Einzelbild herunterladen

als Väschen, welcher Ausdruck eigentlich von einer choquanten Trivalität ist. Sie werden mich daher sehr verbinden, meine Liebe, wenn wir für Sie künftig­hin nicht mehr nnd nicht weniger sind, als die Fräulein Henriette und Adelheid Balder, die Ihnen übrigens ganz wohl wollen, wie Sie wissen! Und nun nehmen Sie mein Kleid und sehen Sie, was sich daraus machen läßt, aber geben Sie Acht, daß Sie mir den Atlas nicht zerknittern und die Spitzen nicht zerreißen!"

Pauline Hain raffte das Atlaskleid auf ihren Arm zusammen, und schaute Henriette mit ihren großen ausdrucksvollen Augen an, in welchen sich die ver­schiedensten Gemüthsbewegungen aussprachen. Endlich blinkte eine Thräne in ihren Wimpern und sie wandte sich zum Gehen; auf der Schwelle aber kehrte sie sich noch einmal um, blickte Henrietten fest und mit einem eigcnthümlichen Ausdruck in's Gesicht und sagte mit tiefer bewegter Stimme:Schon gut, Fräulein Henriette! sein Sie versichert, daß ich Sie nie wieder Väschen nennen oder irgendwie mir auf eine Verwandtschaft etwas zu gute thun werde, die Sie vor Anderen crröthen machen könnte. Verzeihen Sie mir überhaupt, baß ich mich seither noch einer Verwandtschaft erinnerte, welche Sie durch Ihre Hand­lungsweise stets ignorirt haben, ja schon von der ersten Stunde an, wo ich als elternlose Waise eine Heimath in Ihres gütigen Herrn Vaters Hause fand. Ich werde künftighin meinen Standpunkt kennen!" Damit schritt sie rasch aus der Thür.

Ida war beschämt, Henriette starrte ihr wortlos mach.

Welche Unverschämtheit!" sagte diese endlich mit einem geringschätzigen Lächeln;was brauchte sie mir überhaupt hierauf zu antworten, nachdem ich sie so höflich auf ihre Fehler aufmerksam machte? Was bildet sich denn bas Lärv­chen ein, das betteln müßte, wenn ihr der Papa nicht ein Unterkommen ge- währte?"

Aber liebes Jettchen, ich begreife nicht, weßhalb Du Paulinen nicht un­geschoren lassen kannst!" sagte Ida.Du weißst sie doch immer für Dich zu gebrauchen, denn sie hat beständig für Dich zu sticken oder zu nähen. Und ich sollte meinen, Henriette, baß ihr eigentlich Niemand mit Recht den Vorwurf der Zudringlichkeit machen kann. Ich wenigstens sehe sie selten genug hier oben in unseren Zimmern."

Das wollt' ich mir auch verbeten haben," sagte Henriette kalt und rich­tete mit einem gewissen Selbstgefühl ihre kurze dicke Figur auf;ich glaube mit einigem Recht verlangen zu können, daß ich mir wenigstens mein Zimmer rein erhalte von Personen, die mir nicht behagen, und ich kann nun einmal

Gießen. Vor mehreren Tagen hatte sich das Gerücht verbreitet, daß die neu hergerichtete Tele- graphenleitung in Schlitz von der dortigen Landbe­völkerung als ein Werk des Teufels, zerstört worden sei und daß in Folge davon preußische Truppen von Fulda aus in Schl tz eingerückt seien. Eingezogener Erkundigungen zufolge ist auch nicht ein Wort Wah­res an der ganzen Sache und das Gerücht wahr­scheinlich nur daher entstanden, daß der preußische Ingenieur-Lieutenant, welcher die Anlage des Tele­graphen leitet, 20 Mann Militärarbeiter aus Fulba requirirt bat.

