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Rundschau

Gießen, 2. Juni. Vorigen Freitag ist Der Li­thograph Nicolaus Hillerich von Hadamar, welcher sich fälschlich für einen Schreinergesellen ausgegeben hatte, von der hiesigen Polizei verhaftet unv gestern nach Limburg transportirt worden. Nachdem er im August 1862 wegen Verfertigung falscher Gr. Hess. 5. Gulden - Rentenscheine mit 5jährigen, Zuchthaus bestraft worden war, und diese Strafe kaum verbüßt halte, hat er die 10 - Gulden-Schrine der Bank für Süddeukschlanv nachgemacht. Wegen Fertigung und Verbreitung dieser falschen Banknoten sind be­reits 14 Personen aus verschiedenen nassauischen Or- tcn verhaftet. Der Verfertiger der Presse befindet sich auch dabei. Es wird noch auf mehrere Perso­nen gefahndet, und wenn deren Verhaftung gelingt, wird man demnächst eine aus 1520 Personen be­stehende Fälsch-rbande auf der Anklagebank sehen.

Gießen. Am 18. August d. I. wird eine totale Sonnenfinsterniß stattfinden, welche durch das Zusammentreffen glücklicher Umstände die bedeu­tendste sein wird, die in historischen Zeiten vorgekommen ist; cs werden vielleicht Jahr tau- sende vergehen, ehe eine gleich große oder eine wenig größere sich ereignen kann. Denn eine Dauer von über 7 Millionen ist überhaupt nicht zu erwar­ten. Die bevorstehende Finsterniß wird aber an den günstigst gelegenen Orten (Südasien, von Aden bis Neu-Guinea) 6 Minuten 46 See. dauern. Von Frankreich, England, Amerika, Rußland und Oester­reich sind bereits umfassende Vorkehrungen für Sta­tionen zu wissenschaftlichen Beobachtungen an einem j jener oben genannten Orte getroffen, selbst von dem Kirchenstaat, dessen Leiter bekanntlich sonst den Na­turwissenschaften nickt sehr hold sind. Auf bezügliche Eingaben an een Reichstag hat nun Graf Bismarck feine Geneigtheit erklärt, auch der deutschen Wis- senschaft in würdiger Weise die Mittel dazu an die Hand zu geben. Bis jetzt ist von deutscher Seite zur Beobachtung des seltenen Phänomens eine An­höhe in der Nähe von Madras in Ostindien in Aus- sicht genommen. Wir behalten uns vor, auf diesen Gegenstand zur betreffenden Zeit zurückzukommen.

Darmstadt, 31. Mai. Dem Vernehmen nach rückt das 3. Jufanlerie-Regiment alsbald nach dem Pfingstfeste, zur Ablösung des 4. Jnfanterie-Nrgi- ments, nach den CautonnementS in Eberstadt und Pfungstaet ab, und scheint somit von einer Gar- nisonirung eines Infanterie-Regiments unserer Divi­sion in der Festung Mainz abstrahirl worden zu fein. Die unbenutzten Casernenräume zu Mainz reichen äußerem Vernehmen nach nur zur Aufnahme von drei Compagnien aus, und hätten deßhalb fünf Com­pagnien in den Baracken untergebracht werden müssen, vie, in ihrer cermaligen Beschaffenheit, zur Bequar- I tierung von Truppen zur Winterszeit nicht geeig­net sind.

Darmstadt, 3. Juni. Nach dem preußlfchen Militär-Wochenblatt" sind der preußische General­major und Commanveur der 5 Infanterie-Brigade, v. Wittich, als Brigade-Commandeur, der Oberst­lieutenant und Commanveur des Hess. Jäger-Ba­taillons Nr. 11, »- Frankenberg-LuowigSdorff, als Regiments-Commandeur, und der Major vom Hann. Füsilier-Regiment Nr. 73, Schultz, als Bataillons- Commanveur vom 1. d. ab der Großherzoglichen Division zur Dienstleistung überwiesen. Die genann- | tcn Herren sind am Sonntag Abend hier emgetrop fen. Prinz Ludwig geht kurze Zeit nach Pfing­sten auf zwei Monate nach England, und wird während Vieser Zeit v. Wittich, wie verlautet, das Divisions-Commando übernehmen.

