oder in zeitweiligen Urlaub heimkehren und die Kranken , sowie sonstige Ausfälle abrechnet, so bleiben etwa 15000 Mann jeder Zeit verfügbare Truppen übrig. Während der letzten Ereignisse standen dem Waffenminister nur 8500 Mann ungefähr zur Verfügung. Die doppelte Anzahl wird sicherlich jetzt genügen, um die innere Ordnung aufrecht zu erhalten und die päpstlichen Provinzen gegen jeden Gari- baldischen Angriff zu sichern. An einen Widerstand gegen einen Einfall regulärer Truppen denkt die Curie mcht, denn sie weiß zu gut, daß es ihr, auch mit Aufgebot all' ihrer Kräfte, durchaus unmöglich sein würde, den 300,000 Soldaten, welche die italienische Regierung zur Verfügung hat, Widerstand zu leisten. Die römische Regierung wird also nächstens die Anwerbungen einstellcn und ihre Nunciatu- ren davon in Kenntniß setzen.
Paris, l 9. Febr. Die unruhigen Sccnen, welche bei dercrsten Aufführung Kean's im Ovson und dessen Umgebung vorgckommen, erneuerten sich gestern Abend, wo die zweite Aufführung stattsand. Zuletzt trieb die Polizei die Haufen auseinander. Die Polizei scheint übrigens große Befürchtungen gehabt zu haben, denn die ganze Nacht hindurch durchstreiften zahlreiche, acht Mann starke Polizeipatrouillen das ganze Quartier Latin.
Vermischtes.
Darmstadt, 19. Febr. Ueber die Richtung der oberhessischen Bahnen hört die „Main-Ztg.", daß für die Gießen-Fuldaer-Bahn die Richtung Gießen, Großenbuseck, Grünberg Burggemünden, Zell, Alsfeld, Renzendorf, Lauterbach, Großenlüder, Fulda; für die Gicßen-Gelnhäuser-Bahn die Richtung Lich, Hungen, Nidda, Selters, Büdingen, Gelnhausen in Aussicht genommen sind.
Darmstadt, 19. Febr. Heute Morgen wurde bei dem Anhalten eines Zuges der Main-Neckar- Bahn dahier der Wagenwärtcr Schwank von Darmstart in einem Wagen erhängt gefunden.
Friedberg. Das „Fr. I.", dem wir die we- entlichstcn Bestimmungen der Concession für ^die Oberhessische Eisenbahn - Gesellschaft entnommen ha- den, steht sich zu der Berichtigung veranlaßt, daß das Baucapital für beide oberhessische Bahnen in einer Gesammtlänge von 22,20 Meilen auf 28,400,050 Gulden bestimmt ist und sonach der Bau per Meile 1,300,000 fl. (nominal) kostet. Die Regierung garantirt 3J/2 Prozent Reingewinn, also im Ganzen 994,900 fl. oder per Meile 45,000 fl. Wir reihen hieran einige weitere Notizen zur Vergleichung der Kosten der sonst projectirten Bahnen. Für Starkenburg und Rheinhessen beträgt das Bau- kapiial für 21,80 Meilen 1,700,000 fl.; für Ober- Hessen 1,300,000 fl., wie oben bemerkt. Die Staats- garantic für die Starkenburger und rheinhessischen Bahnen beträgt 35,000 fl. per Meile, für die ober» hessischen jedoch 45,000 fl. per Meile. Die Staats- garantie beträgt sonach im Ganzen für Starkenburg und Rheinhessen 798,000 fl., für Oberhessen 994,000 fl. Dieser Vergleich der Verschiedenheit der Baukosten und Garantie ist von Interesse.
(A. f. O.)
