Gesetze des norddeutschen Bundes eingeführt, beziehungsweise, wo sie bereits als Landesgesetze gelten, für Bundesgesetze erklärt werden, angenommen.
Berlin, i2. Juni. Der Reichstag nahm oen Antrag des Abgeoidneicn Friedenthal auf subsidiarische Haftbarkeit der Brennerei- Unternehmer an, ferner den Vertrag mit Hessen wegen der Biersteucr und Branntweinsieuer- Eingebracht wurden Gesetze über die Bundesrechnungs-Behörden und die Beschränkung der Spielbanken.
Aus Thüringen, 8. Juni. Das zu Ehren der Wesallenen, weleye nach der Schlacht bei Dermbach am 4. Juli 1866 dort bestattet wurden, von dem Großherzog von Weimar unter Betheiligung des Offiziercorps der betreffenden Regimenter gestiftete Dentmal ist bei Dermbach feierlich eingeweiht worden. Die bei jener Affcure betheiligten Truppen Preußens und BaiernS waren bei der Feierlichkeit vertreten, auch der Eommandeur der Mainarmce, General Vogel v. Falkenstein, war anwesend. Derselbe hielt nach den Weihpredigten des evangelischen und katholischen Geistlichen eine kurze Rede, die mit einem Hoch auf den Großherzog von Weimar schloß, worauf er dem Vertreter der baierischen Armee die „Bruderhand auf beständige Freundschaft" reichte.
München, 5. Juni. Das Lager bei Schweinfurt soll von 25- bis 30,000 Mann bezogen werden. Als Commandant dieser Truppen wird Gene- ral-Lieutenant v- Hartmann bezeichnet. . Zahlreiche fremde Offiziere werden zu den Uebungen erwartet; die einheimischen, deren Abtheilungen in's Lager nicht commandirk werden, sollen für die Lagerdauer nach Verhältniß Urlaub erhalten, um sich an den Uebungen zu beiheiligen. Eine Verordnung verbietet den activen Offizieren, wenn sie nicht in Urlaub sind, ras Tragen von Civilkleidern; eine andere Verordnung, die schon älteren Datums ist, untersagt ihnen jede journalistische oder sonst publicistische Tyätigkeit, außer für militärische Fachblätter.
München, 7. Juni. Der König hat Vie Errichtung einer Versorguugsrnstalt für hülfsbedürftige, erwachsene weibliche Beamtenwaisen zu Neuberghausen, wie sie weiland König Max II. in seinem Testamente angeordnet hat, genehmigt und angeordnet, daß dieselbe mit rem 1. Juli l. I. in's Leben trete und den Namen „Beamtenrelikten-Anstalt Neuberg- Hausen" führe. Auf Grund der in dem Testamente König Max II. getroffenen Bestimmungen ist dieselbe mit einem Capitale von 255,000 fl. aus dem Rück- lasse des Königs Max II. dotirt, und ihr das in Neuberghauscn erbaute Stiftungsgebäude nebst Zubehör zugewiesen.
München, 9. Juni. Fürst Hohenlohe begibt sich nach dem Frohnleichnamsfeft, welches in München bekanntlich mit großem Pompe gefeiert wird, an dem die höchsten Würrenträger des Staates Theil nehmen müssen, wenn sie nicht unpopulär werden wollen, auf mehrere Wochen nach Äusser in Steiermark. — Die österreichische Regierung verlangt, daß die über den Inn bei Braunau zu erbauende neue Eisenbahnbrücke mit Minenkammern versehen würve, so daß der Bau mit geringen Mitteln in die Luft gesprengt werden könne; die baierische Regierung hatte keinen Grund, sich gegen diese Liebhaberei zu sperren. — Die in Florenz wegen Verlegung der eng- lisch-ostindischcn Ueberlandungspost nach Deutschland geführten Unterhandlungen haben zu keinem günstigen Ziel geführt; die Franzosen wußten alle von Baiern und Oesterreich gemachten Anstrengungen zu contreminiren. — Es ist bezeichnend, daß der König genau zur selben Zeit, da der Prinz Napoleon nach München kam, sich veranlaßt gefunden, einen Ausflug in's Gebirge zu machen, von dem er erst zurückkehrte, als der Telegraph die Ankunft des Prinzen in Wien meldete.
