Aeitage zu Ar. 58 des Aie^ener Anzeigers.
Vermischte Anzeigen. Zinßer'scher Garten.
3449) Sonntag den 17. M a i 1 8 6 8:
Großes Militsr-Coneert- ansgesiihrt vom ganzen Musikcorps der Wetzlarer Jäger.
Anfang 4y2 Uhr. — Entree für Herren 12 fr., für Damen 6 fr.
Programm.
1. Theil:
1) General-Marsch von Schinacht-
2) Ouvertüre zu der Oper: „Der Wildschütz" von Lortzing.
3) Duetto aus der Oper: „Andronika" von Mercadante.
4) Cavatine aus der Oper: „Tutti in Maschera" von C. Pedrotti-
5) Theresen-Walzer von Faust.
2. Theil:
6) Großes Finale aus dem 2. Act der Oper: „Semiramis" von Rossini.
7) Der Wanderer, Lied von Schubert-
8) Arie aus der Oper: „Die weiße Dame" von Boieldieu.
9) Presto aus der A-dur-Sinfonie von L. van Beethoven.
10) Jagd-Schottisch von Küchenmeister.
Bei ungüustigem Wetler findet das Concert im Saale statt.
Zur Beachtung.
Beim Herannahen der heißen Jahreszeit hält man sich veranlaßt, die Beobachtung folgender Maßregeln gegen Feuersgefahr zu empfehlen.
Niemand versäume, jeden Abend seine Wasserbehälter in der Küche, oder wo sonst, randvoll füllen zu lassen.
Die Bewohner eines Hauses, in dem Feuer ausbricht, sollen dieses nicht zu verheimlichen und im Stillen zu löschen suchen. Man allarmire die Nachbarschaft, die für Benachrichtigung der Feuerwehrcommandos sorge; jedoch unterlasse man natürlich nicht bis zur Ankunft der Löschmannschaften unter Zuziehung der Nachbarn Alles anzuwenden, wodurch die Löschung bewirkt, oder doch wenigstens die schnelle Verbreitung des Feuers verhindert werden kann.
So lange es im geschlossenen Raume brennt und kein Menschenleben gefährdet ist, muß jeder Luftzug möglichst verhindert werden.
Leicht entzündliche Gegenstände sind zuerst vom Feuer zu entfernen, oder, wo dies nicht möglich ist, stark anzunetzen.
Während eines Feuers haben die Nachbarn der Brandstätte alle Dachluken nach der Seite des Feuers zu schließen und einen Wasservorrath auf die Bühne zu bringen. Bei starkem Wind sollen auch entfernter Wohnende dies beobachten und ihre Bühnen nicht ohne Aufsicht lassen.
Die in der Nähe des Feuers liegenden Häuser, Hofräume, Gärten rc. müssen zum Durchgang, Aufstellung der Löschgeräthschaften und der Mannschaften offengehalten werden. Geschlossene Brunnen sind sofort zu öffnen; Bütten und Züber mit Wasser zu füllen, oder doch jedenfalls zum Gebrauch der Löschmannschaften bereit zu stellen.
Die Durch- und Zugänge zur städtischen Wasserleitung sind von den betreffenden Hofraithebesttzern und die Canalmundlöcher auf Straßen und öffentlichen Plätzen von den Anwohnern unverzüglich zu öffnen.
Bei einem nächtlichen Brande haben die Hausbewohner der dem Brandplatze nahe gelegenen Straßen und Plätze brennende Laternen auszuhängen, oder brennende Lrchter hinter den geschlossenen Fenstern aufzustellen. Die geöffneten Canallöcher sind mit einer brennenden Laterne zu zeichnen.
. „ Unberufene, namentlich die Agenten der Mobiliar-Brandversicherungsgesellschaften, sollen auf dem Brandplatze keine Befehle ertheilen bei Vermeidung sofortiger Abführung.
Gießen, Mai 1868. Das Commando der freiro. stabt. Feuerwehr.
3473) Ein Holzschneider für eine Dampfschneidemühle wird gesucht von
Jaeob Hagner, Zimmermeister, Wetzlar.
3394) Die Unterzeichnete hat noch einige Tage frei, um außer dem Hause zu bügeln.
Minna Petri, Reichensand.
3403) Ein Junge, der das Schuhmachergeschäft erlernen will, kann in die Lehre treten bei Emil Becker, Neustadt.
3467) Ein Junge kann in bi eLehre tre- ten bei H. Brauburger, Lackirer.
3459) Heute Abend:
Concert
des hiesigen Jäger-Musik«Corps in der Garteiiwirth'chaft der
Louis Busch Wittwe.