Mainz, 31. Mai. An der Verstärkung der hiesizen Festungswerke wird, wie dasM. I." be­richtet, fortwährend, wenn auch mit wenig Ostenta- tion, gearbeitet. Die Carponidre in der Nähe des neuen Winterhafens, wo bisher die Arbeiten ruhten, wird gegenwärtig ausgebaut, und ist eine ziemliche Anzahl von Maurern bei den Bauarbeiten daselbst beschäftigt. .

Berlin, 30. Mai. In der gestrigen Bundes- rathsitzung war Graf Bismarck nicht anwesend. Das Gesetz über Aufhebung der Schuldhaft wurde in der Fassung des Reichstags angenommen und die Reso­lution wegen Nichtbeschlagnahme der Arbeitslöhne vem betreffenden Ausschüsse überwiesen. Soweit die Bevollmächtigten instruirt waren, erklärten sie sich bereit, die Expeditionskosten zur Beobachtung der Sonneufinsterniß (16,000 Thaler) matrikelmäßig einzuschüßen.

Berlin, 31. Mai. In dem Bundesetat pro 1869 hat auch der Etat der Consulate eine Steigerung sowohl der Einnahmen wie der Ausgaben erfahren. Die Ausgaben nämlich erhöhen sich um 123,650

Redaetion, D'

Thaler und erreichen den Betrag von 275,650 Thaler, ! und zwar steigen die fortlaufenden Ausgaben auf i 210,550 Thaler mit einem Plus von 133,650 Thaler gegen das laufende Jahr. Diese Ausgabenvermeh­rung ist wesentlich dadurch bedingt, daß im Etat von 1868 nur 9 Consulatsstellen angesetzt waren. Der Etat von 1869 enthält aber die Position für 6 Generalconsulate in Alexandria, Bukarest, Chili, Newyork, in den La Plata-Staaten und in Vene- juela; 3 Vice-Consulate in Alexandria, Bukarest und Newyork; 13 Consulate in Beiruth, Belgrad, Bos­nien, Canton, Constantinopel, Galatz, Japan, Jeru­salem, Moskau, Schangai, Smyrna, Tientsing und Trapezunt mit einem Viceconsulat in Constantinopel. Endlich noch zwei Viceconsulate in Cairo und Jassy.

Königsberg, 29. Mai. lieber die telegraphisch | gemeldete Ermordung des interimistischen Staatsan­walts, Kreisrichter Labes zu Memel, wird folgendes Nähere berichtet. Das Verbrechen ist aus Rache oder in einem leidenschaftlichen Affect verübt worden. Der Staatsanwalt hatte eine Frau verhaften lassen. Der Gatte derselben verlangte ihre Freilassung und, als dieß verweigert wurde, versetzte er Hrn- Labes zwei Stiche in Brust und Unterleib. Nur mit großer Anstrengung gelang es, den Mörder zu überwältigen und in Fesseln zu legen. Der Verwundete verstarb unter großen Schmerzen noch in Der nächsten Nacht.

Stuttgart, 2. Juni. Prinz Napoleon ist kurz nach 1 Uhr hier eingetroffen unv intHotel Mar- quard" abgestiegen. Ein officieller Empfang fand nicht statt, jedoch erwarteten der französische und der österreichische Gesandte den Prinzen am Bahnhofe. Derselbe reist incognito. Sein hiesiger Aufenthalt hat, wie ingutunterrichteten Kreisen" versichert wird, keinerlei politischen Zweck.

Dresden, 29. Mai. DasDresdn. Journ." I veröffentlicht Die den Kammern von dem Finanz­minister gegebene Darlegung über DenjStanD der I Staatsschuld. Hiernach beträgt die Staatsschuld Sachsens, außer den 55 Millionen, welche auf Ei­senbahnbauten verwandt sind, nur 10 Millionen Thaler. In diesen 10 Millionen sind auch die an Preuspn gezahlten 9 Millionen Kriegsentschädigung einbegriffen. Der Ertrag der Eisenbahnen verzinst nicht nur Die EisenbahnschulD, sondern reicht noch hin zur Tilgung und Verzinsung Der übrigen 10 Millionen.

