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Nieren wie an Glätte der Welterfahrung unter ihm. Der sehr weit vorgerückte Abend und die Menge der geleerten Clicquot-Flaschen thatm seiner unverwüst­lichen Heiterkeit keinen- Eintrag. Jetzt bestürmten ihn seine Zechbruder, er solle singen. Einer schlug vas Piano auf, welches im Speisesaale stand; ein Zweiter begehrte vas Trinklied aus Robert, ein Dritter schlug das aus Zarnpa vor. Nach einigem Bitten setzte sich Damiani an's Piano unv sang beide mit Warme, mit Leivenschast und mit guter Schule, «eine Stimme war nicht mehr frisch und voll, das Falsett war schwach und dünn, aber sie mußte einst ein schöner Bariton gewesen sein. Sein Gesang war ganz vramatisch, tadellos rn Schule, Ausdruck und Phrasirung, und erntete stürmischen Beifall. Das Trinklied aus Robert mußte er wiederholen, und die Zuhörer fielen ein:Hast ja gesagt, das Gold ist nur Chimäre!" UndWürfel her! spielen wir! machen wir ein kleines Spiel!" tönte es durch den Saal, unv im Nu blinkten Haufen Gold unv Silber auf dem weißen Tischtuch, die Würfel klapperten im Becher, und Damiani hielt die Bank.

Ziemlich entfernt an einen der eisernen Pfeiler des Saales gelehnt, ver­folgte der Buchhalter schüchtern und ohne Aufsehen den Gang des Spiels. In seinem Innern ging etwas vor, was er mit Mühe va drinnen verborgen hielt. Bei den ersten Strophen von Damiani's Gesang war er jählings aufgestanden, und hatte sich so gestellt, baß er dem Sänger in's Gesicht sehen konnte; und nun verwandte er'keine Sekunde lang vas ernste forschende Auge von ihm, und auf seinen Zügen lag etwas wie lauernde Erwartung. Dann glättete sich sein Antlitz, und er kehrte leise auf seinen Platz zurück, blickte in sein Glas und schlürfie bedächtig in langen Zügen dessen Inhalt, bis das Spiel begann, wo er sich auf's neue so stellte, daß ihm keine Falte in dem voll beleuchteten Ge­sicht des Italieners entgehen konnte. Und als er dann endlich genug von^ihm gesehen haben mochte, zahlte er seine Zeche, und ging fast unbemerkt aus dem Saal.

Dieser Mensch ist gefährlich," murmelte der Buchhalter vor sich hin;aber ich wage es dennoch mit ihm. Er soll sein Ziel nicht erreichen."

Am andern Tage beschied der Buchhalter den Brigadier der Gensd'armerie zu sich und hatte eine lange Unterredung mit ihm, welche den angeblichen Gra­sen Damiani betraf, dann suchte er den Postmeister auf und flog auch mit die­sem ein sehr vertrautes unv angelegentliches Gespräch unter dem Siegel der größsten Verschwiegenheit. Die Folge davon war, daß Damiani noch am selben Abend erfuhr, Vie Polizei sei auf ihn aufmerksam gemacht, was ihn sichtlich nicht behaglich stimmte.

Zwei Tage später saß der Buchhalter auf seinem Reitstuhl im Comptoir, als ihm noch früh am Nachmittag ein Knabe ein Billet überbrachte, welches nur die Worte enthielt:Heute Abend um sechs Uhr, wenn die T. mit H. in's Theater geht, soll die Entf. stattfinden." P. Der Buchhalter hatte Kaltblütig­keit genug, dem Jungen ruhig sagen zu können:Schon gut; ich werde kom­men! Ein Besuch von einem Freund, Onkel, der auf der Durchreise Stocks­heim berührt unv mich in seinen Gasthof einlädt," sagte er dann entschuldigend zu seinem Oheim, nahm Hut und Ueberrock und ging. Sein erster Gang galt dem Brigadier, der zweite dem Postmeister, um in aller Stille Pferde zu bestellen, dann eilte er nach dem Landhause und sprach Paulincn ohne Zeugen, ging dann auf sein Zimmer und schloß sich daselbst ein.

