Füsilierbataillone das M/62, die sogenannten Füsi- lierrcgimenter das M/60. Das M/60 und M/62 sind kürzer, als das ältere M/41 und eleganter, z. B. ist der Lauf äußerlich gebräunt. Sie haben Gußstahllauf, M/60 ein Haubahonnet. In Bezug auf Schußweiten stehen sie gleich. Für die Jäger ist das M/54, die sogenannte Pickenbüchse wegge- fallen. Hierbei war der dreikantige Ladestock so eingerichtet, um als Bayonnet zu dienen, eine Einrichtung , die sich als wenig solid erwies. An ihre Stelle tritt die Büchse M/65, bei welcher der Hirschfänger aufgepflanzt werden kann. Die Büchsen sind so visirt, baß man bis tausenv Schritt damit schießen kann (Gewehre bis 800). Die Büchse M/54 ist durch Verkürzung zu einem Pionnier - Gewehr umgearbeitet worben, bei Vem Vas Seitengewehr aufgesteckt werben kann (bekanntlich ist letzteres auf vem Rücken sägcnförmig eingeschnitten). Dragoner und Husaren haben Den Zünbnavcl- Earabiner, ver bis 400 Schritt reicht. Sämmtliche hier genannte Modelle haben dasselbe Caliber von 0,58 rh. Zoll, die für Infanterie, Jäger unv Pionniere bestimmten auf gleiche Patronen, so daß die Modell-Differenzen nur unerheblich die Einheit der Bewaffnung verringern. In den Festungen unb zum Gebrauch bei Belagerungen giedt es noch Zünbnadel-Wall- ober Staub» büch>en, mit deren eisernen Geschossen man Schanzkörbe, Schartenlaven rc. Durchschießen kann. Es existirt eine ältere, die im Felbzug 1864 oft erwähnte Amü- sette, mit zwölflöthigem unv eine neuere mit sechs- löthigem Geschoß. Das Granatgewehr Ves unlängst verstorbenen Dreyse scheint nicht angenommen worven zu sein. Es soll für ein gewöhnliches Jnfanterie- gewehr zu schwer sein.
Königsberg, 4. Februar. Wie die „K. H. Z." hört, wird Der commanbirenve General Vogel v. Falkenstein am 1. April aus dem Militärbienste ausscheiben.
Stuttgart, 7. Februar. Die Kammer der Stanbesherren beschloß in ihrer heutigen Sitzung die Aufhebung der Stellvertretung im Militärdienst unv Befreiung von der KriegSbienstpflicht für die stanbesherrlichen Familien.
Stuttgart. Eine große Anzahl von Land- tagsabgeordnetcn unv Notabeln Ves ganzen LanveS Haven einen Wahlaufruf für die bevorstehenden Zollparlamentswahlen veröffentlicht, Ver als Ziel Ver Bestrebungen die nationale politische Einigung hinstellt.
Karlsruhe. Dem überaus glänzenden Leichcn- conduct des Staatsministers Mat Hy wohnte der Großherzog in Person unv zu Fuß unter Ven Haupt- leivtragenven an. Die Vcrkaufsläben waren ge- schloffen.