Wien, 7. Juni. Der Kaiser hat den beiden Vertheidigern weiland Sr. Maj. des Kaisers Maximilian, sowie dem Beichtvater, der demselben in den letzten Lebenslagen zur Seite stand, als Zeichen dankbarer Huld Souvenirs gewidmet, welche, bestehend in silbernen Taselservices und einem reichen Pektorale, vor einigen Tagen in Ermangelung eines diplomatischen Vertreters in Mexiko, durch den Baron Rothschild nach Mexiko abgesandt worden sind. Kaiserin Eharlotte hat soeben einzelnen, ihr und dem Kaiser Maximilian nahestehenden Personen ein Erinnerungsblatt zugehen lassen; die photographische Reprocuetion eines jedenfalls nach der eigenen Angabe Ihrer Majestät entworfenen Bildes, den Kaiser darstellend, wie er auf einem halbversinkenden Nachen, eine Flagge an die Brust drückend, hoch aufgerichtet steht. Das Bild enthält den Geburtsund Todestag des Kaisers und die Worte: „Priez pour Lui!“
^Belgrad10. Juni. Der regierende Fürst Michael^ist heute Nachmittag 5 Uhr während der
Promenade im Park von Topschider von drei Individuen überfallen und mit Revolvern niedergeschossen worden. Die Mörder sind angeblich drei Bruder Rarovanovich; einer davon soll ergriffen worden, die anderen entflohen fein. Von den Persönlichkeiten, welche ihn auf dem Spaziergang begleiteten, ist auch seine Cousine Anka Constantinovie, welche tödtlich verwundet worden, ihren Wunden erlegen. Deren Tochter Katharina, ferner der Adjutant, Hauptmann Garaschanin, sowie der Leibdiener des Fürsten sind verwundet. In Folge dieser Vorgänge herrscht hier eine furchtbare Aufregung. Die Straßen sind abgesperrt und ein Cordon von der bewaffneten Macht gezogen.
Paris, 8. Juni. Der „Etendard" enthält heuie die von uns bereits signalisirte offieiöse Erklärung, nach welcher die preußische Regierung die Adresse der angeblich 755 Hannoveranern für null und nichtig ansehen, und auch den Urhebern derselben, wenn sie bis zum 1. Juli nach Preußen zu- rückkehren, die Wohlthat der königlichen Amnestie angedeihen lassen wolle. Die preußische Botschaft hat das Aetenstück etn-em Schreibverständigen, Hm. Delarue, zur Begutachtung mitgetheilt, und dieser hat erklärt, daß die große Mehrheit der Unterschriften von derselben Hand herrühre.
Paris, 9. Juni. Graf Goltz begibi sich künftigen Sonntag zur Kur nach Ems. Der „Etendard," welcher vieß meldet, fügt hinzu, daß diese Reise keine Verschlimmerung in dem Befinden des Botschafters bedeute. Zur Erläuterung dieser Notiz wollen wir nur bemerken: der „Etendard" weiß, daß er täglich von dem Grafen Goltz gelesen wird. Wie wir hören, wurde der Botschafter des norddeutschen Bundes von dem Kaiser gestern in einer Privataudienz empfangen, in welcher der feste Wille der beidersei- tigen Cabinette, jeden Anlaß zu einer Differenz auch künftig nach besten Kräften fern zu halten, gewisser- maßen auf's Neue besiegelt worden wäre. Wenigstens fließt seit gestern alles, was der preußischen Botschaft nahe steht, von Friedensversicherungen sörm- lich über, und wir glauben sicher Vorhersagen zu können, daß diese Gesinnnung demnächst auch in der Berliner offieiösen Presse einen unzweideutigen Ausdruck finden wird. Wenn Graf Goltz auf Urlaub geht, lacht über dem Quai d'Orsay stets ein wolkenloser Himmel. — Dem „Journal de Paris" ge- hen Nachrichten aus Rom zu, denen zufolge der Papst sich wiederum und in sehr unumwundener Weise geweigert haben soll, dem Erzbischof von Pa- ris Msgr. Darboy den Cardinalspurpur zu verleiben, so daß durch diese Weigerung die Stellung des Hrn. v. Sartiges in Rom sehr schwierig geworden sein soll. Hr. v. Meysenbug habe feine Mission in Rom glücklich zu Ende gebracht, werde aber dennoch Rom nicht vor dem Peter-Paulifeste verlassen.
