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Politische Rundschau

Gießen, 6, Jan. Den Neujahrsbetrach, tungen derSüdd. Pr." entnehmen wir folgende Stelle: Der Norddeutsche Bund, im vorausgehen­den Jahre entstanden und von mancher Seite als eine eintägige Bildung betrachtet, hat sich in dem Jahr, an dessen Ende wir stehen, innerlich geordnet und gekräftigt. Wie man auch über seine Bedeu­tung für die deutsche Nationaleinheit denken, wie man seine Verfassung beurtheilen mag: das Jahr 1867, welches ihn als eine vielleicht nicht zweifelfreie Thatsache von seinem Vorgänger empfangen, über­liefert ihn als eine zweifellose seinem Nachfolger. Als ein fertiger politischer Körper ist er in die Ge­sellschaft der europäischen Mächte eingetreten. Das besondere Verhältnis der süddeutschen Staaten zu ihm ist durch die Beschlüsse der süddeutschen Kam­mern über die Militärverträge außer Zweifel gestellt worden. Die erneute Gründung des Zollvereins hat nicht nur nationalen Wünschen und Bedürfnissen entsprochen, sie hat auch einen halbpolitischen Orga­nismus hergestellt, auf den sich, soweit von friedlichen Entwickelungen die Rede ist, die weiteren politischen Einhcitsbestrcbungen der deutschen Nation allein stützen können, und an den sie also werden anknüpfen müssen.

Gießen. Es ist die Rede davon, daß an Stelle des Professor I Hering, welcher einen Ruf nach Wien angenommen hat, Professor Neuner von Kiel, ein geborner Hessen-Darmstädter, auf der Lehr­stuhl des römischen Rechts berufen werden soll.

Darmstadt, 4. Jan. Für die Provinz Ober- Hessen gilt seit dem 14. Nov. 1867 ras Bundesge­setz, welches alle Zinsbeschränkungen aufhebt, während in den beiden andern Provinzen des Großherzog- thums die Wuchergesctze noch fortbestehrn.

Berlin. Der Bundeskanzler hat an sämmtliche verbündete Regierungen die Mittheilung gerichtet, daß die in Kiel gainisonirenden Kommando's der Flot- tenstammdivision, der Werftdivision, des Seebataillons und der See-Artillerieabtheilung angewiesen sind, von Angehörigen des norddeutschen Bundes Gesuche um Einstellung in die Bundesmarine anzunehmen, zu prüfen und zu erledigen. Diesem Gesuche müssen die Papiere der betreffenden Personen und die bezüglichen Ausweise beigefügt sein. Die Einstellung der Mann­schaften erfolgt bei dem Seebataillon und der See- Artillerieabtheilung im October, bei der Werftkom­pagnie der Werstdivisioii im Januar und bei der Handwerkerkompagnie der Werstdivision, sowie bei der Flotte der Stammdivisivn, im Februar.

Berlin. Die von den Deutschen in New - Or­leans dem Reichstage verehrte Fahne ist, wie ter Publ." mittheilt, etwa 6 Ellen lang, von schwerem Seidenstoff in den Farben des norddeutschen Bun­des: Schwarz-Weiß-Roth, auf drei Seiten mit sil- benen Franzen verziert und enthält in der Mitte mit gelber Seide gestickt, die Inschrift: Dem deutschen Parlament, 1867, die Deutschen in New-Orleans." Die Flaggenstange ist mit massiv silberner Spitze und silbernen Quasten geschmückt. Das Geschenk ist, da gegenwärtig der Reichstag nicht tagt, einstweilen in dem Bureau des Herrenhauses niebergelegt. In Anbetracht der eingetretenen strengen Kälte sollen bis auf Weiteres alle ausstehenden Militär-Wachtposten von Stunde zu Stunde abgelöst werden. Ebenso sind für dieselben in Betreff ihrer Bekleidung für­sorgliche Anordnungen durch Verabfolgung doppelter Mäntel, Filzschuhe u. s. w. getroffen worden.