Ostenbach, 19. Febr, Das von 'Mannheim und Mainz in der Gasangelegenheit gegebene Beispiel hat auch hier gezündet und fand gestern Abend im Saale des Gasthauses „zum Schwanen" eine sehr stark besuchte Versammlung hiesiger Gasconsu- menten statt. Zweck der Besprechung war die Beschaffung billigeren Gases unter Beibehaltung der hier anerkannt trefflichen Qualität. Das Resultat der langen Verhandlungen war, daß eine Commission zum weiteren Verfolg dieser Angelegenheit niedergesetzt und dieser folgende Punkte als Richtschnur gegeben wurden: 1) Herabsetzung der Preises für Gas statt wie seither für 1000 Kubikfuß 5 fl. auf 3 fl bei gleicher Qualität; 2) Aufhebung der Verzinsung der Gasometer; 3) gleiche Berechnung für Röhrenlegung und besonders billigere Berechnung bei Reparaturen für alle Consumenten; 4) sollte eine Vereinbarung mit der hiesigen Gasgesellschaft auf Grund der gefaßten Beschlüsse nicht innerhalb 14 Tagen erzielt werden, so soll das Brennen von Gas aufhören und an seiner Statt Petroleum, als der billigste Brand, eingeführt werden; 5) sollte die Gasgesellschaft erst später auf die gerechten Forderungen eingehen, so soll dieselbe die Consumenten schadlos halten und die angeschafften Petroleumlampen auf ihre Rechnung übernehmen. Die Commission wurde schließlich beauftragt, ehe sie mit der Gasgesellschaft sich in's Benehmen setzt, bei den Consumenten herumzugehcn und sie auf Ehrenwort zu verpflichten. den angenommenenGrundfätzen nachzukommen.
Aus Nheinheffen, l7. Febr. Vor einiger Zeit brachte das „Fr. Journ." eine Correpsondenz aus Ober- hessen über die projectirte polytechnische Schule in
Darmstadt, der wir aus vollem Herzen beistimmen können und die wohl im Allgemeinen die Stimmung unserer ganzen Provinz über diese Frage ausdrückt. Da dieselbe während der nächsten Wochen in unserer zweiten Kammer zur Verhandlung kommen wird, so halten wir es für Pflicht, das öffentliche Interesse dafür rege zu halten. Wir halten mit dem oberhessischen Correspondenten dafür, daß der Antrag 38,000 fl. für eine polytechnische Schule in Darmstadt aus Staatsmitteln zu bewilligen, durchaus abzulehnen sei. Will man denn abermals so viele Tausende riskiren, um einen neuen unglücklichen Versuch zu machen, wie das allerdings schöne Gebäude in Darmstadt zweckmäßig verwendet werden könne? Denn zu welchem Ende soll das ganze Project führen? Wenn nian auch nur die geringste Hoffnung haben will, daß die zu gründende Anstalt gedeihen soll, so muß sie doch wcnigens mit der uns zunächst gelegenen derselben Art dem Polytechnikum in Karlsruhe auf gleiche Stufe gestellt werden. Es müssen Fachlehrer von Rus angestellt und die nothwendigen Lehrmaterialien, Sammlungen u. s. w. angeschafft und unterhalten werden. Besitzt auch die polytechnische Schule in Darmstadt schon Manches, so ist dies doch nur ein kleiner Bruchtheil von Dem, was nothwendig ist, um einem Karlsruher Polytechnikum Concurrenz zu machen. Das jährliche Budget dieser Anstalt beträgt, so viel wir wissen, ungefähr das Dreifache der angeforderten Summe. Und man will in Darmstadt mit 38,000 Gulden ein Polytechnikum gründen? Warum, wenn unser Land denn einmal ein Polytechmkum haben soll, legt man es nicht nach Gießen? Nach dem Anerbieten, daß diese Stadt gemacht hat, bedarf es keines besonderen Opfers mehr, um dort eine lebensfähige derartige Anstalt zu Stande zu bringen, weil die meisten dazu nöthigen Lehrkräfte schon vorhanden sind, während sie nach Darmstadt erst berufen werden müßten. Und zugleich wäre die Verbindung des Polytechnikums eine Aufbesserung der letzteren, die sie endlich einmal verdient hätte! Darum keine polytechnische Schule nach Darmstadt! Man verwende einen Theil jener angeforderten Summe zur Aufbesserung der übrigen höheren Anstalten, Gymnasien und Realschulen, und man erweist dadurch dem ganzen Lande eine Wohl- that, während mit der Bewilligung obiger Summe nur ein in der Geburt schon fehlgeschlagener Versuch gemacht würde, einer im Verhältniß der Größe unseres Landes schon allzu bevorzugten Stadt, auf Kosten des Landes neuen Glanz zu verleihen!
