauf wurve die Klingel der Hausthür stark angezogen, alle Drei horchten auf,, man hörte die Hausthüre öffnen, einige undeutliche Stimmen draußen, dann öffnete ich Vie Thüre des Saales, Mavame Gratman erhob sich rasch unv mit Den Worten:Guten Abend, liebe Mutter!" eilte ihr Sohn Harri auf sie zu und drückte sie in seine Arme. m ,,

Eveline weinte Thränen der Freude, denn sie sah den Wunsch ihrer Mutter erfüllt, den geliebten Bruder nach so langer Abwesenheit wieder daheim zu er- blicken. Perry begrüßte in ihm den Jugendfreund unv Verwandten, und nach­dem Harri ihnen kurz mitgethcilt, daß er eben von Boston komme, wohin er mit der City of Glasgow von Liverpool gereist sei, nahm er balv Abschied, wohl einsehend, daß tn Den ersten Augenblicken des Wiedersehens nach zweijäh­riger Trennung zwischen Mutier und Sohn ein Dritter zu viel sei.

Das Haus kam jetzt in Bewegung, Madame Gratman gab ihrem Diener die Weisung, ihrem Sohne ein Abendessen zu bereiten, unv sich an ihre Tochter wendenv, fügte sie hinzu:

Siehe selbst nach, liebe Eveline, daß nichts fehle, und, bereite den Thee, wir wollen nachher Harri bei einer Taffe Thee Gesellschaft leisten."

Kaum hatte Eveline das Zimmer verlassen, so wandte sie sich an ihren Sohn mit Den Worten:

Ich habe sie hinausgeschickt, um ungestört mit Dir zu sein, und um Dir gleich zu Anfang zu sagen, nie in ihrer Gegenwart über ihn zu sprechen, in seine Lebensweise Drüben wissen, so kannst Du uns Das rm Laufe Des Gesprächs gleichsam absichtslos erzählen. Im klebrigen aber sei auf DeinerHut, Denn Perry Myers verräth uns. John ist angekommen UND Perry hat ihn sofort ausgesucht, ohne mir etwas Davon zu sagen."

So ist also Der Dampfer von Liverpool bereits angekommen. fragte ^""Heute Morgen," antwortete Madame Gratman. ,

Ich wußte, daß er mit Diesem Dampfer reisen wurde,' fuhr Harris fort, Veßhalb nahm ich Passage für Boston, um nicht mit ihm auf demselben schiffe ru sein. Also er ist hier, und was hast Du Näheres über ihn erfahren?

Madame Gratman theilte ihrem Sohne dann ausführlich mit, was wir bereits wissen, unD schloß ihre Reoe mit Den Worten:

Ich habe nur Deine Rückkehr abwartcn wollen, um mit Eveline nach Saratoga zu reisen. Morgen früh werDcn wir Alles zu einem mehrwochentlichen Aufenthalte Dort ordnen unv am Nachmittag abreisen. Du wirst natürlich hier bleiben und uns von Zeit zu Zeit Nachrichten bringen, welchen Fortgang die Angelegenheiten hier nehmen. Du wirst natürlich keinen Schritt thun, ohne Veerenborg davon in Kenntniß zu setzen."

Ich werde Alles thun, was Du wünschest, liebe Mutter, doch laß uns morgen mehr darüber reden, ich bin zu ermüdet von der Re.se und bedarf noth-

,%o laß uns hinunter gehen," sagte Mavame Gratman, worauf sich Beide in das Eßzimmer begaben, und eine Stunde später war jedes Licht im Hause erloschen und Alles schien in tiefster Ruhe zu stiegen. Doch stehe Da, plötzlich wurde ein Lichtschimmer an Der Thür Des ErDgeschvsses unter Der großen Haupt- treppe sichtbar, Dieselbe öffnete sich, Harri's Gestalt wurDe s'^bar, und sich - >t Den Worten zu Dem alten grauköpfigen Diener wenDenv:Du hast mich a , wohl verstanden, und läßt morgen in aller Frühe durch Annie meiner sagen, ich sei bereits hinunter in Die StaDt auf mein Comptoir gegangen, ließ er Da5 Haus, unv wir sehen ihn ganz Denselben Weg nehmen, D g StunDen vorher sein BruDer genommen hatte. au8

Wenn auch Durchgängig unter Den Mitgl^crn aller der Famillen, denen die große menschliche Gesellschaft zusammengesetzt,ß, «ne mefr{ J

der sichtbare Familienähnlichkeit herrscht, so Kommen doch auch »uwerlen ^lspme vor daß hie und da einzelne Zweige am stamm hervorspneßen, die so wenig mit' demselben verwandt zu sein scheinen, wie der Schlehenvorn mit dem Mispel­baum, UND Doch sieht man Diesen gar ost aus dem höchsten Stamme des letz­teren wachsen ein Holz unv ein Saft, und die Blätter sind Andere. So war es mit Harri Gratman; auch nicht ein einziger Zug seiner Familie war tn

Das Testament des Großonkels.

