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Politische Rundschau

mit einem Gehalte von 300 fl. 32 fr., nebst 4 Stecken Holz zur Heizung des Schullocals.

Darmfkadt, 7. Februar. Dem Bankhaus von Erlanger und Söhne in Frankfurt a. M. und der von demselben gebildeten Actiengesellschaft ist die landesherrliche Concession zum Bau und Betriebe der Eisenbahnen von Gießen nach Fulda und von Gießen nach Gelnhausen, vorbe- hältlich ständischer Zustimmung, eriheilt worden.

Darmstadt, 7. Februar. Der General Lieute­nant v. Plonsky, Commandeur des XI. Armee- corps des norddeutschen Bundes, wozu die hessische Division gehört, ist heute früh aus Kassel hier ein- getroffen und im Hotelzur Traube" abgestiegen.

Darmstadt. Zu der am 10. d. M. in Berlin stattgefundenen Confercnz zur Prüfung des Entwurfs einer Militär-Ersatz-Instruction für den Rorddeut- scheu Bund sine als diesseitige Commiffäre Ministe- rialrath Dr. Hallwachs im Gr. Kriegsministerium und Geheime RegierungSrath Neuling im Gr. Ministerium des Innern bestellt worden.

Darmstadt, 8. Jan. General v. Plonski, kommandirender General des 11. norddeutschen Bun- desarmeecorps, wurde gestern zur Großh. Tafel gezo­gen und wohnte heute Vormittag nebst dem Prinzen Ludwig von Hessen dem Abexerciren der Infanterie bei. Ein Besuch des Generals in den übrigen hessi­schen Garnisonsorten ist für diesmal nicht in Aus­sicht genommen.

Berlin, 8. Februar. Was wir auf der einen Seite, die jetzt in ihren Consequenzen vor uns liegt, -gefürchtet, auf der anderen gehofft, ist eingetreten; der Conflict der conservativen preußischen Partei mit Graf Bismarck ist in Hellen Flammen ausgebrochen, Graf Bismarck hat einen Urlaub auf unbe­stimmte Zeit erbeten und erhalten und der in den verschiedensten Ministerien schon thätig gewesene Fi­nanzminister v. d. Heydt hat das Präsidium im Ministerium übernommen. Die Nachrichten, welche uns bis heute Morgen »erliegen, sind folgende- Im Abgeordnetenhaus verliest der Präsident ein Schrei- ben des Grasen Bismarck, worin derselbe anzeigt, baß er aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub auf unbestimmte Zeit erbeten und erhalten habe, und daß während seiner Abwesenheit der Finanzminister den Vorsitz im Staatsministerium übernelunen werde. Eine andere Nachricht sagt, daß Graf Bismarck, diesen Urlaub auf seinem Gute Wanzin zubringen' werbe und daß er um Urlaub bis zur Eröffnung des Zollparlaments nachgesucht habe. Inzwischen

Darmstadt, 3. Februar. Das heute erschie­nene Regierungsblatt Nr. 8 enthält:

I. Verordnung, den Gradationsstempel in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend.

II. Uebersicht der im Jahre 1867 in den Irren­anstalten des Großherzogthums verpflegten Kranken.

Der Bestand der Pfleglinge im Großh. Landes­hospitale (Hofheim) war beim Beginne des Jahres 1867 218 Männer und 184 Frauen, am Schluffe 211 Männer und 183 Frauen. Der Zugang im Laufe des Jahres betrug 25 Mr., 17 Fr., der Ab­gang a. durch Entlassung 14 Mr., 12 Fr., b. durch Tod 18 Mr., 6 Fr. Ausländer (Preußen) waren in der Anstalt 16 Mr. und 12 Fr.