_________Anfang halb 8 Uhr.________
Auf dem Staufenberg.
Donrierstag den 21. Mai (Himmelfahrttag): gutbeskhte Harnwniemuflk daselbst. Um recht zahlreichen Besuch bittet (3460) Heinrich Fink.
Typographia!
— 18. V. —
FriscMcker zu Ließen.
Sonntag den 17. Mai. Christian Jughardt in der Wallthorstraße. Louis Kämmerer auf dem Seltersweg. Heinrich Plank in der Neustadt
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Gemeinde zu Gießen.
G o t t e s d i c n ft.
Am 17. Mai.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Pfarrer Landmann.
Am Fest der Himmelfahrt, den 21. Mai.
Morgens in der Stadtkirche: Pfarrer Landmann.
Nachmittags in der Friedhofskirche: Pfarrer Dr. Seel.
St o p u I i v t e.
Den 10. Mai. Konrad Martin Kreiling, Bürger und Fabrikarbeiter dahier, des hiesigen Bürgers und Fabrikarbeiters, Heinrich Kreiling, ehelicher Sohn; und Luise Katharine Johannette Lindenstruth, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Schaffners, August Lindenstruht, eheliche Tochter.
Denselben. Balthasar Dick, Bürger und Schuhmacher dahier, ein Wittwer; und Anna Luise Katharine Friederike Schmidt aus Laasphe, des dasigen Bürgers und Leinwebers, Johannes Schmidt, eheliche Tochter.
Den 13. Mai. Gustav Eduard Leonhard Franke, Bürger und Kaufmann in Düsseldorf, des vormaligen evangelischen Pfarrers zu Meiches, Christoph Wilhelm Gustav Franke, ehelicher Sohn; und Katharine Margarethe Sauerbier, des hiesigen Bürgers und Müllers, Johannes Sauerbier, eheliche Tochter.
Den 14. Mai. Christoph Otto Ludwig Bergen, Bürger und Techniker bei der Gas- sabrik dahier, des verstorbenen Ortsbürgers zu Breidenbach und Modellschreiners an der Main-Weser-Bahn dahier, Friedrich Bergen, ehelicher Sohn; und Georgine Magdalene Katharine Schaffstädt, des hiesigen Bürgers und Gürtlermeisters, Heinrich Schaffstädt, eheliche Tochter.
Getaufte.
Den 10. Mai. Dem Bürger und Küfermeister, Wilhelm Kohlermann, ein Sohn, Emil Ludwig, geboren den 13. April.
Denselben. Dem Bürger und Schuhmacher, Wilhelm Müller, ein Sohn, Georg Dieterich Wilhelm Martin, geboren den 31.
Denselben. Dem Bürger und Kaufmann, Ernst Hermes, ein Sohn, August Wilhelm Ernst Ludwig Martin, geboren den 19. April.
Denselben. Dem Bürger, Aetuariats- Aspiranten und Polizeibüreau - Gehülfen, Heinrich Karl Alexander Wagner, eine Tochter, Johanna Philippine Karoline Christine Jakobine, geboren den 19. April.
Denselben. Ein unehelicher Sohn von hier, Heinrich Konrad, geboren ben 30. April.
Den 14. M a i. Dem Bürger zu Georgs- Marienhütte Bei Osnabrück unb Kaufmann dahier, Karl Wilhelm Nowack, eine Tochter, Marie Luise, geboren ben 3. April.
Beerdigte
Den 8. Mai. Sophie Wilhelmine Bleimann, geborne Weißgerber, bes verstorbenen Bürgers unb Sattlers, Johannes Bleimann, hinterlassene Witiwe, alt 79 I. 4 M. 10 T., gestorben ben 6. Mai.
Den 11. Mai. Frieberike Furkel, bes hiesigen Bürgers, Friebrich Furkel, eheliche Tochter, alt 3 I. 3 M. 15 T., gestorben ben 10. Mai.
Den 14. Mai. Dorothea Schultheis, geborne Pfersborf, bes verstorbenen Bürgers unb Kürschnermeisters, Kaspar Schultheis, hinterlassene Wittwe, alt 75 I. 8 M. 12. T-, gestorben den 12. Mai.
Die Psarrgeschäfte in ber nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Borsennachrichteu.