Berlin. Den Schutz der Deutschen im Aus­lande hat Preußen sich zwar allezeit angelegen sein lassen, ganz besonders aber seit den Ereignissen des

Jahres 1866 und bekanntlich liegen längst von allen Seiten Aeußerungen der Befriedigung von den Deut­schen im Auslande hierüber vor. Immerhin aber ist es ein bedeutungsvolles Ereigniß, daß nun auch in aller Form für diesen Schutz gesorgt ist durch die Bestellung von Gesandten des norddeutschen Bundes. Der weitere Ausbau und Ausdehnung der norddeut­schen Flotte wird hierin das Beste thun und es Preußen ermöglichen, überall die Deutschen, auch in fernen Ländern, zu schützen.

Berlin, 3. Jan. Hier wir died politische Si­tuation als eine durchaus friedliche in den Regie- rungskreisen betrachtet. Die französische Presse und die chauvinistischen Reden im gesetzgebenden Körper zu Paris spielen freilich mit einem Kriege wie mit einem Federballe, aber es, scheint dieses Spiel nur zu einer künstlichen Aufregung zu dienen, die zum Theil hervorgegangen ist aus der Besorgniß, daß Preußen, um Italien zum Umsturz der weltlichen Herrschaft des Papstes zu verhelfen, sogar einen Krieg nicht scheuen würde. Es giebt keine khörichtere Auffassung, und die clerieale und chauvinistische Presse Frank­reichs müßte sich bei einigem Nachdenken sagen, daß die Herrschaft des römischen Stuhles über ein kleines Territorium für Preußen nicht den allermindesten Nachtheil im Gefolge hat. Selbst in Italien liefert die Haltung der Regierung zu Florenz den Beweis, daß die Existenz des Königreichs nicht von dem augenblicklichen Besitze der Sieben-Hügelstadt abhän­gig betrachtet wird. Tausende von wichtigen Ange­legenheiten des jungen Reiches können geregelt werden, ohne daß sie auch nur eine entfernte Verbindung mit der römischen Frage aufzuweisen haben. Frankreich hat als katholische Macht seinen Entschluß, die welt­liche Macht des römischen Stuhles zu schützen, ge­nugsam zu erkennen gegeben. Das ist eine Thatsache, mit welcher Italien zu rechnen hat. Die Ausregung in einzelnen Preßorganen wegen eines möglichen Her­einbrechens der orientalischen Krisis ist eigentlich eine seit einem Menschenalter herkömmliche. Sie ist kon- tinuirlich. Aber augenblicklich fehlt ihr der Brenn­punkt, um von demselben die Entzündung des alten aufgehäuften Stoffs der gegenseitigen Erbitterung herbeizusühren. Was von den Rüstungen der Russen an der galizischen Grenze, an der Grenze der Moldau und sonst int Reiche gemeldet wird, gehört ins Reich der Fabeln. Eine Regierung, welche mit solchen Maßregeln zur Unificirung des Reichs beschäftigt ist, wie die russische, denkt schwerlich an den Beginn eines Krieges, welcher geeignet ist, alle Plane über den Haufen zu werfen.

Berlin, 4. Jan. Gestern ist hier die Commission für die Ausarbeitung der Civilprozeßordnung des Nordbunkes zusammengetreten. DerStaatsanz." veröffentlicht eine Kriegsministerial-Versügung betref­fend die den Officieren (sowie deren Wittwen und Waisen) der früheren schleswig - holsteinschen Armee, soweit sie dem Norddeutschen Bunde angehörig, zu gewährenden Unterstützungen.

Berlin, 6. Jan. lieber die im BundeS-Militär- etat zu erwartenden Mehrforderungen bringt dasMi- litär-Wochenblatt" einige Aufklärungen. Die Ge­halte der Ofsiciere sind, wie dieSpen. Ztg." dazu bemerkt, um 60 bis 400 Thlr. erhöht, woraus sich schon etwa 800,000 Thlr. fummiren; der Verpfle- gungszuschuß für die Soldaten, drei Pfennige pro Kopf und Tag, beziffert sich mit 900,000 Thlr. Dazu kommen Erhöhung des Pferdestandes bei den Fuß­batterien, des Lieutenantstandes bei den Kavallerie­regimentern, Erhöhung gewisser Reisegelder, so daß hieraus allein die anfänglich offieiös zugestandene