Paris, 13. Juni. Der „Moniteur" sagt, die Pforte betrachte die gegenwärtige Regierung «Serbiens als eine solche, welche alle wünschenswerthen Garantien zur Aufrechterhaltung der Ordnung, der Verfassung und der neuen Gewalt darböte. In der That sei die Ruhe, Dank den zu Belgrad ergriffenen Maßregeln, nicht gestört worden, und cs stehe zu hoffen, daß das Attentat die durch die Anstrengungen des Fürsten Michael erreichten guten Resultate nicht in Frage stellen werde. — Die „Epoqne" sagt, es herrsche Uebereinstimmung unter den Mächten wegen gewissen Eventualitäten in ‘Serbien. Dieselben hätten Vertrauen in die provisorische Regierung, welche durch die diplomatischen Vertreter anerkannt fei. Die Türkei habe erklärt, Alles gut zu heißen, was die Mächte verfügen würden.
England. Beim indischen Amte in London sind folgende Depeschen Sir Rob. Napier's eingetroffen: 10. Mai. Theodor's Sohn ist ein Kind, sein Leben würde in Abyssinien nicht sicher fein. Ich bitte um Erlaubniß, ihn und feine Mutter, falls sie es wünschen sollten, von Seiten der Regierung nach Bombay bringen und die Erziehung des Kindes dem hvchw. Dr. Wilson anvertrauen zu dürfen. Keine Versprechungen sind der Mutter gemacht worden, als eine behagliche Versorgung; sie ist augenblicklich krank, Genesung zweifelhaft." — Lager Haikhullut, 16. Mai. In Fortsetzung meines Telegramms vom 10. bedauere ich mitthecken zu müssen, daß die verwittwete Königin Theodor's gestern Abend in meinem Lager starb. Der ihr beigegebene Arzt berichtete, daß der Tod durch eine langwierige Lungenkrankheit verursacht wurde. Wir verschafften ihr alle mögliche Bequemlichkeit und ge- währten ihr während der Krankheit jeden Wunsch. Di? sterblichen Uederrcste werden heute Morgen in der Kirche von Chelicut beigesetzt werden. Gesundheitszustand der Truppen ausgezeichnet." — (Ohne Datum.) „Ihrer Majestät huldreichste Botschaft ist von den Truppen mit großem Enthusiasmus auf
genommen worden. Obrist Milward reist mit dem Postdarnpser am 22. d. ab. Er überbringt Krone, Gewand und Staatssiegel Theodor's, in der Hoffnung, daß Ihre Maj. die Königin Vietoria Huld- vollst geruhen werde, sie als einen Tribut achtungsvoller Pflichttreue und ergebener Loyalität von Ihrer Majestät Armee in Abyssinien anzunehmen."
London, 5. Juni. Unter den Ankundigun- gen im Unterhause befindet sich eine von Str G. Stuckley (Mitglied für Varnstaple) angemelCete In- terpellation an den Kriegsminister, ob es nach den Mittheilungen Capitän Hoziers' über den böhmischen Feldzug, die von den Verheerungen berichten, welche der Pallasch der österreichischen Cürassiere, zumal unter den preußischen Dragonern an deren unbedeckten Schultern angerichtet, während die schwere mit Brustharnische versehene Cavallerie wenig Verletzungen davongetragen, nicht gcrathen erscheine, den englischen Soldaten auch eine angemessene Schulter- bedeckung zu geben. — Dem amerikanischen Corre- spondenten der „Times" zufolge hat das Ministerium ces Auswärtigen den preußischen Gesandten ersucht, seine Regierung um Abberufung des Baron Russcrow, der jüngst tue Duellaffaire mit General Lawrence hatte, sowie des Grafen Lottum, der bei jener Gelegenheit als Seenndant figurirte, zu bitten, da beten Handeln im Widerspruche mit den amerikanischen Staatsgesetzen sei.