Darmstadt, 31. December. Das heute erschienene Re- gierungsblalt enthält: I. Bekanntmachung, das Reglement zu dem Gesetze über das Postwesen des Norddeutschen Bundes betreffend. Das genannte Reglement wird unter Bezug­nahme auf Artikel 3 des PostvcrtragS mit Preußen vom 19. Juli, sowie auf die Bekanntmachung vom 25. Novbr. 1867, die Einführung der Pvstgesctze des norddeutschen Bundes in den zu diesem Bunde nicht gehörigen GebietStbeilen des Groß- herzogthumS betreffend von Grvßherzoglichem Ministerium des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern mit dem Anfü- . gen zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß dasselbe für das gesammte Gebiet deS Großherzogthums am 1. Januar 1868 in Wirksamkeit tritt, und daß alle bisher bestandenen, mit dem Reglement nicht übereinstimmenden Vorschriften als aufgehoben zu "betrachten sind. II. Dienstnachrichten. S. K. H. der Grvßherzog haben allergnädigst geruht: am 25. Aug. den seither im Engagement gestandenen Kapellmeister Nesvadba zum Hofkapellmeister zu ernennen; . am 23. Novbr. den früheren Kurfürstl. Hess. Amtsphpsicns Dr. Bode zum Kreis­arzt des KreiömedicinalamtS Nauheim, den Kreisbauauf- seher-Aspiranten Schaum aus Klein-Linden zum Hausverwalter nnd Rechner bei der LandeS-Jrren-Anstalt, am 30. Novbr. den praktischen Veterinärarzt Gebb zu Nieder-Wöllstadt zum Kreisveterinärarzt deS KreisveterinäramteS Grünberg, an demselben Tage den Bataillvnstambour im 3. Inf. - Regiment Allendorf von Heppenbeim, den Corpora! im 1. Jnf.- Reg. Schröder von Ober-Lais, den Feldwebel im 1. Jnf.-Reg. GambS von Lengfeld, den Feldwebel im 1. Jäger-Bataillon Kronenberger von Hackenheim, den Musketier im 4. Jnf.-Reg, Weber von Schlitz zu Bremsern bei der Main-Weser-Eisenbahn und am 3. Decbr. den Bauacccssisten Otto von Lauterbach zum Babnhofs - Jn- spectionS - Assistenten bei der Station Gießen der Main - We­ser - Eisenbahn zu ernennen; am 6. Decbr. den Ober- Domänen - Calculatoren erster Claffc bei der Obersorst - und Domänen-Direction Bitsch und H iS gen die Stellen von Registratoren bei dieser Behörde, Ersterem mit dem Amtstitel als Ober-Domänen-Registrator und Letzterem mit dem AnnS- titel als Ober-Forst-Registrator zu übertragen; am 13. Deebr. dem Salinenrentmeister bei der Saline Theodorshalle, Salineninspector Ziegler, gleichzeitig die Stelle eines Ren­danten bei dem, mit dem 1. Jan. 1868 in Wirksamkeit tre­tenden Salzsteueramte auf der genannten Saline und dem - Finanz-Accessisten Frhrn. Gedult vvn Jungenseld aus

Darmstadt die Stelle eines Einnehmers bei dem mit demselben Zeitpunkte in Wirksamkeit tretenden Salzsteueramte Wimpfen mit dem AmtstitelSalzsteueramts-Rendant" zu übertragen. III. Concurrenzerösfnung für die Districts-Einnehmerei Groß-Umstadt, wofür eine Dienstcaution vvn 3000 st. erfor­dert wird: cvncurrenzfähigc Bewerber haben sich binnen 14 Tagen anzumelden. IV. Gestvrben: am 28. Februar der pensionirte Schullehrer Rühl zu Köddingen; am 25. Oct. der Schullehrer an der evangelischen Schule zu Mümling- Grumbach Wolf; am 29. Oct. der pensionirte Ministerial- Kanzlist bei dem Ministerium der Finanzen, Kanzlei - Secretär Gernert.

Darmstadt, 3. Jan. Wie dieHess. Ldsztg." aus sicherer Quelle vernimmt, hat Vas Ministerium am 31. December v. I. beschlossen, bezüglich der Ovenwaldbahn veu Ständen eine Proposition vvrzn- legen, welche Die Richtung der Bahn von hier nach Traisa, Ober-Ramstadt, Reinheim, Groß-Umstadt und Höchst mit Stationen an ven genannten Orten und einer Station bei Beffungen bestimmt.

Darmstadt, 4. Jan. Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Heinrich von Hessen sind am Donnerstag Nachmittag nach Berlin zurückgekehrt.

Darmstadt, 4. Jan. Der Grvßherzogliche Obersteuerrath Ewald hat sich heute zu Verhanvlun- gen wegen Anschlusses der nicht zu dem norddeut­schen Bunde gehörigen Gebietstheile des Großher­zogthums an bas System der indirekten Steuern ves norddeutschen Bundes nach Berlin begeben.

