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der Regierung William IV., also in neuester Zeit, erlassen wurde. Durch diese Akte wurde es für Bürger gesetzlich gemacht, der Polizei in Unter­drückung von Unruhen (wobei die Verlesung der RiotS-Akte nicht nothwendig ist) zu Hülfe zu kommen.

Die Erörterung dieser gesetzlichen Details war deßhalb nothwendig, weil offenbar London von den Feniern als Schlachtfeld auserlesen ist und wir hier, wie man allgemein besorgt, ernsten Unruhen ent­gegen gehen, und daß dieselben einen sehr akuten Charakter haben werden. Der Katholicismus hat mit dem Fenianismus nichts gemein; die Fenier haben ausdrücklich erklärt, daß sie die Priester-Herr- schäft in Irland brechen wollen. Doch kommt die religiöse Seite bet dem Fenianismus so weit in's Spiel, als derselbe Engländer und Irländer als fremde sich gegenseitig feindselig gegenübcrstehende Elemente hinstellt. England dankt cs dem Papst- thum, daß es Irland besitzt, und das Papstthum ist einer der Gründe, weßhalb England und Irland sich entfremdet sind. Die irländische Kirche hing ur- sprünglich, und zwar bis zum 12. Jahrhundert, durchaus nicht vom Papste ab, und die Päpste spra- chen von der irländischen Kirche stets im Sinne eines Schisma; Papst Bernard nannte siebar­barisch und fast heidnisch". Im Jahr 1155 erließ Papst Adrian eine Bulle an Heinrich II., durch welche er ermächtigt wurde, in Irland einzurücken, es zu erobern und die katholische Kirche daselbst auf eine bessere Grundlage zu bringen. So liefert die kirchliche Seite der Beweggrund jetzt der poetischen Gerechtigkeit einen Anlaß zur tragischen Sühne. Auch in politischer Beziehung zeigt die fenische Be­wegung, daß England dort gezüchtigt wird, wo gesündigt hat. Man weiß, daß die Engländer wäh­rend des amerikanischen Bürgerkrieges den Conföde- rirten ihre Sympathien zuwandten, und alle Fenier von Bedeutung sind ehemalige consöderirte Officiere!

England hat die. schreckliche Hungersnoth von 1847 und die Auswanderung, welche seit mehreren Decennien in Irland epidemisch geworden ist, nicht verstanden, und dieses Mißverständniß hat den Fenia­nismus hervorgerufen. Es ist officiell bewiesen, daß die Hungersnoth vom Jahre 1847 eine Million Irländer dahingerafft hat. Es ist ebenso gewiß, daß seit vielen Jahren die Auswanderung von Ir­land so sehr zugenommen hat, daß schon im Jahre 1852 Amerika um eine Million mehr Irländer zählte als Irland selbst! Diese Thatsachcn sind das Mene Tekel Upharsim, die auf der Wand geschrieben er­scheinen und die England nicht versteht! (Südd. Pr.)