Wien. Eine an Vie Delegationen vertheilte Darlegung über Vie Politik der österreichischen Regierung, welche zur Erklärung Ver im „Rothbuche" enthaltenen Aktenstücke dient, sagt über die Deutschen Angelegenheiten: Oesterreich hegt seit vem Prager Frieven Preußen unb Italien gegenüber vieselben friedliebenden und freunvschastlichen Gesinnungen, Vie es Ven andern Mächten gegenüber bethätigt. Wenngleich Ver Verlust Ver Stellung in Deutschlanv für O-sterreich baS Ende der Sympathien für seine vormaligen BunVeSgenossen beveutete, so konnte Voch Vie kaiserliche Regierung in vem Streite wegen Luxemburgs nicht Partei für Preußen ergreifen, wollte aber ebensowenig aus einem Kriege zwischen Frank- reich unv Preußen Vortheil ziehen, und sie sorgte daher dafür, baß bei dem Kaiser Napoleon unv ven französischen Staatsmännern der Glaube an eine Mitwirkung Oesterreichs im Kampfe gegen Preußen nicht aufkvmmen konnte. Die parteilose unv neutrale Haltung Oesterreichs mußte wesentlich zur Erhaltung ves Frievens beitragen. — lieber Vie Verhältnisse zwischen Preußen und Ven süddeutschen Staaten wirv bemerkt: Die kaiserliche Regierung ließ sich, ohne von dem Standpunkte des Prager Frievens zurückzutreten, durch Die in Folge der preußisch-süddeutschen Allianzverträge geschaffene neue Lage Der Thatsachen von Der Fortsetzung ihrer friedlichen Bemühungen weder abhalten, noch glaubte sie auf Grund ihres formellen Rechtes bestimmte Proteste entgegenstellen zu sollen. — Schließlich ist die Thatsache nicht zu übergehen, daß unter dem Ein- drucke der Gefahr eines europäischen Krieges in Berlin unv München mancher ernste Blick nach Oesterreich gewenvet würbe. Die bezüglich eines neuen Bundesverhältniffes erfolgten Andeutungen lauteten zu unbestimmt unv zu einseitig im Interesse des einen Theiles, als daß Oesterreich ihnen die seit dem Untergange ves deutschen Bundes übernommenen Rechte und Pflichten sowie die eingetauschte Freiheit Ver Bewegung hätte opfern können. Ueber Vie Beziehungen zu Italien und die römische Frage sagt vas Aktenstück: Ebenso wie Oesterreich entschie- venen Werth auf gute freundschaftliche Beziehungen
zu Italien legte, ebenso entgegenkommend war letzteres. Dem Papst würben die offensten Erklärungen über Vie Unmöglichkeit eines materiellen Beistandes von Oesterreich gegeben.
Florenz, 3. Februar. Von Rom ist angeblich an Die italienischen Bischöfe Der Befehl ergangen, zum Gedächtniß an den päpstlichen Sieg bei Mentana eiü Tedeum abzuhalten, wogegen jedoch die italienische Regierung ein Verbot habe ergehen lassen. Nach anderen Berichten haben in Padua in Folge jener kirchlichen Verordnungen Ruhestörungen stattgefunden, weßhalb die Minister Maßregeln ergriffen, um weitere Unordnungen zu verhüten.
Paris, 8. Febr. Die Regierung hat die hannöverischen Officiere in Bourges, Die Gemeinen in der Champagne internirt.
Paris, 8. Febr. Dem Vernehmen nach werden die hannoverschen Legionäre von per Regierung äuf- geforvert werden, Frankreich zu verlassen, wenn sie nicht in die französische Fremveniegion eintreten. Das französische Gouvernement zeigt sich gegen Preußen sehr entgegenkommenv, ohne daß Dieses Schritte Veß- halb gethan.
London, 8. Febr. Die „Times" enthält einen Brief des Präsidenten des provisorischen Comites Der mexikanischen Aktieninhaber, wonach derselbe die Absicht hegt, zur Herbeiführung der Wiederaufnahme Der Dividendenzahlung für mexikanische Obligationen von Seiten Mexicos Schritte zu thun. Der Brief fordert zur Unterzeichnung eines Memorials an Lord Stanley auf, um denselben zu ersuchen, Die konsularischen Beziehungen mit Mexieo wieder herzustellen.
Vermischtes.
Darmstadt. Der Großherzogliche Geheime Justizrath Prof. Dr. Wassers chl eben in Gießen ist Seitens der Großherzoglichen Regierung mit Der Ausarbeitung eines rechtlichen Gutachtens über Die von der zweiten Kammer Der Stände angeregte Frage: ob das Großherzogthum Hessen, nach Wegfall Der Rheinschifffahrtsabgaben, zur Leistung Der auf dem Reichsbeputakionsabschluß vom 25. Febr. 1803 beruhenDen s. g. Rheinzollrenten rechtlich verpflichtet erscheint, — betraut worden.