Erhöhung um zwei Millionen erschöpft ist, ohne daß dabei die Mehrausgabe für die Ernährung der Pferde bestritten wäre. Den sämmtlichen Contingents- staaten ist preußischerseits aufgegeben worden, schiert- nigst in den auf ihrem Gebiete gelegenen GamisonS- städten die erforderlichen Bauten an Exercierhäusern, Lazarethen, erweiterten KasernementS :c. auszuführen. Ebenso muß von denselben für die Ueberweisung an ausreichenden und zweckmäßigen Exercierplätzen und Schießständen Sorge getragen werden. Der dadurch diesen kleinen Staaten auferlegte Kostenaufwand muß zweifelsohne als sehr beträchtlich erachtet werden und wird z. B. für Coburg-Gotha allein auf weit über 200,000 Thaler veranschlagt. Graf v. d. Goltz kehrt morgen nach Paris zurück.

Gotha, 31. Dec. Der hier wohnende Erb­prinz Friedrich von Augustenburg soll, nach der Köln. Ztg.", jetzt einsehen, welch' falsche Rath- zchläge ihm früher ertheilt worden und er soll jetzt su einer Aussöhnung mit dem König von Preußen, auch zu einer Abtretung seiner Rechte auf Schles- wig-Holstein, natürlich gegen eine Apanage bereit sein. (K. Z.)

Karlsruhe, 3. Jan. DieK. Z." schreibt halbamtlich: An unserer Grenze, in St. Louis und in Straßburg, sind Werbebureaus für die römische Armee errichtet und in inländischen Tagesblättern und Vereinen werden junge Badener aufgefordert, sich dort anwerben zu lassen. Die Per­sonen, welche diese Werbungen fördern und betreiben, an ihre Pflichten gegen ihr deutsches und ihr badi­sches Vaterland zu erinnern, würde wohl nicht der Mühe lohnen; dagegen mag ihnen der §. 40 des Polizeistrafgesetzbnches ins Gedächtniß zu- rückgerufen sein, welcher lautet:

Wer ohne Staatserlaubniß für fremde Kriegs­dienste wirbt, wird an Geld bis zu 100 fl. oder mit Gesängniß bis zu 4 Wochen bestraft."

Es vergeht übrigens kaum ein Monat, ohne daß die Gr. Regierung meist von blutjungen Inländern, die in römische Kriegsdienste gerathen sind oder von deren Angehörigen angefleht wird, die Entlassung derselben und ihre Rückkehr in die Heimath zu ver­mitteln. Es ist dies auch in nicht wenigen Fällen mit Erfolg geschehen. Natürlich befreit die ihnen geleistete Hülfe die jungen Verführten nicht von den Strafen, welche sie durch eine Verletzung der Con- scriptionsgesetze verwirkt haben.

Wien, 4. Jan. DieN. fr. Pr." meldet: Der Minister Giskra empfing heute die Beamten des Mi- nisteriums des Innern. In feiner Ansprache betonte Giskra, daß mit seinem Amtsantritte der Geist der Verfassungsmäßigkeit und Verfassungstreue in die Verwaltung einziehen müsse. Giskra erwarte und fordere von den Beamten, daß dieselben vollständig zum neuen System stehen würden. Wem dieser un­bedingte Anschluß mit seiner Ueberzeugung nicht ver- einbarlich, möge sich zurückziehen. Von Denjenigen, welche trotzdem im Amte blieben, erwarte der Mi­nister unbedingte treue Unterstützung der Maßnahmen, welche das Wohl des constitutionellen Staates erhei- scheu. Auch der Minister Haßner hielt eine Ansprache an die Beamten des CultusministeriumS, in welcher er betonte, daß im Geiste der sanctionirten Grund­gesetze gewirkt werden müsse.