den Feniern Irlands verbinden würden! Man lese täglich in den Londoner Blättern die Beschreibungen des Elends, das in Poplei, Roterhithe, Bow, Strat- fort), Jsle of Dogs, Dommercial-Docks, Whitechapel, Bermondsey, Bethnal-Green und andern Typhus- Nestern Londons täglich zahlreiche Opfer verschlingt, und man frage sich, welche Situation entstehen würde, wenn eine Coalition dieses Elends mit dem Fenia­nismus stattfinven sollte. In dieser Besorgniß allein l iegt der Grund, weßhalb die Regierung alle Be- stzenden aufgefordert hat, sich alsSpecial-Con- kabler" einschwören zu lassen, was jetzt in aller Stille in allen Polizeiämtern Londons geschieht. Als man im Jahre 1848 Furcht vor den Chartisten hatte, wurden 150,000 Bürger Londons, welche den Eid als Constabler zur Erhaltung der Ordnung ge­leistet hatten, in den verschiedenen Vierteln Londons aufgestellt. Bekanntlich war auch Louis Napoleon damals einer der Special-Constabler Londons. Es ist kein Zweifel, daß ganz London noch viel ärgere Dinge erwartet, als man bisher gesehen hat, und alle Leute, die etwas zu verlieren haben, bewaffnen sich und lassen ihr Eigentdnm durch ihre Privat­polizei bewachen. Der oberste Gerichtshof Englands hat kürzlich die constitutionelle Frage erledigt, daß es in England kein Standrecht gebe, und daß das­selbe daher nie verkündigt werden kann. Unter diesen Umständen ist die Regierung genöthigt, die Polizei so beträchtlich als möglich zu verstärken. Der Con- stitution Englands (dieser unsichtbaren, ungreifbaren, ungeschriebenen Macht zufolge) kann die Armee nur dann zur Unterdrückung eines Aufstandes benützt wer­den, wenn 1) eine aufrührerische Versammlung statt- finbet, von der gesetzlich nachgewiesen werden kann, daß sie zu Ruhestörungen führen könnte, 2) wenn ein Richter dieser Menge dieRiots-Akte vorliest und 3) eine volle Stunde nach dieser Ver­lesung verstrichen ist und sich die Menge noch nicht zerstreut hat. Jeder Officier, welcher vor Erfüllung dieser Formalitäten, die übrigens durch kein aus- drückliches Gesetz, sondern wie alles in England blos durch das gemeine Recht (cemmon law) bedingt werden, Feuer commandiren, und jeder Soldat, wel­cher auf ein solches Commando hin schießen und Jemand tödten würde, unterläge der Möglichkeit einer gesetzlichen Anklage auf Mord. Die Frage, ob die Volonteers zur Unterdrückung eines Aufstan­des benützt werden dürfen, ist vor einigen Monaten im Parlament discutirt worden, ohne daß diese schwierige constitutionelle Frage gelöst wäre. Es bleibt also nur mehr das Gesetz übrig, welches unter

Sie? Und Onkel Christian ? und die lieben Leutchen insgesammt in Wetterfeld V Sie haben doch Alle ganz gesund verlassen und bringen uns freundliche Grüße mit? Ach, wie ich mich freue, daß Sie nun bei uns bleiben werden! Onkel Gottfried erwartet Sie ungeduldig, und Sie treffen einen Berg von Geschäften an, denn Herr Sömmering, der frühere Buchhalter, ist schon seit zehn Tagen für den Onkel nach Amerika. . . . Aber verzeihen Sic mir, Herr Ru . . . - Herr Balder! wie thöricht, daß ich Sie hier zwischen Thür' und Angel stehen lasse und nicht bedenke, daß Sie von der Reise müde und hungrig sein müssen! Kommen Sie, ich will Sie in das Zimmerchen führen, das Sie einstweilen be­wohnen sollen, bis Sie auf der Fabrik einziehen können! So, nur mir nach, wenn's beliebt!"

, Nur einen Augenblick Geduld, liebe Cousine!" bat Balder lächelnd.Hier kommt so eben mein Gepäck. Ich will es erst bei diesem Manne da auslösen!" Er legte den Koffer, den Reisesack, die Hutschachtel und den Pack Teppichshawls auf die Bank im Hintern Flur, und reichte dem Ueberbringer ein Trinkgeld.

Mittlerweile hatte Pauline sich schon mit dem Schirmfutteral und dem Teppich beladen, und einem Diener die Weisung gegeben, den Koffer zu besorgen, da kam Herr Stephan wieder herzu und rief:Halt, Jean! erst den Damen ihre Koffer und Schachteln hinauf! Herr Balder mag warten . . . ."

Warten?" versetzte dieser;stehen Ihnen nicht mehr Leute zu Gebot?

Ich dächte doch, ein Verwandter des Hauses verdiente schon einige Rücksicht!" Und ich dächte, ich wäre alt genug, um selber zu wissen, was ich zu thuu habe, ohne die neuen Vettern," versetzte der Haushofmeister barsch.Erst die gebetenen Gäste!"

H^n Balder'S Gesicht überlief eine dunkle Röthe und er wollte eine btt-- tere Antwort geben, aber er sah Paulineu's Augen mit einem ängstlichen bitten- den Blicke aus sich haften, und sie flüsterte ihm zu:Kommen Sie, Vetter! nur einen Augenblick Gedulo, dann sende ich Ihnen die Sache herauf! Oder nehmen Sie lieber einstweilen den Reisesack selber mit!"

