Einzelbild herunterladen

Anlage zu Ar. 5 des Hießener Anzeigers.

P o l

Gießen, 8. Jan. DieTimes" berechnet aus den Reden Rouher's, daß Napoleon Frieden halten werde, weil er nicht genug Soldaten für den Krieg habe. Die Frage: ob Krieg oder Frieden? sei da- durch, daß Frankreich nicht Truppen genug hat, allein einen Kampf durchzufechten, eine diplomatische gewor­den und das beste Mittel, dem Welttheile die Leiden eines Krieges zu ersparen, liege in der Einigung Deutschlands und einem engen Bündnisse zwischen Preußen und Oesterreich.Die leichten Erfolge," sagt dasCityblatt",welche Frankreich über Ita­lien errungen hat, müssen auch als Sieg für Deutsch­land erkannt werden. Die üble Behandlung, welche Frankreich der Nation, welche ihm ihre Wiedererste, hung verdankt, widerfahren ließ, muß jener, die ihm zum Trotze wiederauferstanden, als Warnung dienen. Das undcfinirbare Gefühl desHodie mihi, cras tibi muß die Bande der deutschen Einheit fester schlingen. Bedroht durch die französische Armeeor­ganisation müssen die kleineren deutschen Höfe alle Eifersüchtelei fahren lassen. Die Diplomatie kennt sie nicht mehr, oder schmeichelt ihnen, um sie zu ihrem Untergange zu verlocken." Oesterreich habe Großes zu leisten, müsse aber seine Stellung auf dem Boden des Prager Friedens nehmen, sein Cen­trum ostwärts verlegen, allen Ansprüchen auf Deutsch­land entsagen und sich wahrhaft mit Preußen ver­söhnen.Oesterreich ist König der Donan und nur jene Verblendung, welche es verleitete, seine Kraft in Italien und Deutschland aufzuzehren, haben es um das Uebergewicht über die südslavischen Stämme ge­bracht. Preußen und Oesterreich sind beide Noth- wendigkeiten für die Welt, sie ergänzen einander. Von der Ostsee bis zu den Alpen und an die Donau ist die große teutonische Familie dazu auSersehcn, das Bollwerk Europa'- zu sein. So lange die bei­den deutschen Großmächte gegen einander stehen, kann Niemand Rußlands Vordringen gegen den Balkan und Bosporus hemmen. Wenn Napoleon die Gegnerschaft zwischen Wien und Berlin nährt, hofft er vergeblich die orientalische Frage glücklich zu lösen. Hat Preußen nichts mehr von Oesterreich oder Frankreich zu fürchten, so wird es auch nicht mehr an der Seite Rußlands stehen. Ein Bündniß zwischen Oesterreich und Frankreich ist eben so unna­türlich als jenes zwischen Preußen und Rußland. Die Tendenz in Europa geht auf natürliche Bünd­nisse aus. Was man einst StaatSraison nannte, ist durch das NationalitätSprincip überwunden, und weil man diesem Principe nicht genügend Rechnung trägt, herrscht Verwirrung im Rathe der Diplomaten und ist eine Politik an der Tagesordnung, die nicht der Friede ist und nicht Krieg zu sein wagt.-"

Darmstadt, 7. Jan. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 1 enthält:

I. Edict, die Mitglieder des Staatsrathes für 1868 betr., dahin lautend:

Ludwig III. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. ic. Nachdem wir beschlossen haben, daß zu Unserem Staatsrathe außer den in dem Edicte vom 28. Mai 1821 in Artikel X unter Nr. 1 bis 4, in den Bekanntmachungen im Regie­rungsblatt vom 11. Juli 1823 unter Nr. 4 der Dienstnachrichten, im Regierungsblatt vom 17. März 1862 unter Nr. 2 der Dienstnachrichten und in dem Edict vom 5. Januar 1866 Nummer 1 des Regierungsblattes als bleibend bezeichneten Mit­gliedern berufen fein sollen, und zwar: 1) der Prä­sident des Oberapellations- und Cassationsgerichts, wirkliche Geheimerath Dr. v. Hesse, 2) der Prä­sident des Ober - ConsistoriumS Frhr. v. Starck, 3) der Präsident der Ober-Medicinal-Direction Dr. Gvlvmann, 4) der Präsident des Hofgerichts der Provinz Starkenburg Dr. Krug, 5) der Director des Oberappellations- und Caffationsgcrichts Gehei­merath Benner, 6) der Geheimerath Dr. Creve, 7) der Geheimerath Schenck, 8) der Geheimerath Kritzler, 9) der Ministerialrath Schleierma° cher, 10) der Ministerialrath Frhr. v. Roden­stein, so ist sich hiernach gebührend zu achten.

II. Edict, die Fortsetzung der Verhandlungen des XIX. Landtages betreffend, dahin lautend:

Ludwig III. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. rc. Nachdem wir beschlossen haben, daß die durch Unsere Verfügung vom 19. August d. I. vertagten Verhandlungen des neunzehnten Land­tags mit dem 15. Januar 1868 wieder beginnen sollen, so verkünden wir solches hierdurch öffentlich und gesinnen an Unsere getreuen Stände, daß Sie sich an dem festgesetzten Tage zur Ausübung Ihrer

itische Rundschau

verfassungsmäßigen Rechte in Unserer Residenz wieder vereinigen mögen.