Mainz, 2. Jan. Die Missionen der Jesuiten und Mönche geben wieder zu Aergernissen Anlaß. Von den verschiedensten Seiten hört man die Art und Weise, wie namentlich die Capuziner in ihren Missionspredigten das Capitel von der Züchtigkeit vor dem aus beiden Geschlechtern in Den verschie­densten Altersklassen bestehenden Kirchenpublikum be­handeln , gerave nicht von sehr großer Erbauung zeugende Urtheile. Da die Mönche selbst sagen, daß nurgute Orte" (in ultramontanem Sinne) mit diesen Missionsstreifereien beglückt würden, so scheint die Besserung der Sünder ziemlich Nebensache zu sein.

Hattenheim im Rheingan, 31. Dec. Der Mtttelrh. Ztg." meldet man von hier folgende Ex- cesse: Nachvem vor acht Tagen mehrere öffentliche Brunnen auf die roheste Art verunreinigt und viele Zettel mit den gemeinsten Schimpfereien gegen die Ortsobrigkeit und andere Einwohner, so wie mit Drohungen, daß der Ort noch vor Jahresfrist nieder- gebrannt werde, gefunden worden waren, drangen gestern zwei Kerle in den Hof ves Bäckers Fetzer und schienen dort Feuer anlegen zu wollen; denn sie hatten Stroh und Streichhölzer bei sich. Der Sohn Fetzer's ging, durch das Bellen des Hundes auf­merksam gemacht, in den Hof und sah dort die bei­den Kerle, stach auch den einen mit der Mistgabel, wogegen ein Schuß auf ihn abgefeuert wurde, der ihn am Halse gestreift. Die beiden Kerle entsprangen.

Berlin, 2. Jan. Bei Dem gestrigen Neujahrs­empfang begrüßte Feldmarschall Wrangel den König als Bundesseleherrn. Der König sprach darauf sein Vertrauen in die Tüchtigkeit der Armee aus unv seine feste Zuversicht in die friedliche Weiterentwickelung. DieProv.-Corresp." hebt in einem längeren Artikel über die Entwicklung Deutschlands im, Jahre 1867 gegenüber den Besorgnissen wegen Der Eroberungslust des verjüngten Deutschlands hervor, daß ter Geist ves Volkes und der feste Wille der Regierung die Sicherung der Segnungen des Friedens verbürge.

i

Berlin, 2. Jan. (Die friedlichen Versiche­rungen des Kaisers Napoleon haben hier nicht den Eindruck gemacht, welchen er selbst vielleicht davon erwartet hat; gegenüber den Verhandlungen im ge­setzgebenden Körper und besonders gegenüber den scharfen Worten RonherS darf das nicht Wunder nehmen. Ebensowenig hat die Note derNord­deutschen Zeitung" in Betreff des Mobilmachungs- planes vazu beigetragen, die Besorgnisse vor einem Kriege zu beseitigen; im Gegentheil, man konnte vielfach in Beziehung auf jene Note die Bemerkung hören, daß sie eine wunderbare Ähnlichkeit habe mit einer Note in demselben Blatte im Frühjahr 1866, als hier die Ausschreibung von Controlversammlun- gen der Landwehr einiges Aufsehen erregte. Das sollte damals auch nur eine Probe sein, um zu sehen, wie der Mechanismus ineinandergreife und wenige Monate später wurde aus der Probe Ernst, wurde die Landwehr einberufen zum blutigen Krisgsspiel. Wird diesmal auch der Ernst sobald folgen? Wer weiß es? Sicher ist nur, daß nach dem Mobilma­chungsplane Norddeutschland binnen 11 Tagen eine Armee von 6 700,000 Mann auf die Beine brin­gen kann, und die Eisenbahnen haben die Entfernun­gen so bedeutend abgekürzt, daß eine Vereinigung dieser Armee an Den Gränzen auch nicht eine allzu­lange Zeit erfordern wird. Von Interesse ist eine Nachricht, welche heute diePost" bringt, nämlich die Kunde von der Entschädigungsforverung eines preußischen Untertanen wegen eines Schadens, den ihm dieAlabama" zugefügt hat. Graf Bismarck wird voraussichtlich Schritte in dieser Angelegenheit thun; vielleicht dient dieselbe dazu, die Beziehungen zu Nordamerika,. welche ja feit einiger Zeit sehr freundschaftlich sind, zu festigen, ein Umstand, der bei einem etwaigem Kriege nicht ohne Bedeutung sein würde, denn Preußen braucht einen Verbündeten, Dessen Seemacht einigen Respekt einflößt. Die Nachricht, daß der preußische Gesandte am Floren­tiner Hofe dort Unterhandlungen wegen einer Ver­mählung des Fürsten Carl von Rumänien angeknüpft habe, zeigt, vaß man hier keineswegs gewillt ist, denselben bei einer etwaigen Lösung der orientalischen Frage fallen zu lassen, und es liegt die Vermuthung nahe, daß dieserhalb ein bestimmtes Uebereinfommen mit Rußland getroffen worden ist. Contre- Admi­ral Jachmann, der noch immer als künftiger Maril neminister genannt wirb, soll zum Vice-Admira- ernannt sein oder doch in den nächsten Tagen ernannt werden. Der Posten selbst steht feit dem 1. Januar d. I. auf Dem Etat. (Fr. I.)