14. Mai 1868.
Preuss. 4%<% Obi. 95% Frankf. 31/2% Obi. 82
Nass. 4%% Obi. 94%
Kurh. 4% Obi. 89
Hess. 4O/o Obi. b. Roths. 89%
„ 31/2% do. do. 84% Bayer. 5% Obi. 101%
» 4%°/o 1jährige 93%
» 41/2% %;ährige 93% Würtemb. 4%<% Obi. 93% Baden 4%% Obi. c. E.L. 94% Oestr. 5% b. R. 61%
„ 50/0 National 52%.
„ 5O/o Metall. Obi. —
„ M. steuert. 50
Amer. 6% 1882r Bds. 76
„ 6% 1885r 75%
Aetlen.
Frankf. Bank 124%
Oester. Bank 716
„ Creditact. 191 Darmst. Bankact. 223%
Prioritäten.
5% östr. F. St. E. B. 262% Ludwigsh.-Bexbach 149 Maxbahn 105% Bayer. Ostbahn 123% Hess. Ludwigsbahn 133% 3% östr. Stsb.-Prior. 52% 3% östr. s. Lombard. 42% 3% Livorneser 28 % Toscaner 40%
Frankf. Hypoth.-Bank — Frankf. Vereins-Kasse 97% 5% Elisabeth-Prior. 73% do. II. Eniiss. 72%
Anleliensloose.
Kurh. 10 Thlr. Loose 56 Nassau fl. 25 b. Roth. 35% Gr. Hess. fl. 50 b. R. 144%. Gr. Hess. fl. 25 b. R. 38% 1% bayr. Präm. Anl. 99% 4% badische Loose 97% Badische fl. 35 Loose 51% 1858r Prioritätsloose ■— !860r Loose 70 % 1864r „ 86%
Wechsel.
Amsterd. k. 8. 100% Augsb. k. S. 100 Berlin k. 8. 104% Bremen k. 8. 98 Cöln k. 8. 105
Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 105 London k. 8. 119% Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 94% Wien k. 8. 101% Disconto 3% G.
Geldsorten.
Pr. Gass. Sch. 1 44%-45% Div. Cass.-A. —
Pr. Friedrdor. 9 57%-58% Pistolen . . 9 49-51
„ doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 38-40 20 Frankens!. 9 29-30 Engi. Souver. 11 55-59 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold. 2 27%-28%
Conccrtbericht.
Daß in diesen Blättern die Aufführungen des Concertverems noch nie zur Sprache gebracht wurden, möchte wohl sonderbarer erscheinen, als daß jetzt versucht wird, damit einen Anfang zu machen. Natürlich kann von keiner ausführlichen Kritik die Rede sein, schon deßhalb weil die m Werden begriffenen musikalischen Zustände unserer Stadt nur eine relative Beurth'eilung zu- lassen Der einzige Zweck ist: die Werke und die Leistungen kurz zu charakterisiren, um durch Aeußerung zustimmender oder entgegengesetzter Ansichten das Interesse des Publicums wach zu erhalten. 0
t, Die Ouvertüre zu den Na ja den, die schon früher gehört wurde, ist ganz im Mendelssohn scheu Stil geschrieben unb besitzt dessen Borzüge: Klarheit und geschmackvolle Jiistrumen- tatioir. Ohne gerade von reicher Erfindung zu zeugen, gibt sie ein anschauliches Bild, das auch mr Ganzen hübsch ausgeprägt wurde. Frau Peschka-Leutner, der Abgott des Darmstädter PublicumS, entzückte in der Mozart'schen Arie durch den edlen Vortrag des Andante, sowie durch ihre leichten Coleraturen, die nur aus einer tüchtig geschulten Kehle so hervorperlen können. Eme wahrhaft künstlerische Wirkung kann ja nur durch gänzliche Beherrschung der technischen Mit^l erzielt werden. In Bezug aus Letztere hat auch die Clavierspielerin schätzenswerthc Eigenschaften: soliden Anschlag, egale Passagen und beträchtliche Gewandtheit. Am besten spielte sie da« MendelSsohn'sche Capriccio, dessen Wahl uns deßhalb sehr gefiel, weil wir darin das dem Verfasser eigenthümliche Element — in voller Kraft können wir nicht sagen — aber in seimr ganzen Frische finden. Dieser Elfenspuk, dieß neckische Feengegaukel, daS im Sommer- nachtStraum so unübertrefflich wiedergegeben ist, mißlingt dem feinen, zarten, beweglichen Welt- .mde niemals. Auch in der Loreley treffen wir das Geisterhafte wieder, wenn auch in andrer Art. Hier tritt seine dämonische Gewalt zu Tage und Mendelssohn gibt den Beweis von seiner Vielseitigkeit, indem er auch diese dramatischen Sceneu interessant zu gestalten weiß. Jeder Satz voll Leben und das Cvlorit des Orchesters immer treffend. Wie weise ist jedes Instrument verwendet^! Frau Peschka entwickelte hier eine durchdringende Tonfülle und wirkte durch ihren Vortrag wahrhaft ergreifend. Wahrscheinlich ist es auch diesem Umstande zuzuschreiben, daß der Applaus nicht reichlicher ausfiel. Wir können nicht glauben, daß das Publicum nicht im Stande sein sollte, die recht künstlerische Leistung, die gar nicht alltäglicher Art, sondern höchst bedeutend war, in ihrem wahren Werthe zu würdigen.