(Fr. I.)
Groß-Gerau. Am 15. Febr. wurden einem hiesigen Bürger 4 Kinder, 3 Mädchen und 1 Knäb- lein geboren. Leiter lebten alle 4 Kinder nur circa 12 Stunden. Die Mutter der Kinder soll ein schwächliches Frauchen fein.
Berlin. In Folge der jüngsten Vorgänge auf Hamburger Auswanvcrerschiffen hat bekanntlich das Bundeskanzleramt eine Prüfung ver zur Sicherheit der Auswanderer bestehenden Einrichtungen angeordnet und wird von Seiten des Marinedepartements der Corvettencapitän Henk als Commissär dabei fungiren.
Wiesbaden, 19. Febr. Herzog Adolph läßt die 1866 nach Straßburg geflüchteten Weine, im Werthe von beiläufig 5 bis 600,000 fl., in der nächsten Zeit nach Bibrich zurückbringen und dort gegen Ende April in einer Auetion aussetzen. Die edlen Flüchtlinge werden in der alten Heimach herzlich willkommen sein.
Neustrelitz, 19. Febr. Die Vollmachten der mecklenburgischen, für Sloman in Hamburg arbeitenden Auswandenmgsagenten sind bis zur Beendigung der Untersuchung der Vorfälle auf dem Schiffe „Leibnitz" suspendirt.
Wien, 19. Febr. Die Morgenblätter melden, gestern sei bei dem für die Gäste veranstalteten wel- fischen Hoffestc vom Könige Georg ein Toast ausge- bracht worden, ungefähr lautend: Der König danke für die Hieherkunft zum Familienfeste, welche für die Zusammengehörigkeit des WelfenhauseS mit dem hannoverschen Volke zeuge. Der König hege die Ueberzcugung, daß er als freier König wieder nach Hannover zurückkehren werde. Auch seine Ahnen hätten das Land verlassen müssen und seien dennoch zurückgekehrt, ein größeres Welfenreich vorfindend. Die Vorsehung berechtige ihn, zu glauben, daß er als freier, unabhängiger König wieder zurückkehren werde. Der König brachte ein Hoch auf Hannover und baldiges Wiedersehen im Welfenreiche au«. Beim Bankette waren durchweg nur Hannoveraner anwesend.
Locales.
Die öffentliche Niederlage in Gießen.
(Fortsetzung und Schluß.)
Außer den vorerwähnten Bestimmungen könnten noch verschiedene andere angeführt werden, welche
wie jene bezwecken, dem Handels- und Gewerbsstande im Falle der Benutzung der öffentlichen Niederlage Vortheile zu gewähren. Mit der Entziehung des Niederlagsrechts wegen Mangels eines entsprechenden Lo- eals würden diese Vortheile für die hiesigen Industriellen verloren geben. Außerdem würden die letzteren aber noch anderer bisher gewohnter Erleichterungen und Vortheile entbehren müssen. Da nämlich nur den Hauptzollämtern mit Niederlage ausgedehnte Befugnisse in Bezug auf Revision und Abfertigung von zollpflichtigen Waaren eingeräumt sind, so würde mit dem Wegfall des Niederlagsrechts auch eine Beschränkung der Competenz des hiesigen Hauptzollamtes eintreten. Dasselbe würde hinfort nur noch beim Süß a ar en eingang mit b er Post eine selbstständige Zollbehandlung vornehmen, im klebrigen aber nur von den an hiesige Einwohner bestimmten ausländischen Waaren die vorher bei anderen eompetenten Hauptämtern durch speciclle Revision festgestellten Zollbeträge erheben können. Die Weiterversendung von Waaren unter Zollcontrole würde von hier aus nicht mehr möglich sein und der Bezug von ausländischen Waaren unter Eisenbahnwagen-Verschluß im sog. Ansageverfahren, worauf die Industriellen mit Recht einen großen Werth legen, müßte aufhören. Die Folge von allem dem würde fein, daß den betreffenden hiesigen Gewerbtreibenden der Betrieb ihres Geschäftes, sowie die Concurrenz mit Geschäftsgenossen an Niederlageorten wesentlich erschwert würde und die weitere Folge, daß sich zur Errichtung neuer industrieller Etablissements, für welche sonst die günstigsten Bedingungen hier vorhanden sind, keine Unternehmer mehr finden würden.
