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Verhandlungen des landwirthschaft- lichen Bezirksvereins.

In der am 5. Oktober 1867 zu Lich stattgefun­denen Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Gießen, welche unter Leitung des ersten Direktors Provinzial-Director Dr. Goldmann, in Anwesenheit der Herren Kreisassessor Kekulch Secretär Groß zu Arnsburg und gegen 7080 Mitgliedern des landw. Vereins und Freunden der Landwirthschast, abgehalten wurde, kamen folgende Gegenstände zur Verhandlung.

I. Bewirkung größerer Theilnahme am landw. Vereine von Seiten der Landwirthe.

Der Dircctor forderte die Versammlung auf, es sich eifrigst angelegen sein zu lassen, möglichst viele Landwirthe dem Vereine als Mitglieder zuzuführcu, indem das immer segensreichere Wirken desselben von größerer Zahl der Mitglieder abhänge.

II. Verwendung der im vorigen Jahre vorge­sehenen Mittel zur Anschaffung künstlicher Dünger, zum Zwecke damit anzustellender Versuche.

Es wurden im vorigen Jahre hierzu im Ganzen vorgesehen 190 fl., jedoch nur 18 fl. verwendet und sollen die, von den Herren Bürgermeister Balser zu Albach, Bürgermeister Hämmerle zu Daubringen und einigen Landwirthen zu Heuchelheim mit künstlichem Guano gemachten Versuche recht günstige Resultate geliefert haben. Als Grund so geringer Betheili­gung wurde angesehen, daß die Wichtigkeit der An­wendung künstlichen Düngers von den kleineren Landwirthen noch nicht genügend erkannt und daß der Dünger nicht gratis abgegeben worden sei, son­dern zur Hälfte des Preises hätte bezahlt werden müssen, wobei der Wunsch laut wurde, daß man auch diesmal eine Summe zu diesem Zwecke vor­sehen, den Dünger jedoch gratis abgeben möge, um demselben in dem Bezirke Eingang zu verschaffen.

III. Verwendung der im vorigen Jahre zur An­schaffung und Versteigerung kleiner bewährter landw. Geräthschaften vorgesehenen Summe von 70 fl.

Diese Summe ist zu fraglichem Zwecke verwendet worven und wurden die angeschafften Gegenstände gelegentlich der in Lich stattgehabten landw. Preis- vertheilung verlooft.

IV. Rechnungsablage.

Nach der Rechnungsablage in 1865 verblieben zur Verwendung pro 1866 260 fl. Hierzu die pro 1866 weiter zu verwendenden Mittel, so daß in 1868 gcgvn 400 fl. zur Verwendung kommen können.

V. Anschaffung künstlicher Dünger pro 1868.

Nach einer längeren Berathung, an welcher sich außer dem Director, die Herren Secretär Groß, PH. Möhl von Gießen, Schullehrer Schlapp von Rödgen, Bürgermeister Sommer von Ettingshausen und der als Gast anwesende Herr Occonom Hoff­mann von Hof-Gill betheiligtcn, Wurde beschlossen, auch für dießmal eine bestimmte Summe zu frag- lichem Zwecke vorzusehen, nämlich 150 fl., den Dün­ger jedoch gratis an solche Landwirthe abzugeben,

welche über die Resultate ihrer Versuche dem Directvr des Bezirksvereins Mittheilung machen wollen. Da­bei wurde festgesetzt:

1) daß an einen einzelnen Landwirth nicht mehr als ein Gentner abgegeben werden soll,

2) daß bei Anmeldungen aus verschiedenen Orten die Vertheilung in der Weise vorzunehmen ist, daß möglichst viele Orte berücksichtigt werden,

3) daß im Uebrigen die ersten Anmeldungen den Vorzug erhalten, daß aber nur solche Land­wirthe Berücksichtigung finden sollen, von wel- chen nach Bescheinigung der Bürgermeisterei die sachgemäße Anstellung von Versuchen zu erwarten ist.

