Mainz, 12. Mai. Für da« am 19. d. hier eintrcffenbe hessische Regiment werden zwei Casernen in Bereitschaft gesetzt. Wie die innere Organisation bereit« vollzogen ist, so wird die Verpflegung der Truppen hier nach preußischen Normen stattfinden. Die hiesige Festung dürfte in Zukunft ständiger Gar- nisonsort für die hessischen Truppen werden, welche abwechselnd am Platzdienst betbeiligt sein werden. Die Zulagen der O'fiziere und Unteroffiziere für die Garnison Mainz betragen nach neuester Verordnung für jährlich 1 Oberst 324 Thlr., 1 Major 234 Thlr., 1 Lieutenant 50 Thlr., 1 Feldwebel 60 Thlr. und für einen Gemeinen täglich 16 Pf.; rechnet man noch die beträchtliche Miethe für Casernen, Exerzierplatz re., so wird ein Regiment Hessen in Mainz gegen ein solche« in Darmstadt beinahe das Doppelte kosten.
Berlin, 8. Mai (Zollparlament.) Der Präsivent eröffnet um 11 Uhr 10 Minuten die Sitzung mit den üblichen geschäftlichen Mittheilungcn unv da« Hau« tritt sofort in die Tagesordnung ein, deren erster Gegcnstanv die Berathung über den fol- genren Antrag ves Abg. Stumm und Genossen ist.
„Den Vorfitzenden de« Bundesrathe« des deutschen Zollparlamentes aufzufordern, darauf hinzuwirken, daß die Ausfuhrvergiitung, welche Frankreich den Bestimmungen des Art. 6 des deutsch-französischen Handelsvertrages zuwider seiner Eisen-Judustrie durch die mißbräuchliche Handhabung der Rückvergütung ves ZmportzollbetrageS (titres d’acquit-h.-caution) gwährt, baldigst beseitigt werde." Die Referenten, Vie Abgeordneten Dr. Becker (Dortmund) und Dr. Friedenthal haben beantragt, dem vorbezeichne, ten Anträge die Zustimmung zu ertheilen.
Bei der folgenden Abstimmung wirv der Antrag Ves Abgeorvncten Stumm mit großer Majorität angenommen, vagegen nur einige Nationalliberale, wie vie Abgeorvncten Twesten unv v. Hennig.
Es folgt der zweite Gegenstand der Tagesordnung : Zusammenstellung ves von dem Bunvesrathe ves veutschcn Zollvereins vorgclegten Entwurfs eines Gesetzes wegen Abänverung einzelner Bestimmungen der Zollordnung unv der Zollstrafgesetzgebung mit ven bei der Vorberathung über diesen im Plenum gefaßten Beschlüssen.
Der Gesetzentwurf wird nach kurzer DiScusfion nach den Beschlüssen der Vorberathung mit einigen von dem Abg. Krieger (Posen) beantragten Mo- dificationen angenommen.
Berlin. Da mit dem Uebertrit der Post- unv Telegraphen-Verwaliung zum norddeuischen Bunde die Ablieferung der Ueberschüssc au« diesen Verwal- tungen an vie preußischen Regierungs-Hauptkassen unv an vie preußische Gencral-StaakSkasse, bezie- hungsweise vie Ucberweisung von Zuschüssen aufge- hört hat, so wirv vem Vernehmen ver „N. Pr. Z." nach für jene Zwecke die Errichtung einer Centralkasse ves norvveutschcn Bunde« in nächster Zeit be- absichtigt. Inzwischen besorgt vie Obcrpostkasse in Berlin vie Geschäfte für die zu errichtende Central- kaffe unv wird auch später eine Abtheilung derselben bilven.
Berlin, 13. Mai. Der König hat für Vie Veutsche Norvpol-Expevition, welche am 17. Mai von Bremen abfahren wird, eine Beihülfe von 5000 Thaler bewilligt. — Die „Provinzal-Correspondenz" bezeichnet vie Gerüchte über die Vertagung de« Reichstags vor ver Erledigung des Budgets von 1869 unv über dessen Wieverberufung im September als völlig grundlos.
Berlin. 13. Mai. Die „Provinzial-Correspon- Venz" bezeichnet ven AuSgang der Avreßvebatte als der veutfchen Einigung förverlicher al« vie Annahme ves Avreßentwurfs gewesen wäre.
Berlin, 13. Mai. In der heutigen Plenar- sitzung ves uorvveutschen Bundesraths wurde der Etat des Bundeshaushalts pro 1869 vorgelegt, welcher mit der Gesammtsumme von 72,734 601 Thlr. abschließt. Die fortvauernden Ausgaben sind mit 68,683,817 Thlr., vie außerorventlichen mit 7,050,000 Thlr. auf- aeführt, wovon auf die Bundesmarine 3,550,000 Thlr. kommen. Von den Ausgaben sind 50,477,743 Thlr. durch eigene Bundeseinnahmen gedeckt, 22,250,858 Thlr. sinv vurch Matricularbeiträge auszubringen. Der Etat wurde Vem Ausschüsse überwiesen.