Symphonie wurde ohne Zweifel deßhalb zuletzt gespielt, weil die fremde > untilcrin an demselben Abend noch abreisen wollte. Da gefeierte Sängerinneu, die man gemeßen will, in der Regel diktatorisch gegen die gewöhnliche Ordnung auftreten, so muß
man die Umstellung des Programms schon entschuldigen. Denn Vortheilhaft für einen erhebenden Eindruck ist es keineswegs, wenn das Beste zuletzt kommt, nachdem die Sinne bereits ermüdet sind; hier darf jener sonst bewährte Spruch keine Anwendung finden. Man konnte ja sehen, wie selbst jugendlichste Damen so von der Hitze angegriffen waren, daß sie den Beethoven nicht mehr ertragen konnten; obwohl man sie auf der nächsten Clnbpartie ohne allzugroße Aufopferung noch Aergeres erdulden sehen wird. Doch laßt wenigstens uns den Meister nicht vergessen! Wenn sich in seinen Werken der Mensch malt, so kann dieß mit besonderem Recht von der C-moll und ihrem Schöpfer gesagt werden. Man erhält hier in nuce dessen LebenSgeschicht«, sein Leiden, sein Ringen und seinen siegreichen Triumph im Tvnreich. Gleich im Anfänge fühlen wir den gewaltigen Druck des Geschicks, der eisernen Roth; i nd wenn auch der beliebte Ausspruch Beethoven’« über das erste Thema: „Sv klopft das Schicksal an di- Pforte!" ein mehr scherzhafter späterer Augenblicksgedanke ist, so spüren wir doch: Hier haben wir es mit einem grimmen Feind zu lhun. Von diesem Feinde, der Bürde des leidcnsvollen Lebens, sucht sich eine hochstrebeude titanische Natur zu befreien und in höhere Sphären zu erheben, aus denen das zweite Thema des ersten Allegro freundlich herüberklingt. Im Andante hat er sich ganz seinen seligen Träumen hingegeben; da ist ihm wohl; da weilt er befriedigt mit seinem Hörer. Aber im Scherzo schreckt die heillose Wirklichkeit ihn wieder auf, er sucht sich mit Humor darüber hin- wegzusetzen. Wenn dann die nnaufhörlich arbeitenden Viertel im Baß beginnen und aus dem dumpfen Pianissimo heraus mit einem Crescendo der rastlos ringende Held auf seiner ruhmvollen Bahn in die Welt hinausstürmt, da bricht er im Bewußtsein seiner Kraft und seiner Unsterblichkeit in Hellen Siegesjubel aus und, Alles mit sich fvrtreißend, trägt er uns hoch über die irdischen Leiden hinaus und spornt zu gleichem Muth, zu gleichem überwindendem Siege. Das Tempo des Finale schien uns anfangs zu langsam, jedenfalls hätten seine ersten Accorde noch mächtiger cinschlagen können. Sehr wünschcnswerth wäre eine stärkere Besetzung des Streichquartetts, namentlich der Violinen, da fic gegen den Bläserchvr etwas zurücktreten. Vortrefflich war die Oboe vertreten, die einen vollen Klang und durchgebildeten Ton hören ließ.
Wir müssen der Concertdirection und vor Allen dem verdienstvollen Dirigenten danken, daß er trotz der großen Schwierigkeiten keine Mühe scheut, dem Publicum die größten Werke unsrer Meister zugänglich zu macken. Die Begeisterung läßt manche kleine Unvollkommenheiten vergessen. In der" Loreley konnten wir durch Vergleichung mit der vorjährigen Auffühning finden, daß die Stimmen nicht mehr einzeln so scharf hervortretcu und sich dem Ganzen mehr anschließen. Wir sehen, daß die hingebende mühevolle Arbeit unsres Mickler schöne Früchte trägt und noch schönere tragen wird, wenn ihm die Jungfrauen und Jünglinge ebenso aufopferung-fähig ent- gegenkommen. H.