VI. Anschaffung landw- Geräthschaften pro 1868.

Auch hierfür wurden 30 fl. vorgesehen und be­stimmt, daß durch eine, von dem Director zu bestim­mende Commission, geeignete Geräthschaften ausge­wählt und gelegentlich landw. Versammlungen ver­lost werden sollten. Bei der vorangegangenen Be­rathung wurde namentlich auf die in der landw. Zeitschrift schon mehrmals empfohlenen billigen Psuhl- pumpen, welche im Kreis Biedenkopf in neuerer Zeit in Gebrauch gekommen sind, aufmerksam gemacht.

VII. Unterstützung der Lehrer des Kreises Gießen, welche sich an dem in diesem Herbste zu Darmstadt stattgefundenen landw. Lehr-Cursus betheiligt haben.

In Rücksicht darauf, daß die beiden Lehrer Gompf zu Staufenberg und Wagner zu Großen-Buseck, welche sich daran betheiligt haben, mit der ihnen vom Provinzial-Verein gewordenen Unterstützung von 60 fl. den gehabten Aufwand nicht hätten bestreiten können, wurde beschlossen, jedem derselben aus un- seren Bezirks-Vereinsmitteln eine weitere Unterstützung von 20 fl. zu gewähren.

VIII. Die Anstellung eines landw. Wander­lehrers für die Provinz Oberhessen.

Nachdem darauf aufmerksam gemacht worden war, daß für die Provinz Starkenburg ein besonderer Wanderlehrer angestellt sei; auch in Rheinhessen, so­wie in einem Theile unserer Provinz (im Kreise Friedberg), Wandervorträge gehalten worden seien, welche die regste Theilnahme gefunden und darum auch die Anstellung eines Wanderlehrers für Ober- Hessen in Aussicht stehe, und nachdem insbesondere von Herrn Secretär Gros über den Stand der Ver­handlungen des Provinzialvereins wegen Anstellung eines Wanderlehrers ausführlich referirt hatte, wur­den 60 fl. vorgesehen, um nach erfolgter Anstellung die Thätigkeit des Wanderlehrers im Kreis Gießen für einen Monat in Anspruch nehmen zu können.

IX. Besichtigung der Fasselochsen durch eine vom Bezirks-Verein gewählte Commission. Die Noth- wendigkeit einer strengen Controle des Fasselwesens durch den Bezirksverein wurde allseitig anerkannt, und in der ausführlichen Berathung, au welcher sich unter Andern die Herrn Secretär Gros, PH. Möhl, Bürgermeister Vogt von Gießen, Bürgermeister Jn-

derthal von Rödgen und der Direktor beteiligten, hauptsächlich hervorgehoben, daß diese Controle nur dann wirksam sei, wenn die Ochsen nicht in den einzelnen Orten und Ställen besichtigt, sondern an einzelnen Besichtigungsstationen zusammenoeführt wür­den. Bezüglich der Ausführbarkeit dic'er Art der Besichtigung wurde auf die in andern Kreisen ge­nialen Erfahrungen, und weiter darauf dingewiesen, daß zu Preisvertheilungen viele Ochsen, selbst auf weite Entfernungen, zusammengebracht würden, und daß schon hieraus die Ausführbarkeit erhelle. Die Besichtigung in dieser Weise wurde auch beschlossen, und es wurden zu Besichtigungsstationen die Orte Lich, Großen-Linden, Großen-Buseck und Mainzlar bestimmt.

Weiter wurde beschlossen:

1) für 1868 durch die intj Jahr 1867 in Thätigkeit gewesenen Commissionen, welche zu einer Commission zusammentreten, die Be­sichtigung vornehmen zu lassen und als Ver­gütung für die denselben erwachsenden Trans- Portkosten 25 fl. vorzusehen;

2) zu Prämien 75 fl. vorzusehen, welche an die Halter ausgezeichneter Fasselochsen in Beträgen von ca. 5 fl. gegeben werden sollen. Die ge­nauere Festsetzung und Vertheilung bleibt der Commission überlassen.