Frankfurt. Wie vaS „Fr. I." vernimmt, verlangt der Handelsminister v. Jtzenplitz, daß von nun an alle Einnahmen der Frankfurtischen Eisenbahnen, incl. der Verbindungsbahn, nicht mehr in das Recheneiamt, sondern an die Provinzial-Haupt- kaffe in Kassel abgeführt werden sollen. Bisher wurde allgemein angenommen, daß diese Einnahmen
bis nach erfolgter Lösung der Receßfrage der Stadt verbleiben sollten.
München, 14. Mai. Die Commission der Generale hat einstimmig da« Werder'sche Gewehr für die baierische Infanterie, vorbehaltlich anzustellender Massenversuche, empfohlen.
Oestreich. Das Abgeordnetenhaus hat am 9. vie Freigebung der Avvocatur angenommen.
Bei ver letzien Amnestie in Ungarn wurde auch der berühmte Räuberhauptmann Rosza Sandor begnadigt. Derselbe machte dem ungarischen Minister- präsiventen seine Aufwartung und bat um einen Posten als Sicherheitscommissär in der Gegend von Csongrad, da er jene Gegend sehr genau kenne.
Paris. ES ist nicht uninteressant, zu erfahren, was vie katholische Kirche in Frankreich den Staat kostet. Im „Siecle" spricht Hr. Leon Plee über die Ungeheuerlichkeiten de« Budget« für den katholischen Cultu«, welches sich auf eine halbe Milliarde beläuft. Nämlich: das Staats-Budget 43,000,000; die repräsentative Miethe unv die Unterhaltung Ver Ka- thevralen 10,000,000; die der ErzbiSthumer undBis- thümer 5,000,000; die der Seminarien 8,000,000; die der Kirchen, Pfarreien, Presbyterien, Gärten 18,000,000; die Freiplätze der Seminarien i ,500,000; vie Pensionen der Zöglinge in den großen unv kleinen Seminarien 3,000,000; die Einnahme für Stühle, Bänke u. s. w. in 35,000 Kirchen 3,500,000; die Hochzeitsmefsen in 35,000 Kirchen, die Hochzeitsspenden/ die Leichenbegängnisse in 35,000 Kirchen und noch eine Menge anderer Revenuen, welche aufzuzählcn hier zu weit füh- ren würbe.
Paris. Die Lage Algeriens wird mit jevem Tage bedrohlicher. Die Ermordung einer französischen Kindes (Heinrich Cligny, Sohn eines Eisenbahnbeamten, der seinen Vater Abends vom Bahn- Hofe abholen und einen Schirm bringen wvlltes, ihn aber verfehlte und auf dem Rückwege ermordet gefunden wurde) vurch Araber hat zu Volksaufläufen unv Demonstrationen geführt, und die Blätter verlangen die Entwaffnung der Eingeborenen und das Verbot, Messer im Gürtel zu tragen. Unter anderen Verhältnissen wurde die Ausführung dieses Verlangens zu einem Kampfe auf's Messer zwischen ven Eingeborenen unv Franzosen geführt haben, jetzt aber sind sie stumm und still, wenigstens hört man noch nichts von Aufstänven, und eine besonnene Beurthei- lung jenes allerdings entsetzlichen Mordes würvc den aufgeregten Kolonisten gesagt haben, daß dieses Ver- brechen nur Einzelfall sei und nur vem Urheber, nicht dem ganzen Volke zur Last gelegt werten dürfte. Es sieht entsetzlich in Algerien aus. Alle Geschäfte stocken, die Häfen liegen voll Getraide, aber die Speculaclon hat sich verrechnet; vie Colo- nisten leiden keinen Mangel an Brod und die Araber haben kein Geld, um Korn zu kaufen In den angebauten Strecken werben Truppen verwendet, um die Araber von den Erndten abzuhalten, diese aber brechen überall durch, wie die hungrigen Wölfe und stehlen, was ihnen in die Hand geräth; denn vie Noth kennt kein Gebot. Die Angriffe auf das Ei- genthum nehmen in erschreck, über Weise zu, auch in ven Städten; vaher vie Erbitterung der Franzosen gegen die Araber und nicht minder gegen die Be- Hörden, denen man vorwirft, sie seien zu lau, sie griffen nicht scharf genug durch.