Berlin, 2. Jan. Die Rückkehr des dänischen Bevollmächtigten v- Quaade wird in den nächsten Tagen stattfinden und werden alsdann die Ver­handlungen wegen Nordschleswigs wieder aufgenom­men werden.

Paulinen nicht ausstehen. Abgesehen davon, daß mir alle armen Verwandten, welche sich immer wie Kletten an uns anhängen, seit sie Des Vaters allzu große Gutmüthigkcit in diesem Stücke kennen, zuwider ftnD, bin ich Paulinen schon deßwegen gram, weil ihr Gesichtchen sogleich Aller Augen auf sich zieht. Mögen wir Herren »Der Damen in unserem Salon sehen, so darf sie nur eintreten, um zu ferbiren, und sogleich ist von nichts andrem mehr die Rede, als von diesen 'frischen Wangen', diesem 'reizenden naiven Gesichtchen', dieser 'heitern kindlichen Physiognomie', und wie die tausenderlei gewürzten Lobeserhebungen alle heißen, die wir dann zu hören bekommen, und die uns gewissermaßen überzeugen, daß wir eigenteich nur die Folie für dieses Bauernmädchen bilden!"

Henriette, Du gehst doch wahrlich zu weit!" versetzte Iva mit schmach­tender Empfindsamkeit;Pauline ist eine arme, heimathlose, verlassene Waise. Ihr Bißchen Jugendfrische und heitere Laune sind' ihr einziges Vermögen und Glück. Du solltest fix Darum nicht zur Aschenbrödel machen wollen! Wer weiß, ob nicht noch Zeite» kommen, wo sie auf uns herahsehen kann?"

Viel Glück dazu!" meinte Henriette mit einem geringschätzigen Achselzucken. Ich werde vas Gänschen wahrlich nicht um diejenigen Parthicen beneiden, welche sic mit ihrem glatten Lärvchen machen kann. Das Märchen von der Aschenbrödel ist in unseren Tagen außer Kurs, mein romantisches Schwesterchen, und Deine letzte Aeußerung schmeckt sehr darnach, als ob Deiner humanen Freundlichkeit und Deiner philantropischen Milde gegen Paulinen eine starke Dosis Berechnung beigemischt wäre!"

Henriette! . . . ." sagte Ida halb empfindlich;Du kannst so hart, so bitter sein! Du legst es darauf an, härter zu erscheinen als Du bist, denn ich bin überzeugt, Du würdest Dich doch selber freuen, wenn Pauline eine gute Parthie machte!" (Forts, folgt.)

Der Beherzigung auch unserer Leser empfehlen wir folgendc dem Allg. Jntelligenzblatt für Alsfeld entnommene Petition der Spatzen. Wir die gehorsamst unterfertigten Spatzen, Finken, Meisen, Ammern u. s. w. ersuchen hiermit sämmtliche Natur-, Thier- und Menschen­freunde. insbesondere die des landwirthschaftlichen Standes und die Kinder und Großen der Stadt, anjetzt, nach hereingebrvchener grausamer Winterszeit, bei Schnee und Kälte, uns für einstweilen als genügsame Kostgänger annehmen zu wollen, nnd an geeigneten Orten von Zeit zu Zeit ein Paar Hände voll Samen, Korn, Brosamen nnd andere Abfälle hinzustreuen. Wir versprechen auf unsere Ehre, solche mildthätige Handlung damit zu bezahlen, daß wir Frühlings- und Som­merszeit alles vorhandene Ungeziefer beflissentlich wegfreffen und schon anjetzt auf die vorhandenen Raupennester, Larven und Eier dieses Geschmeißes emsig vigiliren werden. Namens der hung­rigen Hauptversammlung: Der Centralausschuß.