Der bei dieser Gelegenheit von Hrn. Phil. Möhl gemachte Vorschlag zur Erleichterung des Ankaufs guter Fasselochsen einzelne Gießener Märkte bestimmt als Fasselmärkte zu bezeichnen, wurde auf Bemerkun­gen des Herrn Secretär Gros und des Directors mit Rücksicht darauf, daß der Gegenstand nicht ge­nügend vorbereitet war, vorerst fallen gelassen.

X. Die Wahl von Ausschußmitgliedern für den Provinzial-Verein.

Es wurden als Ausschuß - Mitglieder für den Provinzial-Verein vorgeschlagen: die Herren Bürger­meister Geißler zu Lollar, Oberförster Theobald zu Lich, Bürgermeister Wagenbach zu Alten-Buseck und Bürgermeister Menges zu Großen-Linden.

Zum Schlüße wurde noch Gießen als Versamm­lungsort für die nächste Generalversammlung be­stimmt.

Ein von Herrn Bürgermeister Helm zu Lich ge­stellter Antrag auf Abänderung des Gesetzes über Zusammenlegung der Grundstücke kam mit Rücksicht daraus, daß der Provinzial-Verein diese Angelegen­heit schon in die Hand genommen und eine Com­mission zur Erörterung dieser wichtigen Frage er­nannt hat, nicht weiter zur Berathung; doch sprach sich die Ansicht, daß das Gesetz in seiner jetzigen Fassung, die zur Ausführung desselben erlassene In­struction und einige demselben von dem Staatsrath gegebene Interpretationen die Ausführung von Zu» sammenlegungen sehr erschweren und daß deshalb eine Aenderung in hohem Grade erwünscht sei, ganz allgemein aus.

Ah, pfui doch, Thomas! so über die Tante zu sprechen!" sagte Pauline mißfällig.Sie thun mir wirklich weh mit solchen Ausdrücken. Wir essen ja beide das Brod dieser grau, und wir sind auch nicht ohne Fehler."

3.

Die Commerzienräthin war eben mit ihrem Rundgang fertig und hatte noch die Verzierungen der Hausflur im Erdgeschosse und der großen Treppe ge­mustert, als durch den dämmernden nebeligen Abend, eine hohe, etwas vornüber gebeugte Männergestalt in's Haus trat.

Ah, Du bist es, Balder?" rief sie ihm zu, den sie jetzt, wo er auf die gaserleuchtete Rotunde am Fuße der Treppe heraustrat, für ihren Gatten er­kannte, den großen Fabrikherrn.Was bringst Du, Gottfried? ist Robert an­gekommen ?"

Noch nicht er wird vermuthlich erst mit dem Abendzug eintreffen. Eine Lampe auf mein Zimmer, Stephan!" wandte er sich an den Diener.

Sogleich, Herr Commerzienrath!"

Wie, Balder, Du willst nicht heraufkommen und Dich umkleiden?" fragte Frau Balder, einigermaßen überrascht von dem ernsten, ja beinahe traurigen Ausdruck seines Gesichts und dem tiefen bewegten Ton feiner Stimme, und folgte ihm den Gang neben der Treppe entlang bis in fein Privatzimmer, das nach dem Garten hinausging.Ist dieß die festliche Miene, mit welcher Du Deinen Neffen empfangen willst?" fragte sie mit einem kalten verwurfsvollen Blick, als der Diener die Lampe auf den Confoletifch gestellt und sich wieder entfernt hatte.