Ich? ... . Nun ja, Sie haben recht, Väschen! Kommen Sie!" und er folgte ihr die Hintertreppe hinan. Aus dem Mittlern Stockwerk scholl ihnen die Musik einer rauschenden Quadrille entgegen, und jetzt erst fiel Balder auf, daß die hübsche Cousine vor ihm gar nicht ballmäßig gekleidet sei.Ah, Ihr habt einen großen Festball im Hause, Büschen! Darf ich S>e auch um eine Tour bitten?"

Mich, Herr Vetter?" fragte sie und sah ihn mit einem wchmuthigcn Lächeln forschend an, als ob er sie wohl zum Besten haben wolle;da müßten wir beide nur drunten im Gartensaale tanzen, denn hier oben haben wir beide nichts verloren."

Wir beide, Büschen? und warum nicht?"

",Ach gehen Sie! der Ball gilt ja nur dem reichen Vetter Robert, der vorhin angekommen ist!" erwiederte sie.Uns arme Verwandte würde die Frau Commerzienräthiil mit scheelen Augen ansehen, wenn wir auch nur den Gedanken hegten, uns in ihre Zirkel zu drängen. Und Sic werden auch nicht hingehen, Vetter, wenn Sie es nicht von vornherein mit des Onkels Frau verderben wollen! Sie würde Ihnen diese Anmaßung nie verzeihen," setzte sie mit gedämpfter Stimme hinzu.

Aber Sie sagten ja so eben, der Ball werde dem Vetter Robert zu Ehren gegeben? Was hat denn Er . . . ."

Ach, sehen Sie, Rudolph," erwiederte Pauline leise;er ist reich, und man sagt, er solle Väschen Henrietten heirathen wenigstens wünscht die Tante diese Verbindung und so ist es mit diesem eine ganz andere Sache . . . Aber halt! nicht hier herein! noch eine Treppe höher!"

Dem Himmel immer noch näher?" fragte Balder;das ist ja schon der Speicherboden!"

Allerdings, aber die Gastzimmer unten im zweiten Stockwerk sind schon besetzt; dort wohnen Vetter Robert und die weiblichen Ballgäste aus Veltheim. So, hier ist Ihr Stübchen, mit dem Sie sich auf einige Tage begnügen müssen, bis Sie Ihre Wohnung in der Fabrik beziehen können! Nun machen Sie sich's behaglich; ich werde Ihren Koffer heraufschicken und dann befehlen Sie nur, was Sie speisen wollen, wenn Sie nicht vorziehen, drunten bei uns zu spei­sen. Vielleicht soll ich dem Oheim sagen, daß Sie angekommen sind?"

Ei gewiß! und sagen Sie ihm, daß ich mich freuen würde, ihn zu sprechen. Er ist aber wohl auf dem Balle?"

Er? O nein, das ist nichts für ihn," sagte Pauline.Er verkehrt nicht viel in den Gesellschaftszimmern der Tante. Und gerade heute ist er so gedrückt und unwohl und hat sich in sein Stübchen eingeschlossen. Ader ich werde ihn von Ihrer Ankunft in Kcnntniß setzen, wenn ich ihm sein Adenbrod bringe, und dann verlangt er Sie gewiß noch zu sehen, denn er hängt mit einem treuen Herzen an seinen Blutsfreunden. Also auf Wiedersehen, Herr Vetter!"

Auf Wiedersehen, Cousinchen!" sagte Balder und drückte ihr mit einem freundlichen Blick in ihre klaren Kindesaugen die Hand. Dann eilte sie fort.