Freiburg, 30. Mai. DasMainzer Journ." bestätigt Die regierungsseitliche Zurückw.isung Der CanDivatenliste des Domkapitels zur Wiederbesetzung ves erzbischösiichen Stuhles. Hiernach erschien am Abend des 19. d. Ministerialrath Nokl aus Karls­ruhe bei den Domherren mit der Erklärung, daß sämmtliche Canvivaten bis auf einen (Domcapitular Orbin) gestrichen seien, und man möge deßhalb für Ergänzung" der Liste Sorge tragen.

Wie», 28. Mai. DerKöln. Ztg." wird ge­schrieben : Bon guter Seite höre ich soeben, daß der | hiesige päpstliche NunciuS, Monsignor Faleinelli, heute ! feen Protest Der römischen Curie gegen Die Gültig­keit Der soeben in Rechtskraft getretenen Drei confcf- ftoneßen Gesetze Dem Reichskanzler greiherrn v. Beust überreicht hat. ES war dieser Protest längst vor- auSgesehen; aber eine praktische Wirkung hat m n dieser Aeußerung des päpstlichen Stuhles ebensowenig beigemessen, wie zahlreichen früheren, ähnlichen In­halts. Es handelt sich bei Der Curie eben nur Darum, das Princip zu wahren, nicht aber, dem Ein­sprüche irgend welche weitere Solgeju geben ; eben Carum wird man auch hier das Schriftstück höflich entgegen nehmen, und schweigend bei Seite legen.

Wien, 29. Mai. Die heutige Presse meldet: Ein gestern unter Dem Vorsitze Des Kaisers ftattge- habter Ministerrath hat Den Beschluß gefaßt, Die Vermögenssteuer fallen zu lassen, um Dem Anträge Der Minorität auf eine zwanzigprozentige Coupon- (teuer zuzustimmen. Den Antrag Der Majorität, auf eine Zinsreduction von 25 Prozent gehenD, erklärt Die Regierung Dem Kais r nicht zur Sanction vor­legen zu können.

Wien, 31. Mai. Nach dem von der Staats- schulden-Control-Commission veröffentlichten Ausweis betrug die Hauptsumme der Staatsschuld im Jahr 1867 : 3,025,315,896 Gulden mit einem jährlichen Zinsenerforderniß von 127,718,147 Gulden. Von dieser Summe belief sich Die consoliDirte Staats- schuld auf 2,585,398,724 Gulden, die schwebende Staatsschuld auf 425,213,443 Gulden. Die Ver­mehrung der Staatsschuld betrug von Ende 1866 bis 1867 : 105,598,206 Gulden.

Wien, 3. Juni. Sitzung des Reichsra­th es. Auf der Tagesordnung steht die Debatte über die Finanzvorlagen. Die Berichterstatter der uck und Verlag dir Brühl'schen Druckerei (Fr. CHr- Pi

Majorität, Skene, und der Minorität, Banhaus, erläutern zunächst ihre bezüglichen (bereits bekannten) Anträge; sodann beginnt vie Debatte. Es sind 16 Redner gegen die Anträge Der Majorität und für dieselbe 3 Redner eingeschrieben.

Wien, 3. Juni. DieN. fr. Presse" veröffent- licht den zwischen Den betDen Ministerien vereinbarten Wehrgesetzentwurf. Derselbe orDnet die allgemeine Wehrpflirbt an. Die HeereSDienstpflicht beginnt mit rem 20. Lebensjahr; Die Dienstpflicht Dauert im Heere unD in Der Marine drei Jahre, in der Re­serve sieben, nach vollstreckter Dienstpflicht in Der LanDwehr zwei, und bet unmittelbarer Einreihung in Die Landwehr zwölf Jahre. Nach vollendetem Kriegs- marinevienst entfällt die Lanvwehrpflicht und Lanv- sturmwchrpflicht vom 18. bis 40. Lebensjahre. Die Stärke des Kriegsheeres ist für die nächsten zehn Jahre auf 800,000 Mann und 200,000 Mann Landwehr festgesetzt.