Mir ist nicht festlich zu Muthe, Albertine," entgegnete der Commerzien- rath, nachdem er ein Päckchen Briefe aus der Tasche seines UeberrockS genommen und diesen abgelegt hatte, und stellte sich mit dem Rücken an den wärmespen­denden Porzcllanofen. Und wie er so dastund, gesenkten Hauptes, die Blicke starr auf den Lichtkreis gerichtet, welchen die Lampe auf die bunten Blumen und Arabesken des Fußteppichs warf, ein bleicher, hagerer Mann, früh gealtert und mit sorgengefurchtem Gesicht und spärlichem grauem Haar, da erschien er minder heimisch in diesem eleganten Zimmer, als in seinem Comptoir Drunten auf der Fabrik, wo er dreißig Jahre lang rastlos und mit Aufgebot aller Kräfte gearbeitet hatte, um der bedeutendste Fabrikherr der Provinz zu werden; ja, ba schien es sogar, als ob alle Größe und aller Gewinn, alles Ansehen und alle äußere Bedeutung doch diesem Manne den inneren Frieden und die Ruhe

nicht hätten geben können, welche einem Manne seines Alters, so den Sechzigen nahe, nach solch angestrengter Arbeit von Rechts wegen zukäme.

Das hartnäckige Schweige« ihres Gatten und sein stierer Blick, seine be­sorgte Miene übten einen liefern Eindruck auf feine Frau, als die beredtesten Vorstellungen gethan haben würden, die er ihr über eine Geldverschwendung hätte machen können, worüber ihr Gewissen in ruhigeren Momenten nicht ganz ruhig war.Was hast Du, Gottfried?" fragte sie;warum gerate heute so düster, wo ich Dich fröhlich gewünscht hätte, um Robert, Deinem Neffen, einen herzlichen Empfang zu bereiten ?

Laß mich fein, wie ich bin, Albertine! Die Zeit ist nicht dazu angethan, zu lachen und zu scherzen, wenn jeder Tag neue Verlegenheiten und Verdrieß- lichkeiten schafft, wenn jede neue Zeitung aus Amerika Nachrichten bringt, welche den Einsichtsvollen ahnen lassen, daß die Krisis, die sich auf dem Geld- und Weltmärkte vorbereitet,, zu riesigen Verhältnissen anwachsen muß! Ihr thö- richten, leichtsinnigen, einsichtslosen Weiber könnt allerdings noch tanzen und lächeln, selbst wenn ihr wißt, daß euch nur ein schwankes dünnes Brett vom Abgrunde trennt!"

Bah, das sind wieder die alten krankhaften Visionen, Gottfried!" sagte die Commerzienräthin kalt.Dein Unterleib ist wieder in Unordnung, Balder! Du mußst wieder Rakoczi trinken. Aber zwinge Dich wenigstens, heute etwas heiterer zu fein! Was muß denn Robert, was müssen unsere Gäste denken, wenn sie Dich mit solchem Jammergestchte sehen?"

Robert ist Kaufmann genug, um zu begreifen, daß ich dermalen nicht aus Rosen gebettet bin, Albertine," versetzte ihr Gatte düster;er wird ahnen, was mich ernst und sorgenvoll macht. Der Junge müßte kein Balder sein, wenn er nicht ein tüchtiger Geschäftsmann wäre, und er ist sicher nicht aus der Art ge­schlagen. Und was Deine Gäste anlangt, Albertine, so sind sie mir alle zu­sammen zu gleichgültig, dieses Pack von Schmarotzer« und aufgeblasenen Weibern und verzogenen Töchter«, als daß ich mir ihretwegen auch nur eine halbe Stunde lang Zwang anthun und aus meinem Genmth eine Komödie machen sollte, wenn sich mir die bängsten Befürchtungen mit unausweichbarer verhängnißvoller Hart­näckigkeit durch die Seele wälzen und mich fast erdrücken!"

Ich werde zum Arzte schicken, Gottsried, Du bist krank! . . ."

(Forts, folgt.)

(Hierzu eine Beilage.)