Die Nothwenvigkeit dem zu begegnen, liegt gewiß vor. Es wird dies auch anerkannt, dabei jedoch bestritten, daß die Stadt es fei, welche die Kosten für den Neubau eines Lagerhauses zu übtrnehmen habe. Einige erachten den S t a a t, andere die Industriellen selbst, als die zunächst Jnteressirten, dazu verbunden. Die Vertreter ver letzteren Ansicht berücksichtigen nicht, vaß die hiesigen Industriellen eine geschlossene Corporation mit gemeinschaftlichem Vermögen nicht bilden und daß es den Einzelnen billi- der Weise nicht zugemuthet werden kann, einen Theil ihres Vermögens zur Gründung einer öffentlichen Anstalt hinzugeben, welche zu benutzen die Nachkommen derselben vielleicht schon in der zweiten Generation gar nicht mehr in der Lage sein werden. In Betreff der anderen Ansicht, wonach der Staat die Kosten tragen soll, ist dagegen zu bemerken, daß der letztere bis jetzt für solche Zwecke in keiner Stadt des Großherzogthums in Anspruch genommen worden ist, daß vielmehr an allen Orten, wo öffentliche Niederlagen errichtet wurden (in Darmstadt, Offenbach, Mainz, Bingen, Worms und vor Kurzem noch in Bensheim), die Kosten von der Commune übernommen worden sind.
Die Gegner machen vornehmlich geltend, daß die finanziellen Verhältnisse der Stadt die Uebernahme der Kosten nicht zuließen. In wie weit dies begründet ist, soll hier nicht untersucht, sondern nur gezeigt werden, daß über das Maß der fraglichen Kosten vielfach übertriebene Vorstellungen bestehen. Nach den bestehenden Vorschriften kann nämlich für die Benutzung der Niederlage die Entrichtung eines sogenannten Lagergeldes beansprucht werden, bezüglich dessen in der oben gedachten Vervrvming (Reg.-Bl. Nr. 17 von 1838) bestimmt ist:
„Das Lagergeld wirv für jeden Packhof nach dem örtlichen Kostenbedarf besonders festgestellt, darf jedoch (wo Vie Nieverlagen für Rechnung des Staates verwaltet werven) die folgenven Sätze nicht überschreiten:
Für bas Lager monatlich:
a) von trockenen Waaren vom Gentner 3 fr.;
b) von flüssigen Waaren vom Gentner 4t/2 fr." Nimmt man nun beispielsweise den Satz von 1 fr. per Gentner und Monat und einen durchschnittlichen Lagerbestand von 8000 Gentnern, auf welchen nach eingezogener Erfunvigung zu rechnen ist, an, so trgiebt sich eine jährliche Einnahme an Lagergeld von 1600 fl., welcher Betrag der Rente eines zu 5 pEt. angelegten EapitalS von 32,000 fl. gleichkommt. Der Aufwendung eines Kapitals von dieser Höhe wird es aber nicht einmal bedürfen, um ein den Anforderungen entsprechendes Niederlagelocal herzustellen.
Da angenommen werden darf, daß der Gemeinde- rath nur nach reiflicher Erwägung aller in Betracht kommenden Verhältnisse seine Entschließung in dieser Sache fassen wird, so können die Industriellen derselben wohl mit Vertrauen entgegen sehen.
Redaetion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