Paris. Die französische Negierung hat mitge- theilt, baß die in Rheims und Umgegend in Garnison liegenden Reste der ehemals hannover'schen Legion von Dort nach Amiens unv Vuitry le Fran- yais verlegt worden seien. Die in Rheims Herr- schente Theuerung einerseits und andererseits ver Wunsch, die Quartiere in jener Gegend für die nach dem Lager von Chalons marschirenden französischen Truppen zu rcserviren, haben diesen Ortswechsel veranlaßt. In Amiens wurden Alles in Allem 134 Mann untergebracht. Der hannoversche Lieutenant Harling hat den Rtzeimser Kaufmann, Hrn. Lyling de Soubeyron, ver sich der armen Verführten so freundlich angenommen, veßhalb gefordert. Sehr vernünftiger Weise ging ober der Associe des Hauses Heidsteck u. Comp. auf Viese Prvvocirung nicht ein. Bei genanntem Herrn haben sich nach einander erst 13, sodann 120 und dann noch einmal 240 Mitglieder der Legion gemelvet, um Reisegeld in die Heimath zu erhalten. Die Leute erhielten solche« anfänglich bis direct nach Hannover; als sich aber herausstellte, daß diese größere Summe bei ihnen nicht immer in guten Händen sei, unv daß Einzelne da« Geld nahmen in der Absicht abzureisen, es aber vorher vergeuveten, gab man ihnen nur noch bas
Fahrbillet mit etwas Taschengeld bis Köln, von wo aus sie weiter nach Hannover befördert werde».
Vermischtes»
Friedberg, 14. Mai. In Folge eines auf Vit Lieferung von Maikäfern gefitzten kleinen Preises sinv bis gestern Abenv 38 Malter eingeliefert und vergraben worden. Man hat sich die Mühe genommen, ein Gescheivt Maikäfer zu zählen und gefunden, daß 750 Stück auf ein solches gehen, so daß gering ge- schätzt bis jetzt hier die enorme Anzahl von 1,824,000 Maikäfern vertilgt wurde. Dabei ist noch durchaus kein besonderer Mangel an denselben zu verspüren.
Berlin, 7. Mai. Heute früh, etwa um 91/, Uhr, explodirte in der Kurstraße Nr. 19 im Keller ei» Petroleum-Lager mit solcher Gewalt, daß sämmt- liche über dem Keller gelegene Räume, Palerre und 2 Etagen des Hauses demolirt wurden. Leider sind dabei auch Menschen zum Opfer gefallen; die Zahl der Todten wurde auf 5 bis 8 angegeben, vie Zahl der sonst Verunglückten war nicht bekannt. Ueber die Entstehung der Explosion circuliren verschievene Versionen, es hieß, das Ga« sei im Keller ausgeströmt und habe in dem Augenblick explodirt, in welchem der Raum mit einem brennenden Lichte be- treten wurde; es habe sich dann sofort VaS Petroleum entzündet und auf diese Weise sei das Unglück geschehen.
Aus Herrieden schreibt der Witterungsbeobach, ter: Noch herrscht der Passat mit heiterem Wetter, begünstigt durch ven im chvöstlichen Europa befind- lichen Luftberg vor, nur im Westen unv Rorven unseres Erdtheile« macht sich Ver Antipaffat mit feuchtwarmer Witterung geltend. Im Allgemeinen dürfte für unsere Gegenden vie fruchtbare Witterung, Sonnenschein, abwechselnv mit Gewitterregen, fort- dauern
München. Es macht hier, wo bekanntlich die von Vem Liebespaar Ebergenyi.Chorinski in Scene gesetzte Katastrophe stattgefunden hatte, eine Skan- valgeschichte neueren Datums große» Aufsehen. Die Gräfin Arco-Balley, ein geborne Gräfin Schönborn aus Wien, eine durch Schönheit unv Vie elegantesten Formen ausgezeichnete Dame, hat sich von einem Hausfreunv, vem Baron von Kinsber, entführen lassen. Die entflohene Gräfin ist Mutter dreier Kinder, die sie ihrem Gatten als Trost zurückgelassen hat. (Ein Seitenstück ver Berliner Entführung.)
Telegraphische Schiffs-Berichte,
mitgetheilt von Ehr. Wallenfels, jun.
Da« Bremer Postvampfschiff Newyork, Cap. Dreyer, von der Linie des norvdeutschen Lloyv, welches am 22. April von Bremen abging, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in Newyork angekommen.
£ as Hamburger Postvampfschiff Allemannia, Cap. Bardua, von ver Linie der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aciien-Gesellschaft, welches am 22. April von Hamburg via Southampton abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 11 Tagen wohlbehalten in Newyork angekommen.
Das Hamburger Postvampfschiff Teutonia, Capi- tän Barends, von der Linie Der Hamburg-Amerika- Nischen Packctfahrt - Actien - Gesellschaft, welches von Newyork am 28. April abging, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, unD hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Poften gelandet, unverzüglich die Reise nach Hamburg fortgesetzt.
Dasselbe bringt 73 Passagiere, 500 Tons Ladung, 208,000 Dollars Contanten unD 63 Briefsäcke.
Das Bremer Postvampfschiff Hermann, Capitän Wenke, von der Linie Des norDveutschen Lloyd, wel- chcs am 30. April Newyork verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 9% Tagen wohl- behalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt.
Dasselbe bringt 302 Passagiere, 500 Tons La- Dung UND 73,000 Dollars Contanten.
Newyork, 9. Mai. (Per transatlantischem Telegraph.) Das Postdampfschiff des norvoeutschen Lloyd Deutschland, Capitän H. Wessels, welches am 25. April von Bremen und am 28. April von Southampton abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen.
Redactiou, Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr- Chr. Pietsch) in Gießen.
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