London, 9. Juni. Bei dem Untergange des deutschen Emigrantenschiffes „Lessing," der am 23. Mai bei einer der Shetland-Inseln erfolgte, ist zwar, wie gemeldet, glücklicherweise kein Verlust von Menschenleben zu beklagen, und die Auswanderer, 470 an der Zahl, wurden von den Einwohnern der kleinen Stadt Lerwick gastfreundlich aufgenommen; aber Letztere sind nicht im Stande, für eine so große Anzahl Hülfloser auch nur die Lebensmittel zu beschaffen.
Petersburg, 9. Juni. Das, „Journal de St. Petersbourg" veröffentlicht ein Circular ®ort- schakofs's an die russischen Gesandten im Ausland, welches den Vorschlag einer internationalen Conse- renz enthält, zu dem Zwecke, den Gebrauch der Ex- plosiv-Geschosse bei der Bewaffnung der Truppen aus- zuschließen, oder denselben auf Kapselgeschosse zu befebränfen.
Moskau, 28. Mai. Heute wurde der Iah- restag der Slawenversammlung durch ein Subscrip- tions-Diner gefeiert. Hr. Pogodin hielt bei dieser Gelegenheit eine endlose Rede über den Panslawismus, in welcher er behauptete, daß die slamen alle eine Sprache, nur in verschiedenen Dialekten, sprä- chcn, worauf er nachwies, daß der russische Dialekt die panslawistische Sprache zu werden berufen sei. Er schloß seine Rede mit Vern Wunsche, daß die Polen, dem Beispiele des verlorenen Sohnes im Evangelium folgend, in den Schooß der slawischen Familie zurückkehren möchten. Es wurde auch per Telegraph ein Gruß an die ezechischen Freunde nach Prag gesendet.
Amerika. Nachrichten aus Rio-Janeiro vom 12. Mai melden, daß eine neue Revolution in Banda-Oriental ausgebrochen ist. — Der Kaiser von Brasilien hat in seiner Thronrede bei Eröffnung der Kammern erklärt, der Krieg gegen Paraguay werde mit Nachdruck weiter geführt werden. Die kaiserliche Rede kündigt auch nahe bevorstehende Maßregeln für Aufhebung der Sklaverei an. — Vom Kriegsschauplätze in Paraguay melden Berichte, die am 4. Mai von Montevideo und am 12. von Rio de Janeiro abgegangen, daß der argentinische General RivaS mit 4 -6000 Mann nach dem Gran Chaeo-Walde übergesetzt sey.
Newyork, 28. Mai. Hr. Wooley, der wegen Vermittlung der Bestechungen beim Präsidentenpro- zeffc verhaftet worden war, weigert sich noch immer, über die Verwendung der von ihm ausgegebenen großen Summen Auskunft zu geben. — Einem jüngst veröffentlichten Ausweise des statistischen Bureaus in Washington zufolge betrug der Totalgoldwerth des Imports für die drei ersten Monate dieses Jahres 84,067.354 Doll, gegen 96,380,894 Doll, in dem entsprechenden Zeitraum von 1867, und Der Total- golvwerth des Exports 98,816,766 Doll, in diesem, gegen 113,553,295 Dall. im vorigen Jahre.— In Pennsylvanien hat ein Amerikaner, Hr. Douglas, ein Riesenschieferbergwerk angelegt, und beabsichtigt, in demselben ausschließlich deutsche Arbeiter zu be- schäftigen. Da Amerika jedoch arm an deutschen Schieferarbeitern ist, sollen solche aus dem Hunds- rück und dem Harz zur Einwanderung veranlaßt werden. — Die Auswanderung von Farbigen nach Liberia ist im Zunehmen begriffen; auf einem Schiffe wurden am 14. d. 451 solcher Auswanderer befördert, fast sämmtlich Farmer oder Handwerker, die größtentheils lesen und schreiben können.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr. Pietsch) in Gießen.