Pauline wankte umher wie ein Schatten, obschon sie dem Buchhalter gelobt hatte, gefaßt zu sein unv sich nichts merken zu lassen. Als Ver Wagen vorfuhr, welcher Vie Commerzienräthin unv ihre Tochter in's Theater bringen sollte, war sie Zeuge davon, wie Ida sich lautweinenv an der Mutter Busen warf, unv wie viese sie zu beruhigen suchte. Dann ging Vie bethörte Mutter, zufrieven vamit, dafür gesorgt zu haben, daß ihre Tochter nicht mit Damiani allein reiste, sondern ein Mädchen mitnahm, das schon seit Jahren im Hause diente. Kaum war der Wagen weggefahren, so huschte eine dunkle Gestalt in einem Mantel in den Gartensalon, jedoch nicht unbemerkt, Denn in Dem anstoßenDen Winter­garten lauerte schon sein Doppelgänger. Iva kam mit ihrem MäDchen, beiDe bebend wie Espenlaub. Damiani suchte seine Geliebte zu beruhigen, und schleppte sie beinahe mit sich fort durch Den dunklen Garten unv Park an eine Hinter- thüre, Die auf einen Feldweg mündete. Hier stand ein Diener in Livroe und wartete auf Die Flüchtigen, nahm Den kleinen Koffer in Empfang, welchen das Mädchen trug, und schritt Den Drei Personen durch Den dunklen nebeligen Abenc voran. Noch waren sie nicht zehn Schritte entfernt, so kletterte Der Buchhalter so behend als es sein Mantel erlaubte, über das Pförtchen, Das Damiani hinter sich verschlossen hatte und im selben Augenblick trat auch eine hohe dunkle Ge­stalt aus dem Schatten Der Hecke unD bot Dem Buchhalter hülfreiche HanD.

Sputen Sie sich, Herr BalDer, und laufen Sie im Schatten Der Hecke bis zu dem Wagen. Ich habe Alles abgemacht. Der Spitzbube fährt nicht mit Extrapost, sondern mit der Equipage des jungen Dönning, der seiber kutschirt. Ich habe den Lakai durch Versprechungen unD Drohungen gewonnen, daß er Ihnen Den Hintersitz überläßt, sobalD Der Wagen sich in Bewegung setzt. Dön­ning führt die Leutchen nur bis zur nächsten Poststation, hernach soll Extrapost genommen werden. Aber so gut seine Mecklenburger auch laufen mögen, so will ich doch noch vor ihm Dort sein. So, jetzt nur fort! unser Wagen steht im Hofe der untern Mühle." _

Der Buchhalter lief wie ein Fuchs im Schatten der Hecke die Anhöhe hinunter bis in den Hohlweg, wo Dönning's Wagen stand. Die Frauenzimmer und Damiani waren schon eingestiegen; der Besitzer des Wagens im Pelzroö saß auf Dem Bock, der Diener zündete Vie Laterne eben an. Balver drückte sich hinter den Wagen, und im Augenblick, wo Ver Lakai beiseite trat, um Den Wa­gen vorüber zu lassen, schwang er sich auf den Reitsitz hinten und riß dem Lakai den gallonirten Hut ab, Der Dann rasch hinterher lief, sich seines Ueberrocks ent­ledigte und ihn seinem Ersatzmann überlieferte. Der Buchhalter verwandelte sich in den Lakaien, und bog sich Dann so weit vorwärts, um in den Wagen her­einzusehen, soweit es das dürftige Licht der beiden Laternen erlaubte.

So fuhr Der Wagen Durch Die kühle, stille, nebelige Nacht. Die fünf Viertelstunden nach der nächsten Poststation vünkten alle, die in unv auf diesem Wagen fuhren, eine halbe Ewigkeit. Glücklicherweise kam kein Fuhrwerk irgenv welcher Art hinter ihnen her, sondern sie durften sich alle einer gewissen Sorg­losigkeit in Betreff der Verfolgung hingeben, und nur in Der letzten Viertelstunde Der Fahrt bemerkte Herr BalDer von seinem hohen Sitze aus einen Wagen, Der ihnen in einiger Entfernung voranfuhr. Es war die Extrapostchaise, worin Der Brigadier mit einem Gensd'armen fuhr; dieser hatte auf Seitenwegen abfeit der Landstraße einen Vorsprung von einigen Minuten gewonnen.

Jetzt bog man in den Flecken ein, an dessen jenseitigem Ende das Posthaus lag. Des Buchhalters festgeschlossene Lippen und gerunzelte Stirn verkündeten (inen unerschütterlichen Entschluß unv eine eiserne Willensfestigkeit. Der Wagen

hielt unD er schwang sich herab, um Den Schlag zu öffnen; da nahm ihm jemand den Hut vom Kopfe es war Der Lakai, Der mit Dem Brigadier vorangefahren war. Er hob Damiani und Die Damen aus Dem Wagen, und führte sie zu einer Extrapostchaise, die schon vor dem Posthause reisefertig hielt. Damiani kutzte, aber in Dem Glauben, fein Freund Dönning habe dieß angeordnet, gab er Den ursprünglichen Plan auf, sich mit feiner Geliebten auf eine Viertelstunde ein Zimmer geben zu lassen, und hob Iva in den Wagen; ihr MäDchen und er folgten, und aus dem Schlage der Postchaise heraus nahmen Damiani unD ein FreunD noch einen zärtlichen Abschied.