Der Bestand der Pfleglinge in der Großh. Lan­des-Irrenanstalt (Heppenheim) war bei Beginn des Jahres 1867 30 Mr., 24 Fr., am Schlüsse 52 Mr., 48 Fr. Der Zugang im Laufe des Jahres betrug 61 Mr., 50 Frauen; der Abgang a. durch Ent­lassung 30 Mr., 25 Frauen, b. durch Tod 9 Mr., 1 Fr. Ausländer waren 5 männliche und 4 weib­liche Pfleglinge.

Darmstadt, 8. Februar. Das heute ausgege­bene Regierungsblatt Nr. 9 enthält:

I. Eine Bekanntmachung Gr. Ministeriums des Großh. Hauses und des Aeußercn, worin es die Gesetze und Verordnungen des Norddeutschen Bun­des zur allgemeinen Kenntniß bringt, namentlich aber die Verordnung über die Einführnng Preußischer Militärgesetze im ganzen Buntesgebiete; das Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienste; die Ver­ordnung über die Feststellung des Etats der Mili- tärverwaltung des Norddeutschen Bundes für das Jahr 1868 und den Präsibial-Erlaß über die Ver- waltung des Post- und Telegraphenwesens des Nord­deutschen Bundes vom 1. Januar 1858.

II. Bekanntmachung, den Steuerausschlag zur Be­streitung der Bedürfnisse der Ladenjubenschaftskaffe zu Darmstadt für 1868 betreffend.

III. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmig, ten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürf- nisse in den israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Büdingen.

IV. Promotionen an der Großherzoglichen Lan- deS-Universität Gießen.

V. Dienstnachricht. Am 24. Januar wurde dem Johannes Lohnes aus Höchst das Patent als Geo­meter der zweiten Klasse für den Kreis Neustadt ertheilt.

VI. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist die katho- lische Schulstelle zu Dornbiel, im Kreise Dieburg,

ist im Abgeordnetenhaus bei der Schlußabstimmung über das Gesetz betr. den hannöverischen Provinzial- fonvs, dasselbe, gemäß dem Amendement Kardoff mit 200 gegen 168 Stimmen angenommen worden; des­gleichen auch eine Resolution Franke's, betreffend die Einführung der Selbstverwaltung in allen Pro- vinzen.

Von keiner guten Vorbedeutung für den friedlichen Verlauf der nächsten Jahre wäre die Aeußerung des württembergischen Ministers v. Varn- büler in der vorgestrigen Sitzung der Abgeordneten- kammer, wenn wir nicht ein gut Theil der ministe- riellen Expectoration auf die Absicht rechneten, das Contingentsgesetz in der Kammer unter allen Um­ständen durchzubringen. Der Minister sagte:Zwei­jährige Präsenz und wenig Recruten, bas würde bedeuten, baß Württemberg in ganz Europa seinen .eigenen Weg gehe. Die Folge wäre im Fall eines Krieges, baß Württemberg sich blamiren würde und bei dem Friebensschluß, daß Württemberg annectirt würbe. Man möge doch auch Rücksicht nehmen auf den Geist des Württembergischen Heeres, man möge doch den württembergischen Truppen nicht zumuthen, eine schlechtere Rolle zu spielen als Cie übrigen Heere. Er sage, was die Frage von Krieg ober Frieden betreffe, ganz einfach, wenn eine Erschütte­rung stattgefunden hat, wie im Jahre 1866, so wirkt eine solche Erschütterung eine Zeit lang nach, wir müssen also auch gefaßt fein, daß bas Gewitter noch einmal komme. Nichtsdestoweniger müsse er sa­gen , daß er im Hinblick auf die durchdringende Macht der Humanität das Vertrauen auf die Er- Haltung des Friedens nicht verloren habe. Man müsse aber, wie alle übrigen Staaten, die Gefahr in's Auge fassen und des Nöthige vorkehren. Verziehen sich die Wolken wieder, dann werbe man wieder zu dem früheren Maß zurückkehren können."