III. Edict, d. d. 2. d., die Ergänzung der Feld­truppen int Jahre 1868 betreffend, folgenden In­halts:

Zur Ergänzung der Feldtruppen im Jahre 1868 sind 2835 Mann erforderlich, welche aus den Auf­rufsfähigen des Jahres 1867 (einschließlich der Re­lativtauglichen) ausgehoben werden sollen.

IV. Bekanntmachung der Großherzoglichcn Mi­nisterien des Innern und des Krieges, die Verthei- lung des Recrutenbedürfnisses für das Jahr 1868 auf die Provinzen betr.

Zum Vollzüge des Allerhöchsten Edicts vom 2. d. M. und in Gemäßheit der Art. 36 des Recru- tirungsgesetzes wird Nachstehendes zur öffentlilichen Kenntniß gebracht: 1) Rach den von den Recruti- rungsräthen eingesendeten Tabellen über das Ergeb- niß der Musterung von 1867 sind an tauglichen Militärpflichtigen, einschließlich der in das Depot versetzten, vorhanden: in der Provinz Starkenburg 1814 Mann, Oberhessen 1492 Mann, Rheinhessen 1432, zusammen 4738 Mann. 2) Im Verhältnis; dtr Gesammtzahl aller tauglichen Dienstpflichtigen, wornach dem Art. 36 des Recrutirungsgesetzes zufolge der evictmäßige Bedarf von 2835 Recrnten auf die drei Provinzen zu vertheilen ist, hat demnach zu stellen: die Provinz Starkenburg 1085 Recrnten, Oberhessen 893, Rheinhessen 857, zusammen 2835 Recruten. 3) Die Provinzial - Direktionen werden nunmehr nach Art. 37, 39 und 40 des Recruti­rungsgesetzes, nach §. 100 bis einschließlich 107 oer Verordnung vom 30. April 1831 und nach der Be­kanntmachung vom 1. November 1855 (Regierungs­blatt Nr. 37) die also bestimmten Contingente auf die verschiedenen Bezirke vertheilen und das Weitere besorgen.

V. Ermächtigung zur Annahme eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben am 2. December 1867 dem Di­rector der Kaiserlauterer Ultramarinfabrlk Dr. Herr­mann Wilkens zu Kaiserslautern die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Könige von Baiern verliehenen Ritter­kreuzes II. Classe des Verdienst-Ordens vom heiligen Michael allcrgnädigst zu ertheiien geruht.

VI. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allcrgnädigst geruht: am 3. December 1867 dem Schulamts-Aspiranten Michel aus Hambach Vie katholische Schulstelle zu Löhrbach zu übertragen;. an demselben Tage den von dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Werthheim- Rvsenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schön­berg auf die zweite evangelische Schulstelle zu Kirch- Brombach präsentirten Schulamts-Aspiranten Schaf­nit aus Höchst für diese Stelle zu bestätigen; am 6. Dec. den Kreiswundarzt der Kreismedicinalämter Mainz 1. und II. Dr. Helwig zum Kreisarzt des Kreismedicinalamtes Mainz 1. zu ernennen; an demselben Tage dem Schulamts-Aspiranten Ki r n aus Maenz die katholische Schulstelle zu Ossenheim zu übertragen und den von dem Hrn. Grasen zn Erbach-Erbach auf die evangelische Schulstelle zu Kirch-Beerfurth präsentirten Schulamts - Aspiranten Kaiser aus Zeilhardt für diese Stelle zu bestäti­gen; am 10. Dec. den Revisionscontroleur bei dem Hauptzollamt Mainz Eberhard zum Revisions- inspector bei diesem Hauptzollamt, den Hauptzoll- amtS-Assistenten erster Klasse bei diesem Hauptzollamt S eippel zum Revisionscontroleur bei demselben, den Hauptzollamts-Assistenten zweiter Klasse bei diesem Hauptzollamt Herrmann zum Hauptzollamts- Assistenten erster Klasse bei demselben, den Haupt- zollamtS-Assisten.'en erster Klasse bei dem Hauptzoll­amt Offenbach von Buri zum Rendanien bei dem neu zu errichtenden Nebenzollamt erster Klasse Bens­heim und der damit verbundenen Ortseinnehmerei erster Klasse, den Hauptzollamts-Assistenten zwei­ter Klaffe bei dem Hauptzollamt Darmstadt, Rip­pert, zum Hauptzollamts-Assistenten erster Klasse bei dem Hauptzollamt Offenbach und der damit verbun­denen Ortseinnehmerei erster Klasse, den Steuer­aufseher Grimm zu Wörrstadt zum Hauptzollamts- Assistenten zweiter Klasse bei dem Hauptzollamt Mainz und den Quartiermeister im 3. Inf. - Regiment Balzer aus Echzell zum Hauptzollamts-Assistenten zweiter Klasse bei dem Hauptzollamt Darmstadt und der damit verbundenen Ortseinnehmerei erster Klasse zu ernennen; am 13. Dec. den Districtseinneh- mer der Districtseinnehmcrei Herbstein, Greiffcn-