Darmstadt. Nach Der Durch Das Großherzog, liche Regierungsblatt Nr. 8 veröffentlichten Ver- ordnung tritt mit Dem 15. D. M. in Den betDen Provinzen Starkenburg unD Oberhessen ein veränderter Gradationsstempel bei gerichtlicher Ausfertigung von Urkunden über Verträge und freiwillige Hypotheken in Kraft. Es hatte sich nämlich bei Bern- thung des Einnahmebudgets Der laufenDen Finanzperiode ergeben, Daß Der Stempel in Rheinhessen im Vergleich zu Den beiDen anDeren Provinzen viel zu hoch fei, und ist Deßhalb Der Antrag auf Gleichste!- lang gestellt worDen. Da unter Den jetzigen Ver- hälinissen Der Regierung eine Kürzung Der Einnahmen nicht angenehm, so wurDe, eine Gleichstellung zu erzielen, Die Erhöhung Der erwähnten Stempelsteuer verordnet. Bei Verträgen zwischen 100 und 150 fl. ‘betrügt Der Stempel 2 fl. 15 fr. unD steigt mit jedem HunDert um Durchschnittlich 15 kr.; bei Verpflegungsbeträgen, Deren GegenstanD einen Kapitalwerth von mehr als 600 fl. hat, um je 20 kr., unD bei Schenkungsverträgen im gleichen Falle je 30 fr. für je 100 fl. Die Einnahme für Stempelgebühr wirD hierdurch sich bebeutend steigern.
Aus dem Kreise Alsfeld. Am 1. Febr. d. I. ereignete sich zu Köddingen ein höchst betret- benDer Vorfall. Ein Kind von 7 Jahren stand mit einem langen spitzen Messer beschäftigt auf einer Bank in Der Wohnstube seiner Eltern. Durch Die Bewegungen De« KinDes fiel Die Bank um, Der Knabe fiel zur ErDe, Das Messer Drang ihm in Die Brust, verwunDete Denselben, wenige Minuten später war er eine Leiche.
Mainz, 7. Februar. Mit Den Gaben für Den Papst will's doch nicht mehr ziehen unD mit Den Werbungen für Die „Armee" Desselben geht es noch weniger. Einer unD Der Andere ist, auf Dem Wege schon „Kehrt" machenD toieDer eingetroffen. Wie Die französischen ComiteS vas fromme WerbungSgeschaft betreiben, läßt sich aus Briefen eines in Rom garni- sonirenven Wormsers (Protestanten) ersehen, Den man mit neun anderen Reisegefährten kurzer Hand in Belfort aufpackte. Jammer, Hunger und Krank- heit sind Vie täglichen Erlebnisse dieser Leute.
Mainz. Die T aunuS b a h n ist in der Nacht von Freitag auf Samstag abermals und zwar auf eine rasfinirte Weise bestohlen worden. Zwischen Hattersheim und Flörsheimsverschwanden von dem nach Mitternacht dort passirenven Güterzuge sechs Säcke Walzen, ohne daß das Zugspersoual dies gewahr wurde, indem, während Der Zug in Bewegung war, sich muthmaßlich zwei Kerle auf Den betreffen«
Den Wagen machten, die Sacke herunterwarfen unD auf einen mitgebrachten Karren luDen, Dessen im Fahrweg verlorene RaDspur Die einzige ist, Die man bis jetzt von Diesem kecken Ueberfall hat.
Berlin, 31. Jan. Die hannover'schen Mitt' tärflüchtlinge in Der Schweiz sammeln sich in vollen Massen unD treten nach Frankreich über. Jetzt erhält Die „Zuk." eine längere Zuschrift ans Der Schweiz, welche Die Dortigen Vorgänge als eine moDernc Wie- Derholung Des hessisch-englischen Menschenhandels be- zeichnet und den die Hannoveraner befehligenden Hauptmann v. Harwig als den Mann hinstellt, Der Das verächtliche Geschäft abgeschlossen hat.
Düsseldorf, 2. Februar. Ein Aufsehen erregender Vorfall ereignete sich gestern im Schwurge- richtssaal. Ein Mann stanD vor Den Assisen, des Mordes angeklagt. Wegen Mangel an Beweisen wurde derselbe freigesprochen. In dem Augenblicke al« das Urtheil verkündet wurde, stürzte der Angeklagte zu Boden unD war eine Leiche.