Florenz. Die zweite Kammer beschäftigt sich noch immer mit dem Gesetzentwurf über die Pensio- nirung der Mönche, deren Orden aufgehoben wur­den, und welche ihr Gelübde nicht erst nach dem Erlaß Der AufhebungS-Decrete abgelegt haben. Den Patres werden 250 Lire, den Laienbrüdern 144 Lire jährlich ausbezahlt werden, falls sie das 50. Alters- jahr erreicht hätten; andere erhalten eine fünfjährige Abfertigung. Jene Mönche, welche römischen und überhaupt fremden Klöstern angehörten, und erst nach dem 18. Januar 1864 in italienische Klöster eintraten, haben fein Recht auf den Pensionsbezug. Die Abgeordneten von der Insel Sardinien bean­tragen, daß eine Enquete-Commission entsendet werde, um die düsteren wirthschaftlichen Verhältnisse der In­sel zu untersuchen und Vorschläge zur Abhülfe zu machen.

Paris, 2. Juni. DerConstitutionnel" ist ermächtigt, die Nachricht, daß in Rouen Drei JnDi- viduen wegen beabsichtigten Attentats auf Den Kaiser verhaftet worDen seien, auf'S Förmlichste zu Demen« tiren. Der Kaiser unD Die kaiserliche Familie werden Paris am 8. Juni verlassen, um nach Fon- tainebleau zu gehen, wo sie 34 Wochen residiren werden.

Paris, 2. Juni. DieLibertä" veröffentlicht den Protest des Syndikats Der Wechselagenten von Paris an Den österreichischen Finanzminister, in wel­chem dasselbe die Erklärung abgibt, daß im Falle Die Besteuerung Der Coupons österreichischer Staats- Papiere gesetzliche Genehmigung erhält, alle Werihe ves österreichischen Staates von Der Pariser Börse ausgeschlossen werden.

Paris, 2. Juni. Gesetzgebender Körper. Der Reformvorschlag, welcher den Preis einer ein­fachen telegraphischen Depesche, die aus einem De­partement nach dem anderen geht, auf 1 Franc, und den Preis einer Depesche, die innerhalb eines Departements zwischen zwei Orten versandt wird, auf 50 Centimes festsetzt, wird angenommen.

Loudon, 2. Juni. Die große Jury verwarf cie Anklage gegen Eyre, den Exgouverneur von Jamaika.

Nordamerika. In Newyork hat der Verein Deutscher Liederkranz" den Offizieren des deutschen KriegsschiffsNiobe," von dessen Masten zum ersten- mal im Hafen von Newyork die norddeutsche Bun« Desflagge flatterte, ein glänzendes Fest gegeben. In den Reden wurde Gras Bismarck als der Mann, welcher Deutschland zu einer Großmacht ersten Ran­ges erhoben habe, gefeiert. Der nordamerikanische General Butterfieid brachte ein Hoch auf den fünf« tigen Kaiser des einigen Deutschland aus.

Newyork, 19. Mai. Mit 88 gegen 13 Stim­men hat das Repräsentantenhaus auf Den Antrag I des Hrn. Bingham (einer der Leiter der Anklage) beschlossen, eine Untersuchung anzustellcn, ob bei der Abstimmung des Senats über den Präsidentenprozeß Bestechung im Spiele gewesen fei. Die Leiter der Anklage wurden mit der Untersuchung beauftragt, und stellten in Folge dessen am 18. mehrere Zeu- genverhöre an. Das Haus ernannte ferner einen Sonderausschuß zur Erörterung der Frage, ob die Delegirten von Missouri in ungerechtfertigter Weise versucht hätten, das Votum des Senators Henderson zu beeinflussen. Außerdem wurde eine Resolution passirt behufs officieller Veröffentlichung der Protokolle Der Gerichtsverhandlungen am Freitag unD Samstag. Eine andere Resolution dagegen, dem Anklagecomitä zwei unparteiische Mitglieder beizugeben, da bisher | alle Mitglieder desselben anerkannte Feinde des Prä­sidenten seien, wurde abgewiesen. In vielen Städ­ten feuerten Die Demokraten zur Feier Der Frei­sprechung Johnson'« Freudensalven ab.

itsch) in Gießen.