stein in gleicher Diensteigenschaft in die Districts- einnehmerei Fürth zu versetzen; an demselben Tage den Finanz-Aspiranten Rieß aus Thal-Itter zum Districtseinnehmer der Districtseinnehmerei Herbstein und den Finanz-Aceessisten Bähr aus Mörstadt zum Districtseinnehmer ter Districtseinnehmerei Wörr­stadt II. zu ernennen; am 17. Dec. den Stadt­gerichts-Assessor Langsdorf in Gießen zum Land­richter des Landgerichts Wald - Michelbach, am 21. Dec. den Hotgerichts-Assessor bei dem Hofgcrichte der Provinz Starkenburg Knorr zum Hofgcrichts- rath bei diesem Gerichtshöfe und an demselben Tage den Einnehmer auf der Station Lollar der Main - Weser-Eisenbahn Rettig zum Expedienten auf der Station Gießen dieser Eisenbahn zu er­nennen.

VII. Militärdienstnachrichten.

VIII. Charakterertheilungen. Seine Kö­nigliche Hoheit ter Großherzog haben geruht: am 23. November 1867 dem Kreisarzt bei dem Kreis- medicinalamte Pfeddersheim Dr. RaYß den Cha­rakter als Medicinalrath, am 10. Dec. dem Weißbindermeister Voigt zu Darmstadt den Cha­rakter als Hofweißbinder, an demselben Tage den Weinhändlern Nathan und Maas Firma Nathan und Maas den Charakter als Hofliefe­ranten, am 13. Dec. dem Dr. jur. Levita aus Mainz, dermalen Anwalt in Paris, den Charakter als Geheimer Juftizrath und an demselben Tage dem praktischen Arzt Dr. Walter zu Offenbach den Charakter als Hofrath zu verleihen.

IX. Versetzungen in den Ruhestand. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 30. Novemb. 1867 den cvang. Schullehrer Freimann zu Stammheim und am 21. Dec. den Ortseinnchmer 2. Classe Budde in Heppenheim auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

X. Concurrenz für: die evangelische Schul­stelle zu Dirlammen mit einem Gehalte von 300 fl. 45 fr., nebst 4V4 Stecken Holz zur Heizung des Schullocals.

Berlin, 8. Jan. Das Abgeordnetenhaus hat den Antrag Lasker's über den Paragraphen 84, die Redefreiheit betreffend, bei namentlicher Abstimmung mit 174 gegen 144 Stimmen angenommen.

Berlin, 8. Jan. DieProvinzial-Correspondenz" berichtet das Ergebniß der von der Regierung ange­stellten Nachforschungen in Ostpreußen constatire, daß daselbst Nothstand und daraus entstandene Krank­heiten herrschen, aber kein Hungertyphus.

Berlin, 8. Jan. DieProvinzial-Correspon­denz" bestätigt die vemnächstige Vorlegung von Ge- setzentwürfen, betreffend die fernere Geltung der Wahl­verordnung von 1849, sowie Vie Feststellung der Wahlbezirke der ganzen Monarchie zum Zwecke der Vereinfachung der Wahlbezirke; jeder Wahlkreis soll einen Abgeordneten wählen.

Aus Thüringen, 1. Jan. Allen in dem Ge- biete der thüringischen Staaten lebenden Officieren a. D-, gleichviel welcher Armee solche früher ange­hörten, wurde kürzlich von dem betreffenden preußi­schen Landwehrbezirkscommandanten ein genaues For­mular vorgelegt, in welchem sie alle ihre früheren Verhältnisse eintragen und zugleich auch die Erklä­rung abgeben mußten: ob sie im Fall eines zukünf­tigen Krieges Dienste in der norddeutschen Bundes­armee ne buten wollten, und für welchen Posten sie sich tauglich hielten? Verschiedene österreichische Officierc, welche jetzt in ihrer Heimath Thüringen leben, haben erklärt: sie würden in jedem zukünfti­gen Kriege, wenn die Noth es geböte, gern in das norddeutsche Bundesheer eintreten, jedoch mit dem Vorbehalt, daß sie unter keinen Umständen gegen die österreichische Armee oder deren Verbündete zu fechten brauchten.

München DieD. A. Z." meldet uns, daß gegenwärtig eine Predigt des Bischofs von Passau nicht geringe Sensation macht. Er ver- urtheilte in dieser Rede das Treiben der Ul­tramontanen mit scharfen Worten, indem er sich speciell gegen die Redaction der in Passau crschet- nenden ultamontanenDonau-Zeitung" wendet. Das Blatt, sagt er, kämpfe mit den Waffen der Luge und Verleumdung für Partcizwccke; es stelle Grund­sätze auf und vertdeidige dieselben, die nicht blos den bestehenden Gesetzen, sondern auch den Lehren der christlichen Religion widersprächen; cs führe seine Polemik in der niedrigsten und unwürdigsten Weise. Dabei maße sich das Blatt den Namen eineska­tholischen,, an, während es durch die von ihm ange-