Balder sah ihr gedankenvoll nach, bis ihr leichter Schritt nicht mehr auf dem Corridor und auf der Treppe hörbar war; dann drehte er sich um und betrachtete sich schweigend das kleine, dürftig möblirte Zimmerchen, worein sie ihn geführt hatte. Es war halb unter dem Dache, schmuck und reinlich, aber so ziemlich allen Comforts bar.Meiner Treu," murmelte er,da hält' ich besser gethan, wenn ich im Gasthof geblieben wäre! Entweder ist das Haus über- füllt von Gästen oder es ist eine Freiheit, die sich dieser Beugel von HauShof- meister erlaubt hat. Jenun, ä la guerre comme ä la guerre! und er warf Hut und Mantel auf das blendend-weiße Bett, und begann feinen Reisesack auf- zuschließen.Aber der Geier mag wissen, was für ein Mißverständniß hier herrscht! Wer in aller Welt ist denn der vermeintliche Vetter Robert da brunten und für wen hält man mich, daß mich diese landfremde Cousine so zutraulich empfängt ? Hat denn der Onkel Christian in Wetterfeld einen Sohn von meinem Alter? Ich glaube V.,, obschon ich leider nicht mehr von ihm weiß. .

In diesem Augsichlicke hörte er draußen auf dem Corridor schwere Schritte und das Oeffucn und Zuschlägen einiger Thllren. Dann rief eine Männerstimme: He, Herr Balder! Herr Vetter! wo stecken Sie denn? _

Hier!" rief Balder und öffnete die Thüre;ah, tote bringen meine Koffer!" wandte er sich an den Diener. . f« « Tl-

3a," sagte dieser,aber wer hätte Sic hier gesucht, in Mamsell Pault- nens Stübchen?" ir r ,

(Forts, folgt.)

Der Fenianismus und dre englische Gesetzgebung.

Als Catharina ihre bekannte Reise durch jene Theile Rußlands machte, in denen es bloß eine ver­hungernde Bevölkerung in elenden Dörfern gab, ver- heimlichte Potemkin diesen schauderhaften Anblick vor ihr durch IDecorationen, die auf ihrem Wege aufge- fteüt wurden, und welche dieses Elend und diesen Jammer vor ihr verbargen. Aus dieselbe Weise hat England seit Jahren einepapierne" Freiheit und einen Wohlstand auf dem Papier vor das Elend und das Unglück Irlands gehalten, damit die Welt nicht die Wahrheit wahrnehmen könne. Das große Argument der englischen Blätter ist noch letzt alle Tage was will Irland mehr von uns ? besitzt es nicht die besten Gesetze und die unbeschrankteste Frei- beit? Diese Gesetze und diese Freiheit sind nur ein Stück Papier, eine Theater-Decoration a la Potemkin, und der Fenianismus ist das Elend Ir- lands, das sein scheußliches Haupt hinter der Deco- ration hervorstreckt. Gesetze und Freiheit bestehen in Irland bloS für eine reiche, sehr kleine Minderheit; die Masse des Volkes kennt von dem Leben den Fluch und von der Welt das Leiden. Der Fenianismus ist weder eine politische, noch eine religiöse Erschei­nung ; er ist der Anfang einer socialen Revolution. Deutschland wird den Fenianismus besser verstehen, wenn es sich an die Juni-Jnsurrection von 1848 erinnert. Damals herrschte die unbeschränkteste Frei­heit in Frankreich, gewissenhafte, aufrichtige, gemäßigte Republikaner, erprobte Freunde des Volkes waren am Ruder. Aber es brach trotzdem eine anonyme, programmlose, blutige Revolution aus, welche an Gräueln und Schrecken ohnegleichen in der Geschichte dasteht. Diese Revolution bekümmerte sich nicht um Gesetze und Freiheit; es war vergebens ihr zuzu- rufen, daß Frankreich alles besitze, was eine wohl- geordnete freie Gesellschaft besitzen könne. Liefe düstere, schweigsame, mysteriöse Revolution, die eben­sowenig Leiter hatte, wie der Fenianismus, erhob trotzdem die rothe Fahne, auf der die Worte stan­den:Du pain on la mortD Der Juni-Ausstand mar ein schriller Ton, der durch Europa klang und alle Besitzenden erschreckte - er wurde erstickt, und Europa vergaß Vas häßliche Schauspiel, und weiß vielleicht auch jetzt nicht, daß der Fenianismus der­selbe Aufschrei ist, der von einem andern Winkel der Erde emporgellt! Ein einziges englisches Blatt war kürzlich so aufrichtig, an die Gefahr zu erinnern, welche für England darin liege, wenn die verzwei­felnden, hungernden Männer Englands sich mit