Nun fort, und alles Glück auf Den Weg!" flüsterte Dönning;wo ist Der Postillon?"

Hier," rief Der Brigadier unD trat hinter einem Holzstoße hervor;Dies­mal fahre ich, Herr Dönning, aber nur nach Hause. Sie ftnD verhaftet, Herr Dönning, irn Namen des Gesetzes! GensD'arm Fester, führen Sie den Herrn in das Posthaus!

Damiani hatte aus dem Schlage springen wollen, aber an der einen Seite des Wagens tauchte Die Pickelhaube eines GensD'armen, an Der anDern des Buchhalters bärtiger Kopf auf, dessen Fäuste sich wie eiserne Bänder um Den Hals unD Das rechte HanDgelenk des Italieners legten.

Lichter her!" rief Der BrigaDier, unD im Nu war Der Posthof hell von Lichtern unD Laternen unD gefüllt mit einem Dutzend handfester Männer.Was hat der Herr mit Den beiden Frauensleuten da Drinnen vor?" fragte Der Bri­gadier unD leuchtete in Den Wagen hinein;Der Herr ist verhaftet als einer, Der seinen Gläubigern heimlich entwischen wollte."

UnD als Der Entführung einer jungen Dame überwiesen, Die noch nicht volljährig ist, zwölf Jahre Zuchthaus," setzte Der Buchhalter hinzu.

Damiani's Fassung kehrte toieDer.Wohlan," sagte er in feinem gebroche­nen Deutsch,bringen Sie mich nach Stocksheim zurück unD stellen Sie mich vor Gericht. Ich roerDe Dann Den Namen Der Dame laut genug bezeichnen, Da­mit sie mir bezeuge, es sei ihr freier Wille gewesen, mit mir zu gehen!"

Davon reDen wir hernach Dort Drinnen zwischen Thür und Angel, Signor Alberto Manei," ertoicDerte ihm BalDer.Ihr Spiel ist für Diesmal verDorben."

Ida hatte sich mit einem lauten Schrei an Den Geliebten angeklammert, als ihn Der BrigaDier abführen wollte; aber Damiani schien in Diesem Augen­blick gar nicht zärtlich gestimmt, sonDern ganz mit sich selbst beschäftigt zu sein, unD ließ Den Buchhalter gewähren, Der Ida sanft am Arme ergriff unD ihr zu- flüsterte:Kommen Sie, Cousine! überlassen Sie Viesen Menschen seinem Schick­sal, unv entwürvigen Sie sich nicht vurch einen Act unzeitiger Großmuth. Dort Drinnen werDen Sie erfahren, welch eine schreckliche Gefahr Ihnen geDroht hat, Die wir mit Gottes Hülfe noch glücklich abgewanDt haben!"

WiderstrebenD ließ Die tief erschütterte weinenDe Iva sich von Dem Buch­halter in's Haus führen, wohin ihnen Der BrigaDier unD Die Gensv'armen mit ihrem Verhafteten vorangegangen waren.

(Fortsetzung folgt.)

Die deutsche Seemannsschule auf der Elbinsel Steinmarder bei Hamburg.

Die Nothwendigkeit, die für unsere deutsche Jugend fetzt so beliebte und vortheilhafte See- mannölaufbahn in jugendlichem Alter zu beginnen, war bisher ein großer Uebelstand, weil die unvorbereitet den Seedienst antretenden jungen Leute in der Regel nur sehr mangelhafte, wenig­stens mangelhafte fachliche Schulbildung mit aufs Schiff brachten und das praktische Leben, die Neuheit der Verhältnisse ganz und gar ihre Aufmerksamkeit beanspruchten, so daß für die Theorie weder Zeit noch Gelegenheit, noch Anleitung blieb. Ein anderer Nebelstand für die ,ee- unqewohnten jungen Leute, sogenannteLandkrabben-- war, daß sie häufig m Folge der durch ihre seemännische Unbeholfenheit hervorgerufenen derben Behandlung ihrer Vorgesetzten ihren mit so vielem Eifer ergriffenen schönen Seemannsberuf bald wieder aufgaben und dadurch Zeit und Geld, ja nicht selten durch den längeren müssigen Aufenthalt in der großen Hafenstadt zur Er­langung einer Stelle auf einem Seeschiff, sogar ihre Gesundheit einbüßten.