Berlin. Wie derK. Z." geschrieben wird, dürfte nunmehr die Bewaffnung der Landwehr mit Zündnadelgewehren als vollendet angesehen werden können. Für die Festungsbesatzungen ist ein Theil ber_ in den Beständen befindlichen gezogenen Per­cussionsgewehre in Zündnadelwaffcn umgeformt wor­den. Dieselben haben ein größeres Kaliber, als das Zündnadelgewehr (um 0,12 rh. Zoll). Sämmtliche Landwehr-Infanterie hat das Seitengewehr verloren und trägt dafür das gewöhnliche Bayonnet in der Scheide eine unstreitig wesentliche Vereinfachung ver Ausrüstung. Die Infanterie des stehenden Hee- res hat jetzt drei verschiedene Modelle von Zündna­delgewehren, die Musketierbataillone das M/.41, die

Gnadenbrod ißt! Wie ganz anders ist doch Vetter Robert! Wie fein und freund- iungen?!"erbtnl)11^ unD er gegen diesen Wetterfelder Bauern-

. ®er Buchhalter, welchem diese Angriffe galten, saß mittlerweile mit dem Hollander Vetter und dem Oheim an einem Fenster des Frühstückszimmers und plauderte über Geldmarkt uno Handelskrisen. Es entging ihm nicht, baß die Blicke der Tante auf ihm weilten, aber ihr grimmiger Ausdruck störte ihn nicht in: mindesten, und sein Auge begegnete dem ihrigen gelassen und unbefangen. Henriette widmete sich den vier fremden Damen, welche sich zur Abreise anschick- ten, uno Pauline räumte den Frühstückstisch ab. Jetzt kamen Frau v. Seewald und ihre Töchter und die junge Comtesse in Reisemänteln und Pelzen herein, verabschiedeten sich laut und mit einem ungeheuren Aufwand von Herzlichkeit von ihren Wirthen, und wurden von der ganzen Familie des Commerzienraths an den harrenden Wagen begleitet; selbst der Holländer Neffe ging in aufopfernder Artigkeit mit.

Nun, Väschen, habe ich es nicht fertig gebracht, Sie zur Tischnachbarin zu bekommen ?" fragte der Buchhalter, sobald er mit Paulinen allein war

Sie, Vetter? Also tote haben es gethan?" erwiederte sie.Ich danke Ihnen für Ihre Freundlichkeit, aber ich wünschte, Sie hätten es nicht gewagt. Die Tante vergißt das nie wieder."

"Bah, sie soll Ihnen nichts dafür anhaben, Väschen," sagte der Buchhal­ter.Sie stehen unter meinem Schutz!"

c r k^uiiX #on m*r' Better? Ich meinerseits fürchte die Tante gar nicht ° . k * erwiederte Pauline,lieber kurz oder lang vertreibt sie mich doch aus dem Hause ; darauf bin ich längst gefaßt. Aber ich finde dann leicht ein untertommen als Putzmacherin, als Ladenmädchen u. dgl., und wenn ich auch oen Unfel ungern verlasse, so verliert er selber doch an mir nicht viel. Wie ganz anders dagegen an Ihnen, Vetter? Er bedarf Ihrer so sehr, und hat sich 1? l,an^.aui 3hr Eintreffen gefreut, und wenn es der Tante nun dennoch ge­lingt, Sie aus dem Hause zu beißen? . . ."

fte nicht fertig, Väschen," sagte der Buchhalter mit ironischem Lächeln;ich furchte sie nicht."

Oh, sie setzt bei dem guten Onkel alles durch," meinte Pauline; sie ver- gißt nie eine Beleidigung und ihr Groll kenni keine Rücksicht. Und der Ge­danke, Vetter, daß Sie um meinetwillen so viel gewagt und der Onkel Gefahr laufen soll, Sie wieder zu verlieren, ist mir unerträglich."