Frankfurt, 7. Februar. Es geht uns von amtlicher Seite nachstehende Mittheilung zu, mit Dem Anheimstellen, dieselbe im Interesse des bethei« ligten Publikums zu veröffentlichen: „Bekanntlich hat zwischen Der hiesigen unD Der Lotterie- Direktion in Braunschweig bezüglich Des Absatzes ihrer Loose ein Reciprocitätr-Verhältniß bestanden, auf Grund dessen Der Vertrieb Der Braunschweiger Loose im Frankfurter Gebiete bisher gestattet gewesen ist. Nachdem indeß jenes ReciprocitätS-Verhältniß Dahin gekündigt worDen, Daß Dasselbe mit BeenDigung Der Spiels Der 66. Braunschweiger Lotterie außer Wirkung tritt, wird Der Vertrieb Braunschweiger Loose zu Den weiteren Lotterien und Das Spielen in Diesen Lotterien auch Hierselbst den auf Das Spielen in auswärtigen Lotterien unD Den Verkauf Der Loose zu solchen Lotterien gesetzten Strafen unterliegen."
Homburg, 4. Februar. Gestern kam Der Herr Regierungsrath Wohlers hier an unD fanD bereits gestern Nachmittag eine erste Sitzung mit dem von Den Aktionären Des Kurhauses gewählten Comitö statt. Die BeDingungen, welche Der Regierungs- kommissär stellt, sinD sehr hart und Haden wenig Aussicht, angenommen zu werden, nämlich: Fortdauer Des Spiels bis 31. December 1872, Dafür sollen 800,000 Thlr. für einen KurunterstützungSfonDS gezahlt unD das nicht unbeDeutenDe Mobiliar an Die Commune abgetreten werDen. Heute um 4 Uhr fanD bereits Die zweite Sitzung statt, unb wurden die Bedingungen von einem Theil Des Comitö'S abgelehnt, fo Daß auf morgen Nachmittag nochmals eine Sitzung anberaumt wurDe. (Rh. K.)
Freiburg, 1. Februar. Dem Vorstand Des neu zu gründenden katholischen Studentenvereins wurde vom Senat Der Universität eröffnet, Daß auf Das gestellte Gesuch um Genehmigung Der Statuten Des acaDemischen Vereins zur Unterstützung Der päpstlichen Armee nicht eingegangen werDen könne.
Wien. Auf AnorDnung des Ministers soll in allen Volksschulen Oesterreichs von Ostern an da« Turnen eingeführt und regelmäßig betrieben werden. Wenn Der alte Jahn Das erlebt hätte, dessen Turnfchüler Der alte Metternich theils als Narren verfolgen, theils als politische Unruhestifter einsper- ren ließ!
Brüssel. Am 27. Januar hat auf Der belgt- scheu Staatsbahn bei Boussn ein fürchterlicher Unfall stattgefunDen. Eine Lokomotive kam von Quievrain, um auf Der Station Jemappes zum Rangiren zu Dienen. Sie begegnete Dem Schnellzuge von Brüssel, jeDoch nicht auf Demselben Gleise. Etwa 120 MetreS vor Dem Zuge entgleiste Der Tender, Der mit voller Schnelligkeit heranfahrenDen einzelnen Lokomotive unD warf sich auf Das Gleis Des Zuges; etwa 25 Metres vor Dem Zuge entgleiste auch Die Lokomotive unD fuhr mit ihren Rädern in Die RäDer Der a»Deren, woDurch Der Zug plötzlich stillstanD unD Die beiDen Lokomotiven wie Glas zersplitterten. Der Packwagen Des Zuges zerschellte an Dem TcnDer, Der Postwagen unD Der folgenDe Passagierwagen hoben sich Darauf und über einander und zertrümmerten. Die Darin befindlichen Personen fanden sich auf meh- rere Metres Entfernung in Dem Graben wieDer, meistens sehr schwer verwunDet; eine derselben, weniger verletzt, fanD sich auf Den Trümmern Der zu- sammengehäuften Wagen sitzenD. Eine Frau war auf Der Stelle toDt geblieben mit zerschmettertem Kopfe, Der Maschinist Der einzelnen Loeomokive warD ebenfalls sofort gelobtet. Elf Passagiere ftnb fürchterlich verletzt, einige berfelben nachträglich schon gestorben. Etwa 40 anbere ftnb mehr ober minber leicht verwunbet. Der Maschinist unb ber Heizer bes Schnellzuges würben weit fortgeschleubert, ohne schwere Verletzungen zu erleiben.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'sch en Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