Wien, 5. Jan. Ein Präsidialrundschreiben des Finanzministers Brestei hebt die Schwierigkeiten der Aufgabe der Finanzleitung hervor und spricht die Hoffnung aus, daß das in den konstitutionell und freiheitlich regenerirten Königreichen und Ländern hierher vergeblich angestrebte Gleichgewicht zwischen

Henriette, so können wir beide es ihnen doch nicht verwehren oder sie daran verhindern. Mir gefällt das allerliebst, denn gerade in diesem Roman hier heirathet auch eine arme Gouvernante, die Tochter eines armen Landpfarrers, den reichen Lord Rochester, während die vornehme, reiche, stolze Gräfin Clara Ormond. . ."

Um's Himmels willen, Ida, laß mich mit Deinen verrückten Romange­schichten in Ruhe!" fiel ihr Henriette unwillig in's Wort.Ich glaube, wenn Robert, den wir heute noch erwarten, es sich in den Kopf setzte, sich in dieses Landmädchen zu verlieben, Du würdest ihm aus lauter Romantik noch die Hand dazu bieten und Dich gar darüber freuen!"

Unb warum nicht, Henriette? Ich bin Fatalistin, Schwesterchen; ich glaube felsenfest, daß unser Schicksal droben über den Sternen im Voraus bestimmt wird, und daß es nicht in der Macht der Sterblichen liegt, etwas daran zu ändern," erwiederte Ida schmachtend und gedehnt und wickelte eine ihrer langen Locken um den feinen Finger.Wenn es also im Rathe des Schicksals beschlossen ist, daß Vetter Robert Paulinen bewnndre, so kann ich nichts daran ändern und ergebe mich geduldig darein, obschon ich gestehe, daß ich ihn Dir lieber gönnen würde, Henriette, weil ich weiß, daß es ein Lieblingsgedanke der Mama ist, ihn zum Schwiegersöhne zu haben, und weil Du wirklich auch ganz trefflich für ihn passen würdest!"

Sehr verbunden, meine Liebe, für dieses Wohlwollen gegen mich," sagte Henriette spöttisch.Ich bin dagegen keine Fatalistin, sondern ein einfaches praktisches Mädchen, das recht gut weiß was es will, und seinen Willen durch­

zusetzen versteht, und ich sage Dir, daß ich meinen Kopf darauf gesetzt habe, den Vetter Robert zu heirathen, daß ich den Anstoß zu dieser Soiröe gege« ben habe, womit ich dem Vetter eine Ehre bereiten will, und daß ich mir wahr­lich alle diese Mühe n.cht gegeben haben würde, wenn ich so thöricht wäre, eine solch' gute Parthie wie Robert durch die Finger schlüpfen zu lassen! Ich bin meines Erfolges schon ganz sicher!"

Das glaub' ich, Schwester, und gönne Dir'S von Herzen!" sagte Ida; was eine Frau will, das will ja auch der liebe Gott! sagt ein französisches Sprüchwort. Und doch befremdet es mich, Liebe, wie Du solch' ernste Ge­schäfte, von denen Dein ganzes zukünftiges Lebensglück abhängt, so keck und entschlossen und kaltblütig entwerfen und ausdenken kannst. Mir ist der Gedanke, daß ich die Liebe eines Mannes missen sollte, nur um die Vortheile des Reich- thums und einer geachteten Lebensstellung einzutauschen, geradezu peinlich. Ich wäre außer Stande, einen solchen Kompromiß zwischen Herz und Verstand ein­zugehen ! Nur dann, wenn ich ein wohlverwandtes reiches Gemüth und einen reichen Geist in einem Manne gepaart fände mit edler männlicher Schönheit, könnte ich mein Herz und meine Hand mit Begeisterung vergeben!"

Wahlverwandte Seelen! lachte Henriette spöttisch.O kleine unpraktische Träumerin, man sollte nicht glauben , daß Du Deiner Mutter leibliche Tochter bist. Reiches Gemüth und reichen Geist! Bah, das sind Phrasen, liebe Ida! Meinen Anforderungen an einen Gatten kann nur derjenige Mann entsprechen, der im Stande ist, ein angesehenes Haus zu machen, und mir alle-Behaglich­keiten von Reichthum und Wohlleben zu verschaffen, ein Mann, der mir in allen