Diese Uneigennützigkeit ist rührend, Väschen; aber ich versichere Sie, Ihre Besorgmß um mich ist ungegründet," sagte der Buchhalter.Ich trotze der Dante tn ihrem eigenen Hause und es soll nicht die letzte herbe Lehre sein, die

r 8"cn rocr^e' um ihren Hochmuth herunterzustimmen. Und dennoch gehe ich zeve Wette ein, daß sie mich nicht aus diesem Hause vertreiben soll, oder oatz ich dieses Haus nicht anders verlasse, als mit Ihnen, Büschen!"

«Wie soll ich das verstehen ?" fragte sie verwundert und blickte ihm betroffen in die Augen.

«Stille! man kommt! flüsterte er;aber behalten Sie es im Gedächtniß: ich nicht ohne Sie, Sie nicht ohne mich!"

Die Entfernung der Gäste schien einen gewissen Zwang von den Mitgliedern des kleinen Kreises genommen zu haben, und es bildeten sich sogleich zwanglose Gruppen nach freier Wahl und Neigung. Henriette gesellte sich zu dem Hollän­der Vetter und ging mit ihm in den Gartensalon, bis die Räume im oberen Stockwerke von den Domestiken gereinigt und geräumt, und die Spuren des gestrigen Festes daraus entfernt worden waren. Die Conimerzienräthin ging bjnauf, um dieß zu betreiben, und ihr Gatte vertiefte sich in Zeitungen, welche Cie Morgenpost gebracht hatte. Pauline ging ihren häuslichen Geschäften nach, und so ward es dem Buchhalter leicht, sich Ida zu nähern, die in denFlic- genben Blättern" blätterte und sichtlich erwartete, von Cem Vetter angeredet zu werden. Bald hatte der Buchhalter auch den Ton gefunden, um Ida in eine angelegentliche Unterhaltung zu verwickeln, in deren Verlauf sie ihn in den Gar­tensalon hinüberführte, wo sie Henrietten und den Vetter Robert schon im an­gelegentlichsten Gespräche fanden.

Der vermeintliche Holländer Vetter beobachtete gegenüber von Henrietten jene schüchterne , beeiferte, verehrungsvolle Ergebenheit, welche namentlich dann ungemein schmeichelhaft und inftnutrenC wirkt, wenn sie von einem Manne von sicherer Stellung und begründetem Ansehen ausgeht. Es liegt darin ein Ver- jidtt auf die Geltendmachung der eigenen Persönlichkeit und des persönlichen Werthes, welche den Frauen stets eine gewisse dankbare Anerkennung abnöthigt. Seine Huldigungen hatten etwas eigenthümlich demüthiges, werbendes, so zwar, daß Henriette anfangs darob erstaunt und verblüfft gewesen, und erst nach und nach ahnend diejenige Erklärung davon gefunden hatte, welche für ihr Selbstbe- wußtsein so schmeichelhaft und befriedigend sein mußte. Sie gab sich daher die größste Mühe, ihm gegenüber denselben Ton anzuschlagen, und so gewann dieser Verkehr ohne beider Wissen und Willen eine Zartheit und Warme, welche eine mehr als vorübergehende Wirkung ausüben mußten.

Ganz anders war die Unterhaltung Jda'S und des Buchhalters. Sie ver- ehrte ihn mit einer erzwungenen Bewunderung ; sie legte in ihn ein Ideal hinein dem er nicht gerecht werben konnte und wollte, denn er gab sich offen, gerade und natürlich. Und dazwischenhincin bestürmte Ida ihn wieder mit Fragen, englische Zustände und Sitten betreffend, von denen sie durch Lectüre vieler eng­lischen Romane ein verworrenes, schiefes, der Wahrheit eher entrücktes Bild ge­wonnen hatte, oder befragte ihn über Italien und seine Zustände, oder plauderte von dem gestrigen Balle, auf dem sie sich so köstlich amüsirt habe. Dabei ge­dachte sie mebrfach ihres vorzugsweisen Tänzers, des Grafen Damiani, von dessen feinen Manieren und großer Welterfahrung sie nicht genug zu rühmen wußte.

(Fortsetzung folgt.)