Fünftes Kapitel.

(Fortsetzung)

Hat er Ihnen nicht über seine Rückkehr geschrieben?"

"Allerdings, und er würde sicher mit diesem Dampfer gekommen sein, wenn der Andere nicht an Bord gewesen wäre. Deßhalb darf ich ihn sicher mit dem nächsten Dampfer erwarten, obgleich es mir auffallend ist, daß mir die heutige sßoft keine Briefe gebracht hat."

Vielleicht hat er nur in Geschäften an den Buchhalter geschrieben.

".Wenn er überhaupt geschrieben hätte, so wäre Janson sicherlich hier ge- Mesen' denn er hat den gemessensten Befehl, mir jeden Brief Harns, derfelbe möge enthalten, was er wolle, zu bringen."

B Dann ist es auch möglich," erwiederte Veerenborg,daß er mit dem Dampfer nach Boston gegangen ist und von dort aus Herkommen wird."

jedenfalls dürfen wir ihn in einigen Tagen erwarten," fetzte Madame Gratman hinzu,denn sein Interesse wird ihn schon hertreiben; ich glaube, er haßt seinen Bruder noch mehr wie ich."

9Und was gedenken S>e in Bezug auf Perry Myers zu thun?"

So lange er uns von Nutzen fein kann, werde ich ihn dulden, denn wir haben vor ihm den Bortheil voraus, daß wir um sein Geheimmß wissen, er aber nicht um das unsere. Aus diesem Grunde wird er sich Bloßen geben, die uns sehr nützlich fein können. Sobald jedoch der Zweck erreicht ist, den wir verfolgen, wird ihm diese Thüre auf immer verschlossen fein.

Und Eveline?" fragte Veerenborg. ,

Meine Kinder, unv vorzüglich Eveline, haben nie einen anderen Willen qekannt, als den meinigen. Da ich mir heute Abend, um mit Ihnen allein zu sein, jeden Besuch verbeten habe, wovon Eveline natürlich ihren Galan ansge- nommen haben wird, werven wir das Taubenpaar jetzt wahrscheinlich zusammen allein im Salon finden, wollen Sie mich begleiten, Herr Veerenborg i

Mit Vergnügen," erwiederte Der Avvokat,Doch nicht um mit einzutreten, et möchte Versucht schöpfen, ich fahre lieber Direct nach Hause."

Sie nahm Den ihr gebotenen Arm, unD sich fest auf Veerenborg lehnend, saute sie, indem sie mit ihm die Stufen hinabstieg:

Wie schade, mein Herr Rath, daß wir uns nicht tn jüngeren Tagen ken­nen gelernt haben, wir hätten sicherlich Der Welt Manches zu schaffen gemacht."

Ich glaube, wir können BeiDe mit Der Carriere zufrieden sein, Die hinter uns liegt, doch horchen Sie, man musicirt" unD BeiDe blieben still hören Sie nicht Diese melancholischen letzten GeDanken von Weber "Sehr ahnungsvoll unD vorbeDeutenv," erwieDerte sie,Denn Herr Myers Wird "auch bald seine letzten Gedanken in diesem Hause _ gedacht haben den Triumph sollen Sie mit erleben, lieber Rath, wenn ich ihm den Abschied gebe.

Ich werde nicht ermangeln dabei zu sein, werthe Freundin, auf baldiges fröhliches Wiedersehen."

Der Avvokat eilte zu seinem Wagen und Madame Gratman trat geräusch­los in den Salon, so daß sie genügend Muße hatte, ohne von Den Liebenden gehört zu werden, Perry und Eveline zu beobachten.

Petry saß am Flügel und spielte die bekannte Weber sche Weise, Eveline saß neben ihm, das Haupt an seine Schultern lehnend. Ein höhnisches Lächeln zog wie ein Flugschatten über das Antlitz der Mutter, sie ließ ruhig die Melodie zu Ende, und als der letzte Ton verhallt war und Eveline das Haupt ^erhov und plötzlich ihre Mutter gewahr wurde, und mit dem AusrufMama auf sie zueilte, trat sie freundlich näher mit den Worten:

Gewiß, mein liebes Kind, ich bin cs, und Ihr müßt mir #eifieiv?' daß ich jenen Tönen nicht widerstehen konnte und deßhalb meinen Abend nicht besser als mit Euch beschließen zu können glaubte."

Perry hatte sich erhoben und Evelinens Mutier begrüßt.

Ich mache Ihnen mein Compliment, Herr Myers," fuhr diese fort,sic wissen, ich schmeichle nicht, doch Sie spielen diese Melodie meisterhaft, wurve es nicht unbescheiven von mir sein, Sie zu bitten, dieselbe noch einmal zu tote«