Diesen und anderen Uebelftänden für unsere seeluslige deutsche Jugend ist durch das oben ge­nannte Institut abgeholfen, welches vor 5 Jahren von zwei Capitänen und Offizieren der weiland deutschen Kriegsmarine, der Herren Schuirmann und Thaulow mit Hülse patriotischer Hambur­ger Schiffsrheder zu dem Zweck in'd Leben gerufen wurde, 1315jährige seelustige Knaben theoretisch und prattisch für das Seefach vorzubereiten, nach beendetem zweijährigen Emstus aus einem Seeschiff unterzubringen und somit in ihre Laufbahn gut einzuführen. Daß der Anstalt dieß in erfreulichster Weise gelungen ist, geht zur Genüge daraus hervor, dap dieselbe wahrend ihres 5jährigen Bestehens schon 175 Zöglinge (fast alle Söhne guter Familien aus allen Gauen Deutschlands) aufgenommen und 140 vorbereitet und untergebracht hat. Die Letzteren befahren die entferntesten Meere, sind mit wenigen Ansnahmcn bis jetzt sehr glücklich gewesen und werden von ihren Capitänen wegen ihrer Tüchtigkeit nnd Zuverlässigkeit besonders gelobt.

Neben der bisherigen Ausbildung junger Lente für die Handelsmarine wird die See- maunsschule mit dem 1. April d. S. in Verbindung mit der polytechnischen Schule in Hamburg auch solchen jungen Leuten, die sich für die Kriegsmarine bestimmen, Gelegenheit geben sich auf die Kriegsmarine vorzilbereiten, so daß demnach die deutsche Seemannsschule mit Recht als eine Pflanzschule unserer Handels- und Kriegsmarine betrachtet werden darf. In Würdigung dieser Thatsachen bewilligte der Nationlverein vor 2 Jahren und wiederum im vorigen Jahre (kurz vor seiner Auflösung) dem gemeinnützigen nationalen Institut namhafte Beihülfen aus den Flottenfondszinsen, was unzweifelhaft den nngetheilten Beifall der patriotischen Geber sener Gelder gewonnen haben wird. _

Den Eltern aber im Binnenlande, deren Söhne sich für das Seefach bcstimmen^, kann nur dringend gerathen werden, schon früh auf eine gute Realschulbildung statt der im ^nlande üblichen klassischen Vorbildung der Knaben Bedacht zu nehmen und dieselben wenn möglich vor dem M5. Lebensjahre der deutschen Seemannsschule zur seemännischen Vorbereitung zu übergeben. Das daheim gelernte Griechisch und Latein werfen die Seemannsschüler gleich als unnützen Ballast über Bord, während sie in der Regel mit den vernachlässigten Studien der für den gebildeten Seemann unentbehrlichen Mathematik und neueren Sprachen (besonders Englisch) in der See­mannsschule mühselig von vornen wieder beginnen müssen. ________

((fine Mllsteranzeige.) Agenten, denen es Schwierigkeiten machen sollte, ihr Geschäft durch die Affeeuranz oder diese durch das Geschäft zu empfehlen, verweisen wir auf den Raty des Herrn Sam. Dau. Bruch in Saarbrücken, der in dortigen Blättern Folgendes bekannt macht. Feinstes, ächtes Eau de Cologne wird in Vi und Vz Flaschen, bei mir gekauft, gerade, fo al direct von Cöln bezogen, sich calcnliren. Ich bitte den geehrten Theil beS Pudli diesem meinem Depot geneigt seine Erinnerung schenken und ihm gefällige Entbietungen in beim Champagner der Firma Bruch-Foucher & Co. gönnen zu wollen. Auch 0utcf; !fc .-V

unter der so beliebte Pekoe-Congo, halte ich, ohne die Waare auSznstellen, feil, nu Iw-

Wasser in einem ganz von der Wagenschmiere abgesonderten Raume, von weiche wy, zur Bequemlichkeit der kleinen Fuhrleute ein halbes Pfund ii 3 Sgr. ablaste u , 'V; " zugabe das Pfund auf 6 Sgr. erhöhe. Wer wegen der Ungewißheit dee--eben$ $ . l

Inskription derConcordia" nehmen will, kann bei gesundem Körper und nuch t. ? ! um auf Tödesfall den ©einigen ein Capital zu garantiren, ju einet : feljrbi1 gen f

dieser Gesellschaft ankommen, auf welche Lebens-Versichenmgs-.lnstalt ich so J fr -

meister sowohl, wie Beamte und Lehrer besonders aufmerksam mache, d 1 . I ,

sich beiheiligen können und die Familie für den möglichen Tod des Ernährers dann Etwas habe ganz abgesehen von den epidemischen Krankheiten, d" nächstes Fruhzahr nach dem in den östlichen Provinzen eristirenden Typhus anderwärts nicht ausbleiben und leichter da sich einstellen konnten wo nre flüssige Odeurs zur Mischung der Zimmerluft augewedek werden. Prämie der Feuer-Affecuranz wird ebenfalls ordentlichen Leuten ungemein nieder bei mir gestellt Diese und hauptsächlich jene Ver- sicherung empfehle ich angelegentlichst. Saml. Dl. Bruch.